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Bürger als Pawlowsche Hunde

Der Tod der Vernunft

Mit den Auswüchsen der Impfkampagne geht ein Absterben rationalen Denkens in der Gesellschaft einher — damit ist das Tor für schlimmste Gräueltaten geöffnet.

von Nicolas Riedl

Impfkampagne

Quelle: Liz Masoner/pixabay.com

Voltaire wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, bringt dich auch dazu, Ungeheuerlichkeiten zu tun.“ Der Satz verdeutlicht, dass das Dahinschwinden rationalen Denkens in der Masse der Gesellschaft eine erhebliche Gefahr birgt. So lustig einem im ersten Moment die Handlungen einer von allen guten Geistern verlassenen Menschenherde vorkommen können, so schnell kann einem das Lachen vergehen. Die Frage ist, wozu diese irrationalen Menschen noch imstande wären. Die verbliebenen kritischen Geister im Land spotten vielleicht über Menschen, die auf dem Fahrrad mit Maske über einen menschenleeren Feldweg fahren. Doch wenn dieser Mensch eine derart absurde Handlung nicht als solche erkennt, in welchen Bereichen wird er sonst noch völlig blind sein? Wird er Unrecht als solches erkennen können und der Grausamkeit offen entgegentreten? Und wie wird sich dieser maskierte Radler verhalten, wenn er sieht, dass Menschen auf offener Straße verprügelt werden?

Die Irrationalität triumphierte

Bereits Ende April verfasste ich einen Beitrag mit dem Titel „Triumph der Irrationalität„, der anscheinend einen Nerv traf und vergleichsweise sehr viral ging. In diesem analysierte ich anhand eines RTL-Beitrags die Reaktionen von Passanten auf die „Impfen = Freiheit„-Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm. Die vorgestellten Fußgänger waren ein mustergültiges Beispiel für Menschen, denen jegliche Rationalität abhandengekommen ist. Will heißen, dass sie über keine kritisch-analytische Integrität verfügen, sondern einem Schwamm gleichkommend alles aufsaugen, was ihnen an Gedanken aufgegossen wird.

Im Grunde genommen dachte ich, mit diesem Artikel bereits alles gesagt zu haben. Doch Meldungen der zurückliegenden Tage und Wochen, die einem wahrlich die Kinnlade runterfallen lassen, belehrten mich eines Besseren. Da ich dem inneren Drang nicht widerstehen kann, das zu kommentieren, folgt nun auf dem oben genannten Beitrag aufbauend ein verschriftlichtes Haareraufen in Reaktion auf die abstrusen Blüten der Impfkampagne. Hierzu seien die wichtigsten Thesen des genannten Beitrags stichpunktartig zusammengefasst:

  • Die Impf-Maxime wird mit einem religiösen Eifer und in kultischer Manier transportiert.
  • Die Menschen geraten psychisch in einen Prozess der Regression, in welchem sie sich in den infantilen Status eines Kindes zurückentwickeln (1).
  • Der Triumph der Irrationalität ist zugleich der Triumph der Biopolitik — die Biopolitik, deren Feld der Machtausübung der Körper eines jeden Einzelnen ist (2). So bekennen die Befragten im genannten RTL-Beitrag, sie würden sich sofort impfen lassen — mit was, das sei ihnen egal.
  • Es findet zudem eine historische Regression statt — die sprachliche Nähe von „Impfen = Freiheit“ zu „Arbeit macht frei“ wird überhaupt nicht erkannt.

Die Irrationalität hat triumphiert. Betrachten wir nun, was auf diesen Triumph folgt. Es sind die Arten der Impfanreize, die fassungslos machen. Im genannten Beitrag erwähnte ich bereits einen Impfanreiz in Form von je einer Flasche Eierlikör, die der Chef einer Pflegekette einem jeden geimpften Angestellten in Aussicht stellte. Sie finden bereits das absurd? Dann schnallen Sie sich gut an — es folgen geistige Luftlöcher!

Impfanreize — „Ist dies Wahnsinn, so hat es doch Methode.“ (Shakespeare)

Bevor wir uns in die Impf-Geisterbahn setzen, sei hier noch ein Fakt vorab in Erinnerung gerufen. Dafür muss man wahrlich nicht Medizin studiert haben, eigentlich müsste das auch jedem Laien bekannt sein. Eine Impfung stellt in aller Regel eine temporäre Schwächung des Immunsystems dar. Es ist von daher ratsam, sich in den Tagen danach nicht zu verausgaben. Dazu zählt auch, dass man in diesem Zeitraum mehr als sonst auf eine gesunde Lebensweise achten sollte.

Ich selbst bin mehrfach — mit „normalen“ Stoffen — geimpft und erinnere mich noch gut an die ärztlichen Ratschläge, nach erfolgter Injektion die nächsten Tage lieber eine ruhige Kugel zu schieben und mich nicht allzu sehr zu verausgaben. Behalten wir uns diese Binsenweisheit im Hinterkopf. Und nun: Augen zu und durch!

Impf-Frühschoppen

Bitte nicht verlesen! Die Rede ist hier nicht von „Shoppen“, sondern vom „Schoppen“. Mir als Bayer erschließt sich der Begriff „Schoppen“ trotz Duden in diesem Kontext nicht wirklich. Jedenfalls werden im nordrhein-westfälischen Attendorn die Menschen mit dem sogenannten Frühschoppen ins Impfzentrum (IZ) gelockt.

Beim Hellweger Anzeiger — der sich angesichts der Schlagzeile selbst nicht so ganz entscheiden kann, ob er nun „Schoppen“ oder „Shoppen“ meint — liest sich das so:

„Um Anreize zum Impfen zu schaffen, wurde im Sauerland ein regelrechtes Fest am Impfzentrum veranstaltet. Der Frühschoppen mit Blasmusik, Brezeln und alkoholfreiem Bier war ein voller Erfolg.“

So so, Impfen bei Blasmusik? Müssten der Corona-Logik nach die Aerosole durch die Trompeten nicht wild durch die Luft geschleudert werden? Aber geschenkt!

Bleiben wir gleich mal im Ort Attendorn — das scheint ein regelrechtes Mekka des Corona-Kults zu sein.

Impf-Party — Wochenende! Impfen! Geil!

Anfang Juli fand in besagtem Ort doch tatsächlich eine „Impf-Party“ statt. Wer dachte, dass es nichts Hirnrissigeres als Masern-Partys gibt, wird hier eines Besseren belehrt. Das IZ wurde in eine Club-Location umgebaut, in welcher man sich unter den Disco-Kugeln ungetestete „Impfstoffe“ in die Venen rammen lassen konnte.

Dazu gab es Cocktails, die nach den Impfstoffen umbenannt waren: „Sex on the Beach“ wurde zum Platzhalter für Astra Zeneca, „Havana Tropical“ für Moderna, „Solero“ für Biontech und Erdbeer-Bowle für Johnson & Johnson. Es gab auch Aperol Spritz. Der hieß dort Zweitimpfung.

Doch in beiden ist nicht drin, was der Name jeweils verspricht: Weder sind in den „Impfstoffen“ die medizinischen wie politischen Heilsbringer für die Gesundheit und Freiheit enthalten, noch enthielten die Cocktails, was nach offizieller Rezeptur hätte drin sein müssen — Alkohol. Für die „Impflinge“ mag das zwar durchaus vorteilhaft sein, wenn der Körper neben den ungetesteten „Impfstoffen“ nicht auch noch zusätzlich den Alkohol verarbeiten muss. Aber im Umkehrschluss bedeutet dies ja, dass die Partygäste im nüchternen Zustand etwas taten, was vernünftige Menschen nicht einmal im Vollsuff täten — sich gegen eine Erkrankung im Gefährlichkeitsbereich einer saisonalen Grippe mit ungetesteten, neuartigen „Impfstoffen“ zu spritzen.

Auf die Rationalität, Prost!

Impfen im Supermarkt

In Supermärkten soll demnächst geimpft werden. Nicht nur auf den Parkplätzen, sondern in den Märkten selber. Das ist bemerkenswert, sind Supermärkte doch wahrlich kein Hort der Gesundheit. Das Sortiment eines Edeka oder Rewe-Marktes auf die wirklich unbedenklichen, gesunden Produkte reduziert, würde in einen kleinen Tante-Emma-Laden passen.

Nun sehen wir also demnächst Menschen in den Supermarkt strömen, um sich der Gesundheit wegen impfen zu lassen und sich danach zuckerhaltige, giftige, künstliche Nahrungsmittel und hochtoxische Haushaltsmittel zu beschaffen.

Dass allein der Zucker ein vielfaches mehr an Menschen dahinrafft, als es Corona je könnte, ist entweder niemanden bekannt oder es wird schlicht ignoriert.

Wir dürfen uns jedenfalls schon freuen auf kleine Impfboxen neben den Süßigkeitenregalen — ein fast schon mustergültiges Beispiel für kognitive Dissonanz.

Impf-Drive-in

„Scheibe runter, Arm raus, weiterfahren: Mehrere deutsche Städte haben in den vergangenen Wochen Massenimpfungen am Drive-in-Schalter durchgeführt.“, titelt RND.

Und was ist mit der ärztlichen Voruntersuchung, die bei einer Impfung immer geboten ist? Fragt an den Drive-in-Schaltern überhaupt jemand, ob der zum Dauerpatienten degradierte Mensch Vorerkrankungen hat? Ob er sich heute gesundheitlich wohlfühlt? Wird etwa überprüft, ob die Person vielleicht gerade einen Schnupfen oder eine andere Erkrankung hat und deswegen besser nicht „geimpft“ werden sollte? Ja, wird die „Impfung“ überhaupt von medizinisch geschultem Personal durchgeführt, gar von einem Arzt? Oder sitzen dort behelfsmäßige Laien vom Schlag eines Faktenchecker-Redakteurs? Also irgendwelche Kunstpädagogik-Studienabbrecher, die sich ohne medizinische Ausbildung erdreisten, renommierten Ärzten die Kompetenz abzusprechen und daraus schlussfolgernd auch fachlich dazu befähigt sind, vorbeifahrenden Menschen Spritzen in den Oberarm zu jagen?

Hol das Leckerli! — Impfung gegen Bratwurst

Wenn man Menschen mit einer Flasche Eierlikör zur Impfung bewegen kann, dann kann man sie auch mit anderen Verbrauchsgütern im einstelligen Eurowertbereich zur Injektion locken. Aber Menschen mit Bratwürsten zu locken, hat dann doch noch mal ein ganz eigenes „Geschmäckle“.

Ein Geschöpf, das mit einer Wurst für eine vollbrachte Leistung belohnt wird — woran denken Sie? An einen Menschen — oder doch eher an einen Hund?

Ja, hier zeigt sich die Abschaffung des Menschseins in aller Deutlichkeit. Der Mensch wird zum Nutztier. Schauen Sie sich doch nur an, wie die Menschen in Scharen in der Schlange der IZ stehen, wie arme Tiere aus der Massentierhaltung, die ihrer Schlachtung entgegensehen. Die Menschen werden gelockt, wie Fische, denen man einen Köder ins Wasser wirft. Es wirkt fast so, als würde der breiten Masse der Menschen nun das gleiche Schicksal blühen, welches sie bei Milliarden von Nutztieren aus der Massentierhaltung billigend in Kauf nahmen. Sie werden in Herden getrieben, registriert, mit temporären Leckerlis verlockt und dann …

Wo steht der Mensch in seiner Entwicklung, wenn er geistig so weit abgerichtet ist, dass er sich im Gegenzug zu einer in drei Minuten verputzbaren Bockwurst eine womöglich lebensverändernde Injektion verpassen lässt?

Ist das der mündige Bürger, der zu werden wir in der Schule angehalten wurden? Ist das der Mensch nach dem Idealbild Kants? Was ist aus der Aufklärung geworden? Wo sind die Erkenntnisse aus dieser Epoche hin?

Ich sage Ihnen, was aus der Aufklärung wurde: Stellen Sie sich vor, die Aufklärung wäre Senf. Scharfer Senf. Und dieser Senf befindet sich im Bratwurst-Hotdog, den der Frischgeimpfte für seine Injektion erhalten hat. Und dieser Senf spritzt — als der Geimpfte in seine Gratis-Bratwurstsemmel beißt — direkt auf sein Shirt. Mit einem angewiderten „Uuuh“ streift er den Senffleck vom Shirt, von wo aus er auf dem Asphalt, auf den ein Hinweis zur Maskenpflicht aufgetragen ist.

McImpfen — Bleiben Sie gesund, gehen Sie zu McDonald‘s!

„Jetzt kann man sich sogar bei McDonald‘s impfen lassen“, titelt Tag24 ganz begeistert. Auch anderorts wirbt McDonald‘s damit, dass man sich in der Filiale oder durch den davor parkenden Impfbus spritzen lassen kann und im Gegenzug ein Menü erhält.

Erinnern Sie sich bitte an den Hinweis zu Beginn dieser Auflistung. Es geht hier doch vornehmlich um Gesundheit, oder nicht?

Wie um alles in der Welt können Menschen diese Widersprüchlichkeit nicht erkennen? Der Gesundheit wegen zu McDonald‘s zu gehen? Sich erst eine Spritze verabreichen zu lassen — von der die Menschen überzeugt sind, sie diene ihrer Gesundheit — aber sich danach als „Dankeschön“ ein Essen reinpfeifen, welches nicht einmal Maden anrühren?

Es ist doch wirklich kein großes Geheimnis, dass Fast Food von McDonalds alles andere als gesund ist. Und wer sich bereitwillig davon ernährt, scheint sich doch sowieso nicht sonderlich für die eigene Gesundheit zu interessieren. Die, die sich in oder vor McDonalds impfen lassen und dafür ein McMenü spendiert bekommen — machen die das wirklich einfach nur für die Illusion, durch die Impfung wieder Freiheit zu erlangen? Oder schlimmstenfalls sogar einfach nur, um gratis Pommes und Burger abzustauben?

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal:

Impfungen wurden in der alten Normalität in Arztpraxen und in Krankenhäusern von medizinisch geschultem Personal, respektive einem Arzt durchgeführt. Ihnen ging verpflichtend eine Beratung sowie eine neutrale (!) Aufklärung über Nutzen und Risiko voraus.

Ob das bei McDonalds ebenso eingehalten wird? Und wer führt die Impfung eigentlich durch? Ein Ronald-McDonald-Clown?

Und für McDonald‘s gilt ebenso wie für die Impf-Bratwurst: Konsum von Fleisch aus der Massentierhaltung schadet nicht nur dem, der es isst, sondern auch allen anderen Menschen. Das sei hier nur stichpunktartig aufgeführt: Grundwasserverschmutzung, Erzeugung multiresistenter Keime und vieles mehr.

Will heißen, dass Massentierhaltung real die Gesundheit anderer gefährdet. Aber ging es bei der Impfung nicht vordergründig darum, andere zu schützen? Stellt es dann nicht einen eklatanten Widerspruch dar, sich einerseits „für andere“ zu impfen, aber anderseits dann eben jene „anderen“ durch den eigenen Fleischkonsum zu gefährden? Und sollte man angesichts der Keimbelastung von Billigfleisch aus der Massentierhaltung vor dem Tüteninhalt seines McMenüs oder der Bratwurst, die man im Gegenzug zur Corona-Impfung erhielt, nicht deutlich mehr Angst haben als vor diesem Virus? Das Virus, dessen Letalitätsrate für Unter-70-Jährige bei 0,05 Prozent und insgesamt bei 0,23 Prozent liegt (3)?

Wenn die Rationalität fällt …

Unterm Strich basieren sämtliche Impfanreize auf der Handlungsmaxime, man müsse die Impfungen dahin bringen, wo die Leute seien, whatever it takes. Die Impfung müsse den Leuten allerorten aufgedrängt werden. Die Impfunwilligkeit und -müdigkeit wird wie ein unerwünschter, zu behebender Defekt betrachtet, nicht als eine legitime Entscheidung des Einzelnen. Es herrsche eine Corona- und Impfmüdigkeit, heißt es. Daher brauche es die Anreize — und seien sie noch so billig —, damit das potenziell immerzu kranke Patienten-Vieh sich doch noch für die Impfung entscheidet. Das erinnert an den ungleichen Deal zwischen amerikanischen Ureinwohnern und europäischen Siedlern, die Ersteren gegen wertlose Murmeln und Perlen ihre Reichtümer und Ländereien „abkauften“.

Der Mensch wird nicht mehr als mündiges Wesen betrachtet, das seine Entscheidungen selbst fällen und für sich Verantwortung übernehmen kann. Und jene, die diese Fähigkeit eines mündigen Bürgers beanspruchen, werden pathologisiert, „idiotisiert“ und kriminalisiert. Die Willfährigkeit, mit der die Masse all das über sich ergehen lässt, gibt den Akteuren Recht. Die Masse der Menschen lässt es wirklich mit sich machen. Sie lässt sich wie eine Tierherde dressieren, locken und konditionieren.

Man könnte nun darüber lachen, über diese gesellschaftsfähige Idiotie. Doch leider ist sie alles andere als zum Lachen. Denn der Wegfall der Rationalität in breiten Teilen der Gesellschaft birgt eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Mit „Rationalität“ ist in diesem Zusammenhang nicht das rein verkopfte Denken unter Auslassung der Emotionen gemeint. Wäre eine Gesellschaft rein rational gepolt, sodass ihre Mitglieder in utilitaristischer Manier rein nach Kosten-Nutzen-Abwägungen ihre Entscheidungen zum Zweck der Nutzenmaximierung fällten, wäre dies ebenso wenig ein wünschenswerter Zustand. Der Begriff der Rationalität soll bei dieser Betrachtung als ein Zusammenspiel von logischem Denken und der Herzebene im empathischen und angstfreien Zustand verstanden werden. Immanuel Kant wird folgendes Zitat zugeschrieben:

„Vernunft ist durch das Herz gebrochener Verstand.“

Somit könnte man auch von „Vernunft“ statt von „Rationalität“ sprechen, doch da der Vernunftbegriff in der Corona-Debatte sehr sinnverzerrend konnotiert ist, bleiben wir beim Begriff „Rationalität“ nach oben genannter Definition.

Wenn also diese Rationalität wegfällt, verliert die Gesellschaft als Kollektiv einen Sicherungsschalter, eine Schutzschicht, ein Bollwerk gegen die Barbarei. Vielleicht mag das auf den ersten Blick ungeheuerlich und vollkommen übertrieben wirken. Aber denken wir das einfach mal weiter und erinnern uns an das Voltaire-Zitat aus der Einleitung:

„Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, bringt dich auch dazu, Ungeheuerlichkeiten zu tun.“

Sich mit einem ungetesteten „Impfstoff“ spritzen zu lassen, um im Gegenzug eine Bratwurst zu erhalten, ist eine Absurdität, wenn der oder diejenige glaubt, dadurch einen Vorteil zu erlangen. Dieses Beispiel für eine irrationale, abstruse Handlung ist dabei nur eine Variable, ein Platzhalter für weitere absurde Entscheidungen. Überlegen Sie mal: Wenn ein Mensch für nur eine Bratwurst so etwas mit sich machen lässt — zu was wäre dieser Mensch imstande, erhielte er im Gegenzug zwei kostenlose Bratwürste? Seinen ungeimpften Nachbarn zu melden? Sich für eine Nacht einer Nachbarschaftswache anzuschließen, die auf den Straßen patrouillierend die Ausgangssperre für Ungeimpfte kontrolliert?

Warum sollte jemand, der sich bei McDonald‘s impfen lässt und dies nicht für „seltsam“ erachtet, skeptisch werden oder gar die Stimme erheben, wenn beispielsweise massenhaft Eltern das Sorgerecht entzogen wird und Kinder gegen den elterlichen Willen geimpft werden?

Warum sollte jemand, der sich im Supermarkt impfen lässt und anschließend billigstes Junkfood auf das Kassenband legt, aufbegehren, wenn Ungeimpfte den Laden nicht mehr betreten dürfen?

Wenn in einem Bereich nicht rational gedacht und gehandelt wird, warum sollte es dann in einem anderen Bereich anders sein? Solche Menschen werden vermutlich nicht einmal dann die Paradoxie erkennen, wenn an der Schiebetür der Märkte ein regenbogenfarbener LGBTQ-Aufkleber als Symbol der Toleranz und der Nichtdiskriminierung hängt, die allerdings bei der Frage des Impfstatus endet und zur Folge hat, dass Türsteher Ungeimpfte nicht mehr hereinlassen.

Zusammengefasst: Fällt die gesellschaftliche Rationalität, fällt der Schutz vor Barbarei. An die Stelle, wo vormals rationales Denken stand, kann nun jede noch so abstruse Gräueltat treten.

Oasen der Rationalität schaffen

Es wäre freilich falsch zu behaupten, die Gesellschaft hätte nicht schon vor 2020 ihre Lücken und Defizite hinsichtlich der Rationalität gehabt. Doch was die Blüten der neuen Normalität gegenüber der alten unterscheidet: Die Einschläge kommen näher. Kannte man vormals Irrationalitäten von irrwitzigen Fehlplanungen wie etwa dem Berliner Flughafen oder Stuttgart 21, EU-Normen für Gurkenkrümmungen oder Ähnliches, so geht der Spalt der Irrationalität nun bis in die Intimsphäre. Und hier gilt es, sich in Schutz zu nehmen.

Man muss sich vor Augen führen, dass der Großteil der Bevölkerung nicht mehr im Besitz eines klaren Verstandes ist, dass dieser von Angst und anderen übermächtigen Emotionen — hoffentlich nur vorübergehend — schachmatt gesetzt wurde. In einem solchen Zustand kann man diesen Menschen nicht mehr mit rationalen Argumenten, Fakten oder Zahlen kommen. All das wird abgeblockt, um die eigene Sicht der Dinge aufrechtzuerhalten und um eine erlebte kognitive Dissonanz zu verhindern.

Von diesen Menschen muss man sich fernhalten, sowohl um sich selbst zu schützen als auch diese Menschen davor zu bewahren, sich in dem Rausch ihrer Irrationalität unverzeihlicher Verbrechen schuldig zu machen. Es bleibt einem vorerst nichts anderes übrig, als sich mit den restlichen Menschen, die des rationalen Denkens noch fähig sind, zusammenzuschließen, um diese Zeit zu überstehen. Die Qualität der Beziehung wird in den nächsten Jahren schwerer wiegen als die Quantität.

Wohin das führt, ist schwer vorauszusagen. Vielleicht ist diese Fontäne an Irrationalität der notwendige Kulminationspunkt, um die Verwerfungen der vergangenen 200 Jahre sichtbar zu machen, die seit 2020 wie unter dem Brennglas so deutlich wie nie zuvor erkennbar werden. Vielleicht ist dies aber auch der Rückfall hin zu den Verwerfungen der voraufklärerischen Dunkelzeit des Mittelalters — allerdings unter der Flagge der Aufklärung.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Czycholl, Aaron; Czycholl, Dietmar; Maaz, Hans-Joachim: Corona Angst Was mit unserer Psyche geschieht, Berlin, 2021, Frank & Timme Verlag, Seite 93 bis 117.
(2) Agamben, Giorgio: Homo sacer — Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt am Main, 2019, Suhrkamp, Seite 127.
(3) Bhakdi, Sucharit; Reiss, Karina: Corona Unmasked – Neue Zahlen, Daten Hintergründe, Berlin, 2021, Goldegg Verlag, Seite 101.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 05.08.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


Nachtrag 14.09.2021:

Musterschreiben: Strafanzeige gegen illegale Werbung für Impfungen und Arzneimittel


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Pandemie-Fragen von Darren Allen (Teil II)

Die Nagelprobe

Maßnahmen-Befürworter sollten sich bestimmte Fragen stellen, ehe sie stur diesen zerstörerischen Kurs bis zum bitteren Ende mitgehen. Teil 2/2.

von Rubikons Weltredaktion

Im Folgenden finden Sie eine kritische Zusammenfassung der Coronavirus-Geschichte. Außerdem eine Liste von Fragen, gerichtet an Menschen, die die Lockdowns unterstützt haben und die glauben, dass wir im Jahr 2020 einer einzigartigen Bedrohung ausgesetzt waren, die diese rechtfertigte — zusammen mit sozialer Distanzierung, Masken, Impfstoffen, Tracking-Apps und all dem. Die meisten, wenn nicht alle diese Fragen sollten überzeugend beantwortet und nicht einfach mit ein paar billigen Einwänden und Etiketten abgetan werden — allen voran natürlich die Worthülse „Verschwörungstheoretiker“. Wenn Sie also Lockdowns unterstützt haben, dann schlage ich vor, einen näheren, ernsthaften Blick auf das Folgende zu werfen. Wenn Sie gegen Lockdowns waren, wird dieser Artikel hoffentlich Ihre Position stärken. Sie können ihn dann an so viele Menschen wie möglich weiterleiten, die nicht Ihrer Meinung waren. Bitten Sie sie höflich um eine Liste von Antworten.

von Darren Allen

(Teil 1)

… aber das allgemeine Empfinden schien ziemlich gleich zu sein. Ein paar Linke schürten fröhlich die Flammen des PANDEMISCHEN TERRORS mit ein paar Pro-Masken-Tweets und Kritik, dass wir nicht hart genug abriegeln (ich spreche von hier in Großbritannien, dem drittstrengsten Lockdown der Welt), aber die meisten waren still. Das Thema war „zu spaltend“, die Emotionen kochten „zu sehr hoch“, man sollte sich besser auf die Labour Party oder Israel oder die Umwelt konzentrieren, irgendetwas, irgendetwas anderes.

Ein Jahr zuvor schrieb ich einen Artikel, in dem ich die Linke aus einer anarchistischen Perspektive verurteilte. Ich schrieb darüber, wie die oben aufgeführten Leute im Grunde alle systemtreue Sozialisten sind; in ihrer Unterstützung für die Demokratie (die niemals funktionieren kann), für den Staat und für Technologie oder technokratische Lösungen für unsere kollektiven Übel, in ihrer unkritischen Haltung gegenüber Expertentum, in ihrem Relativismus, in ihrem schwachen Reformismus und in ihrem mittelmäßigen Output. Einige wenige reagierten auf meine Kritik mit kindischen Verunglimpfungen und oberflächlichen Argumenten, aber die meisten ignorierten sie — und mich. Vorhersehbarerweise verschwand die Unterstützung, die ich von Media Lens, Cook, Zerzan und Graeber erhalten hatte.

