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Ukraine – „Säuberung“ in Butscha

Die Toten in Butscha waren Anlass, den Informationskrieg zwischen den westlichen Staaten und Russland weiter zu verschärfen – jedoch kaum aufzuklären.

Butscha wird „gesäubert“

Auf der Webseite von LB.ua erschien am 02.04.2022 ein Beitrag, in dem es heißt:

„In der von den ukrainischen Streitkräften befreiten Stadt Bucha in der Region Kiew haben Spezialkräfte mit einer Räumungsaktion begonnen. Die Stadt wird von Saboteuren und Komplizen der russischen Streitkräfte gesäubert.

Dies teilte die Nationale Polizei mit.“

Ein weiterer Beitrag auf der Webseite von LB.ua hat die Überschrift:

Andriy Kryshchenko: „Man kann Besatzer töten und es wird nichts passieren. Man kann eine Pistole, eine Mistgabel oder einen Molotowcocktail verwenden. Wie man will„.

Andererseits verbreite Devin Payne, ein ehemaliger Offizier der US-Armee, der „seit Jahren mit dem Kreml zusammenarbeite Desinformationen, wenn er in ausländischen Medien behaupte: „Der Westen sollte die Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen, um Russland nicht zu einer noch größeren Aggression zu provozieren“ und „Die Ukraine sollte die Krim und den Donbas aufgeben, um einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden.“

Nach eigenen Aussagen wurde LB.ua „im Juni 2009 als Partner-Website der Wochenzeitung Levyy Bereg gestartet und hat sich seitdem zu einem unabhängigen Nachrichten- und Analyseprojekt entwickelt … LB.ua nutzt den intellektuellen Input des Gorshenin-Instituts, eines in Kiew ansässigen Think-Tanks.“

Das Gorshenin-Institut wiederum stellt sich als „unabhängiges, gemeinnütziges Analyse- und Forschungszentrum zur Erforschung politischer und sozialer Prozesse in der Ukraine und in der ganzen Welt“ vor.

Scott Ritter über Narrative und Fakten

Der ehemaliger Geheimdienstoffizier des U.S. Marine Corps, Scott Ritter, hat sich in einem Interview zu den Butscha-Vorfällen geäußert:

Untertitel zu dem Video:

„Wissen Sie, es geht hier um einfache medizinische Forensik. Wenn Sie eine Leiche haben, unterziehen Sie sie einer gerichtsmedizinischen Untersuchung, einschließlich einer Autopsie, die in der Lage sein sollte, den Todeszeitpunkt, die Todesursache zu bestätigen, und ob die Leiche an desen Ort gebracht wurde oder ob das der Ort ist, an dem die Person gestorben ist.

Wenn die Ukrainer diese Behauptung aufstellen, dann dürfte man hoffen, dass sie die Art von Untersuchungen, diese forensischen Untersuchungen, durchführen und diese Daten zur Verfügung stellen, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Die Tatsachen, dass die Ukraine diese Daten jedoch nicht vorgelegt hat und stattdessen eine Geschichte erzählt, die sich ausschließlich auf Videobeweise stützt, die nicht untermauert sind, ist für mich ein klares Indiz dafür, dass das, was wir sehen, möglicherweise nicht der tatsächlichen Wahrheit vor Ort entspricht.

Russland hat meiner Meinung nach eindeutig die Absicht unter Beweis gestellt, sich an das Kriegsrecht zu halten. Die ukrainische Regierung hingegen hat das nicht getan und sich dafür entschieden, Wohngebiete in Schlachtfelder und damit ihre eigenen Zivilisten in menschliche Schutzschilde zu verwandeln. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das sagt die Washington Post, die als notorisch pro-ukrainisch gilt, aber zugeben muss, was die Fakten vor Ort sind.

Der Grund ist offensichtlich, warum der Westen die Tatsache herunterspielt, dass es die ukrainische Regierung war, die den Beschuss abfeuerte, und warum es wahrscheinlich ist, dass diese Zivilisten von Ukrainern getötet wurden: Sie wollen nicht, dass dies ans Licht kommt.

Das passt nicht zum verbreiteten Narrativ eines bösen Russlands.

Warum sollte die ukrainische Regierung eine gründliche Untersuchung des Vorfalls zulassen, die sie selbst in ein schlechtes Licht rücken würde? Sie haben doch bereits einen Propagandasieg errungen.

Der gesamte Westen ist über den Butscha-Vorfall empört. Der gesamte Westen scheint Russland die Schuld zu geben. Die ukrainische Regierung braucht also keine zusätzliche Arbeit zu leisten.

Wir haben auch die Art und Weise zur Kenntnis genommen, wie der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs über seine Ermittlungsabsicht gesprochen hat. Warum steht er nicht an der Türschwelle und fordert Zugang zu diesen Leichen, forensische Untersuchungen an den Toten durchzuführen, um Daten zu finden, die einen Hinweis auf die Täter geben? Ich höre nichts vom Internationalen Strafgerichtshof. Ich höre von niemandem etwas Substantielles.

Fakten sind im Moment nicht die Freunde der Ukraine und ihrer Verbündeten. Sie bedienen nur ein Narrativ, das auf reiner Propaganda beruht.

Wenn man über Kriegsverbrechen und deren Ahndung spricht, ist der Vorsatz einer der am schwierigsten zu beweisenden Sachverhalte. Denn tragischerweise sterben Menschen in einem Krieg. Es kommt also auf die Absicht derjenigen an, die eine Artilleriegranate oder andere Geschosse abgefeuert haben. Handelte es sich um eine legitime militärische Handlung, wollten sie absichtlich Zivilisten Schaden zufügen?

Wir müssen verstehen, dass wir über einen Krieg sprechen. Wir reden über Menschen, die sterben. Und wir reden darüber, dass die Menschen auf beiden Seiten heftige emotionale Reaktionen auf diese Todesfälle haben.

Aber nicht die Rhetorik ist das Problem. Es sind die Handlungen, die mit der Rhetorik verbunden sind. So ist beispielsweise ein Video aufgetaucht, in dem ein ukrainischer Arzt die Kastration russischer Kriegsgefangener fordert. Und wenn sich herausstellt, dass zurückkehrende Kriegsgefangene tatsächlich kastriert wurden, dann haben wir jetzt einen Fall, in dem Rhetorik zur Realität geworden ist und Taten folgten.

Je schneller dieser Krieg beendet werden kann, desto schneller kann Klarheit über die Verbrechen geschaffen werden, die von der Ukrainie und von militärischen Formationen wie dem Asow-Bataillon begangen wurden, die auf der Seite der Ukraine gekämpft haben.

Je schneller die Welt aufwacht, desto eher wird sie erkennen, dass sie von der ukrainischen Regierung und ihren westlichen Vermittlern mit einem Haufen Informationsmüll gefüttert wurde, und dass Russland tatsächlich Fakten auf seiner Seite hat. Und vielleicht wird das diese emotionale Überreaktion etwas dämpfen.

Ich kann nicht für die russische Regierung sprechen, aber als Beobachter denke ich, dass die Ukrainer eine diplomatische Lösunge viel dringender brauchen als die Russen.

Und was immer die Ukraine tun wird, um Russland möglicherweise vom Verhandlungstisch zu vertreiben oder einer möglichen diplomatischen Lösung keine Beachtung zu schenken, ist im Endeffekt schlecht für die Menschen in der Ukraine, die weiterhin unter diesem Konflikt leiden werden.“


[Brandneu] Ulrich Heyden: Der längste Krieg in Europa seit 1945


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Thomas Schulze
 

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