Ich bat den OffGuardian, das Stück zu veröffentlichen, der sich, obwohl er mich unterstützte, weigerte, mit der Begründung, dass es die Linke auf ungute Weise spalten würde. Dann schlug die „Pandemie“ zu und es wurde jedem, der sich tatsächlich gegen das System stellt, klar, dass die sogenannte Linke Teil des Systems ist. Nicht im Sinne einer „kontrollierten Opposition“ — eine lächerliche Idee — sondern in ihrer Akzeptanz (sogar Bedürfnis nach) seiner fundamentalen Natur. Alle diese Leute sind Mitglieder der professionellen Klasse. Selbst diejenigen, die in ihrer „Arbeiterklassenherkunft“ aufgewachsen sind (und sie deshalb verraten haben), haben ihr Leben damit verbracht, für und durch professionelle Institutionen zu arbeiten. Sie sind institutionalisiert.

Warum haben alle den Lockdown akzeptiert?

Die Institutionalisierung geht sehr tief. Es geht nicht nur darum, die „Werte“ des Staates, der Ärzteschaft, des Christentums oder welcher Ideologie auch immer die Institution gerade frönt, zu akzeptieren. Gezwungen zu sein, als integraler Bestandteil großer, komplexer sozialer Systeme zu leben, verändert Mann und Frau zutiefst. Es macht sie abhängig vom System — von seinen verschiedenen Institutionen — und damit gefügig. Es unterdrückt und stumpft ihre Individualität und Sensibilität ab und zwingt sie dazu, skeptisch — ja sogar ängstlich — gegenüber ihren Sinnen und ihrer eigenen gelebten Erfahrung zu werden. Das institutionelle System, mit einem Wort, domestiziert Mann und Frau.

Ich erkläre den Prozess hier ausführlich. Es genügt zu sagen, dass der Hauptgrund dafür, dass so viele Menschen, besonders aus der Mittelschicht (und so viele von uns im Westen sind jetzt in diesem Sinne Mittelschicht) a) so viel Angst vor einem grippeähnlichen Virus hatten, der für sie keine Gefahr darstellte, und b) sowohl die offizielle Propaganda als auch die „Notwendigkeit“ von Lockdowns akzeptierten, darin liegt, dass sie in ihrem tatsächlichen Leben so wenig Erfahrung mit Unsicherheit, Tod und echter psychologischer Unabhängigkeit haben. Sie mögen diese Dinge auf ihren wundersamen Reisen gesehen haben, aber sie haben sie nie leben müssen.

Die stützende Struktur einer sich institutionalisierenden Zivilisation war ein ständiger, lebenslanger Schutzschirm, oder Filter, der über ihre bewusste Erfahrung gespannt war. Sie mögen wunderbar radikale Meinungen über Politik, die Umwelt und sogar die Zivilisation haben, aber wenn es hart auf hart kommt, sind das nur Meinungen.

(Der Grund, warum es übrigens so aussah, als sei die Anti-Lockdown-Bewegung „rechts“, war, dass die meisten Menschen, die tatsächlich mit Unsicherheit, Krankheit, Unbehagen, Tod und Schmerz umgehen mussten — die armen und arbeitenden Klassen — und die deshalb nicht dazu neigen, sich vor grippalen Viren, menschlichem Kontakt und verklemmtem Supermarktpersonal zu fürchten, aufgrund ihrer eigenen dummen Konditionierung auch eher dazu neigen, für die Kapitalmacht als für die Arbeitsmacht zu stimmen. Sie können durchaus unterwürfige Feiglinge sein, sind aber im Großen und Ganzen mutiger und vernünftiger als die moralischen und physischen Schwächlinge, die angestellt werden, um sie zu belehren, zu bepredigen und zu verarzten).

Die Unabhängigkeit vom institutionalisierenden System — psychische und geistige Unabhängigkeit also, physische Unabhängigkeit ist so gut wie unmöglich — führt zur Wahrheit und zum Vertrauen, zur Wahrheit der eigenen, einzigartigen Erfahrung und Kritikfähigkeit und zum Vertrauen in diese Erfahrung — ganz zu schweigen vom eigenen Immunsystem oder von der Fähigkeit des Menschen, Gesundheit selbst zu finden, statt sie von oben verordnet zu bekommen.

Weil so wenige Menschen in irgendeinem nennenswerten Sinne unabhängig sind, sind sie den Lügen, Drohungen und Bestechungen des Systems im Wesentlichen hilflos ausgeliefert, wie der weltweite Lockdown deutlich gezeigt hat.

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Bleiben Sie zu Hause und bleiben Sie gesund, bleiben Sie zu Hause und retten Sie Leben, bleiben Sie zu Hause und erhalten Sie kostenloses Geld, bleiben Sie zu Hause und sehen Sie (vielleicht) Ihre Familie, bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt mit ihnen, bleiben Sie zu Hause und kämpfen Sie gegen „Verschwörungstheoretiker“ und „Anti-Vaxxer“, bleiben Sie zu Hause und leben Sie Ihr ganzes Leben über den Bildschirm, bleiben Sie zu Hause oder Sie werden von den Sicherheitsleuten im Supermarkt zurechtgewiesen, bleiben Sie zu Hause oder riskieren Sie eine fast lächerlich hohe Geldstrafe … Und so weiter.

Es gehörte nicht viel dazu, um die Superreichen davon zu überzeugen, eine Maske für die Kameras aufzusetzen, während sie sich an einer Welt erfreuten, die nun von einfachen Menschen gesäubert war. Es gehörte auch nicht viel dazu, um Akademiker, Intellektuelle, Ärzte, Anwälte, „Radikale“ und Manager zu überzeugen, eine „Notwendigkeit“ zu akzeptieren, zu Hause zu bleiben, ihren einflussreichen Status zu behalten oder zu vergrößern, während, wie J.J. Charlesworth bemerkte, die Menschen der Arbeiterklasse ihnen die Dinge lieferten. Und es gehörte sicher nicht viel dazu, die verwirrte, schwache, paranoide, verunsicherte und selbstgerechte Generation von Eloi, die die Maschine geschaffen hat, dazu zu bringen, unkritisch den offiziellen Verlautbarungen zu gehorchen und sich weiter in ihre anitseptischen Raumanzüge zu verkriechen.

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Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der den Terror abgelehnt hat, ein selbstbewusstes, unabhängig denkendes Genie ist. Weit gefehlt. Einige der schlimmsten Elemente des rechten Flügels, durchgeknallte Verschwörungsspinner, sehr wütende Menschen ohne Sinn für Humor, mikrofaschistische Kleinunternehmer und Gott weiß, wer sonst noch, sind alle auf den Anti-Lockdown-Zug aufgesprungen, und natürlich wurde die „Schwachmaten-Täuschung“ (sich auf das schlimmste Beispiel einer Gruppe zu stürzen, um eine ganze Philosophie oder einen Standpunkt abzutun) enthusiastisch eingesetzt, um sie zum Entgleisen zu bringen, indem man über David Icke und Alex Jones lachte oder über die Tatsache, dass Right Said Fred keinen Doktortitel in Tropenkrankheiten hat.

Warum gab es einen Lockdown?

Diese Frage, so interessant und nützlich sie auch ist, über die Antworten zu spekulieren — von denen einige sicherlich wahrscheinlicher sind als andere — ist, das muss man unbedingt verstehen, zweitrangig. Dass wir ohne Grund eingesperrt wurden, ist weitaus wichtiger als der eigentliche Grund dafür, der, wie ich schreibe, letztlich immer noch ein Rätsel ist.

Die Tatsache, dass ein massiver Finanzcrash unmittelbar bevorstand und dass eine „kontrollierte Zerstörung“ (das Zusammenbrechen der Wirtschaft und die Drosselung der Produktion auf eine die Elite nicht allzu sehr beeinträchtigende Weise, um sie dann wieder aufzubauen) der einzig gangbare Weg ist, um mit einer von Natur aus inflationären Schuldenwirtschaft umzugehen, die mit Sicherheit jeden Augenblick implodieren wird, sollte vielleicht in Betracht gezogen werden; die ständige Arbeit, die von den Organisationen der Elite geleistet wird, um ihre Bevölkerungen in einem Zustand des erträglichen Terrors zu halten (Kommunisten, Drogenbarone, Terroristen, etc. etc.) könnte man ebenfalls in Betracht ziehen; ebenso wie die Ziele transnationaler Organisationen wie des Weltwirtschaftsforums, die zumindest die globale Reaktion auf die „Pandemie“ beeinflusst und sie in Richtung ihrer offen erklärten transhumanistischen Agenda getrieben haben.

Man könnte auch anmerken, dass die Wirtschaft seit April letzten Jahres boomt, dass die Superreichen jetzt mehr oder weniger die Welt für sich allein haben, während wir Proleten zum und vom Supermarkt huschen; dass Milliardäre während der Pseudopandemie um mehr als 50 Prozent reicher geworden sind; und dass Staaten überall ihre Befugnisse unter „Notfall“-Bedingungen massiv erweitert haben, absolut ohne jede Aussicht, dass sie sie je zurückgeben werden. Eine weitere bedenkenswerte Tatsache ist, dass die Zivilisation auf einem ökologischen Fundament ruht, das nun fast vollständig aufgezehrt ist, was sicherlich zu noch nie dagewesenen — schrecklichen — Unruhen führen wird; für diejenigen, die die Erd-AG kontrollieren, wäre es sicherlich nützlich, wenn wir alle in einem techno-faschistischen Lock-up leben würden, falls und wenn dies geschieht.

Aber die Details sind schwer greifbar, wie sie es gewöhnlich sind, wenn massive Verbrechen begangen werden. Was wir wissen, und das schon lange, ist, dass das technokratische System, wie Lewis Mumford, Jacques Ellul und Ivan Illich uns lehrten, seine eigenen Prioritäten, seine eigenen Ziele, seine eigene „Intelligenz“ und seine eigene unaufhaltsame Dynamik hat, und diese Dynamik geht — und kann nur in eine Richtung gehen: mehr Kontrolle.

Mehr Kontrolle über die Natur, über die menschliche Natur, über die Kultur, über alles. Nichts anderes macht für das System „Sinn“; das System, dem Politiker, CEOS, Fachleute und sogar Rebellen der Linken und Rechten alle dienen; weshalb es mit jedem Jahr, das vergeht, in jedem Land auf der Erde — kapitalistisch, kommunistisch, monarchistisch, was auch immer — immer weniger Wildheit gibt, immer weniger persönliche oder kollektive Freiheit, immer weniger gemeinsamen Raum, in dem man sich bewegen kann, immer weniger Überraschung und immer weniger Gelegenheit für Kritiker dieser Zombie-produzierenden Maschinenwelt, gehört zu werden.

All dies geschieht automatisch. Die globale Elite, mit anderen Worten, hat keine signifikante Macht über die Maschine, die sie besitzt und verwaltet, und sie hat nicht plötzlich beschlossen, die Welt zu übernehmen. Es ist ein Prozess, der schon lange im Gange ist (ich behaupte 10.000 Jahre — aber die aktuelle, letzte Phase geht auf die neoliberale Revolution in den 1970er Jahren zurück).

Es gab in diesem Fall eindeutig konzertierte und konspirative Bemühungen, eine Krise zu fabrizieren — wie frühere Versuche, Panik wegen SARS, MERS und so weiter zu schüren, zeigen —, aber die technokratische Elite (die Politiker, Manager, Fachleute, reichen Grundbesitzer und mächtigen CEOS der Welt) arbeiten im Grunde nicht bewusst. Sie arbeiten einfach in Hinblick auf die technokratische Notwendigkeit, weshalb also die Fokussierung auf die spezifischen Verantwortlichen, die spezifische Politik spezifischer Politiker, die spezifischen Unternehmen, die hinter dem Verbrechen stehen, über das Sie sich empören mögen, und die spezifischen Aktivitäten spezifischer Institutionen … weshalb eben all das nebensächlich ist und letztlich die Übel der Welt verewigt.

Nehmen Sie, um ein Beispiel zu nennen, die Impfpässe. Wie die meisten Menschen feststellen, sind sie für die „Wiedereröffnung der Gesellschaft“ sicher nicht notwendig, weil diese nicht stattfindet. Wie Ian Brown anmerkte

da die „Impfstoffe“ weder die Übertragung noch die Infektion verhindern (sagen die Hersteller), wie kann dann ein „Impfpass“ die Übertragung eines Virus verhindern?

Warum sind diese also notwendig? Wenn der Massenmörder Tony Blair im Fernsehen sagt, dass wir digitale Ausweise brauchen, um Zugang zur Gesellschaft zu haben, und dass diejenigen ohne diese Ausweise von denen mit diesen Ausweisen getrennt werden sollten, dann wissen Sie ziemlich genau, wer davon profitiert, und wo wir moralisch, ideologisch und sogar praktisch stehen. Sie sind nicht notwendig, nicht für normale Menschen.

Aber obwohl einer der bösartigsten Menschen auf dem Planeten seit einiger Zeit auf eine Welt drängt, in der nur die Gehorsamen Zugang zur Gesellschaft haben, und obwohl die schlimmsten Regierungen der Welt Impfpässe, digitale IDs, Sozialkreditsysteme und Ähnliches unterstützen, ist es ein großer Irrtum anzunehmen, dass die Notwendigkeit dafür letztlich vom einzelnen Menschen ausgeht.

Es ist die Maschine, die immer mehr Kontrolle braucht — ja, die sich überhaupt nur „Kontrolle“ als Ziel oder Wert vorstellen kann — und Impfpässe, zusammen mit all den Techniken der Disziplinierung, Überwachung und Bestrafung, die sie mit sich bringen, sind einfach ein „logischer“ Schritt in diese Richtung, so wie es die weithin gehassten Fabriken der industriellen Revolution waren.

Leider ist das alles für die meisten Menschen sehr schwer zu begreifen, selbst für diejenigen, die gegen Lockdown sind. Es ist viel einfacher, sich auf die Bösewichte zu konzentrieren — Sozialisten und Kapitalisten, Politiker und CEOs, Außerirdische und Eliten — als auf das System selbst, denn jeder von uns hat sein Leben für das System aufgegeben; ist süchtig danach, selbst wenn es uns erdrückt. Sich gegen das System zu wenden bedeutet, sich gegen den Teil unserer eigenen Seele zu wenden, den das System kolonisiert hat.

Warum sollen alle geimpft werden?

Laut Experten wie der Molekularbiologin und Immunologin Professor Dolores Cahil (bestätigt von Fauci) liefert die mRNA-Impfung ein synthetisches, anorganisches Molekül, das die Zellen darauf programmiert, Krankheitserreger in Form eines „Spike-Proteins“ zu synthetisieren, das Ihr Immunsystem für den Rest Ihres Lebens ständig abwehren muss. Wie gefährlich ist das wirklich? Was könnten die langfristigen Auswirkungen sein? Wie könnte es sich auf schwangere Mütter und kleine Kinder auswirken? Antwort; unbekannt.

Laut The Lancet, selbst wenn man die Daten der Pharmafirmen beim Wort nimmt, war „die absolute Risikoreduktion (durch Impfstoffe), das heißt der Unterschied zwischen den Erkrankungsraten mit & ohne Impfstoff“: AZ — 1,3 Prozent Moderna — 1,2 Prozent Pfizer — 0,84 Prozent. Insgesamt: winzig.

Also, selbst angesichts der Tatsache, dass Covid eine grippeähnliche Krankheit ist, mit der die Herdenimmunität (eine natürliche Tatsache) nicht nur leicht hätte fertig werden können, sondern dies auch tat, warum die Welt dagegen impfen?

Auf den ersten Blick ist es seltsam, dies zu tun, besonders bei Menschen unter 30 Jahren, die auf dem Höhepunkt der Pandemie eine Chance von eins zu einer Million hatten, daran zu sterben (laut dem Risikokalkulator der Universität Oxford), oder bei Kindern, die ein Todesrisiko von fast null haben und eine natürliche Immunität besitzen (mit, wie diese Gruppe von Ärzten betont, hohem Risiko gegenüber keinem Nutzen für Kinder und Jugendliche).

In Anbetracht der besonderen Beschaffenheit des Impfstoffs — kein normaler Impfstoff, sondern eine experimentelle synthetische, genverändernde Chemikalie mit einer hohen Rate an Nebenwirkungen und Todesfällen (die Zahl der Todesfälle in Großbritannien lag am 17. Juni offiziell bei 1.356, die Zahl der Todesfälle in Europa lag am 22. Mai bei 12.184, mit über einer Million Nebenwirkungen, während die Zahl der Todesfälle in den USA am 25. Juni bei 6.985 lag; Auch hier handelt es sich um offizielle Zahlen, die also wahrscheinlich niedriger sind als die tatsächlichen Zahlen), deren Langzeitfolgen völlig unbekannt sind (was natürlich besonders für junge Menschen, die noch viele Jahre zu leben haben, von Bedeutung ist) — in Anbetracht all dessen war die Forderung nach einer allgemeinen Impfung geradezu verblüffend (1).

Die Rätsel sind damit aber noch nicht gelöst. Wie es gelang, innerhalb von neun Monaten nicht nur einen, sondern achtzehn sichere und wirksame Impfstoffe zu entwickeln, obwohl kein pharmazeutisches Unternehmen jemals einen solchen erfolgreich hergestellt hatte, ist ziemlich außergewöhnlich. Ebenso wie die Entscheidung, die Kampagne auf Kinder auszuweiten, deren Chance, an dem Coronavirus zu sterben (oder sich sogar anzustecken und es weiterzugeben), so verschwindend gering war, dass sie praktisch bei Null lag. Wiederum gab es keinen Laut des offiziellen (oder inoffiziellen; siehe unten) Zweifels und Experten, die Zweifel äußerten, wurden zum Schweigen gebracht oder aus ihren prestigeträchtigen Jobs gefeuert.

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All das ist sehr seltsam, sogar, ohne auf die Tatsache einzugehen, dass diese Impfstoffe ihre klinischen Testphasen noch nicht abgeschlossen haben, dass die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sie nicht zugelassen hat (sondern nur ihre Verwendung genehmigt hat), dass 2012 Tierversuche für mRNA-Impfstoffe gestoppt werden mussten, weil (laut dem Präsidenten der Association of American Physicians & Surgeons) die Tiere immer wieder starben, dass 24 Länder die Verwendung der AstraZeneca-Impfstoffe verboten haben und dass laut dem renommierten National Institute of Health „COVID-19-Impfstoffe, die neutralisierende Antikörper hervorrufen sollen, die Impflinge für schwerere Krankheiten sensibilisieren können, als wenn sie nicht geimpft wären“.

Ein Programm, die gesamte Welt mit diesen experimentellen Chemikalien zu impfen, scheint der Gipfel des Irrsinns zu sein — es sei denn natürlich, man nimmt an, dass der Grund dafür nicht darin liegt, uns alle vor einer Krankheit zu schützen, die für die große Mehrheit sicherer ist als Mobiliar, sondern aus irgendeinem anderen Grund, etwa um ihnen Mikrochips zu injizieren, die Erde zu entvölkern oder effektiv ein immunologisches „Betriebssystem“ in jedem Menschen zu installieren, das zweimal im Jahr aktualisiert werden muss.

Solche „Verschwörungstheorien“ sind, wenn man sie für bare Münze nimmt, fast unmöglich ernst zu nehmen, aber wie viele Märchen darüber, wie die Welt funktioniert, deuten sie in ihrem Versuch, die tatsächliche Ursache unserer Übel intuitiv zu erfassen, die Wahrheit an, wenn auch auf verzerrte Weise, oder in diesem Fall den wahrscheinlichsten Grund für den beispiellosen Versuch, alle Menschen auf der Erde zu impfen, um, unlogischerweise, zu schützen („Keiner von uns ist sicher, bis wir alle sicher sind“), und das heißt, dass Impfstoffe für Impfpässe notwendig sind und für, wie auch immer es in der Praxis eingesetzt wird, mehr Kontrolle über die widerspenstigen Massen, eine Tatsache, die der eine oder andere dieser widerspenstigen Massen, in der törichten Annahme, dass sie nach der Impfung so frei sein würden wie im Jahr 2019, zu verstehen versucht.

Was ist Gesundheit?

Gehen wir ein wenig tiefer in all das hinein. Ivan Illich hat in seiner bahnbrechenden Kritik an der Ärzteschaft ein mehr oder weniger stichhaltiges Argument für deren „iatrogene“ — das heißt inhärent krankmachende — Natur geliefert. Zuallererst nimmt die Ärzteschaft, so Illichs Argument, den einfachen Menschen und ihren Gemeinschaften die Macht zur Selbstdiagnose und Selbstbehandlung.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Menschen, so wie sie heute sind, Ersteres akkurat oder Letzteres verantwortungsvoll tun könnten, sondern dass sie gezwungen sind, für ihre so genannte Gesundheit von externen, entfernten und größtenteils nicht rechenschaftspflichtigen institutionellen Machtstrukturen abhängig zu sein. Zweitens hat die Medizin (wie auch die Psychiatrie) eine inhärente Voreingenommenheit gegenüber Krankheiten. Ärzte sind angestellt, um Krankheiten zu diagnostizieren und diese dann zu behandeln. In der Theorie gehen Ärzte nicht von Krankheit aus, aber in der Praxis marschieren sie in jede Situation auf der Suche nach etwas, das sie heilen können.

Drittens ist die bei weitem lähmendste Auswirkung des Lebens in einer Welt, in der Gesundheit nur durch die Ärzteschaft erreicht werden kann, dass wir gezwungen wurden, soziale Krankheit in den Körper zu introjizieren. Alle unsere Krankheiten werden von Ärzten (und wiederum von Psychologen) im Körper des Individuums verortet, einem Körper, der — und nur so kann es sein — als Maschine begriffen wird, als ein System, an dem der Arzt-Mechaniker dafür bezahlt wird, so lange herumzubasteln, bis es wieder reibungslos läuft und der Patient in sein entfremdetes Leben des „gewöhnlichen Elends“ zurückkehren kann.

Jeder von uns sieht nun seinen eigenen Körper auf diese Weise, gewissermaßen als ein medizinisches Diagramm, in das ein fremder Schock oder Virus eingedrungen ist, der nun repariert oder entfernt werden muss. Die Gesamtheit unseres Lebens, die Gesamtheit unseres Charakters und vor allem die Gesamtheit unserer Welten spielen dabei keine Rolle und können es auch nicht, aus dem fundamentalen Grund, dass es sich dabei letztlich nicht um eine Ansammlung objektiver (oder gar subjektiver) Dinge handelt, sondern um lebendige Erfahrungen, die wir nur qualitativ verstehen und bewältigen können; als moralische Probleme, als persönliche Herausforderungen und durch kreative oder sogar mythische Symbole.

David Cayley fasst Illichs Position zusammen:

„Was (Illich) beunruhigte, war eine Welt, in der wissenschaftliche Phantome das Aussehen von greifbaren, alltäglichen Realitäten angenommen haben: in der die Menschen vertraulich von ihren Genen sprechen, als ob sie sich auf ein gewöhnliches Objekt beziehen und nicht auf ein etwas verschwommenes theoretisches Konstrukt; in der unvorstellbar komplizierte Simulationen des Erdklimas politische Entscheidungen bestimmen; in der der Mutterleib zu einem öffentlichen Ort wird und Familien Ultraschallbilder der Ungeborenen auf ihren Kaminsims stellen und eine ‚Beziehung‘ zu ihnen aufbauen; in der die Person, die neben Ihnen auf der Straße steht, sich mit jemandem am anderen Ende der Welt unterhalten kann.

Illich war der Ansicht, dass die Technowissenschaft den Sinn verdrängt hat, oder das, was Maurice Merleau Ponty einmal sehr schön als ‚den Boden der sinnlichen und erschlossenen Welt, wie sie in unserem Leben und für unseren Körper ist.‘ Das ist der Kontext, in dem Illich schrieb, ein Kontext, den er als eine schlimme Notlage betrachtete, aufgrund der Geschwindigkeit, mit der die zunehmende Verbreitung wissenschaftlicher und technologischer Abstraktionen die Sinne der Menschen aushöhlte.“

Diese „Aushöhlung“ ist die Ursache für eine Krankheit, die keine Wissenschaft jemals diagnostizieren kann. Sie kann über eine solch verheerende Verletzung nicht einmal nachdenken — geschweige denn etwas dagegen tun —, weshalb radikale Kritiken wie die von Illich süffisant als unverständliche mystische Albernheit beiseite geschoben werden können. Dass wir die Opfer der Ärzteschaft sind, und dass diese Ärzteschaft in ihrer Entwertung der menschlichen Würde und des Bewusstseins uns zu rationalen Dioden und Ventilen in einer Maschine macht, die unsere Gesundheit und Vernunft zermalmt, kann nur jenen als perverser Unsinn erscheinen, die darauf konditioniert sind, willentlich an der Vernichtung von Bewusstsein, Qualität, Geselligkeit und Kooperation durch das System teilzunehmen.

Das ist auch der Grund, warum Ärzte im Wesentlichen unterwürfig sind, warum sie immer das System unterstützen, warum zum Beispiel so viele von ihnen der Nazi-Partei beigetreten sind, warum sie mit jedem Jahr mehr den mittelmäßigen Technikern ähneln, die sie eigentlich sind, die auf Bildschirme starren und Stimulanzien und Depressiva austeilen, und warum so viele von ihnen so kalt, arrogant, unsensibel und fast unverschämt unkultiviert sind. Sie wissen nicht, was Gesundheit ist, und sie können nichts gegen eine kranke Welt tun.

Glücklicherweise fängt Illichs „unverständliche mystische Torheit“ an, viel vernünftiger auszusehen. Zumindest wird es immer mehr Menschen klar, dass alles, was während der Pseudopandemie für unsere „Sicherheit“ und unsere „Gesundheit“ getan wurde, uns kränker gemacht hat. Unsere Macht, zu verstehen und damit zu leben, was uns krank macht — ohne biomedizinische Eingriffe —, unsere Macht, gesund zu sein — entgegen dem, was uns die Mediziner erzählen — und unsere Macht, unsere Umgebung frei zu unserem Wohl zu gestalten; all diese Kräfte, so schwach sie doch bereits waren, wurden uns nun fast vollständig aus der Hand genommen, so dass nichts als eine kranke Hülle übrig blieb …

Warum sollte man Leben retten?

Was für eine seltsame Frage! Sicherlich würde nur ein Verrückter sie stellen? Jemand, der verrückt genug ist, das Weltsystem zu hinterfragen. Denn in Wahrheit ist es die Einstellung der Welt zu dem, was sie „Leben“ nennt, die zutiefst, ja unsagbar böse ist. Die moderne Einstellung zum „Leben“ hat die vormoderne Einstellung zum Gott Abrahams abgelöst. Das „Leben“, so erkannte Illich, ist heute ein universell angebetetes Idol, dessen Wert als so selbstverständlich sakrosankt gilt, dass man, wenn man es in Frage stellt, Gefahr läuft, wie ein Wesen aus einer bösen Paralleldimension zu klingen oder — was viel wahrscheinlicher ist — einfach ignoriert zu werden, so als hätte man behauptet, man sei aus Wachs und esse Bleistifte. Das war Illichs Schicksal, als er begann, über das Leben zu sprechen.

Die oben erwähnte Verleugnung und existentielle Angst vor dem Tod hat ihre Entsprechung in einer pathologischen Anbetung dessen, was „Leben“ genannt wird, aber eigentlich eine groteske objektive Karikatur davon ist.

Wie alle Tugenden, die ihres komplementären Gegensatzes beraubt werden — wie etwa der Mut, der ohne Umsicht zur Rücksichtslosigkeit wird, oder das Vertrauen, das ohne Bescheidenheit zur Arroganz wird, oder die Originalität, die ohne Tradition zur Perversität wird —, wird die Liebe zum Leben ohne Akzeptanz des Todes zum lebendigen Tod.

Das soll nicht heißen, dass wir alle an einem Übermaß an Lebensfreude leiden, sondern dass wir als Ergebnis eines langen Prozesses der Entfremdung von unserer eigenen verkörperten Erfahrung dazu gekommen sind, das Leben nicht als eine undefinierbare, schwer fassbare Qualität zu sehen, sondern als ein Ding, das man besitzen, verwalten und kontrollieren kann, und indem es dinghaft geworden ist, hat es eine fast alptraumhafte unabhängige „Schattenrealität“ angenommen, die das tatsächliche Leben ihren Definitionen und Bedürfnissen untergeordnet hat. Das „Leben“ ist nun für uns, wie David Cayley es ausdrückt, „eine Instanz von etwas unvorstellbar Allgemeinem. (Es) kann bewertet und verbessert, besessen und bewahrt werden.“ Es kann und ist zu einer Art vergöttlichter Größe geworden, gegen die unsere tatsächlichen, individuellen Existenzen bloße Instanzen und damit entbehrlich sind.

Das erklärt, warum wir von der Todesstatistik der „Pandemie“ besessen sind und — falls Ihnen das vernünftig erscheint — von völlig irrelevanten Fällen. Es ist auch der Grund, warum das Versprechen, „Leben zu retten“, benutzt werden kann — und wird —, um jede erdenkliche Deformation unserer Erfahrung zu rechtfertigen — im Fall der „Pandemie“ damit, dass wir gezwungen sind, an einen Bildschirm gefesselt zu leben, ständig mit Hightech-Überwachungssystemen verfolgt und von unseren Mitmenschen getrennt zu werden. Alte Menschen wurden mit dickem Plastik umgeben, durften ihre Liebsten nicht berühren, und die Hirne von Kindern wurden auseinandergerissen, um sie als digitale Wissenskonsum- und -produktionseinheiten wieder zusammenzusetzen.

Alles, um „Fallzahlen zu reduzieren“ und „Leben zu retten“. Nicht aus Interesse am tatsächlichen Leben der Menschen, das das System und seine Funktionäre nur als Bedrohung der „Ordnung“ und der „Stabilität“ wahrnehmen können, sondern weil das „Leben“ als objektive Tatsache die Realität verdrängt hat. Unsere Vorstellungen von uns sind zu uns geworden, und wir sind zu unseren Vorstellungen von uns geworden. Einen höllischeren Zustand kann man sich nicht vorstellen.

Wann wird das alles vorbei sein?

Wenn diese Frage bedeutet: „Wann wird es sicher genug für die Verängstigten sein?“, lautet die Antwort: nie. Wenn sie bedeutet: „Wann wird es sicher genug für den Konzernstaat sein, um seine Kontrolle über unser Leben aufzugeben?“, dann lautet die Antwort: nie. Wenn es bedeutet: „Wann werden wir wieder in die ’normale‘ Welt zurückkehren, die wir 2019 hatten?“, dann ist die Antwort: nie, obwohl das in diesem Fall keine schlechte Sache ist, denn eigentlich war „normal“ nur ein etwas sanfterer Lockdown-Albtraum als der, in dem wir jetzt leben.

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Lockdown „Leben“ wird immer weiter gehen, bis genug Menschen erkennen, dass es nie enden soll (dass temporäre Tyrannei immer nur zu permanenter Tyrannei führt), bis genug Menschen sich weigern, Masken zu tragen, getestet und geimpft zu werden, diszipliniert zu werden und zu tun, was ihnen gesagt wird — was in der Praxis bedeutet, bis genug Menschen bereit sind, ihre Vergnügungen, ihre Bequemlichkeit und ihre Freundschaften zu riskieren, später vielleicht ihre Jobs und sogar eines Tages ihr Leben; für Freiheit, Wahrheit, Liebe und all diese anderen törichten, romantischen „Ideale“.

Bis dahin wird es nie aufhören. Es wird eine leichte Lockerung der Kontrolle geben, eine kleine Erleichterung, und dann wird eine neue „Variante“ auf magische Weise erscheinen (oder hergestellt werden? wer weiß?) und wir werden wieder zurück in die Lagereinheiten kriechen müssen, die die meisten von uns „Zuhause“ nennen. Wir könnten einen völlig neuen Virus bekommen, oder vielleicht verliert die Virusgeschichte ihre Kraft und eine neue Bedrohung muss erschaffen werden — Terroristen vielleicht, oder ein ökologischer Kollaps, oder Aliens aus einer fernen Galaxie; es ist wirklich egal.

Wie frei wir sind, wird und kann nur in eine Richtung gehen: in Richtung einer dystopischen Existenz, die nicht einmal Orwell, Huxley, Kafka oder Dick hätten vorhersagen können. Wieder einmal werden diejenigen, die in großen, bequemen Lagereinheiten mit schönen Gärten leben, ihre Hände über die Aushöhlung ihrer bürgerlichen Freiheiten ringen sowie über Berichte, dass Menschen weit weg von ihnen an Hunger und Armut sterben, aber sie werden sich durchwursteln, für eine Zeit lang.

Eine Zeit lang schon. Wenn die Billionen, die in das Finanzsystem gepumpt werden, zu einer Hyperinflation führen, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wird, dass der gesamte Planet effektiv zu einem Slum wird, wenn die Techniken der Kontrolle — die jetzt offen geplant werden (UBI, biotechnische Überwachung, soziale Kreditsysteme, et cetera) — so vollständig, so invasiv werden, dass die Menschen auf den Status der sie verdrängenden Roboter reduziert werden, wenn die natürliche Welt komplett auseinanderfällt, was zu Ernteausfällen, Überschwemmungen, Bränden und ähnlichem führt, und wenn, was noch viel schlimmer ist, der Mensch sich schließlich in sich selbst einsperrt — in das Gefängnis der mental-emotionalen Simulakra, die er Realität nennt — dann gibt es für niemanden mehr ein Entkommen, nicht einmal für das synthetische Wesen, das früher unter dem Namen Mark Zuckerburg in seinem Bunker in Neuseeland tätig war.

In der Zwischenzeit befindet sich der Rest von uns in einem Krieg, einem immerwährenden Krieg, gegen das System. Das sind wir schon seit Tausenden von Jahren, aber während wir in das Endspiel eintreten, wird die Natur des Feindes für immer mehr Menschen offensichtlich werden. Wenn genug Menschen verstehen, was das technokratische System ist und wie es funktioniert — siehe 33 Mythen des Systems für eine vollständige Anleitung — werden wir anfangen, sinnvolle Versuche zu sehen, es zu überwinden oder unabhängig davon zu leben.

Bis dahin können wir zu Millionen durch vom System kontrollierte Städte marschieren, Petitionen auf vom System kontrollierten Webseiten aufsetzen, bissige Posts auf vom System kontrollierten sozialen Medien schreiben und für Galionsfiguren in vom System eingebetteten „Demokratien“ stimmen und effektiv nichts ändern. Nicht, dass ich vorschlage, dass Sie keines dieser Dinge tun sollen, aber dort kann keine Lösung liegen, genauso wenig wie Freiheit in einem gerechter geführten Gefängnis gefunden werden kann. Wir können nur auf der anderen Seite der Mauern frei sein — ein Ort, der viel näher ist, als Sie denken.


Darren Allen ist ein radikaler britischer Autor und Philosoph. Sein Werk widmet sich dem Wesen der Realität, dem Ursprung der Zivilisation, dem Schrecken von Arbeit, Tod, Gender, mentaler „Krankheit“, Miss Genius, bedingungsloser Liebe und Leben jenseits des Spektakels. Gottseidank verfügt er über keinerlei Qualifikation, die ihn dazu berechtigen würde, über all diese Dinge zu schreiben. Weitere Informationen — auf Englisch — unter expressiveegg.org.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien unter dem Titel „‚Pandemic‘ Questions“ zuerst auf dem Blog von Darren Allen. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert. Aufgrund der Länge wurde er zweigeteilt. Teil 1 finden Sie hier.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Eine kürzlich erschienene Abhandlung über die Wirksamkeit von Impfungen kam zu dem Schluss: „Für drei durch die Impfung verhinderte Todesfälle müssen wir zwei durch die Impfung verursachte Todesfälle akzeptieren. Die Schlussfolgerungen: Dieser Mangel an klarem Nutzen sollte Regierungen dazu veranlassen, ihre Impfpolitik zu überdenken.“ Die Arbeit wurde von der Fachzeitschrift, in der sie veröffentlicht wurde, zurückgezogen, da sie einen „kausalen Zusammenhang“ zwischen unerwünschten Ereignissen in den Niederlanden und der Meldung eines Todesfalls unterstellte. Die Autoren reagierten auf den Rückzug: „Derzeit haben wir nur eine Assoziation, wir stimmen zu, und wir haben nie etwas anderes gesagt. Aber das Gleiche gilt für Todesfälle als Folge von SARS-CoV2-Infektionen. Die Fälle, die hier als Todesfälle gezählt werden, sind in den seltensten Fällen durch Autopsie oder Zweitmeinung überprüft, aber dennoch als Todesfälle aufgrund von COVID-19 gezählt. Und genau diese vermeintlich hohe Zahl von COVID-19-bedingten Todesfällen war der Anlass für einen beispiellos schlampigen Regulierungsprozess, der es ermöglichte, dass neuartige Impfstoffe, die einen noch nie am Menschen getesteten Mechanismus verwenden, in der Bevölkerung weit verbreitet werden konnten.“


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Doping(-Propaganda) – eine endlose Geschichte

Der konstruierte Skandal

Behauptungen, im DDR-Sport seien mit Dopingmitteln „Menschenversuche“ durchgeführt worden, entbehren jeder Grundlage.

von Helmar Gröbel, Gerd Machalett

Wenn Sieger die Geschichte schreiben, gilt der altlateinische Spruch „Vae victis“ — Wehe den Besiegten! Noch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR versuchen westdeutsch dominierte Medien, den Ruf des ehemaligen realsozialistischen deutschen Staates zu schädigen. Neben dem DDR-Event-Vierteiler dient dazu vor allem das Genre der historischen Dokumentation. Noch Anfang dieses Jahres lief in der ARD eine Sendung, in der wieder einmal der DDR-Sport ins Visier geriet. Nicht nur das Schreckensbild einer „durchgedopten“ Sportlerriege wurde darin an die Wand gemalt — auch von Menschenversuchen war die Rede. Offenbar fällt es noch immer schwer, die damaligen Leistungen der Athleten eines relativ kleinen Landes als das anzuerkennen, was sie waren. Entweder stecken angeblich Aufputschmittel dahinter, oder totalitäre Menschenschinderei trieb die Sportler zum Äußersten. Die Autoren zeigen in ihrem Artikel, dass solche Vorwürfe einer genaueren Untersuchung nicht standzuhalten vermögen.

Am 26. Februar 2021 strahlte die ARD eine von Seppelt und anderen Journalisten produzierte Dokumentation aus, in der behauptet wird, dass im Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport in Leipzig von 1975 bis 1977 von den späteren Professoren Hermann Buhl und Jochen Scheibe „geheime“ Leistungsteste, auch mit Dopingmitteln, an Freizeitsportlern als „Versuchskaninchen“ zur „Schonung der Elite-Sportler“ durchgeführt wurden. Anne Drescher, die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern (M/V) für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, behauptete in der Doku, dass das „Menschenversuche“ waren und dadurch „Menschenrechtsverletzungen“ begangen wurden.

Die sachkundige Aufarbeitung durch Zeugenaussagen, verfügbare Dokumente, Veröffentlichungen und Aufzeichnungen sowie Prüfung der wissenschaftlichen Plausibilität der Behauptungen ließ erkennen, dass es sich hier ebenfalls wie bei der Mähr vom „Zwangsdoping“ um eine diffamierende Zweckkonstruktion der „Aufarbeitungsindustrie“ handelt, die nicht unwidersprochen bleiben darf.

Als Spezialisten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur haben Drescher, die Landesbeauftragte für die SED-Diktatur in M/V und „Investigationsjournalisten“ um Hajo Seppelt das „Zwangsdoping“ als Dauerthema wieder neu belebt.

Durch den Eklat bei den unwissenschaftlichen Machenschaften des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH-Verein) unter Leitung von Professor Ines Geipel drohte die Konstruktion des „Zwangsdopings“ gänzlich zu einer sportpolitischen Farce zu verkommen. Höchste Zeit, dass wieder an Zwang, massive Gesundheitsschäden, die Lebensverkürzung und die konspirativen Stasi-Strukturen der „kriminellen Körperpolitik“ der DDR erinnert wird.

Dabei bleibt aber unverändert bestehen, dass die Wissenschaftlichkeit bei den Unterstellungen und Beschuldigungen des Leistungssportes der DDR (2, 3, 4) fehlt. Der „Zwang“, die tief greifenden körperlichen, psychischen und sozialen Schäden als Folgen des Dopings sowie die Lebensverkürzung bis zu 15 Jahren durch Doping konnten nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Dazu wurde bereits 2017 ein Forschungsvorhaben in M/V mit einem finanziellen Aufwand von 178.000 Euro zur Untersuchung der Doping-Problematik unter Förderung der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeleitet und mit erheblichem PR-Aufwand publik gemacht, so im Ärzteblatt M/V. Im Mittelpunkt steht die Promotion von Frau Geipel zu „Hybris und Gewalt“. Auf Nachfrage zum Stand der Promotion im Sommer 2020 blieben vier konkrete Fragen unbeantwortet:

  • Wurde die Doktorarbeit bereits vollendet?
  • Wenn ja, kann man diese Arbeit einsehen?
  • Wenn ja, wie hoch waren die Steuermittel, mit denen diese Arbeit gefördert wurde?
  • Falls nein, steht ein Ende fest?

Da die Doktorandin und ihr Betreuer der Beantwortung dieser Anfrage nicht zustimmten, wurde die interessierte Öffentlichkeit weiter im Unklaren gelassen, so auch das Schreiben des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur M/V mit dem Aktenzeichen VII-3501 vom 22. Juni 2020.

Sämtliche Irritationen zur Arbeit des DOH-Vereines und der verantwortlichen Abteilung in der BRD-Regierung zur Frage der Entschädigung der Doping-Opfer mit je 10.500 Euro könnten beseitigt werden, wenn eine zusammenfassende Statistik zu den abgeschlossenen Fällen veröffentlicht würde.

Da die Fragen von Dauer-Dopingschäden: Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Co-Faktoren für Dopingschäden, Sportart-spezifische Wirkungsweise, Dauer der Doping-Einnahme und eventuelle Vorschädigungen, Möglichkeiten der Schädigung des Organismus nach Beendigung der Sport-Karriere sowie familiäre Krankheitsdisposition bisher unklar sind, könnte die statistische Aufarbeitung und Analyse ein wichtiger Schritt zur Schaffung einer wissenschaftlich belastbaren Grundlage für die Einschätzung von Dopingschädigungen sein.

Sollte es um die Existenzberechtigung der Landesstellen für die Aufarbeitung der SED-Diktatur gehen, wenn Hajo Seppelt, Josef Opfermann und Jörg Mebus gemeinsam mit Frau Ines Drescher die „heimlichen“ Menschenversuche an Freizeitsportlern der DDR ins Visier nahmen?

Testreihen mit Freizeitsportlern

Im Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FSK) in Leipzig führten Mitte der 1970iger-Jahre Hermann Buhl und Jochen Scheibe über mehrere Jahre Testreihen mit Freizeitsportlern zu Auswirkungen von Ausdauerbelastungen auf die biochemischen und strukturell-anatomischen Anpassungsmechanismen des Organismus durch. Man kann diese Untersuchungen zur Grundlagenforschung in der Sportmedizin rechnen. Dabei standen im Mittelpunkt der Datengewinnung vor allem die Laktat-Leistungskurve und die Beeinflussung der schnell kontrahierenden FT-Muskelfasern mit hohem Wirkungsgrad im Verhältnis zu den ST-Fasern, gesichert durch Muskelbiopsien.

Die Probanden nahmen auf freiwilliger Basis an den aufwändigen, belastenden Lauftests und nicht immer schmerzfreien Biopsien teil. Es bestand keinerlei Unterschied zu den Trainings-Überwachgungsuntersuchungen bei Hochleistungssportlern in der DDR.

Die Behauptung, dass die Freizeitsportler „Eingriffe aushalten mussten, die die Drahtzieher des Staatsdopings ihren Stars nicht zumuten wollten“, ist unsinnig.

Wer das behauptet, hat keine Ahnung vom Leistungssport, der Sportmedizin und dem Design von sportmedizinischen Versuchen weltweit. Im Leistungssport ist ein Erkenntnisgewinn nicht durch Ratten- und Mäuseversuche möglich, hier muss bei Maximalbelastungen vom Sportler Leistung abverlangt und objektiv gemessen werden.

Die Sportgruppe war so „konspirativ“, dass Professor Wildor Hollmann nach 1990 angab, dass er jederzeit informiert war, was hinter den Türen des FKS in Leipzig passierte.

Man darf sich den Sport in der BRD und der DDR nicht so vorstellen, wie es Politiker mit Alleinvertretungsanspruch praktizierten. So veröffentlichte Professor Hollmann von der Sporthochschule Köln zusammen mit Professor Kurt Tittel von der DHfK ein Buch zur Geschichte des Sportes in Deutschland. Manfred Ewald und der DVfL-Präsident Gregor Wieczisk waren zu runden Geburtstagen von Dr. Danz 1978 und 1988 unter den Gästen. OMR Dr. Höppner und Prof. Manfred Donike aus Köln tauschten regelmäßig ihre Ansichten und Erfahrungen zu Dopingfragen aus (5). Offensichtlich sind die Vorurteile wichtiger als die Urteile in den Kreisen der „Aufarbeitungsindustrie“.

Die Behauptung von „Menschenversuchen“ und gar „Menschenrechtsverletzungen“ (O-Ton Drescher) zeigen Wissenslücken zu ethisch-rechtlichen Normen der Arzneimittel-Gesetzgebung und den Festlegungen zu Erprobungen und Experimenten am Menschen in der DDR (1).

Die Versuchsreihen waren von der Ethik-Kommission der Universität in Leipzig genehmigt. Für die Probanden galt strikte Freiwilligkeit und die Möglichkeit, jederzeit aus dem Testprogramm auszusteigen.

Ohne Beweise wird vom „Dopingexperten“ Hajo Seppelt der Untersuchungsreihe an Freizeitsportlern Doping unterstellt. Es können zwar keine Dokumente wie die Verpflichtung zur Geheimhaltung, sportmedizinische Ergebnis-Dokumentation, Überwachung des Probanden durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) vorgelegt werden, sondern Seppelt beruft sich auf subjektive Behauptungen des einzigen „Versuchskaninchens“ Hans-Albrecht Kühne und dessen dubiöse Aufzeichnungen. Sowohl seine Klagen: etwas stimmt nicht, ich fand nicht mehr den Ausschalter, mir wurde plötzlich klar, dass ich gedopt bin und die dramatische Schilderung seiner Schmerzen im Unterbauch, Blut im Urin und Ejakulat sind keineswegs Doping-assoziierte Zeichen.

Wer ein kleinen wenig von der Medizin und den anabol-androgenen Steroiden versteht, erkennt in der Symptomatik kaum eine akute Testosteron-Wirkung sondern denkt eher an eine Prostatitis und/oder Ependidymitis.

Was ich im Film von Kühne gesehen habe, macht ihn für mich zu keinen glaubwürden Zeugen. Seine geklagten „Spätschäden“ des Dopings, ein einseitiges Beinödem bei Lymphabflussstörungen nach Quatrizeps-Biopsien sind als Biopsie-Zwischenfälle oder Schäden nicht bekannt. Entzündungen oder Thrombosen nach den Biopsien wurden von Kühne nicht geltend gemacht. Bei Treffen der Laufgruppe noch viele Jahre nach der Wende bei Hermann Buhl in Bad Idberg waren bei Kühne keine gesundheitlichen Folgen der „Dopingteste“ auszumachen, wie andere Teilnehmer berichteten. Er soll an einem Staffellauf in Güstrow 2015 bei bester Gesundheit und guter Leistungsfähigkeit noch teilgenommen haben.

Zum körperlichen Befinden der Ausdauerläufer im Alter liegen unterschiedliche Angaben vor. Einige Teilnehmer der Buhl’schen Laufgruppe waren bis ins Rentenalter erfolgreiche Läufer. Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ (1), der heute Freizeitsportler von damals betreut, informierte zu deren Klagen, dass sie „völlig fertig“ seien, ihr Immunsystem überfordert war und ihre körperliche Leistungsfähigkeit jetzt erheblich eingeschränkt sei.

Drei Testpräparate

Tatsächlich wurden vom 1. September 1976 bis zum 1. März 1977 im FKS für das Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) in Jena im Rahmen einer klinischen Erprobung der Phase I an sechs Probanden drei Präparate getestet:

  • STS 482: 5-alpha-Dihydro Oral-Turinabol
  • STS 646: 5-alpha-Dihydromethyltestosteron
  • STS 648: 4-Chlor-5-alpha-Dihydromethyltestosteron (Mesterolon)

Das Mesterolon war ein Westimport und dort seit 1967 im Gebrauch, das STS 482 und 646 waren offensichtlich Produktionen von Jenapharm und sollten Importe substituieren. In der Phase I einer Prüfung werden die Verträglichkeit, Wirkungsweise und Nebenwirkungen des Testpräparates geprüft. Die Bemerkung: „in der DDR nicht zugelassen“ ist eine leere Phrase, denn die Präparate werden geprüft, damit sie zugelassen werden können.

Üblicherweise wurden im FKS für solche Testungen Mitarbeiter gewonnen. Es ist ungewöhnlich, dass ein Freizeitsportler angeblich dafür herangezogen worden ist. Auch in diesem Falle konnten die Filmemacher keine beweisenden Dokumente vorlegen.Miserskys Meinung:

„Doping im Freizheitsport/Breitensport war weder staatlich organisiert, noch angeordnet oder gewollt. Wer an sportmedizinischen Untersuchungen oder Trainingsversuchen freiwillig teilnahm, war nicht das Objekt staatlicher Willkür, sondern hatte das selbst zu verantworten.“

Diese Untersuchungen als „Menschenrechtsverletzungen“ zu charakterisieren, zeigt die Ignoranz, historisch-wissenschaftliche Untersuchungen zur Problematik der unterstützenden Mittel weltweit zur Kenntnis zu nehmen.

Schizophrenie der Vergangenheitsbewältigung

Auf dem 32. Sportärzte-Kongress (West) vom 18. bis 21. Oktober 1990 hörte ich den Vortrag: „Doping-Untersuchungen an Freizeitsportlern“ — mit 1.500 mg Testosteron über sechs Wochen einschließlich Muskelbiopsien. Offensichtlich fallen „demokratische“ Dopingteste und Biopsien nicht unter „Menschenrechtsverletzungen“. Verstehe da noch einer die Schizophrenie der Vergangenheitsbewältigung im deutsch-deutschen Sport.

Historiker verlassen sich nur bedingt auf Zeitzeugenaussagen und auch nur dann, wenn sie nachprüfbar sind. Lebens-Erinnerungen sind eine subjektive Wiedergabe der Wirklichkeit.

Kühnes verzerrte Schilderungen der Ereignisse, die über 50 Jahre zurückliegen, lassen sich kaum als Basis für die neuerlich geplante Diskriminierungskampagne des DDR-Sportes verwenden, wie die Schilderungen des glaubhaften Zeitzeugen Helmar Gröbel belegen können.

Angaben von Helmar Gröbel, Teilnehmer an den Untersuchungsreihen als Sportstudent an der DHfK Leipzig bis 1976 als Zeitzeuge:

„Nach einigen Minuten der Doku war ich mit meinen Erinnerungen wieder in meiner Studentenzeit von 1972 bis 1976 an der DHfK in Leipzig. Nur für kurze Zeit hatte ich wieder den Schwung der Jugend, doch die Freude verflog bei den Darstellungen im Film, die absolut nichts mit der Wirklichkeit gemein hatten. Dubiöse Aufzeichnungen, bösartig verzerrte Kommentare, die die Grenzen der Sachlichkeit überschritten und einen Eindruck von Unterdrückung und Menschenfeindlichkeit schaffen sollten. Die Beschreibungen des ‚Hauptdarstellers‘ wie ‚…Experimente am lebenden Objekt …“

… „geheime Trainingsmethoden“… „Ich hatte das Gefühl, als wenn ich die Unterwelt betrete — eine andere Welt …“ „Gerüche lagen in der Luft … Es herrschte eine gespenstige Situation …“ und dann: „Meine Ohrläppchen wurden durch die Blutabnahme zerfetzt.“ Mit viel Fantasie wurde fast eine Folterszenerie aufgebaut.

Ist es Dummheit, Naivität, Gewissenlosigkeit oder gedankenlose Wiedergabe eines vorgegebenen Textes, vielleicht sogar das Streben, als Opfer eine Entschädigung zu erlangen?

Diese Gedanken und die Bewertung erlaube ich mir als Zeitzeuge bei der Teilnahme an den sportmedizinischen Testungen von Dr. Hermann Buhl während meiner Studienzeit an der DHfK. Ich nahm das Angebot für diese wissenschaftlichen Untersuchungen dankbar an, weil sie mein Wissen und die Erkenntnisse für eine moderne Trainingssteuerung erweitern würden. Die Teilnahme an den Muskelbiopsien, den Blutabnahmen zur Laktat-Testung und Laufbandtesten war freiwillig. Jederzeit hätte ich meinen „eigenen Weg gehen“ und das Programm beenden können. Vor jeder Muskelbiopsie fragte mich Buhl fast väterlich: „Na, wollen wir es machen… bist du bereit?“

Als Zeitzeuge weise ich die Beschuldigung zurück, dass diese Testungen gesetzeswidrig oder gar menschenfeindlich waren. Muskelbiopsien werden weltweit durchgeführt, um Veränderungen im Muskelgewebe zu erkennen, und haben so in der Klinik und der Sportmedizin Bedeutung.

Die beiden „Hauptdarsteller“ Hans-Albrecht Kühn, damals Journalistik-Student in Leipzig, und Bernd Moormann kannte ich persönlich. Mit Moormann wurde ich als Wehrpflichtiger für die Armee-Cross-Meisterschaft vorbereitet.

Ich stellte mir nach der Sendung die Frage, was diese beiden veranlasst haben könnte, sich für die sport-politische Sendung Seppels zur Verfügung zu stellen. War es Unzufriedenheit mit dem Lebenslauf in der DDR, Unzufriedenheit mit dem persönlichen Schicksal vor oder nach der Wende? Fanden beide keinen Platz in der neuen Gesellschaft?

Sicherlich ist es schwer, ins Herz des anderen zu schauen. Aus meiner subjektiven Sicht erlaube ich mir dennoch das Urteil: Jeder mit normaler Intelligenz wusste, um was es bei diesen Untersuchungen ging und wie der Ablauf, die Belastungen und Einschränkungen sein werden. Wenn Hans-Albrecht Kühne meint, „dass er in der DDR nicht selbstbestimmt leben konnte“, ist er unehrlich. Jeder konnte, allerdings im Rahmen seiner sozialen Gemeinschaft und für sich individuell eigene Entscheidungen treffen.

Das Auftreten und die Kommentare von Hajo Seppelt vermittelten das Gefühl der Unanständigkeit und Missachtung anderer Menschen. Sein Anliegen war sichtbar — die Verunglimpfung des DDR-Sportes und die Festlegung, wer Opfer und wer Täter ist.

Wenn Kühne die 20 Mark Entschädigung pro Muskelbiopsie — er ließ sich 30 Mal punktieren — als „Fleischgeld“ abqualifiziert, kann man getrost das Einkassieren einer Doping-Opferhilfe als „Kopfgeld“ bezeichnen.

Nach meinen Recherchen hat sich kein anderer Teilnehmer der Testgruppen von Buhl bereit erklärt, als Komparse für Seppelt sich vor der Kamera zu „prostituieren“.

Aufgeblähte Lügen

Mit dem Verweis Seppelts und Co. auf den zweimaligen Olympiasieger im Marathonlauf Waldemar Cierpinski mit Bezug auf die Laufgruppe Buhls und der Hinweis, dass Muskelbiopsien den Elitesportlern nicht zugemutet wurden, sowie die nebulöse Vermutung der Einnahme unterstützender Mittel wird die Sachebene verlassen und die Recherche durch Lügenkonstruktionen aufgebläht. Die Testungen der Gruppe im FKS hatten sowohl zeitlich als auch fachlich nichts mit Cierpinski zu tun. Waldemar Cierpinski und der Mitautor Helmar Gröbel hatten den gleichen Mentor für ihre Diplomarbeit an der DHfK, Dr. Manfred Scholich, und führten im Frühjahr 1976 mehrere Konsultationen zum Thema: „Trainingsmethodische Vorbereitung einer Marathonleistung“.

Die Teilnahme und der Sieg bei Olympia waren zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht abzusehen. Die Aussage Kühnes zur Nutzung der Ergebnisse der „Versuchskaninchen“ für Medaillen ist ein Hirngespinst. Übrigens hatte Cierpinski bereits am 17. Juni 1976 in Karl-Marx-Stadt die Olympianorm geschafft. Da waren noch keine Ergebnisse von Kühne verfügbar. Was soll also der Quatsch vom Versuchkarnickel für die Elite?

Die Fernseh-Doku Seppelts untergräbt das Vertrauen in die journalistische Sorgfaltspflicht mit dieser unseriösen spektakulären Räuberpistole über das menschenverachtende und menschenrechts-verletzende Zwangsdoping, nach neuesten Erkenntnissen(?) auch im Freizeitsport der DDR.

Rachsucht trübt den Blick und die klare Sicht auf die Wirklichkeit, deshalb ist es für die Zeitzeugen aus der DDR bitter, wenn ihnen von Laien vorgeschrieben wird, was sie zu denken und was sie selbst erlebt haben.

Besonders arrogant und überheblich kam bei kundigen Zuschauern an, wie ein Journalist versuchte, Professor Jochen Scheibe in Bad Pyrmont „vorzuführen“. Der Jenaer Hochschullehrer Scheibe hatte keinen Anteil an der Dopingforschung und dem Einsatz, wie es an einigen Universitäten in der BRD üblich war. Hier wurde an zahlreichen Hochschul-Sportmedizinischen Einrichtungen, zum Beispiel in Freiburg, Dopingforschung betrieben(6).

Natürlich war der Staatsplan 14,25 auch Professor Scheibe bekannt, aber es ist eine Unterstellung, Wissen für strafbar zu erklären.

Vielleicht hätten Seppelt und Co. bei ihren Recherchen im Protokoll der Landtages-Sitzung in M/V vom 10. September 2015 nachlesen sollen. Dort äußerte Scheibe:

„Doping in der Vergangenheit war maßgeblich begründet durch die Ost-West-Konkurrenz der beiden Deutschen Staaten. Dabei standen die betreuenden Ärzte im Leistungssport oft unter dem Zwiespalt zwischen Sicherung der Chancengleichheit der betreuten Sportler und ethischen Verpflichtungen ihres Berufes. Deshalb darf sich der Kampf gegen Doping nicht auf einen Kampf gegen den Sport der ehemaligen DDR beschränken.“

Doping war kein DDR-spezifisches Problem.

Nichts klappt besser zur Rechtfertigung des eigenen Versagens als die Behauptung des „Zwanges von Elbe bis Oder“.

Politisch diktierte Einengungen erzeugen ein deformiertes Bild von Körperkultur und Sport in der DDR.

Der „Facharzt für Sportmedizin“ der DDR wurde in der neuen BRD nach 1990 nicht eingeführt. Die Bezeichnung „Sportmedizin“ kann als Zusatzbezeichnung erworben werden. Für mich ist das ein bedenklicher Qualitätsverlust im Bereich der medizinischen Absicherung des Breiten- und Leistungssportes.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Hartmut Bettin: „Zum Umgang mit ethischen Fragen bei der Forschung am Menschen in der DDR.“ Zeitschrift für medizinische Ethik 56(2010), S. 235-250
(2) Blackbox-Doping-„Opfer“-Hilfe http://dopingalarm.de/files/autorentext/aktuell.pdf: Werner Franke, Claudia Lepping, Henner Misersky, Gerhard Treutlein
(3) Lutz Thieme: German Journal of Exercise and Sport Research. 50. S. 280-296(2020)
(4) Gerd Machalett: „Die Doping-Legende“
http://www.rubikon.news/artikel/die-doping-legende
(5) „Rotwein im Kofferraum“. Der Spiegel 44/2011, S. 154-155
(6) MainPost: Exklusiv: Doping in Deutschland. Die Akte VF-1220/13/72
File:///M:/Exklusiv Doping in Deutschland. Die Akte
VF-1220_13_72.htm


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 04.08.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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Pandemie-Fragen von Darren Allen (Teil I)

Die Nagelprobe

Maßnahmen-Befürworter sollten sich bestimmte Fragen stellen, ehe sie stur diesen zerstörerischen Kurs bis zum bitteren Ende mitgehen.

von Rubikons Weltredaktion

Im Folgenden finden Sie eine kritische Zusammenfassung der Coronavirus-Geschichte. Außerdem eine Liste von Fragen, gerichtet an Menschen, die die Lockdowns unterstützt haben und die glauben, dass wir im Jahr 2020 einer einzigartigen Bedrohung ausgesetzt waren, die diese rechtfertigte — zusammen mit sozialer Distanzierung, Masken, Impfstoffen, Tracking-Apps und all dem. Die meisten, wenn nicht alle diese Fragen sollten überzeugend beantwortet und nicht einfach mit ein paar billigen Einwänden und Etiketten abgetan werden — allen voran natürlich die Worthülse „Verschwörungstheoretiker“. Wenn Sie also Lockdowns unterstützt haben, dann schlage ich vor, einen näheren, ernsthaften Blick auf das Folgende zu werfen. Wenn Sie gegen Lockdowns waren, wird dieser Artikel hoffentlich Ihre Position stärken. Sie können ihn dann an so viele Menschen wie möglich weiterleiten, die nicht Ihrer Meinung waren. Bitten Sie sie höflich um eine Liste von Antworten.

von Darren Allen

Soziale Medien erfüllen ihren Zweck, aber auf Plattformen wie Twitter, Facebook und so weiter werden jetzt aktiv Links zu Lockdown-kritischen Artikeln zensiert, egal wie vernünftig oder wissenschaftlich diese sind, sogar solche, die einfach offizielle Daten zitieren. Ich habe daher dieses PDF zusammengestellt, das Sie verwenden können, um es über andere Kanäle zu teilen, einschließlich realer, physischer, von Hand zu Hand.

Hätten wir Lockdowns machen sollen?

Alle anderen Fragen sind dem gegenüber zweitrangig. Es war der Lockdown, der so viele Menschen um den Verstand gebracht hat. John Ioannidis: „Mehrere Studien auf der ganzen Welt deuten darauf hin, dass wir eine Verdoppelung und Verdreifachung der psychischen Gesundheitsprobleme haben“, als Ergebnis des Lockdowns.

Er hat das, was von unserem ohnehin schon miserablen kulturellen Leben übrig geblieben ist, vernichtet — und wird es weiterhin vernichten —, hat Millionen von Menschen das Leben gekostet, die nicht in der Lage waren, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten, hat die Macht des korporativen Staates enorm aufgebläht, den größten Vermögenstransfer in der Geschichte verursacht und Millionen in die extreme Armut getrieben (siehe unten).

Alle anderen Fragen, die sich aus dieser Grundfrage ergeben, sind in der Tat aufgesetzt — „sollten Sie eine Maske tragen?“ zum Beispiel, oder „sollten Sie sich impfen lassen?“ sind nicht viel anders als „sollten Sie Ihre Frau mit einem Stock oder einem Ast schlagen?“ — und daher überflüssig.

Wirken Lockdowns?

Es gibt keinen Beweis dafür, dass sie funktionieren, und es gibt Dutzende von Studien, die zeigen, dass sie es nicht tun (siehe Anhang 1, unten), obwohl der gesunde Menschenverstand zeigt, dass dieses beispiellose globale Experiment, eine „Pandemie“ zu managen, zumindest fragwürdig war und mit ziemlicher Sicherheit völlig unnötig waren angesichts der Tatsache, dass die Länder, die den härtesten Lockdown durchführten (wie Großbritannien und die USA), anscheinend die höchsten Todesraten hatten, und angesichts der Tatsache, dass diejenigen, die kaum oder gar keinen Lockdown durchführten, nicht schlechter und oft viel besser abschnitten.

Aber was ist mit Australien und Neuseeland mit ihren extrem harten Lockdowns und sehr wenigen Todesfällen? Der Punkt ist nicht, dass man ein paar Todesfälle durch ein neuartiges Coronavirus verhindern kann, wenn man einen abgelegenen Inselstaat in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt, in dem niemand rein- oder rauskommt, sondern dass das Gesamtmuster der Härte des Lockdowns gegenüber der Anzahl der Todesfälle zeigt, dass Lockdowns keinen nennenswerten Effekt hatten. Gar keinen. Der größte Teil Afrikas, der schlampig oder (im Fall von Tansania) gar keinen Lockdown einsetzten, hat diese einzigartig tödliche Krankheit kaum bemerkt — ebenso wenig wie Länder mit leichtem Lockdown wie Japan, Taiwan, Belarus, Schweden und weitere.

Lockdowns waren noch nie zuvor zur Bewältigung von Epidemien eingesetzt worden. Viele Experten (in angesehenen Positionen in der Ärzteschaft; siehe unten) stellten in Frage, ob man sie hätte einsetzen sollen. Es gab keine Risikoanalyse — obwohl es schreckliche Vorhersagen von sekundären Folgen gab (siehe unten) — und, am verheerendsten von allen, selbst als die Todesfälle auf effektiv Null zurückgingen, wurde und wird damit immer noch fortgefahren!

Die Tatsache, dass sich zum Beispiel Großbritannien und Deutschland im Lockdown befanden, während Texas drei Monate lang völlige „Normalität“ genoss — hat mehr oder weniger bewiesen, dass das Ziel des Lockdowns nichts damit zu tun hatte, die Menschen vor einer „Pandemie“ zu schützen.

Warum Großbritannien Mitte Juni 2021 immer noch im Lockdown war, während die Schweden ihr Leben „normal“ weiterführten, lässt sich nur erklären, wenn man davon ausgeht, dass es andere Gründe gab als die ach-so-schreckliche „Indische/Delta-Variante“, die bis Juni in Indien immer noch nicht so viele Tote wie Selbstmorde gefordert hatte — oder, sehr wahrscheinlich, so viele Tote wie der Lockdown —, die bemerkenswerterweise eine tödlichere Version der vorherigen Variante sein sollte (es ist selten, dass Viren zu tödlicheren Stämmen mutieren), die auf magische Weise aus den Nachrichten verschwand, sobald die Inder begannen, sie mit Ivermectin zu behandeln (siehe unten), und die, was entscheidend ist, in Großbritannien kaum jemanden das Leben kostete. Die Fälle schossen in die Höhe, während die Todesfälle durch das tödliche Delta mit denen durch Stürze gleichzusetzen waren. Das ist allerdings nicht das, was die Medien glauben machen wollen.

Wie kommt es, dass Schweden gut abgeschnitten hat?

Ach ja, Schweden. Das große Rätsel. Um diesen eklatanten und hartnäckigen Vorwurf an die neu fabrizierte Un-Realität wegzuerklären, musste und wurde es mit Finnland und Norwegen verglichen — und der kleine Unterschied zugunsten letzterer zum Grund erklärt, die Tatsache zu ignorieren, dass die vorhergesagte Apokalypse Schweden nicht heimgesucht hat. Schauen Sie:

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Oder nehmen Sie das hier. Meilenweit von der vorhergesagten Apokalypse entfernt und mehr oder weniger dasselbe wie andere europäische Nationen (siehe unten).

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Gab es eine „Pandemie“?

Und selbst wenn Lockdowns funktionierten, selbst wenn wir wüssten, dass sie funktionierten, warum ein Lockdown für ein Virus mit einer ähnlichen Fallsterblichkeitsrate wie eine schwere Grippe oder vielleicht eine sehr schwere Grippe — entweder so schwer oder vielleicht doppelt so schwer wie die von ’57 und ’68 (siehe Anhang 2, unten), ein Virus, das fast ausschließlich Menschen tötete, die im Begriff waren, an Altersschwäche zu sterben, das heißt, die sowieso an Grippe oder Lungenentzündung gestorben wären? Das durchschnittliche Sterbealter lag in den meisten Ländern bei 80 Jahren, und die Sterbenden hatten zwei oder mehr „Begleiterkrankungen“ — sehr schwere Erkrankungen.

Es war praktisch unmöglich, dass junge, gesunde Menschen an der „Pandemie“ starben. Deshalb kannte auch kaum jemand jemanden unter 70 Jahren, der tatsächlich daran gestorben war.

Es gab keine Leichen auf den Straßen, niemand fiel plötzlich tot um — wie uns die berühmten Wuhan-Videos weismachen wollten —, es gab keinen dramatischen Anstieg der Gesamtsterblichkeit, in vielen Fällen gab es weniger Todesfälle als im Durchschnitt, die Menschen, die in den Supermärkten — an vorderster Front — arbeiteten, fielen nicht wie die Fliegen um, und es starben keine bekannten Persönlichkeiten daran.

Hier ist eine Grafik der altersstandardisierten Sterblichkeitsrate in Großbritannien, einem Land, das, wie man uns sagte, von dieser schrecklichen Geißel heimgesucht wurde. Altersstandardisierte Sterblichkeitsraten messen die Anzahl der Todesfälle pro 100.000 Individuen, korrigiert für Altersunterschiede durch Normierung auf eine konstante Referenzbevölkerungsverteilung; dies korrigiert sowohl Veränderungen und Unterschiede in der Bevölkerungsgröße als auch den verzerrenden Einfluss einer jungen oder alternden Bevölkerung und liefert ein viel genaueres Bild.

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Wie Sie sehen können, war 2020 ähnlich wie 2004. Deshalb gehen die Grafiken im Fernsehen, die zeigen, wie grauenhaft schrecklich 2020 war, nicht über 2010 hinaus. Hier sind die USA, ein weiteres „verwüstetes“ Land. Ziemlich genau dasselbe wie in Großbritannien.

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Und hier, nur so zum Vergleich, die Zahlen zur Übersterblichkeit in Italien, einem der „am stärksten betroffenen“ europäischen Staaten, mit freundlicher Genehmigung von @RealJoelSmalley auf Twitter, der darauf hinweist, dass „keine Altersgruppe unter 70 Jahren eine signifikante Übersterblichkeit aufweist. Selbst die Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen ist kaum wahrnehmbar. Nur die Altersgruppe der über 80-Jährigen war während der gesamten Corona-Situation betroffen. Ich tue mich schwer damit, sie als dauerhafte Pandemie zu bezeichnen.“ Weitere Informationen, einschließlich einer Aufschlüsselung nach Regionen, gibt es hier.

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Diese niedrigen Todeszahlen werden von Lockdown-Eiferern trotz aller gegenteiligen Beweise den Lockdowns zugeschrieben. Dass sie ohnehin niedrig gewesen wären, wie so viele andere Länder bewiesen haben, dass es, wie erwähnt, fast unbestreitbare technische Beweise dafür gab, dass sie nicht funktionierten, und dass die Kosten der Lockdowns unverhältnismäßig hoch waren — all das ist für fundamentalistische Lockdown-Anhänger unmöglich zu akzeptieren, aus demselben Grund, aus dem alle fundamentalistischen Gläubigen sachliche Beweise ablehnen.

Der geringe Anstieg der altersstandardisierten Gesamttodesfälle wurde der „Pandemie“ zugeschrieben und nicht dem „Lockdown“. Schlagzeilen im ganzen Spektrum verkündeten einen „Anstieg der Selbstmorde aufgrund der Pandemie“ und einen „Anstieg der Krebstodesfälle aufgrund der Pandemie“ und so weiter. Das waren Lügen. Die Menschen starben an einer virulenten grippeähnlichen Krankheit, aber sie starben auch — und sterben immer noch — an Armut, an Verzweiflung, daran, dass sie keinen Zugang zu medizinischen Ressourcen hatten, die sonst zur Verfügung gestanden hätten, und an anderen Krankheiten, die als „Covid-Todesfälle“ bezeichnet wurden.

Darüber hinaus wurden hier in Großbritannien einige alte Menschen buchstäblich ermordet. Ein Bericht der Care Quality Commission, der im November 2020 veröffentlicht wurde, fand viele Beispiele für die unangemessene und ungesetzliche Verwendung von Formularen für den Verzicht auf Herz-Lungen-Wiederbelebung (DNACPR) — einschließlich pauschaler DNACPR. Sie fanden auch heraus, dass das Personal DNACPR falsch interpretierte und so verhinderte, dass Menschen Zugang zu Krankenhauspflege und -behandlung erhielten. Es gingen auch Berichte ein, in denen Pflegedienstleister versuchten, DNACPR-Formulare auf Patienten anzuwenden, ohne diese ausreichend mit den Betroffenen und ihren Familien zu besprechen oder zu erklären. Hier ist ein Beispiel für einen Bericht, der bei der CQC eingegangen ist.

Der diensthabende Arzt hatte den Mitarbeitern des Pflegeheims mitgeteilt, dass, wenn die älteren Menschen in ihrer Obhut an COVID-19 erkrankten, sie ein DNACPR-Formular erhalten würden. Ein anderer sagte, dass Ärzte sich weigerten, ein Pflegeheim zu besuchen, weil dort zwei Bewohner an COVID-19 gestorben waren. Das Pflegepersonal wurde gebeten, Beobachtungen zu machen, für die sie nicht ausgebildet waren, und für alle Bewohner gab es ein DNACPR.

Während die sehr alten Menschen mit einem grippeähnlichen Virus kämpften, wie sie es oft im Spätwinter tun müssen, und dabei gegen tödliche „Pflege“-Praktiken ankämpften — was eine Neuheit ist —, hatten die jungen Menschen nichts zu befürchten. Die Universität Stockholm hat im Jahr 2020 errechnet, dass die Überlebenschancen von Personen unter 40 Jahren, die sich mit Covid anstecken, bei 99,9991 Prozent liegen, also mikroskopisch groß sind. Das ist der Grund, warum ohne den Medienrummel nur wenige bemerkt hätten, dass es überhaupt passiert ist — so wie nur wenige die Epidemien von ‘57 und ‘68 bemerkt haben. Welche Art von „Pandemie“ benötigt eine ständige Flut von Medienhype, um daran zu erinnern, dass sie existiert?

Stellen Sie sich stattdessen vor, die Bedrohung wäre von einer geheimen terroristischen Invasion ausgegangen. Bei der Ankündigung dieses schrecklichen Angriffs würden Sie vielleicht Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, Ihre Fenster vernageln, Ihre Töchter wegsperren, Fremde beschnüffeln … Sie müssten schon ein bisschen weich in der Birne sein, um der Regierung zu glauben, aber selbst dann müssten Sie sich irgendwann, wenn Sie auch nur im geringsten eigenständig denken können, fragen: Aber wo sind sie eigentlich, diese schrecklichen Übeltäter? Ich habe keine gesehen, niemand, den ich kenne, hat welche gesehen, es gab keine Angriffe, keine Bomben, keine prominenten Entführungen und keine der teuren Militärbasen, für die wir bezahlt haben, wurden benutzt. Könnte diese schreckliche Invasion vielleicht tatsächlich… eine Erfindung sein?

Es stellte sich heraus, zur Überraschung einiger Leute, dass nur sehr wenige Menschen „genug eigenständiges Denkvermögen“ besaßen, um zu bemerken, dass das Gleiche mit der angeblichen „Pandemie“ passiert.

Es stellte sich heraus, dass ein intelligenter Kopf einem feigen Herzen sehr wenig nützt; ja eher eine Behinderung darstellt, weshalb sich intelligente Feiglinge, vor allem auf der Linken, (siehe unten) einfach weigerten, an der Debatte teilzunehmen, während sie weiterhin händeringend eine „Pandemie“ beschworen, von der sogar die britische Regierung zugab, dass sie nicht existierte.

Ab März 2020 wurde es „nicht mehr als eine Infektionskrankheit mit hoher Konsequenz (HCID) in Großbritannien betrachtet„, mit „niedrigen Mortalitätsraten“.

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Es gab also keine Pandemie, nicht wirklich. Es war eine Pseudopandemie. Eine echte Pandemie führt zu (wie die WHO zu sagen pflegte, bevor sich ihre Definition änderte) „einer enormen Anzahl von Todesfällen und Erkrankungen“, und, wie wir gesehen haben, war die Zahl nicht enorm. Sie betrug — selbst wenn man die aufgeblähten offiziellen Zahlen als Maßstab nimmt — etwa 0,03 Prozent der Weltbevölkerung, derzeit 0,05 Prozent.

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Angesichts dieser Fakten könnte man sich fragen, warum die Todesfälle an dieser Krankheit — an, nicht mit; ein entscheidender Unterschied, der in den Medien ignoriert wurde — als wichtiger angesehen wurden als andere Todesfälle? Warum konnte die halbe Billion Pfund, die die britische Regierung für die „Bewältigung der Pandemie“ ausgab, nicht für die Reduzierung von Verkehrsunfällen, Herzkrankheiten und so weiter ausgegeben werden? Oder vielleicht für die Reduzierung von Fettleibigkeit beiträgt, die laut dieser Lancet-Studie zu einem „linearen Anstieg des Risikos für schwere COVID19-Fälle, die zur Einweisung ins Krankenhaus und zum Tod führen“. Und da Menschen in ihren 70ern, 80ern und 90ern tatsächlich eine größere Chance hatten, ein oder zwei Jahre früher zu sterben, als sie es ohnehin getan hätten, warum wurde das Geld nicht dafür ausgegeben, die schrecklichen Verwahranstalten, in denen sie gezwungen sind, ihren Lebensabend zu verbringen — „Pflege“-Heime, wie sie genannt werden — zu gesünderen und glücklicheren Orten zu machen?

Wo blieben denn die ganzen Toten?

45 Millionen Menschen starben an der Spanischen Grippe — einer Pandemie mit einer enormen Fallsterblichkeitsrate von 10 bis 20 Prozent; von Wikipedia Anfang 2020 fragwürdigerweise „heruntergestuft“ —, bei der jeder jemanden kannte, der jung gestorben war, die viele berühmte Leute dahinraffte und an deren Existenz niemand erinnert werden musste. Überall lagen Leichen, die Krankenhäuser waren überfüllt, die Beerdigungsinstitute arbeiteten auf Hochtouren. Nicht so im Jahr 2020. FOI-Anfragen — nach dem Informationsfreiheitsgesetz — bei Stadtverwaltungen in ganz Großbritannien zeigten, dass Beerdigungen und Einäscherungen mehr oder weniger normal abliefen. Eine FOI-Anfrage an Birmingham, eine Stadt mit 2 Millionen Einwohnern, bestätigte, dass zwischen dem 1. Februar 2020 und dem 3. April 2021 79 Menschen mit Covid und 2 Menschen allein an Covid starben. Zwei.

Darüber hinaus starb keine einzige bedeutende Persönlichkeit aus Sport und Unterhaltung, Finanzwesen, Wirtschaft oder Politik (1). Das Coronavirus war, wie viele Leute bemerkten, außerordentlich anspruchsvoll. Es verlangte die Abriegelung der Welt, obwohl die Prominenten ihr Leben ganz normal weiterführen durften. Vielleicht war ihnen ihr Leben einfach nicht so wichtig? Auf jeden Fall zeigten sie eine schockierend laxe Einstellung zu Lockdowns, Abstandsregeln und Masken und trafen sich auf großen, geselligen Partys, wie zum Beispiel, am auffälligsten, beim G7-Treffen und Royal Ascot.

Warum wurden die Wissenschaftler ignoriert?

Die Wissenschaft ist nicht in der Lage, sinnvolle, qualitative (moralische, ästhetische, existenzielle) Fragen zu beantworten, wie ich hier erkläre, aber sie ist ganz offensichtlich das beste Werkzeug zur Beantwortung technischer, quantitativer Fragen, wie „schmelzen die Gletscher?“ oder „brauchen wir einen Lockdown?“.

Die Art und Weise, wie Wissenschaft unter solchen Umständen funktionieren sollte, ist, dass man bei Zweifeln oder Unklarheiten Leute fragt, die das Thema verstehen, und durch Diskussionen eine Art Konsens sucht, oder vielleicht einen Kompromiss, wenn man keinen erreichen kann. Und dennoch, als es um den Lockdown 2020 ging, wurden Wissenschaftler ignoriert, die nicht mit der sofort getroffenen Entscheidung einverstanden waren, die Gesellschaft einzuschließen, uns alle mit Masken zu versehen, uns zwei Meter voneinander entfernt zu halten und schließlich experimentelle Chemikalien in unsere Venen zu pumpen.

Warum? Warum erschienen sie in keiner Zeitung oder im Fernsehen? Warum wurde uns gesagt, wir sollten „der Wissenschaft folgen“ – wenn es unmöglich war, auch nur von Lockdown-kritischen Wissenschaftlern zu hören, die Epidemiologie und biomedizinische Statistiken verstehen, geschweige denn, ihnen zu folgen?

Einige der besten medizinischen Wissenschaftler der Welt, John Ioannidis, Epidemiologie-Experte in Stanford, Jayanta Battacharya, die etwa zwanzig Ärzte und Wissenschaftler, die hinter dem offenen Brief „Balanced Response“ an die kanadische Regierung stehen, darunter zwei ehemalige Chief Public Health Officers für Kanada, Martin Kulldorf, Sunetra Gupta, Professorin für Theoretische Epidemiologie in Oxford, und die Tausenden von Experten, die hinter der Great Barrington Declaration stehen, Mike Yeadon, ehemaliger Chief Scientific Officer bei Pfizer und Experte für Biochemie und Toxikologie, Sucharit Bhakdi, ehemaliger Leiter des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz, die 400 belgischen Ärzte, die hinter dem offenen Brief an die belgische Regierung stehen, und viele, viele andere (und das ohne die Ärzte und medizinischen Wissenschaftler zu zählen, die zu viel Angst hatten, sich zu Wort zu melden) — warum haben wir nichts von ihnen gehört?

Warum gab es keinerlei Debatte? Welche Art von Entscheidung — eine mit solch gigantischen möglichen Konsequenzen — wird so getroffen? Warum haben soziale Medienplattformen viele dieser Menschen gesperrt? Warum konnte ihren Einwänden nicht mit einer ehrlichen Debatte begegnet werden?

Wir könnten uns auch fragen, warum zusätzlich zur Unterdrückung wissenschaftlicher Zweifel ein sofortiges Tabu aufkam, das offizielle Narrativ irgendwo kritisch zu diskutieren; zumindest irgendwo im öffentlichen, beruflichen und zivilgesellschaftlichen Leben. Offensichtlich war dies kein Grund zur Beunruhigung unter den Befürwortern von Lockdowns, Masken, Impfstoffen und ähnlichem. Anscheinend war das weit verbreitete Gefühl, dass „wir besser nicht darüber reden“ – über die invasivste und potenziell zerstörerische Regierungspolitik aller Zeiten — nicht besonders beunruhigend. Warum eigentlich?

Waren die Krankenhäuser überfüllt?

Nein. Diejenigen, die auf die stressigen Bedingungen in den Krankenhäusern während der Grippesaison 2020 und 2021 hinweisen, sind sich nicht bewusst, dass jede schwere Grippesaison stressig ist, vor allem, wenn es nicht genügend Betten für die Patienten gibt, wie es beispielsweise in Großbritannien der Fall ist, wo die verfügbaren Krankenhausbetten im NHS von 480.000 im Jahr 1948 auf jetzt 140.000 gesunken sind. Noch 1987 gab es 300.000 Betten — für eine deutlich geringere Bevölkerung. Warum also hat die Regierung beschlossen, eine halbe Billion Pfund für den Lockdown auszugeben, anstatt die Größe und Personalausstattung der Krankenhäuser zu erhöhen — und, wenn wir schon mal dabei sind, das Gehalt der Krankenschwestern?

In anderen Ländern, die überfüllte Intensivstationen meldeten, war es ähnlich. Im Jahr vor der Pandemie waren die spanischen Krankenhäuser bis zu 200 Prozent ausgelastet und sind regelmäßig überlastet. Amerikanische Krankenhäuser hatten ähnliche Probleme, wie zum Beispiel im Jahr 2009. Mailänder Krankenhäuser standen in schweren Grippejahren ebenfalls kurz vor dem Kollaps, und die Intensivstationen in der Lombardei sind regelmäßig überlastet. Und so weiter.

Sobald die Grippesaison vorbei war, sank die Kapazität der Krankenhäuser auf ein normales Maß; tatsächlich war es ruhiger als normal, da die Menschen Angst hatten, eingeliefert zu werden, oder aktiv abgewiesen wurden, was dazu führte, dass Tik-Tok mit Videos überflutet wurde, in denen das Krankenhauspersonal peinliche choreografierte Tanzroutinen aufführte.

Warum wurde Ivermectin nicht eingesetzt?

Ivermectin hat sowohl antivirale als auch entzündungshemmende Eigenschaften. Es gibt inzwischen etwa 20 randomisierte klinische Studien (RCTs) mit Ivermectin für Covid. Sie zeigen mit überwältigender Mehrheit eine Verringerung der Sterblichkeit, wenn es in angemessener Dosierung und bei Patienten, die sich in einem ausreichend frühen Stadium der Krankheit befinden, eingesetzt wird. Diese Untersuchung zum Beispiel (veröffentlicht Anfang Mai in einer Fachzeitschrift, dem American Journal of Therapeutics) kommt zu dem Schluss:

„Meta-Studien, die auf 18 randomisierten, kontrollierten Behandlungsstudien mit Ivermectin bei COVID-19 basieren, haben große, statistisch signifikante Verringerungen der Sterblichkeit, der Zeit bis zur klinischen Genesung und der Zeit bis zur Virusfreiheit ergeben.“

Es gibt viele weitere. Warum also wurde Ivermectin — billig, reichlich vorhanden und ohne Patent — nicht allgemein verfügbar gemacht? Warum ist es immer noch schwer zu bekommen?

Und wie sieht es mit Vitamin D aus, von dem ebenfalls bekannt ist, dass es einen positiven Effekt auf ähnliche Krankheiten hat? Sicherlich kein Wundermittel, aber einfach, billig, natürlich und zumindest mäßig wirksam. Warum wurde es nicht propagiert?

Und wenn wir schon beim Thema offizielle Reaktionen auf Krankheiten sind, warum war die Regierung plötzlich so besorgt um unsere Gesundheit? Dass so viele Menschen glaubten, dass die teuflische Clique, die für das öffentliche Leben in, beispielsweise, Großbritannien verantwortlich ist, nun tatsächlich um den NHS besorgt war, den sie in den letzten zwei Jahrzehnten verscherbelt hatte, oder um das Wohlergehen der Kranken und Behinderten, deren Leistungen sie nur ein paar Jahre zuvor auf Null gekürzt hatten, ist eines der erstaunlichsten Merkmale der öffentlichen Reaktion auf den Lockdown.

Warum wurden fehlerhafte PCR-Tests verwendet?

Dies ist eine der Schlüsselfragen der gesamten „Pandemie“, denn positive Ergebnisse des PCR-Tests waren und sind die Grundlage des gesamten Drängens auf Lockdowns, Masken, Impfstoffe und alles andere, was folgte und was wahrscheinlich folgen wird.

PCR-Tests funktionieren, indem sie Millionen von Kopien des genetischen Materials erstellen, das in einer Testprobe gefunden wird. Diese Kopien werden „Zyklen“ genannt; je mehr „Zyklen“, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass falsch-positive Ergebnisse erzeugt werden — die Identifizierung aller Arten von irrelevantem Material, einschließlich toter Viren. Aus diesem Grund gibt es eine Grenze, wie viele Zyklen durchgeführt werden sollten. Das Frankfurter Gesundheitsamt betrachtet alles, was über 24 Zyklen hinausgeht, als unwissenschaftlich, laut Mike Yeadon führt alles, was über 37 Zyklen der Amplifikation hinausgeht, zu 97 Prozent falsch-positiven Ergebnissen und sogar der Fürst der Finsternis selbst, Tony Fauci, sagte, dass PCR-Tests nutzlos und irreführend sind, wenn der Test mit „35 Zyklen oder mehr“ durchgeführt wird. Es ist klar, dass ein positives Ergebnis eines PCR-Tests, der mit einem zu hohen Zyklus läuft, nicht akzeptiert werden kann.

Mit wie vielen Zyklen wurden also die PCR-Tests im letzten Jahr ab Beginn der „Pandemie“ durchgeführt? 40 bis 45. Und wessen Idee war es, sie so hoch zu fahren? Hier kommt der deutsche Virologe Christian Drosten ins Spiel. Er entwickelte im Januar 2020 — scheinbar in Windeseile — den PCR-Corona-Test, der seither als Standardtest dient. Er steht auch hinter Maskenpflicht, Schulschließungen und so weiter. Hier kommentiert er bereits 2014 die Wirksamkeit von PCR-Tests:

„Die Methode ist so empfindlich, dass sie ein einziges Genmolekül des Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel einen Tag lang über die Nasenschleimhaut einer Krankenschwester huscht, ohne dass sie krank wird oder sonst etwas merkt, ist sie plötzlich ein MERS-Fall. Wo früher Menschen an der Schwelle zum Tod gemeldet wurden, tauchen jetzt plötzlich auch leichte Fälle und sogar Menschen ohne Symptome in der Meldestatistik auf. Das könnte auch die Explosion der Fallzahlen in Saudi-Arabien erklären. Hinzu kommt, dass die lokalen Medien einen unglaublichen Wirbel darum gemacht haben.“

Im Jahr 2020 veröffentlichte eine Gruppe von 22 Experten ein Peer Review, das zu dem Schluss kam, dass Drostens PCR-Test, beziehungsweise die von ihm mitverfasste, nicht peer reviewte Studie, die als Corman-Drosten-Papier bekannt ist, zehn schwerwiegende Mängel aufweist, darunter, dass er aufgrund eines fehlerhaften Primer-Designs unspezifisch ist, dass er enorm variabel ist, dass er nicht zwischen dem ganzen Virus und viralen Fragmenten unterscheiden kann, dass er keine Positiv- oder Negativkontrollen und kein Standardarbeitsverfahren hat.

Hinzu kommt, dass von den Autoren des Corman-Drosten-Papiers mindestens vier schwerwiegende Interessenkonflikte haben, da zwei von ihnen Mitglieder des Redaktionsausschusses von Eurosurveillance sind und mindestens drei von ihnen auf der Gehaltsliste der ersten Firmen stehen, die PCR-Tests durchgeführt haben. Darüber hinaus hat Drosten selbst, zusätzlich zu seinem hastig entwickelten „SARS-CoV-2-PCR-Test“ mit grundlegenden wissenschaftlichen Mängeln, eine Vorgeschichte von „fatalen Fehlprognosen, zahlreichen bisher ungeklärten Unstimmigkeiten in Bezug auf seine Doktorarbeit … und einem unerwarteten Sumpf finanzieller Verstrickungen“, von denen nichts in den Massenmedien recherchiert wurde, was seine Glaubwürdigkeit eher untergräbt.

Auf jeden Fall ist der PCR-Test eine Gurke. Sogar die WHO hat ernsthafte Zweifel an seiner Wirksamkeit geäußert, indem sie ihn als Hilfsmittel für die Diagnose und nicht als eigentlichen Test bezeichnet und rät, wenn eine asymptomatische Person positiv getestet wird, sollte sie erneut getestet werden. Sogar die New York Times hatte ernste Zweifel.

Deshalb wurde die Zahl der positiven Fälle maßlos übertrieben, und diese Zahl konnte dann dazu benutzt werden, die Todesfälle aufzublähen.

Auf dieser zepterierten Insel wurde zum Beispiel ein positiver Test, auf den ein Tod aus irgendeiner Ursache folgte, als ein Covid-Todesfall gezählt. Das ist richtig. Man wacht auf und fühlt sich asymptomatisch, geht zum örtlichen, menschenleeren Testzentrum, lässt sich einen Abstrich ins Nasenloch rammen, erfährt, dass man einen besonders gefährlichen Virus in sich trägt, der die moderne Zivilisation in Schutt und Asche legt, eilt nach Hause, um sich 14 Tage lang selbst zu isolieren, damit sich niemand sonst eine Krankheit einfängt, auf die man sich testen lassen muss, um zu wissen, ob man sie hat, wird auf dem Weg zurück in die Sicherheit von einem Bus überfahren, stirbt an inneren Blutungen und wird als Coronavirus-Toter gezählt. So funktionierte das.

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Man sollte meinen, dass sich mehr Mediziner über diese schockierend unmoralische Praxis geäußert hätten. In der Tat taten das einige. Als die CDC Ärzte anwies, Covid-19 als Todesursache auf Krankenscheinen zu vermerken, unabhängig davon, ob sie positiv getestet worden waren oder andere Begleiterkrankungen hatten, die zum Tod geführt haben könnten, meldeten sich einige Ärzte zu Wort — diese hier, und dieser und dieser hier, aber aus irgendeinem Grund wurden ihre Aussagen ignoriert.

Warum wurden asymptomatische Menschen getestet?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Arzt, vor 2019, und beklagen sich, dass Sie krank sind, aber keine Symptome haben, oder Sie rufen Ihren Chef an und sagen ihm, dass Sie nicht kommen können, weil Sie eine asymptomatische Krankheit haben, „ja, ich fühle mich gut — gehe sogar angeln — aber ich komme besser nicht rein, falls ich andere Leute anstecke“.

Es ist eine anerkannte Tatsache, dass asymptomatische Menschen keine Vektoren für ansteckende Krankheiten sind, und zwar aus dem einfachen und offensichtlichen Grund, dass asymptomatische Menschen gesund sind. Das ist es, was — unter anderem — „gesund“ bedeutet, oder früher bedeutete: keine Symptome einer Krankheit zu haben. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde diese fundamentale Tatsache auf den Kopf gestellt, den Menschen als Wahrheit präsentiert und dann allgemein akzeptiert.

Währenddessen fand eine Studie mit zehn Millionen Menschen keinen Hinweis auf eine asymptomatische Ausbreitung (hier der Bericht des BMJ), während die technische Datenmanagerin der WHO, Maria Van Kerkkhove, uns letztes Jahr mitteilte:

„Basierend auf unseren Daten scheint es unwahrscheinlich, dass ein asymptomatischer Träger die Infektion auf jemand anderen überträgt. Wir haben eine Reihe von Berichten aus anderen Ländern. Sie überwachen asymptomatische Träger und ihre Kontakte und stellen keine weitere Übertragung fest.“

Die Vorstellung, dass völlig gesunde Menschen sich einschließen, selbst isolieren und alle auferlegten Einschränkungen einer „Pandemie“ akzeptieren mussten, weil plötzlich, zum ersten Mal überhaupt, etwas auftauchte, das „asymptomatische Ausbreitung“ genannt wurde, wird den Menschen der Zukunft als einer der erstaunlichsten Aspekte der Lockdown-Ära erscheinen.

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Warum mussten wir Masken tragen?

Eine große Anzahl von Studien hat gezeigt, dass Masken nur einen geringen oder gar keinen tatsächlichen Nutzen haben. Eine kürzlich im renommierten Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass sie dazu führen, dass Kinder bis zu zehnmal mehr CO2 einatmen und dass sie „nicht gezwungen werden sollten, Gesichtsmasken zu tragen“ (siehe Anhang 3 unten).

Aber auch hier gilt der gesunde Menschenverstand: Wie kann eine Stoffmaske ein Virus aufhalten? Das kann sie nicht. Stoffmasken haben eine ebenso große Chance, Viren von Ihrem Mund fernzuhalten, wie Maschendraht eine Mücke von Ihrem Garten fernhält; deshalb wurden Masken nie für den Gebrauch während der saisonalen Grippe, Epidemien oder früheren Pandemien empfohlen, und deshalb tragen Menschen, die tatsächlich mit tödlichen Viren umgehen, diese Art von Ausrüstung;

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Chirurgen tragen Masken, um zu verhindern, dass ihre Atemwegströpfchen das Operationsfeld und das freiliegende innere Gewebe der chirurgischen Patienten kontaminieren. Wäre der Chirurg krank, würde er keine Operation durchführen. Außerdem benutzt er seine Maske nur einmal und wirft sie dann sorgfältig in den Bioabfallbehälter. Wir Plebejer hingegen hatten keine Bioabfalltonne, niemanden interessierte es, woraus unsere Masken bestanden, wie oft wir sie wechselten oder wie wir mit ihnen umgingen.

Offensichtlich war ihre vermeintliche Schutzwirkung für niemanden wirklich von Bedeutung. Es ist schwer, nicht zu dem Schluss zu kommen, dass die meisten Regierungen und die meisten Menschen, die gehorsam taten, was ihre Regierungen ihnen befahlen, irgendwie unbewusst den vielen Experten zustimmten, die sagten, dass die Verwendung von Masken außerhalb einer klinischen Umgebung zum Schutz vor einem Virus nur einem symbolischen Zweck dient; dass wir, wenn wir nicht von Menschen mit Masken umgeben wären, vergessen könnten, dass es ein Virus gibt. Wir könnten sogar, Gott bewahre, daran erinnert werden, dass wir unter Menschen leben und nicht unter kontaminierten und kontaminierenden Vektoren.

Wo blieb die Kritik von links?

David Cayley fasst in seiner ausgezeichneten Zusammenfassung der Pandemie, „pandemic revelations“, die Folgen des Lockdowns zusammen;

„Es gab einen weit verbreiteten und potenziell tödlichen Verlust der Lebensgrundlage auf der ganzen Welt, besonders unter wirtschaftlich marginalen Gruppen. Unternehmen, die jahrelang aufgebaut wurden, sind zerstört worden. Selbstmord, Depressionen, Suchtverhalten und häusliche Gewalt haben zugenommen. Die Staatsverschuldung ist zu einem potenziell lähmenden Ausmaß angewachsen. Die darstellenden Künste wurden vernichtet. Wertvolle ‚dritte Orte‘, die die Geselligkeit aufrechterhalten, wurden geschlossen. Angst wurde zwischen den Menschen gesät.

Die Obdachlosigkeit hat so stark zugenommen, dass einige Parks in der Innenstadt von Toronto den Landstreicherlagern der 1930er Jahre ähneln. Es gab einen Anstieg an anderen Krankheiten, die aufgrund der Beschäftigung mit COVID unbehandelt geblieben sind. Viele ehemals persönliche Interaktionen sind virtualisiert worden, und diese Veränderung droht in vielen Fällen dauerhaft zu werden — es scheint zum Beispiel, dass ‚führende Universitäten‘ wie Harvard und U.C. Berkeley begeistert Online-Unterricht angenommen haben, in der Hoffnung, ihr Fachwissen in Zukunft franchisen zu können. Die Liste geht weiter. Ist dies ein lohnender Preis, um Krankheiten bei gesunden Menschen abzuwenden, die größtenteils die Krankheit hätten überstehen können? Die Frage wurde im Großen und Ganzen noch nicht einmal gestellt.“

Die Frage wurde im Großen und Ganzen nicht einmal gestellt. Warum?

Dass die „Rechten“ sich den staatlichen Erlassen fügten, ist für viele Menschen leicht zu verstehen, aber dass die nominelle „Linke“, die furchtlos moralische Kreuzritter-Klasse, sofort auf Linie ging, schien für viele etwas überraschender zu sein.

Mit einer Handvoll ehrenwerter Ausnahmen akzeptierten alle ‚Dissidenten und Radikalen‘ der Linken, jeder einzelne von ihnen, vollständig und sofort die Notwendigkeit und die Rechtfertigungen für den Lockdown.

Chris Hedges, Glen Greenwald, Noam Chomsky, David Graeber, Media Lens, John Pilger, John Zerzan, Cailtin Johnstone, Jonathan Cook, Dark Mountain, die Autoren von Novara und The Canary, die meisten sogenannten ‚Anarchisten’ (wie die, die für libcom schreiben), so ging und geht die Liste immer weiter. Abgesehen von ein paar peripheren Beschwerden — Pilger, Cook, Zerzan und Greenwald haben alle ein oder zwei sekundäre oder tertiäre Zweifel geäußert — haben sie alle den Lockdown akzeptiert und akzeptieren ihn immer noch, ohne den geringsten Zweifel. Dieser letzte Punkt ist kritisch.

Wie ich damals argumentierte, selbst wenn all dieser Unsinn so gewesen wäre, wie die Medien ihn dargestellt hatten, selbst wenn es wirklich eine tatsächliche Pandemie gegeben hätte, die unerhörte Einschränkungen der Freiheit, Vernichtung von Kleinunternehmen, katastrophale Störungen unseres kulturellen, sozialen und produktiven Lebens, Masken, Sozialabbau und den Rest erfordert hätte — selbst wenn all das wahr gewesen wäre, hätte es dennoch nicht die totale, unkritische Akzeptanz der offiziellen Darstellung gerechtfertigt, insbesondere nicht von denen, deren Aufgabe es ist, offizielle Verlautbarungen kritisch zu hinterfragen (2).

Nach Angaben der UNO könnten Lockdowns den Lebensunterhalt von 1,6 Milliarden Menschen akut gefährden und weitere 150 Millionen Kinder in die Armut treiben. Gleich zu Beginn der Pandemie sagten sie „eine biblische Hungersnot“ voraus — während das BMJ von einer „schwindelerregenden Zahl“ zusätzlicher Todesfälle in der Bevölkerung berichtete. Nichts davon schien den fürsorglichen, pazifistischen, moralischen linken Flügel zu stören. Wenn sie gebeten wurden, ihre Unterstützung für den Lockdown zu verteidigen, griffen sie auf unglaublich schwache Argumente zurück, oder sie winkten das ganze Thema einfach ab. Nur wenige äußerten sich so kaltschnäuzig wie Caitlin Johnstone…

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Darren Allen ist ein radikaler britischer Autor und Philosoph. Sein Werk widmet sich dem Wesen der Realität, dem Ursprung der Zivilisation, dem Schrecken von Arbeit, Tod, Gender, mentaler „Krankheit“, Miss Genius, bedingungsloser Liebe und Leben jenseits des Spektakels. Gottseidank verfügt er über keinerlei Qualifikation, die ihn dazu berechtigen würde, über all diese Dinge zu schreiben. Weitere Informationen — auf Englisch — unter expressiveegg.org.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien unter dem Titel „‚Pandemic‘ Questions“ zuerst auf dem Blog von Darren Allen. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert. Aufgrund der Länge wurde er zweigeteilt. Teil 1 erschien am 23.07.2021, Teil 2 erscheint demnächst auf Rubikon.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Okay, okay, Tim Brooke Taylor und der Keyboarder von den Stranglers; beide in ihren 70ern
(2) Einige wenige aus dem linken Lager meinten, dass die Medien unmöglich zusammenarbeiten könnten, um eine Wahrheit von solchem Ausmaß zu verbergen – dieselben Leute, die dagegen sind, dass Israel Palästina in Schutt und Asche legt, und die gegen den Irak-Krieg waren, beides ebenfalls unsichtbar im gesamten Medien-‚Spektrum‘.


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Selbstbestimmungsrecht und Diktatur

Auf zum letzten Diktator!

Ausgerechnet in einer Zeit, in der der „freie Westen“ immer autoritärer wird, arbeiten sich kalte Krieger an Weißrusslands Staatschef Lukaschenko ab.

von Berndt Bleckmann

Eine Diktatur — darunter stellt man sich ein Land vor, in dem beständig eine bedrückte, verängstigte Stimmung herrscht, in dem man Angst haben muss, von der Polizei wegen Nichtigkeiten aufgehalten zu werden, in dem die Opposition aus- und die Presse gleichgeschaltet ist. Also ungefähr wie das Deutschland des Jahres 2021. Merkwürdigerweise halten westliche Politiker und die westlichen Medien aber noch immer an dem alten holzschnittartigen Weltbild fest: hier das Reich der Freiheit, dort das osteuropäische Mordor, wo sich ein finsterer Despot verschanzt hat. Es ist in diesem Zusammenhang schon hilfreich, wenn jemand vor Ort berichtet, wie es sich wirklich lebt in Belarus. Gar nicht so schlecht nämlich, wenn es auch in diesem Land natürlich allerlei Missstände zu beklagen gibt. Aber das beste Mittel gegen eine neue — kalte — Kriegsstimmung ist immer noch, genau hinzuschauen und sich um Verständnis zu bemühen.

Alexander Lukaschenko ist für den Werte-Westen „der letzte Diktator“. Zwar gibt es viele Diktaturen und -toren auf dieser Welt, doch es gibt da Unterschiede. Wenn Washington sagt: „Er ist zwar ein Schurke, aber er ist unser Schurke“, wird kein Aufhebens gemacht. Jedoch über Lukaschenko hält Putin seine Hand.

Berlin will, dass wir nicht mehr Weißrussland sagen, sondern nur noch „Belarus“. Wir sollen gegen Russland jetzt auch etymologisch klare Kante zeigen. Im Folgenden werden beide Bezeichnungen nach Belieben verwendet.

Die slavischen Völker sagen schon immer Belarus (Bjelorusija, Białoruś, Bielorusko), weil das in ihren Sprachen Weißrussland heißt.

Und noch ein Paradox: In zwangsregulierten Corona-Zeiten ist eine Reise nach Weißrussland/Belarus in gewisser Weise eine Fahrt in die Freiheit.

Flug nach Minsk

April 2021: Für Österreicher im westlichen Teil des Alpenlandes wäre der Flughafen München viel näher, aber das bayrische Regime hat die Grenzen dicht gemacht. Ich fliege daher von Wien nach Minsk. Das Ticket hin und zurück bekommt man für rund 230 Euro. Der Zug von Mattighofen zum Flughafen Wien/Schwechat kostet 19,90 Euro. Von dem ebenso weit entfernten Salzburg kostet die Fahrt mit der ÖBB 61,80 Euro. Preispolitik, verstehe sie einer!

Der Wiener Flughafen ist gespenstisch leer. Beim Check-In hat ein japanisches Pärchen Schwierigkeiten, weil die beiden als Touristen nach Belarus einreisen wollen. Ich kann die Einladung einer weißrussischen Firma vorlegen, somit bin ich „geschäftlich“ unterwegs. Das öffnet mir Tür und Tor. Ich muss weder ein Corona-Testergebnis noch eine Impfbestätigung vorweisen. Wer mit der weißrussischen Belavia fliegt und nicht länger als 30 Tage bleiben möchte, braucht zudem kein Visum.

Nach einer Stunde und vierzig Minuten landen wir in Minsk. Auch hier bewahrt mich meine Einladung als „business-men“ vor einer 10-tägigen Quarantäne. Die Kontrollen sind korrekt und freundlich. Ich gönne mir ein Taxi in die Stadt. Insider wissen, dass das 40 Rubel (entspricht 13 Euro) kostet. Spontan nennen mir die umstehenden Taxichauffeure deutlich höhere Preise. Es ist 17 Uhr, daher nimmt der Taxifahrer den äußeren Ring. Nach 77 Kilometern sind wir am Ziel.

Minsk ist mit rund 2 Millionen Einwohnern eine großzügig angelegte Stadt mit breiten Hauptstraßen und vielen Parks und Grünflächen. Von Nord nach Süd und von Ost nach West sind es gut 20 Kilometer Luftlinie.

Das alte Minsk wurde von der Wehrmacht dem Erdboden gleich gemacht. Nach dem Krieg zimmerten sich hunderttausende Obdachlose bescheidene Holzhäuschen. Der Staat stellte hierfür kleine Grundstücke zur Verfügung, auf denen auch Kartoffeln angebaut und ein paar Obstbäume gepflanzt werden konnten, — in kostenfreier Pacht auf Lebenszeit. Elektrizität, Gas zum Heizen und Wasser wurden geliefert. Und ein Plumpsklo außerhalb gehörte auch dazu.

Aus der Luft ähneln diese Behausungen riesigen Schrebergartensiedlungen. Sie schrumpfen schon seit Jahren, weil an ihrer Stelle Wohnblocks errichtet werden, oft 12 oder 20 Stockwerke hoch. In Sowjetzeiten wurden größere Abstände zwischen den Blocks eingehalten. Aber der Kapitalismus kennt kein Menschenrecht auf Sonne. Daher fällt der Schatten der benachbarten Gebäude in der flachen nordischen Sonne oft schon früh auf die unteren Stockwerke. Dennoch sind die Abstände immer noch großzügiger bemessen als in mitteleuropäischen Neubaugebieten. Die Bautätigkeit ist, trotz Wirtschaftskrise, enorm und man fragt sich, wie lange der Boom noch anhalten kann und wo die Mieter oder Käufer der Wohnungen herkommen sollen.

Besuch im Restaurant

Es ist Mittwoch, der 7. April, ein ganz normaler Werktag. Die Verwandten wollen unser Wiedersehen mit einem Besuch in einem Restaurant feiern. Dazu fahren wir mit der Metro ein paar Stationen stadteinwärts. An der gläsernen Eingangstür zur Station klebt ein eher unauffälliger Hinweis, dass Masken zu tragen sind.

Viele setzen nun eine Maske auf, oder das, was sie dafür halten. FFP2-Masken sieht man so gut wie nicht, stattdessen diese hellblauen Fetzchen, von denen es bei uns hieß, sie würden kaum etwas nützen. Besonders junge Burschen scheinen Masken „uncool“ zu finden und fahren oft ohne.

Von den Maskierten gönnen viele ihrer Nase frische Luft. Manchmal fordern die Kontrolleure an der Sperre jemanden auf, die Maske aufzusetzen, nicht immer mit Erfolg.

Irgendwelche Strafen oder Diskriminierungen habe ich nicht mitbekommen. Lediglich bei Amtsgebäuden ist die Anweisung barscher: „Eintritt ohne Maske verboten.“

Während die Bahn zur nächsten Station donnert, sausen die Fahrgäste durchs Internet.
Alles unter 30 und darüber wischt und tippt auf dem Display eines Smartphones, im Sitzen, im Stehen und selbst beim Aussteigen wird das Display oft noch im Auge behalten. Diese Generationen, es sind inzwischen schon zwei, beziehen ihr Weltbild, ihre Nachrichten, ihr Wissen und ihre Urteile und Vorurteile überwiegend aus dem Internet und nicht aus Zeitungen und Fernsehen. Und in gewissen Zeiten bezieht ein gewisser Teil auch seine Bewegungsimpulse aus einem polnischen Internetportal, das regierungsfeindliche Demonstrationen steuert. Und noch etwas fällt auf: Es gibt viele höfliche junge Leute, die Älteren Platz machen.

Die Fahrt kostet 85 Kopeken, das sind an diesem Tag 27 Eurocent (ein Euro entspricht 3,15 Rubel). Damit kann man in einer Richtung so weit fahren, wie man will, inklusive umsteigen. Die beiden Metrolinien haben derzeit eine Streckenlänge von 37 Kilometern mit 29 Bahnhöfen. An einer dritten Linie wird gebaut. Die Einzelfahrt mit der Münchner U-Bahn kostet 3,40 Euro. Paradiesische Preise in Minsk? Für Eurobesitzer Ja. Die Inflationsrate lag von April 2020 bis April 2021 bei 8,6 Prozent. Ziel des Finanzministers waren nicht mehr als 5 Prozent (1).

In der Metro lese ich eine Werbetafel. Ein gastronomisches Unternehmen sucht Mitarbeiter: Einstiegsgehalt für einen Koch „durchschnittlich“ 950 Rubel, „Spitzensatz“ 1.700 Rubel, Einstiegsgehalt für eine Bedienung 500 Rubel. Die Miete für eine mittelmäßige Zweizimmerwohnung liegt bei 250 bis 300 Dollar. Das sind wesentlich mehr als 500 Rubel. Wegen der hohen Inflation werden Immobilien oder Autos meist in US-Dollar angeboten. Damit ist das derzeitige Hauptproblem Weißrusslands umrissen.

Mit solchen Löhnen und Gehältern kommt man nicht mehr über die Runden. Und man wird niemanden finden, der das bestreitet, sondern jeder äußert darüber offen seinen Unmut. Hier liegt der eigentliche Nährboden für die Unruhen im vergangenen August. Wer solche Probleme hat, braucht keinen Disput über „westliche Werte“. Die bürgerlichen Freiheiten sind in Belarus nicht geringer als in westlichen Demokratien. Die politischen Freiheiten haben dort ihre Grenzen, wo das System insgesamt in Frage gestellt wird, ganz wie im Westen.

Das letzte sowjetische Wirtschaftssystem ohne Sowjets

Wer trägt die Schuld an dieser schwierigen ökonomischen Situation? Im Nachlass der Sowjetunion ist Weißrussland ein Sonderfall. „Das letzte sowjetische Wirtschaftssystem ohne Sowjets“ meint der Unternehmensberater, mit Wohnsitz in Minsk, Daniel Krutzinna.

Die Vorgeschichte geht so: In jenem versteckten Jagdhaus in der Bjelawjeschskaja Puschscha, nahe der polnischen Grenze, beschlossen am 8. Dezember 1991 drei Verschwörer, nämlich Boris Jelzin, der Ukrainer Leonid Krawtschuk und der weißrussische Regierungschef Stanislau Schuschkjewitsch, die „Abwicklung“ der Sowjetunion.

In einem Akt von nicht zu überbietender Illoyalität gegenüber Michail Gorbatschow informierte Jelzin zuerst den amerikanischen Präsidenten George Busch sr. von seinem Putsch, vermutlich um sich im Falle eines Falles Rückendeckung zu holen. Nun war er nicht mehr König von Russland, unter dem Zar der Sowjetunion Gorbatschow, sondern er war der Zar von Russland. Und seine beiden Kumpane wurden zu selbständigen Königen in ihren vormaligen Lehen.

Jelzin begann postwendend ein ökonomisches Vernichtungswerk, das den Westen in eine Ekstase des Verzückens versetzte, die fast ein Jahrzehnt anhielt.

Am Ende seines Wirkens, als der Alkoholismus seine zerstörerische Schaffenskraft erlahmen ließ, waren große Teile des Volksvermögens in den Händen von einem Dutzend Oligarchen und die Bevölkerung wusste buchstäblich nicht, wovon sie leben sollte.

Noch niemals in der Menschheitsgeschichte waren solch gewaltige Vermögenswerte so schnell und so leicht in die Hände einiger Weniger gelangt. Und der Westen freute sich schon auf die Schnäppchen aus dem großen Ausverkauf — Michail Chodorkowski, Eigentümer eines der größten sibirischen Rohölförderunternehmen, verhandelte bereits mit US-Investoren. Diese Gaudi hat Vladimir Putin vermasselt. Deshalb wird er gehasst.

Weißrussland ging — einer Laune des Schicksals folgend — einen anderen Weg. Die Laune hatte einen Namen und war der Quereinsteiger und Überraschungskandidat der Präsidentenwahlen von 1994, Alexander Lukaschenko, ein 40-jähriger Kolchosvorsitzender.

Lukaschenko versprach, die guten Seiten der Sowjetunion zu bewahren und machte die begonnenen Privatisierungen rückgängig. Er brachte das Wunder fertig, Belarus oligarchenfrei zu halten, die Kriminalität im Zaum und die Staatsbetriebe in die Gewinnzone zu führen.

„Als Standort für Hochtechnologien in der Sowjetunion modernisierte Belarus in den 1990er Jahren seine staatlichen Unternehmen. In den 2000ern erlebte das Land ein erstaunliches Wirtschaftswachstum von jährlich 6 bis 8 Prozent. Neben den stabilen Staatsbetrieben gründeten sich zudem innovative, erfolgreiche Privatbetriebe“, so Daniel Krutzinna (2).

Die Bevölkerung dankte es ihm bei den Wahlen. Bis 2010 ging das gut, auch deshalb, weil er den Russen die Union versprach, wobei er allerdings nur eine wirtschaftliche Union im Sinne hatte, die Russen aber eine echte, wirtschaftliche und politische Union erhofften. Diese Hoffnung brachte Weißrussland russisches Rohöl zu Inlandspreisen, während die veredelten Produkte zu Weltmarktpreisen an den Westen verkauft wurden.

Diese indirekte Subventionierung der belarussischen Wirtschaft kostete, Schätzungen zufolge, Russland bisher circa 50 Milliarden Dollar. Einige Quellen sprechen von hundert Milliarden. Mit dem Verfall des Ölpreises um 2010 kam Russland selber in Schwierigkeiten und wollte sich die Subventionierung des kleinen Bruders nicht länger im bisherigen Umfang leisten, zumal Lukaschenko politisch bisweilen fremdging.

„In den 2010er Jahren flachte das Wirtschaftswachstum trotz einiger Reformbemühungen auf 1,5 bis 2 Prozent ab. Die Wirtschaft bemüht sich bis heute um Diversifizierung und wird — teilweise durch große chinesische Investitionen im Rahmen des Seidenstraßenprojekts — modernisiert.

Die Proteste jetzt sind auch deshalb auf so fruchtbaren Boden gefallen, weil die Reallöhne seit zehn Jahren nicht mehr steigen und das Land in eine Stagnation geglitten ist.

Belarus leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Die beiden Raffinerien und die petrochemische Industrie machen 25 Prozent des Bruttosozialprodukts und 50 Prozent der Exporte aus. Und dann hat Russland seine Subventionen konsequent zurückgefahren beziehungsweise sie von politischen oder auch wirtschaftlichen Zugeständnissen abhängig gemacht. Die Botschaft lautet: Wir finanzieren euren Sozialismus nur weiter, wenn ihr auf Integrationskurs geht“, so Daniel Krutzinna.

Kommen wir zurück ins gastliche Minsk. Das „Lido“, unser Ziel, liegt im dritten Stockwerk eines Einkaufszentrums. Unten am Eingang ein Hinweis, dass Masken zu tragen sind. Nicht wenige der zahlreichen Passanten halten sich daran, aber viele nur halbherzig, oder richtiger gesagt, nasenfrei. Das „Lido“ ist eine Mischung aus Selbstbedienungstheke mit dem Interieur eines Schnellimbiss und einem Altwiener Kaffeehaus. An der Theke kann man sich kalte und warme Speisen aussuchen, köstliche Teigtaschen und Palatschinkenartiges oder kräftige Suppen und so weiter.

Auch Konditoreiwaren gibt es. Wir ziehen uns in das Wienerische Abteil mit den bequemen Sofas und Lehnstühlen zurück. Eine freundliche Bedienung bringt uns zum Einstieg verschiedene Kreationen von Tee in elegant hohen Gläsern. Tee mit Minze, mit Moltebeeren und anderen schmackhaften Geheimnissen, die ich nicht entziffern kann.

Die Preise machen etwa ein Drittel dessen aus, was man bei uns zahlen würde. Das trifft nicht nur auf die Gastronomie zu, sondern auf alles mit einem hohen Anteil an menschlicher Arbeitskraft, also Handwerkerdienste, Optikerarbeiten, Autoreparaturen et cetera.

Seidenstraße im Werden

In Minsk gibt es große, hochmoderne Supermärkte, die sich nur dadurch von westlichen Unterscheiden, dass hier die Seidenstraße schon Gestalt annimmt, indem es neben russischen Produkten beispielsweise auch Trockenfrüchte aus dem Iran oder Usbekistan gibt und anderes aus asiatischen Ländern. Hier beträgt der Preisunterschied zu westlichen Supermärkten allerdings nicht eins zu drei.

Die Milchprodukte sind zwar von hervorragender Qualität, aber nicht deutlich billiger als die massiv subventionierten im Westen. Brot von bester Qualität kostet etwa die Hälfte. Wer seinen Gaumen mit Suchard-Milka, Sarotti oder Lindt&Sprügli verwöhnen will, zahlt, was er bei uns zahlt. Angesichts des Lohnniveaus müssen die Menschen also einen erheblichen Teil des Einkommens fürs tägliche Brot ausgeben.

Interessehalber besuche ich einen großen Baumarkt — Männer machen so was. Es ist das Materik an der Metro-Station Kamena Gorka. Die breiten Glastüren öffnen sich und ich wähne mich vor einer Kolonie weißer Robben. Es sind aber Badewannen. Jedes Preisschild verrät das Erzeugerland. Wannen aus Germania machen sich ganz vorne breit, dann folgen die Kontingente aus Polen, Spanien, Russland und Belarus. Die beiden Letzteren sind günstiger. Warum, das entzieht sich meinem prüfenden Auge.

Nachdem ich die etwa 50 Exemplare überflogen habe, wende ich mich den passenden Badarmaturen zu. Ich habe die Auswahl zwischen geschätzt 200 Stück. Hier spielt Russland ganz vorne mit, gefolgt von Germania, Spanien, Ungarn, Tschechien, Estland, Polen, Litauen und der Türkei, wobei ich nicht garantiere, dass die Aufzählung vollständig ist. Im anschließenden Korridor stoße ich auf Küchenarmaturen. Ich schätze es sind mehr als 250, aber meine selektive Aufmerksamkeit lässt nach und ich wende mich Bunterem zu.

Um die Ecke entdecke ich eine fröhliche Schar von bunt gestylten Klodeckeln, so schön, dass man sich nie wieder von ihnen trennen möchte. Alle aus China! Etwas weiter bietet sich mir ein halbes hundert Klomuscheln an, schlank und geschmeidig oder vollschlank und selbstbewusst, aus heimischer, polnischer und russischer Produktion.

Nach diesem Ausflug in modern art will ich mich proletarischen Dingen zuwenden. Nach einem gehörigen Fußmarsch lande ich in der Hammer-Abteilung. Die schwersten kommen aus Russland. Logisch. Aber da sehe ich, dass den Chinesen doch schon wieder eine Weltneuheit geglückt ist. Stiele aus Plastik. Und noch eine Überraschung in der Hammer-Abteilung: Indien kommt auf die Bühne und spielt mit einem ansehnlichen Ensemble ganz vorne mit.

Wenn es um Präzision geht, ist Österreich mit von der Partie. Die österreichischen Wasserwaagen sind die teuersten, vor denen aus Israel, Slowenien und China. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass ganz große Nägel aus Russland kommen und kleinere aus Deutschland. Der Rundgang durch die riesige Abteilung mit den Heimwerkermaschinen ist enttäuschend, zumindest was das multinationale Flair betrifft. Die Chinesen haben auf weite Strecken restlos jede Konkurrenz verdrängt. Und selbst wenn man glaubt, eine Alternative entdeckt zu haben, ist es ein „Fake“, denn die Bosch- oder Makita-Bohrmaschine aus Ungarn stammt von einer chinesischen Niederlassung.

Es gibt in Minsk große Konsumpaläste, Shopping Malls, wo sich auf mehreren Etagen die Schickeria der Modebranche ein Stelldichein gibt. Alles, was designt, stylt und weltweit Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Es muss also auch eine Mittelschicht geben, die sich das leisten kann. Neben den staatseigenen, großen Betrieben hat sich eine private, rasch wachsende IT-Branche entwickelt, die vermutlich höhere Gehälter zahlen kann.

Im Vergleich zu früheren Jahren ist Minsk noch schöner geworden. Es wurden neue Parks angelegt und auch zahlreiche Radwege. Sehr interessant ist auch der Radverleih Kolobike, der sich in weißrussischen Städten etabliert hat. Allein in Minsk gibt es über Tausend dieser gelben stabilen Räder quer über das Stadtgebiet verteilt.

Man lädt eine App auf das Smartphone und sieht, wo das nächste Rad steht, scannt den Q-Code, den das Rad hat, und schon kann man das Schloss öffnen und losfahren. Natürlich muss man sich einmalig mit Kreditkarte anmelden. Man lässt das Rad stehen, wo es einem passt. Der Nächste findet es mittels Standortbestimmung. Für zwei Stunden kostet der Spaß etwa 2,5 Rubel. Elektroscooter und Elektroräder gibt es auch, aber die sind nicht so dicht gestreut.

Die Abfallentsorgung wurde in Teilen der Stadt von Remondis übernommen. Remondis ist einer der weltweit größten Dienstleister für Recycling, Service und Wasser. Remondis-Belarus ist ein deutsch-weißrussisches Joint Venture.

Während ich das alles sehe, stelle ich mir die sehr naive Frage: Warum kann der Westen dieses Land nicht einfach in Ruhe seinen Weg gehen lassen?

Er ist doch wirtschaftlich längst in Belarus angekommen. Mehr Westen geht nicht mehr. Der Westen beherrscht die Szene im Konsumgüterbereich, mindestens im oberen Segment.

Die österreichische A1 hat Velcom geschluckt und ist nun größter Telekomanbieter in Belarus. Die österreichische Raiffeisen Gruppe besitzt 88 Prozent der Aktien der Priorbank, einer der größten Banken des Landes. Im Stadtbild ist nicht zu übersehen, dass Baumit mitbaut. Baumit hat seinen Stammsitz in Bad Hindelang im Allgäu, und so weiter, und so fort.

Die Liste ließe sich seitenlang fortsetzen. Die Sanktionen schaden der Wirtschaft und die Konsumenten können weniger für Westwaren ausgeben. Die Wareneinfuhr aus der EU betrug im Jahre 2020 6,4 Milliarden Dollar, die Ausfuhr in die EU 5,4 Milliarden. EU-Politiker könnten westliche Unternehmer fragen, die in Belarus Geschäfte machen, wenn sie wirklich wissen wollten, was in Belarus los ist. Aber die Antworten würden nicht ins Feinbild passen und das wissen die Herrschaften natürlich. Also halten sie sich an Informanten, die von US-Agenten geschult werden, siehe weiter unten.

Belarus, ein hässliches Unkräutlein an der nordöstlichen Grenze des neoliberalen, europäischen Lustgartens? Der Kreuzzug gegen das belarussische Staatsmodell wird schon seit Jahrzehnten geführt. Mit welcher Intensität, das hat die Chuzpe zweier genialer Mimen gerade wieder — im Mai 2021 — zu Tage gefördert.

Das NED (National Endowment for Democracy)

Wladimir Kusnezow und Alexei Stoljarow, mit Künstlernamen Wowan und Lexus, gaben sich am Telefon als Swetlana Tichanowskaja und ihr Chef-Berater aus. Es gelang ihnen die Führungsriege (top leadership) einer als NGO getarnten Agentur transatlantischer Regime-Changer in eine Videokonferenz zu locken, wobei sie selbst für die Amerikaner unsichtbar blieben (3).

Das NED (National Endowment for Democracy) wurde auf Empfehlung der CIA 1983 vom US-Kongress gegründet und wird jährlich mit 3-stelligen Millionensummen aus dem US-Bundeshaushalt ausgestattet.

Nina Ognjanowa ist die Führungsoffizierin für die Agenten in Belarus und die von ihnen „inspirierten“ Gruppen meist junger Menschen, die landesweit in Zentren und Zirkeln organisiert und geschult werden. Nicht ohne Stolz führte sie die Mittäterschaft des NED an den Unruhen im August 2020 an:

„Viele der Menschen, die an diesen Zentren trainiert wurden, mit ihnen in Kontakt standen und von ihnen ausgebildet wurden, in ihre Arbeit involviert wurden, haben jetzt das Banner aufgehoben und die Führung beim Organisieren der Gemeinschaft übernommen.“

„Wir glauben, dass dieser langfristige Prozess der Vertrauensbildung mit unseren Partnern in Belarus tatsächlich zu den Ereignissen des letzten Sommers geführt oder die Vorarbeit zu den Ereignissen geleistet hat. Wir glauben nicht, dass diese so beeindruckende und inspirierende Bewegung aus dem Nichts kam — dass sie einfach über Nacht entstand, sondern sie hat sich entwickelt und wir haben unseren bescheidenen, aber bedeutenden Beitrag dazu geleistet, indem wir die Akteure vor Ort befähigt haben, ihre wichtige Arbeit zu tun.“

Derartige Aktivitäten der NED, so Ognjanowa, dauern bereits an die 20 Jahre an. Barbara Haig, die stellvertretende NED-Vorsitzende im Bereich Politik und Strategie, sprach von 17 Jahren finanzieller Unterstützung, die man gewissen Gruppen für den betrieblichen Arbeitskampf in Weißrussland habe zukommen lassen. Diese Gruppen müssten jedoch mittlerweile zu einem großen Teil aus der benachbarten Ukraine arbeiten, so Haig.

Carl Gershman, der Vorsitzende des NED, erzählte, dass in Washington ansässige Geldgeber- und Politiker bereits „sehr, sehr eng“ mit Tichanowskaja und ihrer Mannschaft zusammenarbeiteten. Und er bestätigte: „Wir bewilligen Gelder für diese Gruppen.“

Belsat

Der TV-Sender Belsat wurde unter dem heutigen PIS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński 2007 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Regierung von Alexander Lukaschenko zu stürzen. Der Sender behauptet von sich, er sei „der erste unabhängige TV-Sender in Belarus“.

Das ist freilich eine Unwahrheit, denn er hat seinen Sitz in Warschau im Hause des staatlichen polnischen Fernsehens und wird in der Hauptsache vom polnischen Außenministerium finanziert. Die Finanzierung durch das Außenministerium zeigt, dass es in erster Linie um Einmischung in innere Angelegenheiten des Nachbarlandes geht und nicht um Kultur. Interessanterweise wird nur in weißrussischer Sprache gesendet, um den Weißrussen „ihre Sprache zurückzugeben“. Auf diese Weise soll ein nationalistischer Mythos befördert werden, der die Weißrussen später gegen Russland einsetzbar macht.

Mit dem Weißrussischen ist es ähnlich wie mit dem Bayrischen. Der alte bayrische Dialekt wurde, grob gesagt, vom Lech bis zum Neusiedlersee und vom bayrischen Wald bis Bozen gesprochen und das in verschiedenen Varianten. Inzwischen ging ein großer Teil der alten Ausdrücke verloren, die im Hochdeutschen keine verwandte Form hatten. Der alte Dialekt hat sich allenfalls noch in abgelegenen Dörfern erhalten. Die Städter pflegen, wenn überhaupt, eine hochdeutsch verwässerte Form. Dazu trug auch die Völkerwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg bei, in der Millionen Ostflüchtlinge nach Bayern strömten.

All das lässt sich fast eins zu eins auf das Weißrussische übertragen. Allerdings dürfte die Völkerwanderung nach dem Krieg in Weißrussland noch größer gewesen sein. Nach der Unabhängigkeitserklärung wurden in Belarus Ansätze gemacht, das Weißrussische wieder zu beleben. Offiziell ist das Land zweisprachig. Weißrussisch ist auch in den Schulen ein mäßig beliebtes Unterrichtsfach. Die Pässe sind zweisprachig und man sieht nicht selten weißrussische Aufschriften an Geschäften. Aber die Verkehrssprache ist Russisch und außer ein paar westlich inspirierten Nationalisten will das kaum jemand ändern.

Die Präsidentenwahl 2020

Vielleicht gibt es überhaupt niemanden, der genau weiß, wie in Belarus gewählt wurde. Es ist schwierig, im Internet eine unvoreingenommene Quelle zu finden. Am ehesten wird man auf russischen Portalen fündig. So schreibt Sergei Schpilkin unter der Überschrift:
„Präsidentschaftswahlen in Belarus: Arithmetik gegen die ZIK“ (ZIK ist die Zentrale Wahlkommission) (4).

„Seit vielen Jahren bezweifeln aufmerksame Beobachter die offiziellen Wahlergebnisse in Belarus. Die Zweifel nähren sich aus Beobachtungen direkt in den Wahllokalen als auch durch die Analyse von Archivdaten. In einigen Fällen gibt es ernsthafte Gründe zu der Annahme, dass die veröffentlichten Ergebnisse nicht durch Auszählen der Stimmzettel, sondern durch Berechnung auf einem Taschenrechner, auf der Grundlage vorgegebener Prozentsätze, erzielt wurden.

Im Gegensatz zu Russland, wo seit 2003 die Ergebnisse aller Abstimmungen für jedes Wahllokal verfügbar sind, werden in Belarus nur die Ergebnisse für Regionen, Bezirke und Wahlkreise (in der Regel Monate nach den Wahlen) offiziell veröffentlicht. Und die Ergebnisse für jedes Wahllokal können nur aus Kopien der Protokolle ersehen werden, die nach den Wahlen in der Nähe der Wahllokale veröffentlicht werden sollten. Es ist klar, dass es unter solchen Bedingungen sehr schwierig ist, repräsentative Statistiken zu erhalten.

Die beispiellose Mobilisierung der Bürger bei den laufenden Wahlen hat es jedoch ermöglicht, eine erhebliche Menge an Informationen über Abstimmungen in Wahllokalen zu sammeln. Die ‚Tschestnie Ludi-Initiative‘ organisierte die Sammlung und digitale Weiterverarbeitung von den Fotographien der Protokolle, die in Wahllokalen veröffentlicht wurden (allerdings war diese Bedingung nicht überall gegeben).“

Die Tschestnie Ludi-Initiative (tschestnie ludi heißt ehrliche Leute) unterschied zwischen wahren und falschen Protokollen und erstellte dazu eine Tabelle (5).

In dieser Tabelle ergeben die Zahlen der wahren Protokolle zwar keine 8-fache Mehrheit für Lukaschenko, aber eine zwei- bis dreifache vor Tichanowskaja. Wenn die Zahlen so interpretierbar sind, dann hatte möglicherweise auch die sogenannte Opposition kein Interesse daran, den einzig vernünftigen Weg zu gehen, nämlich eine Neuauszählung der Stimmen zu fordern, wenigstens in Form von Stichproben.

Vermutlich hatten die Organisatoren in Polen und Litauen sowie ihre amerikanischen Berater schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses die Massenproteste, die erwartungsgemäß nicht genehmigt wurden, bis ins Detail geplant. Jedenfalls ist die Versammlung riesiger Menschenmengen an bestimmten Plätzen eine kolossale logistische Herausforderung, die nicht aus dem Handgelenk zu bewerkstelligen ist. Und die Demonstrationen fanden postwendend nach den Wahlen statt.

Ein mittelalterliches Szenario als Versuch, sich in die Lage Lukaschenkos zu versetzen

Würde ein Burgherr, der sich von Feinden umzingelt wähnt, innerhalb der Burg ein freies und faires Tounier veranstalten, wenn einer der beiden Kombattanten verkündet, bei seinem Sieg den Belagerern, deren erklärtes Ziel es ist, die Burg zu schleifen, alle Türen und Tore zu öffnen?

„Highlights“ aus dem Programm der Opposition: Privatisierung der Staatsbetriebe und „Brandmauer gegen Russland“ (Tichanowskaja). Eine Brandmauer gegen Russland wäre vergleichbar einer Brandmauer Österreichs gegen Deutschland. Die Folge wäre ein Wirtschaftsinfarkt binnen Stunden.

Was der Westen dem weißrussischen Präsidenten vorwirft, ist in der Ukraine gleichsam Alltag. Ein Putsch wie im Februar 2014 ist die ultimative Verfälschung des Wählerwillens.

Journalisten werden verhaftet, TV-Sender geschlossen, Regimegegner ungestraft ermordet wie in Odessa im Mai 2014, im Jahre 2016 wurde eine Belavia-Maschine vom Himmel geholt, zur Landung in Kiew gezwungen, ein Unliebsamer herausgeholt und festgesetzt, und jüngst wurde der Oppositionsführer Wiktor Medwedtschuk des Hochverrats angeklagt. Und der Westen schweigt.

„It‘s the economy, stupid“, der bekannte Spruch aus Bill Clintons Wahlkampagne, der meinte, die Wirtschaft sei das Entscheidende, gilt nicht mehr. Hier geht es um Größeres: „It‘s the geopolitics“, und Belarus ist nur der Schauplatz für einen weiteren Stellvertreterkrieg. Daher die Brandmauer gegen Russland.

Brzezinzki spielt wieder mit?

Hat der alte Zbigniew Brzezinski wieder das große Schachbrett hervorgeholt (6)? Geht es um Putin‘s letzten Bauern Belarus? … Steuert er aus dem Jenseits die Züge von Merkel, Maas, Macron … ? Muss man schon an Geister glauben, um die Politik des Westens zu begreifen?

Internet abgeschaltet

Beim Kampf um die Deutungshoheit des Geschehens steht die weißrussische Regierung auf verlorenem Posten, denn hinter den Portalen und Foren, die von der Jugend von früh bis spät frequentiert werden, stehen Player, die gegen weißrussisches Regierungshandeln immun sind, weil sie sich im Ausland befinden, vermutlich in Polen, Litauen, Lettland und der Ukraine.

Das einzige, was die Regierung machen kann, ist das Internet total abzuschalten. Und das hat sie im August einige Male gemacht. Das war ein Schuss ins Knie, denn die wichtige IT-Branche war stocksauer, wie andere Betriebe auch, und die Abwanderung aus Belarus ist eine Option, die diese Seite nun in Erwägung zieht.

Die schrillsten Töne kommen aus Polen und den baltischen Zwergstaaten, die seit ihren Beitritten zu EU und NATO rund 20 Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben, trotz der Milliarden, die von der Gemeinschaft in diese Schaufenster an der Ostsee gepumpt wurden.

Polen

1918 entstand wieder ein souveränes polnisches Staatswesen. Die Zwischenkriegszeit war geprägt vom autoritären Regime Jósef Piłsudskis, einem glühenden Antisemiten und in diesem Punkt Hitlerversteher. Polen war damals ein Vielvölkerstaat in ganz anderen Grenzen als heute, mit zwangseingegliederten Ruthenen, Ukrainern, Weißrussen, Litauern, Juden und Deutschen. Dann sechs lange Jahre Generalgouvernement, die dunkelste Zeit in der Geschichte Polens. 1945 Befreiung durch die Rote Armee.

Ohne diese Befreiung gäbe es kein polnisches Volk mehr. Himmler hätte „nach dem Sieg“ mit den Verbliebenen im Generalgouvernement kurzen Prozess gemacht. Die Arbeitsfähigen hätten auf deutschen Gütern schuften dürfen, der Rest hätte sich „nach dem Sieg“ vermutlich irgendwo in Sibirien wiedergefunden. Es ist eine seltsame Art des Dankes an die Befreier, ihre Denkmäler zu schleifen. Außerdem stammt ein Drittel des heutigen Territoriums aus der Zuteilung sogenannter deutscher Ostgebiete, die der vielgeschmähte Josef Stalin auch anders hätte verteilen können.

Heute lernen die polnischen Schulkinder, dass zwischen Hitler und Stalin im Grunde kein Unterschied war und dass nach den Deutschen die Russen ihr Heimatland besetzt hätten.

Wojciech Jaruzelski, Edward Gierek, Władisław Gomułka, waren das Russen?

Die Vereinigte Polnische Arbeiterpartei hatte in ihren guten Zeiten mehr als zwei Millionen Mitglieder. Eine Zahl, von der die mitgliederstärkste Partei in der BRD, die SPD, nur träumen konnte. Es spielt keine Rolle, ob das überzeugte Marxisten-Leninisten waren oder pure Opportunisten. Sie haben die Volksrepublik Polen repräsentiert und getragen. Das waren keine Russen, sondern Polen. Auch mit seiner antisemitischen Vergangenheit tut sich das Regime schwer. Noch im Jahre 1946 gab es ein Judenpogrom, das Pogrom von Kielce, bei dem am 4. Juli 40 polnische Juden von einem Mob ermordet wurden.

Unter dem PIS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński wird die polnische Geschichte neu erfunden und neue Mythen werden erdichtet. Die Zeit der polnischen Volksrepublik soll aus der Erinnerung getilgt werden. Dazu muss er „die Russen“ zu Besatzern machen. So fungiert der Russenhass als einigendes Band einer gespaltenen Nation, deren ländliche Seite einem konservativen Katholizismus frönt, während das Stadtbürgertum einem gegensätzlichen Liberalismus zuneigt. Gleichzeitig dient der Russenhass dazu, sich als transatlantischer Musterknabe zu beweisen, um so, als besonderer Schützling der USA, mehr außenpolitischen Spielraum in der EU und besonders gegenüber Deutschland zu haben.

Antirussismus als Vehikel der Nationsbildung in den baltischen Staaten

Auch in den baltischen Staaten scheint Russenhass das einigende Band zu sein. Stets ist ein Mythos der Geburtshelfer einer Nation. Der neue Mythos erzählt von sowjetischer Besatzung und den Deportationen zehntausender Balten unter Stalin.

Diese Deportationen waren zweifellos verbrecherisch. Aber die Balten waren nicht die einzigen, die in der Stalinzeit einer verbrecherischen Politik ausgesetzt waren. Unter Chruschtschow begann die Rehabilitierung Vertriebener. Der Mythos ist selektiv und verschweigt die vielfältige Kollaboration der Balten mit dem Dritten Reich. Er verschweigt auch die Mithilfe am Genozid an den Juden.

In der Selbstdarstellung dieser neuen Staaten gibt es viele offene Fragen. Bisher werden sie mit lautem Russenhass übertönt. Völlig ungeklärt ist auch die „Russenfrage“ in Lettland und Estland, wo rund ein Drittel der Bevölkerung russischstämmig ist. In der Hauptstadt Tallinn sind es 44 Prozent. Der finnische Wissenschaftler Johan Beckman meint, das Hauptproblem Estlands sei die legalisierte Diskriminierung der Russen. Wer solch halsbrecherische Außenpolitik betreibt, muss das größte Interesse daran haben, dass die NATO Russland „im Zaum“ hält und Sanktionen das Land schwächen.

Matrjoschka, Identität und Zwiebeln

Man kann an die russischen Matrjoschka-Figuren denken, wenn man sich die Schichtung der Identitäten eines Menschen klar machen will. Die innerste Figur wäre nach diesem Modell das eigene Ich. Die nächstfolgende Schale wäre die Familie beziehungsweise der Familienname, dann Freundeskreise und Mitgliedschaften in Vereinen, mit denen sich die Person identifiziert. Eine weitere Schale wäre möglicherweise der Beruf und die Betriebszugehörigkeit eines Menschen.

Die äußerste Schale wäre der Staat, mit dem sich jemand identifiziert, seine Staatsbürgerschaft. Entsprechend den Schalen einer Zwiebel sind die Identitäten eines Menschen um den Ich-Kern herum aufgebaut. Diejenigen, die dem Ich am nächsten sind, sind natürlich die intensivsten, die dominantesten.

In der Sowjetunion war die Union, geliebt oder nicht, die äußerste Schale. Diese Union hatte eine nicht zu unterschätzende integrative Kraft, die Kriege und Auseinandersetzungen, wie wir sie seit 1990 erleben, weitgehend verhinderte.

In sowjetischen Pässen gab es die Rubrik „Nationalität“. Damit wurde nicht unbedingt auf einen bestehenden Nationalstaat Bezug genommen, denn es gab auch die Nationalität „jüdisch“. Die Nationalität können wir uns in diesem Fall als die der äußeren Unions-Schale nächstfolgende vorstellen.

Als mit dem Ende der Sowjetunion die äußere Schale zerbrach, waren nur noch die Nationalitäten sichtbar, deren Funktion sich nun änderte. Während sie zu Sowjet-Zeiten ein zusätzliches, in der Praxis nicht besonders wichtiges Persönlichkeitsmerkmal waren, wurden sie nun zum bestimmenden Erkennungszeichen, zum Unterscheidungs-, Abgrenzungs- und Ausgrenzungsmerkmal, bisweilen in völkisch-nationalistischer Übertreibung.

Diese Tendenz war in jenen früheren Sowjetrepubliken am heftigsten, die in ihrer Geschichte kurzzeitig souveräne Staaten gewesen waren, wie die baltischen Länder oder Georgien. Als Letzte verließen jene asiatischen Republiken die einstürzende Ruine, die aus Sultanaten oder Emiraten in die Sowjetunion „übersiedelt“ waren und nie so etwas wie bürgerliche Nationalstaaten gewesen waren.

Als das einigende Band der Union wegfiel, wurden aus der sowjetischen Nomenklatura über Nacht nationalistische Eliten. Keine Revolution hatte die alte herrschende Klasse durch eine neue ersetzt, sondern die alten Eliten ersetzten ihre alte Gesinnung durch eine neue. Oder anders ausgedrückt: Das Vakuum, das der Wegfall der einigenden, kommunistischen Staatsdoktrin hinterließ, wurde durch partikularen Nationalismus ausgefüllt, der sich den neuen Machtverhältnissen anpasste, also „prowestlich“ war.

Von Rotfront auf den Präsidentenstuhl

Ein typisches Beispiel ist die langjährige Präsidentin Litauens Dalia Grybauskaitė, die wasserstoffblonde Dame, die sich auf allen Familienfotos der EU stets in der ersten Reihe, neben den „Großen“, postierte. Grybauskaitė, 1956 in Litauen geboren, ging mit 20 Jahren nach Leningrad, heute Sankt-Peterburg, um in der Pelzfabrik Rotfront zu arbeiten. Sie absolvierte ein Abendstudium in Politischer Ökonomie an der staatlichen Leningrader Universität.

1983 trat sie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bei, kehrte nach Litauen zurück und übernahm eine Lehrtätigkeit an der Parteihochschule in Vilnius. Sie promovierte 1988 in Wirtschaftswissenschaften an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau und unterrichtete in Vilnius Politische Ökonomie bis zur Schließung der Parteihochschule im Juni 1990.

Schon im Jahr 1991 absolvierte sie ein „Spezialprogramm für Regierungsmitglieder“ an der US-Elite Universität, Georgetown University, in der US-Hauptstadt Washington. Nun hatte sie einen „Impfpass“, der sie als Transatlantikerin auswies. Einer Karriere unter den neuen globalen Machtverhältnissen stand nichts mehr im Wege. Um an ihrer Konversion keinen Zweifel aufkommen zu lassen, musste sie nur noch bei jeder sich bietenden Gelegenheit härtere Sanktionen gegen Russland fordern. Und das tat sie.

Und so schließt sich der Kreis

Die Ironie der Geschichte will es, dass die Bolschewiki es waren, die als erste das Selbstbestimmungsrecht der Nationen propagierten (7).

Lenin hat in seiner Polemik gegen Rosa Luxemburg, die polnische Sozialdemokratin, die sich für einen Verbleib Polens im Zarenreich aussprach, ausdrücklich das Recht einer Nation verteidigt, aus einem größeren Staatsverband auszutreten.


Quellen und Anmerkungen:

(1) (https://www.nbrb.by/engl)
(2) (https://www.dialog-ev.org/post/das-wirtschaftsmodell-von-belarus)
(3)
(https://de.rt.com/international/117638-aktives-programm-im-ganzen-land-usa-betreibt-illegales-aktivisten-netz-russland/)
(4)
(https://trv-science.ru/2020/08/vybory-prezidenta-rb-arifmetika-protiv-cik/)
(5) (https://drive.google.com/file/d/1tMYku50vb6jBawXXrj2SRRHlRi_OA_vy/view)
(6) 1997 erschien Brzezinski‘s geopolitische Monographie, The Grand Chessboard (Das große Schachbrett), darin entwirft er unter anderem ein Drehbuch für die militärische Einkreisung Russlands und das Herausbrechen der Ukraine aus dem russischen Einflussbereich. Dieses Drehbuch wurde von Präsident Clinton und seinen Nachfolgern Punkt für Punkt in die Tat umgesetzt.
(7) W.I.Lenin, Über das Selbstbestimmungsrecht der Nationen, 1914
https://archive.org/details/leninwerke_201705/Lenin%20Werke/LW20/page/n403/mode/2up


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Rubikon am 04.06.2021 unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie ihn verbreiten und vervielfältigen.

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Richter im Kreuzfeuer von Staatsanwaltschaft und Politik

Richter, die Urteile gegen „Corona-Maßnahmen“ fällen, sind Kritik und auch massivem politischen und juristischen Druck ausgesetzt.

Staatsanwaltschaft Erfurt gegen Amtsgerichtsurteil

RechtsstaatIn einem Urteil vom 11.01.2021 erklärt das Amtsgericht Weimar die im Frühjahr 2020 verhängten Kontaktbeschränkungen für verfassungswidrig und bescheinigt der Politik „katastrophales Versagen“:

„Bei der von der Landesregierung im Frühjahr (und jetzt erneut) verfolgten Politik des Lockdowns, deren wesentlicher Bestandteil das allgemeine Kontaktverbot war (und ist), handelt es sich um eine katastrophale politische Fehlentscheidung mit dramatischen Konsequenzen für nahezu alle Lebensbereiche der Menschen, für die Gesellschaft, für den Staat und für die Länder des Globalen Südens.“
Reiner Füllmich kommentierte das Urteil unter anderem ausführlich am 21.01.2021.
Mit dem Urteil erregte das Amtsgericht nicht nur Bürger, sondern auch die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft Erfurt. Dazu gab der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt gegenüber dpa bekannt, dass die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht den Antrag auf Zulassung einer Rechtsbeschwerde eingereicht hat. Darüber berichteten die „Leitmedien“ mehrfach.

Staatsanwaltschaft Erfurt gegen Familienrichter

Christian Dettmar, Familienrichter am Amtsgericht Weimar, hat am 08.04.2021 gegen die Maskenpflicht an zwei Schulen der Stadt – unter Verweis auf eine Kindeswohlgefährdung entschieden.
Dagegen leitete die Staatsanwaltschaft Erfurt ein offizielles Ermittlungsverfahren „wegen des Verdachts der Rechtsbeugung“ ein und verwies auf knapp ein Dutzend Strafanzeigen gegen den Richter. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wurden Büro, Auto und Haus des Richters durchsucht. FOCUS Online berichtet darüber am 28.04.2021:
„‚Ja, es gab gestern Vormittag eine Durchsuchung. Dabei wurden Beweismittel sichergestellt, die der Beschuldigte freiwillig herausgegeben hat‘, so Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen an diesem Dienstag. Demnach wurden sowohl das Büro des Richters als auch sein Haus sowie sein Auto durchsucht, sein Mobiltelefon sichergestellt. ‚Die Durchsuchung war vom Ermittlungsrichter angeordnet worden‘, so Grünseisen.“
Nunmehr lässt sich der Richter von Anwalt Gerhard Strate vertreten.
„Im Gespräch mit FOCUS Online kritisierte Gerhard Strate die Ermittlungen gegen den Familienrichter scharf. Er bezeichnete das Verfahren als ‚unzulässig und unbegründet‘, gegen die Durchsuchungsmaßnahmen habe er bereits Beschwerde eingelegt. Strate zu FOCUS Online: ‚Es ist völlig abwegig, eine Rechtsbeugung zu behaupten oder auch nur in den Raum zu stellen. Gegenteilige Auffassungen sind offensichtlich dem Irrsinn zuzuschreiben, der sich in der Corona-Zeit breitzumachen beginnt.'“
Nachtrag vom 19.05.2021:
In einem ähnlichen Fall erging ein Beschluss des OLG Karlsruhe. Das Familiengericht sei gemäß § 1666 BGB verpflichtet, nach pflichtgemäßem Ermessen Vorermittlungen einzuleiten. Ein Familiengericht könne die Prüfung, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliege, nicht einfach auf das Verwaltungsgericht verlagern. Dieser Beschluss wurde mehrfach als indirekte Rückendeckung für den Weimarer Familienrichter aufgefasst.
Nunmehr hat das Oberlandesgericht Jena am 14.05.2021 den Beschluss des Weimarer Amtsrichters zur Maskenpflicht und Testpflicht an Schulen gekippt. Der Familienrichter sei nicht zuständig für die ihm vorgelegte Frage, entschieden die Richter des Oberlandesgerichtes Jena. Sie widersprechen damit diametral einer Entscheidung ihrer Kollegen von Oberlandesgericht Karlsruhe.

Staatsanwaltschaft München gegen Weilheimer Familienrichterin

Ähnlich wie Christian Dettmar urteilte das Amtsgericht Weilheim am 13.04.2021 zugunsten Betroffener „Kindeswohlgefährdung, § 157 FamFG“. Auch in dem Fall leitete die Staatsanwaltschaft „Vorermittlungen wegen Rechtsbeugung“ ein:
„‚Wir haben Vorermittlungen eingeleitet, weil es mehrere Anzeigen gab‘ , so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Ob diese Vorermittlungen in ein offizielles Ermittlungsverfahren übergehen oder eingestellt werden, sei noch nicht entschieden.“

Rechtsbeugung als Straftatbestand

Rechtsbeugung ist gem. § 339 Strafgesetzbuch„mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren“ zu bestrafen. Diesen Sachverhalt erläutert Rechtsanwalt Florian Gempe auf anwalt.de kurz und allgemeinverständlich.

Unter dem Titel „Aufsatz: Corona-Maßnahmen vor dem Familiengericht – eine ungewöhnliche Entwicklung“ kritisiert das Netzwerk Kritischer Richter und Staatsanwälte aus familienrechtlicher Sicht die oben genannten familiengerichtlichen Entscheidungen und die staatsanwaltlichen Aktivitäten.

In dem Aufsatz wird auch die Kostenentscheidung in Höhe von 18.654 € zur Disposition gestellt, die ein Familienrichter einer alleinerziehende Mutter aus Leipzig auferlegte:

„Ob dieses Vorgehen rechtlich vertretbar ist, erscheint zweifelhaft. Ob die zugrundeliegende Anregung tatsächlich Anlass bot, die Erziehungseignung der Kindesmutter zu überprüfen, ist ebenso wie die Feststellungen der Amtsgerichte Weimar und Weilheim eine Frage, die unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls in richterlicher Unabhängigkeit zu entscheiden ist, so dass auch insoweit hier eine Bewertung unterbleibt. Das ‚abschreckende‘ Vorgehen in kostenrechtlicher Hinsicht wirft jedoch Fragen auf.“

Vor allem stellt sich angesichts dieser Verfahren wohl erneut die grundlegende Frage: Wie unabhängig sind Richter und Staatsanwälte in Deutschland wirklich?


 

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Corona-Test – ein Glücksspiel

Corona-Test ist ein Glückspiel. Dennoch sollen negative Testergebnisse Voraussetzungen dafür sein, dass einem Teil der Bürger die Grundrechte verweigert werden.

Corona-Test – nur mit negativem Ergebnis zur Schule

Corona-TestMit dem verschärften Infektionsschutzgesetz werden nun abhängig von „Inzidenzwerten“ Einschränkungen der Grundrechte in einem Gesetz festgeschrieben.

Zwar scheint der Begriff „Inzidenzwert“ dem Gesetzgeber nicht so wichtig gewesen zu sein, um ihn unter den 17 Begriffsbestimmungen im § 2 des Gesetzes aufzuführen, aber als Kriterium für Grundrechtseinschränkungen ist er wohl brauchbar:

Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 28b (3):

„Die Durchführung von Präsenzunterricht an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen ist nur zulässig bei Einhaltung angemessener Schutz- und Hygienekonzepte; die Teilnahme am Präsenzunterricht ist nur zulässig für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte, die zweimal in der Woche mittels eines anerkannten Tests auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 getestet werden.“

Ein negativer Corona-Test soll Voraussetzung sein, Bürgern ihrer Grundrechte zurückzugeben.

Inzidenzwert auf dem Niveeau eines Taschenspielers

Das Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus Marcel Luthe (fraktionslos) wollte vom Senat wissen und fragte:

„Wie viele verschiedene der aktuell 951 unterschiedlichen grundsätzlich am deutschen Markt verfügbaren ‚Tests zum neuartigen Coronavirus‘ werden bei den ‚Corona‘-Tests, auf deren Ergebnisse der Senat seine Verordnungen im Wesentlichen stützt (‚Inzidenz‘, ‚Ampel‘ etc.), verwendet?“

Klare Antwort des Berliner Senats:

„Für die den Inzidenzberechnungen zugrundeliegenden Meldungen von SARS-CoV2 nach IfSG werden ausschliesslich positive PCR-Testergebnisse der meldenden Labore verwendet. Welche qualitätsgesicherten PCR-Testsysteme die Labore jeweils einsetzen wird nicht gesondert erfasst.“

Qualitätssicherung der PCR-Testsysteme interessiert den Senat offensichtlich nicht.

Weiter fragte der Abgeordnete:

„Um welche Tests welches Herstellers handelt es sich jeweils und seit wann werden diese verwendet? Welche Sensitivität und welche Spezifität weisen diese auf?“

Auch hierzu eine erschöpfende Antwort des Berliner Senats:

„PCR-Tests verschiedener Hersteller stellen seit Beginn der Pandemie den international anerkannten Goldstandard dar.“

Marcel Luthe schließt daraus:

„Der Senat arbeitet auf dem mathematisch-statistischen Niveau eines Taschenspielers, wenn er einerseits von ‚Goldstandard‘ – angesichts der seit Jahrzehnten fehlenden Golddeckung von Bargeld eine besondere Posse – spricht und andererseits nicht weiß, welche der aktuell 951 unterschiedlichen Corona-Tests am deutschen Markt in welchem Labor verwendet werden.“

Zum „Goldstandard“ des PCR-Tests gehören unweigerlich die „Logiklücke“ ebenso, wie die Warnung der WHO oder die Zehn Todsünden des PCR-Tests, die weltweit nahmhafte Wissenschaftler herausgestellt haben.

Wie das RKI die Testzuverlässigkeit wertet

RKI-Chef Lothar Wieler auf der Bundespressekonferenz vom 26.03.2021:

„Und was ich auch noch von den Daten weiß, die wir da erheben durch die Abfragung, ist es momentan etwa so, dass von positiven Antigentests, und ich rede jetzt nicht von den Selbsttests, da haben wir noch keine Daten, aber von den Antigentests, dass von einem, der positiv war, also als Schnelltest, dass etwa sich die Hälfte davon nachher bestätigt hat als PCR-positiv. Also das ist, um in etwa so eine Größenvorstellung zu haben.“

 

Also die Hälfte der positiven Antigentest wurde durch einen positiven PCR-Test bestätigt – die andere Hälfte war demzufolge falsch und ermöglicht keinen Schulbesuch…

Zu ähnlich zuverlässigen Erkenntnissen kommt Ulrich Wagner, stellvertretendem Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe:

„In Karlsruhe führen zirka 30 Prozent aller Schnelltests zu einem falsch-positiven Ergebnis. Aber man muss immer hinterfragen, was das politische Ziel dahinter ist.“


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Sind wir im Impfrausch?

Der Impfrausch

Impfrausch

Quelle: Liz Masoner/pixabay.com

Es wird geimpft, als gäbe es kein Morgen mehr — für manche Geimpften könnte das sogar zutreffen. Exklusivabdruck aus „Corona unmasked“.
von Sucharit Bhakdi, Karina Reiss

Gut Ding will Weile haben. Gilt das auch für die Entwicklung von Impfstoffen? Bislang schien Einigkeit darüber zu herrschen, dass die Antwort auf diese Frage ein kategorisches, imperatives „Ja!“ ist. Völlig zu Recht. Denn Impfungen können Leben retten, während zugleich keine Impfung vollkommen sein und Nebenwirkungen nie absolut ausgeschlossen werden können. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, und seine Co-Autorin, die Biochemikerin und Hochschullehrerin Karina Reiss, plädieren in diesem vorab publizierten Kapitel aus ihrem neuen Buch „Corona unmasked“, das am 10. Mai 2021 erscheint, für sorgfältig abgewogene Informationen und die absolute Freiheit der Entscheidung für oder gegen eine Impfung.

Muss gut Ding Weile haben?

Für die Entwicklung von Impfstoffen galt bislang das kategorische, das imperative „Ja!“. Und das absolut zu Recht. Denn Impfungen können Leben retten. Aber keine Impfung kann vollkommen sein. Nebenwirkungen können nie gänzlich ausgeschlossen werden. Impfstoffe erfüllen zwei wichtige Voraussetzungen:

  1. Der Impfstoff muss Schutz gegen eine schwere/lebensbedrohliche Krankheit oder gar den Tod bieten;
  2. Schwere und Häufigkeit von Nebenwirkungen müssen im erträglichen und verantwortbaren Rahmen sein.

Insgesamt muss der Nutzen für die eigene Gesundheit und für die Gesellschaft sehr viel höher sein als das Risiko. Das klingt logisch, oder? Und es stimmt auch! Wer würde sich gegen Husten — Schnupfen — Heiserkeit impfen lassen, wenn er dafür ein unberechenbares Risiko auf schlimme Nebenwirkungen eingehen würde?

Dazu muss nicht jede Impfung für jeden Menschen sinnvoll sein. Wer in Deutschland lebt, braucht keine Impfung gegen Gelbfieber, das hier nicht vorkommt.

Nun wissen wir inzwischen, dass Covid-19 eine klar definierbare Risikogruppe gefährdet: Menschen über 70 Jahre mit Vorerkrankungen, die ein relativ hohes Risiko haben, schwer zu erkranken und zu versterben (1).

Für diese Menschen könnte eine Impfung Sinn machen. Die Wirksamkeit und die möglichen Gefahren müssten aber besonders sorgfältig geprüft werden. Die durchgeführten Studien haben jedoch genau diese Gruppe von älteren Menschen mit ernsten Vorerkrankungen ausgeschlossen.

Ausnahme: Killer-Coronavirus?

Mitte Oktober 2020 sagte RKI-Präsident Lothar Wieler beim Fernsehsender Phoenix: „Wir gehen alle davon aus, dass im nächsten Jahr Impfstoffe zugelassen werden. Wir wissen nicht genau, wie die wirken, wie gut die wirken, was die bewirken, aber ich bin sehr optimistisch, dass es Impfstoffe gibt.“ Da hat er mit allem Recht gehabt. Die genbasierten Impfstoffe sind da und werden massenweise verabreicht — dabei wissen wir nicht, ob sie wirken, wie gut sie wirken, was sie bewirken. Selbstverständlich liegen inzwischen viele Daten vor, nur leider sind sie nicht aussagekräftig. Deshalb gab es auch keine klassische Zulassung in der EU, sondern lediglich eine „bedingte Zulassung“ (2). In den nächsten zwei Jahren soll überprüft werden, ob Nutzen oder Risiko größer sind.

Jeder Mensch, der sich jetzt impfen lässt, ist Teil dieses riesigen Experiments. Allerdings ohne jegliche Haftung seitens der Hersteller des Impfprodukts.

Denn bei Notimpfungen kann von den Herstellern nichts garantiert werden — im Falle eines Falles, bis zum Tode, stehen sie bezüglich der Haftung außen vor.

Dabei wäre gerade für völlig neuartige, genbasierte Impfstoffe wie die mRNA-Impfstoffe gegen Corona die Überprüfung möglicher Risiken im besonderen Maße zu fordern, denn nach gegenwärtigem wissenschaftlichem Stand wären mannigfaltige schwere Nebenwirkungen denkbar (3).

Umso erstaunlicher, dass aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuartigen Impfstoffe, die von den europäischen Regierungen für die Bevölkerung in riesigen Mengen vorbestellt wurden, gar nicht existieren. Das geht auch nicht in der kurzen Zeit. Im Warp-Speed-Rennen um die höchst lukrative Notzulassung waren drei Pharmaunternehmen an vorderster Front: AstraZeneca (Vektorimpfstoff auf Basis eines Adenovirus), Biontech/Pfizer (mRNA) und Moderna (mRNA).

Am 21. Dezember 2020 hat die EU-Kommission den Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen, kurz darauf, am 6. Januar, folgte die Genehmigung des Moderna-Impfstoffs und am 29. Januar erhielt AstraZeneca die EU-Zulassung. Während die sorgfältige Prüfung eines neuen Impfstoffes früher mindestens sieben bis zehn Jahre dauerte, wurde das Ganze jetzt auf Monate verkürzt. Können in dieser Zeit verlässliche Daten auf dem Tisch liegen, sodass die Bevölkerung zwischen Risiko und Nutzen abwägen kann? Während in Europa alles durchgewunken wurde, sagte die indische Gesundheitsbehörde „Nein“ zum Biontech/Pfizer Impfstoff, da die Sicherheit der Bevölkerung nicht gewährleistet sei (4).

Bieten die aktuellen Impfstoffe Schutz vor einer schwer verlaufenden SARS-CoV-2-Infektion?

Tatsache ist, eine Schutzwirkung gegen eine schwere und womöglich lebensbedrohliche Covid-19-Erkrankung konnte in Affenmodellen bei keinem der Impfstoffe gezeigt werden (5, 6, 7). Alle standen vor einem Riesenproblem: Infizierte Affen erkrankten mit oder ohne Impfung nie schwer (8). Somit konnte nicht geprüft werden, ob die Impfung gegen die ernste Erkrankung schützte.

Was sagen die Versuche, die an Menschen durchgeführt wurden?

Mainstream-Medien verbreiten jubelnd die Pressemitteilungen der Firmen, ohne diese überhaupt kritisch zu hinterfragen. So lernen wir, dass laut den Studien die Schutzwirkungen der Impfstoffe einfach toll sind, bei Biontech/Pfizer sogar bei 95 Prozent!

Aber wie kommen diese Zahlen zustande, wissen wir doch, dass gesunde Menschen sehr selten lebensgefährlich an Covid-19 erkranken?

In der Tat sind bei den über 40.000 Versuchspersonen der Biontech/Pfizer-Studie (9) gerade einmal 170 Covid-19-„Fälle“ aufgetreten (circa 0,4 Prozent). Davon acht bei den Geimpften (ein Mal schwer), 162 bei Ungeimpften (neun Mal schwer) — resultiert also daraus die Annahme, es gäbe einen 95-prozentigen Schutz!?

Bei so einer geringen Anzahl von Fällen muss man die Datenlage aus wissenschaftlicher Sicht als nicht belastbar bezeichnen. Wie wurde überhaupt ein „Covid-19-Fall“ im Rahmen dieser Studie definiert? Bei auftretenden Symptomen, wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit und einem positiven RT-PCR-Test wurde die Person als Covid-19-Fall eingestuft. Die Aussagekraft dieses Tests, ist allerdings, wie inzwischen fast jeder weiß, nicht existent. Wie in diesem Buch ausführlich dargelegt, ist der Test nicht geeignet, das eindeutige Vorliegen einer SARS-CoV-2-Infektion nachzuweisen. Wir haben hier also eine Impfung, die möglicherweise Husten, Schnupfen, Heiserkeit bei 0,7 Prozent der Geimpften — durch was auch immer — verhindert. Dafür mussten Hunderte von Geimpften in der Biontech/Pfizer Studie schwere Nebenwirkungen hinnehmen, die teilweise zu Krankenhausaufenthalten geführt haben.

Nicht anders bei den anderen Impfherstellern. Entsprechend moniert Peter Doshi, Spezialist für Medikamentensicherheit und Mitherausgeber des renommierten British Medical Journal (BMJ): „Keine der derzeit laufenden Studien ist darauf ausgelegt, eine Reduzierung schwerer Verläufe im Sinne von Hospitalisierung, Einweisung auf Intensivstationen oder den Tod festzustellen“ (10).

Sind das die erhofften 95 Prozent Wirksamkeit?

Wie groß ist nun der Nutzen der Impfung, gerade für die Risikogruppe? Das weiß kein Mensch. Deshalb läuft der Menschenversuch weiter und jeder, der sich jetzt begeistert impfen lässt, nimmt daran teil.

Verhindert der Impfstoff die Infektion und damit die Ausbreitung der Viren?

Ein allseits verkündetes Ziel der Impfung ist nicht nur, Covid-19-Erkrankungen zu verhindern, sondern auch die Ausbreitung der Viren. Schon in den Kindergärten und in den Schulen wird den Kindern vermittelt, sie könnten unwissentlich ihre Großeltern „umbringen“, weil sie die Viren weitertragen, ohne selbst krank zu sein. Um das zu verhindern, sollen alle geimpft werden, auch die Kinder. Es stellen sich also zwei Fragen:

  1. Ist eine Durchimpfung der Bevölkerung sinnvoll? Und:
  2. Kann eine Impfung überhaupt eine Infektion verhindern? Beschäftigen wir uns zunächst mit der ersten Frage, ob es sinnvoll ist, die Ausbreitung von Viren verhindern zu wollen, die für die meisten Menschen wenig gefährlich sind, um eine Risikogruppe vermeintlich zu schützen?

Von Coronaviren ist seit Jahrzehnten bekannt, dass diese von Menschen durch die Gegend getragen werden, ohne dass sie Symptome haben. Früher wurden diese Menschen „gesund“ genannt und man schenkte ihnen keine Beachtung. Heute sind sie „asymptomatisch“ Infizierte und gelten als hochgefährlich.

Inzwischen wissen wir jedoch, dass auch für SARS-CoV-2 gilt: Menschen ohne Symptome können die schwere Erkrankung Covid-19 in der Öffentlichkeit nicht verbreiten (11, 12, 13).

Die Tatsache, dass wir Symptome entwickeln, ist ein Zeichen dafür, dass die Viren eine Chance gefunden haben, aktiv zu werden und unser Immunsystem in den Kampf eingestiegen ist. Kommt es nicht zu Husten, Schnupfen, Heiserkeit et cetera, bedeutet das, dass unser Körper die Viren von Anfang an in Schach hält. Es ist nie gezeigt worden, dass die Viruslast, die ein Mensch ohne Symptome in die Außenwelt abgegeben kann, ausreicht, um andere Menschen in der Öffentlichkeit zu gefährden. Deshalb ist das Vorhaben, die gesamte Bevölkerung durchzuimpfen, ein Unterfangen, das aus wissenschaftlicher Sicht jeglicher Grundlage entbehrt. Es ist schlicht nicht sinnvoll.

Kommen wir zur zweiten Frage: Könnten die Impfstoffe überhaupt die Ausbreitung von Sars-CoV-2-Viren verhindern? Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt aktuell, dass diese Frage bislang völlig ungeklärt ist (14).

Um die Antwort darauf herauszufinden, müsste man prüfen,

  1. ob geimpfte Menschen noch eine Infektion bekommen können und
  2. ob in diesem Fall die vorhandene Virusmenge ausreicht, um andere zu infizieren.

Allein AstraZeneca machte Schlagzeilen mit der Nachricht, geimpfte Menschen wären deutlich weniger ansteckend. Beim genauen Hinschauen sehen wir jedoch, dass keinerlei Daten existieren, die diesen Rückschluss ziehen lassen. In der entsprechenden Studie wurde nur Teil 1 der Frage angeschaut, nämlich: Wie viele Menschen bekommen nach einer Impfung noch eine Infektion? Wie hat man das überprüft? Einziges Kriterium waren positive RT-PCR Tests (15). Nun sagt selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass der PCR-Test allein nicht reicht, um von einer Infektion zu reden (16). Was kann man also mit der unbelegten Behauptung, die Verbreitung der Infektion wäre durch den AstraZeneca Impfstoff massiv verringert, anfangen? Nichts.

Das Impfkonzept sollte überhaupt hinterfragt werden. Die Antikörper, die durch die Impfung gebildet werden, kreisen zum größten Teil im Blut. Um Ihnen das Geschehen zu verdeutlichen, stellen Sie sich bitte vor, Sie selbst seien solche Antikörper und säßen gemeinsam mit anderen Antikörpern im Wohnzimmer — in einem Blutgefäß der Lunge. Nun kommt das Virus ans Haus und ergreift die Türklinke, um in den Flur — die Lungenzelle — zu treten. Wie wollen Sie das vom Wohnzimmer aus verhindern? Sie würden antworten: Das geht nicht.

Antikörper können grundsätzlich nur effektiv helfen, die Ausbreitung eines Eindringlings in der Blutbahn zu verhindern. Das gilt auch für Impfungen gegen Erreger wie Pneumokokken, die wie Coronaviren über den Luftweg in die Lunge kommen. Die Impfung kann die Infektion der Lunge nicht verhindern, sondern soll die Streuung und Verbreitung der Bakterien in der Blutbahn unterbinden.

Wenn der Nutzen der Impfungen mehr als fragwürdig ist, wie sieht es dann mit dem Risiko aus?

Wir lesen in den Mainstream-Medien: mRNA-Impfstoffe sind doch nicht neu. Das ist richtig, nur sind sie bislang nie am Menschen zur Abwehr einer Virusinfektion angewandt worden. Alle Erfahrungen stammen aus Tierversuchen.

Entsprechend waren die Impfungen von vornherein von einem dunklen Schatten begleitet. Bei allen drei genbasierten Impfstoffen wurden — vor der Allgemeinhaft sorgsam verborgen — beunruhigende Sofort-Nebenwirkungen bemerkt: starke Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle, hohes Fieber bis hin zum Schüttelfrost, schlimmste Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen im ganzen Körper, Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen. Viele Geimpfte wurden krank und arbeitsunfähig. Die Nebenwirkungen waren so schlimm, dass AstraZeneca mitten in der Studie das Protokoll ändern musste. Fortan erhielten Studienteilnehmer hohe Dosen von schmerz- und fieberlinderndem Paracetamol, damit die Impfung einigermaßen verträglich wurde (17). Eine solche Änderung des Studienprotokolls ist mit wissenschaftlichen Standards keinesfalls zulässig. Weswegen wurde hier eine Ausnahme gemacht?

Es geht aber weiter. Die AstraZeneca-Studie wurde im Juli und September 2020 unterbrochen, weil jeweils eine extrem seltene Autoimmunerkrankung des Rückenmarks bei Geimpften aufgetreten war (18). Die „transverse Myelitis“ geht mit Lähmungserscheinungen einher und tritt mit einer Häufigkeit von circa drei Fällen pro einer Million Einwohner auf. Erstaunlich also, dass gleich zwei Fälle in der Gruppe einer überschaubaren Anzahl Geimpfter zu verzeichnen waren.

AstraZeneca beruhigte Tage darauf damit, dass die erste Probandin beginnende Multiple Sklerose hatte. Erstaunlich, dass offensichtlich niemand davon wusste. Der zweite Fall sei reinster unglücklicher Zufall gewesen. Und damit wurden die Impfungen fortgesetzt. Aber nicht nur AstraZeneca, sondern alle anderen auch. Der Biontech/Pfizer-Impfstoff führte bei vier Teilnehmern, der von Moderna bei zweien zur akuten Gesichtslähmung, ohne dass die Ursache geklärt worden wäre (19).

Bei den Konkurrenten Moderna und Biontech/Pfizer geschah Vergleichbares. Bei beiden Impfstoffen erlitten Freiwillige ähnlich starke allgemeine Nebenwirkungen.

Eine solche Vielfalt an sofortigen Nebeneffekten ist bei keiner anderen Impfung je beobachtet worden. Wenn man in Amerika die Anzahl an gemeldeten Nebenwirkungen verschiedener Impfungen über die zwei letzten Jahre vergleicht, erreicht die Covid-19 Impfung schon jetzt den absoluten Spitzenplatz, obwohl diese erst im Dezember 2020 zugelassen wurde (20).

In Anbetracht der Tatsache, dass ein echter Nutzen — Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod — nie für einen der Impfstoffe gezeigt worden ist, ist es den Autoren unverständlich, dass die Massenimpfung ungebremst weitergeführt wird.

Ist der mRNA-Impfstoff gefährlich?

Überall wird verbreitet, dass der mRNA-Impfstoff nicht gefährlich ist. Begründet wird das damit, dass

  1. nur die Information für ein kleines Teil des Virus, für das sogenannte „Spike Protein“, in unseren Körper eingeschleust wird und
  2. dabei nichts anderes nachgestellt wird als das, was die Natur auch machen würde. Die Viren geben bei Befall unserer Zellen auch ihre Erbsubstanz ab, sodass unsere Zellen zu „Virusfabriken“ werden.

Also dürfte alles im Grunde kein Problem sein? Doch! Eine Atemwegsinfektion findet in den Atemwegen statt. Kommt es schlimmstenfalls zum Zelluntergang, kann der Schaden durch Gewebe-Erneuerung relativ problemlos behoben werden.

Bei der Impfung jedoch, wird die Virusinformation in den Muskel gespritzt. Viele glauben, dass die verpackten Virusgene am Einspritzort — also in der Muskulatur — verbleiben. Die Gene würden von Zellen am Ort aufgenommen, dort würden die meisten „Virusfabriken“ entstehen. Nebenwirkungen wie Schwellung, Rötung und Schmerzen am Einstichort würden deswegen zu erwarten sein, sie blieben aber relativ harmlos und gingen nach wenigen Tagen weg. Ein fataler Irrtum!

Die Virusgene der Hersteller Moderna und Biontech/Pfizer sind in „Lipid-Nanopartikel“ verpackt — das sind kleinste Pakete, nicht aus Papier, sondern aus fettartigen Stoffen. So wird der Inhalt geschützt und kann einfacher von den Zellen unseres Körpers aufgenommen werden. Durch die Verpackung selbst ist das Risiko für schwere allergische Reaktionen um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Impfstoffen (21).

Nicht umsonst wird inzwischen gewarnt, dass Menschen mit Allergien sich nicht impfen lassen sollten — es könnten lebensgefährliche Reaktionen (Anaphylaxie) ausgelöst werden.

In der Tat mussten derartige gefährliche Nebenwirkungen bei einigen Impffreiwilligen notbehandelt werden. Dazu können Nanopartikel zahlreiche weitere schädliche Auswirkungen haben, weil sie die Funktion unserer Blutzellen und des Gerinnungssystems beeinträchtigen können (22).

Aber es kommt noch unendlich viel schlimmer: Zum Grundwissen in der Medizin gehört, dass alle löslichen Stoffe, die in einen Muskel gespritzt werden, in die Blutbahn gelangen und in kürzester Zeit im ganzen Körper verteilt werden. Gerade deswegen spritzt man Substanzen, die sofort wirken sollen, in die Muskeln.

Es ist bekannt, dass die verspritzten Genpäckchen ebenfalls ins Blut kommen (23). Welche Zellarten werden sie aufnehmen, wie werden sie diese verarbeiten und wie das Viruseiweiß herstellen? Die Antwort lautet: Nichts ist mit Sicherheit bekannt. Wir sind jetzt Zeugen von Großversuchen an Menschen. Das ist absolut unverantwortlich, zumal es vom Anfang an Grund zur Vorsicht gegeben hat. Die möglichen Gefahren durch die „Verpackung“ waren bekannt.

Noch bedeutender: Alarmierende Antikörper-abhängige Verstärkereffekte sind bei der Erforschung von SARS und anderen Coronaviren bei Tieren beobachtet worden (24, 25).  Bei den jahrzehntelangen vergeblichen Anstrengungen, eine Impfung gegen SARS und MERS zu entwickeln, gehörten diese Verstärkereffekte zu den zahlreichen Problemen (26). Hätten vor diesem Hintergrund nicht Tierversuche durchgeführt werden müssen, um diese für SARS-CoV-2 klar auszuschließen? Tatsache ist, dass wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema nicht existieren. Ärzte, die die Impfwilligen nicht auf die Gefahr aufmerksam machen, dass die Impfung zu schlimmeren Krankheitsverläufen führen könnte, verletzten also ihre Aufklärungspflicht (27).

Und ernster noch: Könnte das Verimpfen von Virusgenen andere, neuartige immunbedingte Verstärkereffekte auslösen? Hätten nicht vorher ganz elementare Dinge bedacht und geprüft werden müssen?

Zur Erinnerung (siehe auch Online-Kapitel „Immunität“): Lymphozyten haben ein Langzeitgedächtnis — sie merken sich, wie Corona-Müll aussieht. Und Corona-Müll sieht ziemlich ähnlich aus, egal, von welchem Familienmitglied er stammt. Alle Menschen haben Trainingsrunden mit Coronaviren absolviert und haben Lymphozyten, die SARS-CoV-2-Müll erkennen. Manche könnten entgegnen, dass diese kreuzreaktiven Killer-Lymphozyten nur bei 40 bis 70 Prozent der alten Blutproben nachgewiesen wurden und sie reagierten nur schwach gegen SARS-CoV-2 (28, 29).  Jedoch ist bekannt, dass sich immer nur ein kleiner Anteil aller Lymphozyten im Blut befindet. Die anderen machen gerade Pause und ruhen sich in den Lymphorganen (unter anderem in den Lymphknoten) aus.

Spannend: Im April 2020 berichteten schwedische Forscher, dass sie etwas Bemerkenswertes entdeckt hätten. Unabhängig von der Schwere der SARS-CoV-2 Erkrankung fanden sich bei allen Menschen (100 Prozent) kampfbereite, aufgewühlte T-Lymphozyten im Blut (30).

Dieser Befund ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Denn bei einer ersten Auseinandersetzung des Immunsystems mit einem Virus ist die Lymphozytenantwort schleppend. Schnelle, starke Reaktionen verraten, dass vorgewarnte Truppen bereits Gewehr bei Fuß stehen und jederzeit mobilisierbar sind. Sie schwärmen dann aus den Lymphorganen aus, um den Feind zu bekämpfen. Ihre Hauptaufgabe: Auslöschung der Virusfabriken. Tod den eigenen Zellen, die die Viren produzieren.

Und nun zurück zur neuen Realität, dem Großversuch an Menschen. Die verspritzten Genpäckchen werden lokal in Muskelzellen aufgenommen, ein Großteil gelangt jedoch in die örtlichen Lymphknoten und in die Blutbahn. In den Lymphknoten sitzt die gesammelte Immunmannschaft. Diese Zelle wird dann das Viruseiweiß produzieren und den anfallenden Müll auf ihrer Oberfläche zur Schau stellen. Diese Zelle wird dann das Viruseiweiß auf ihrer Oberfläche zur Schau stellen. Der auf Corona spezialisierte Killer-Lymphozyt nebenan springt hoch — er hat eine Virusfabrik entdeckt und wird diese vernichten. Der Bruderkampf beginnt, Immunzelle gegen Immunzelle! Lymphknotenschwellung könnte ein Zeichen für diese Reaktion sein. Dazu Schmerzen. Die Lymphozyten putschen sich gegenseitig auf und strömen dann aus den Lymphknoten hinaus, um weitere Feinde aufzuspüren.

Sie finden diese in den Muskelzellen, die den Corona-Müll vor die Tür stellen, und gehen in den Angriffsmodus über. An der Einstichstelle entstehen Rötung, Schwellung, Schmerzen.

Aber nun beginnt der Albtraum. Denn kleinste Stoffe wie Zucker können aus dem Blut ins Gewebe hinaussickern, große Moleküle wie Eiweiße hingegen nicht. Für sie sind die Gefäßwände dank der Auskleidung mit einer Zellschicht — den Endothelzellen — dicht.

Wie sind nun die Genpäckchen beschaffen — groß oder klein? Richtig: relativ sehr groß. Wenn sie also einmal ins Blut gelangen, werden sie wie die Blutkörperchen in dem geschlossenen Netzwerk von Gefäßröhrchen verbleiben. Aufgenommen werden sie zu einem kleinen Teil von weißen Blutzellen. Vermutlich jedoch werden die meisten Virusfabriken in den Endothelzellen errichtet werden. Das würde vor allem dort geschehen, wo das Blut langsam fließt — in den kleinen und kleinsten Gefäßen —, weil die Genpäckchen dort besonders effizient von den Zellen aufgenommen werden können (31).

Die Zellen stellen die Abfälle dann vor die Tür — zum Gefäßlumen (zur Gefäßöffnung) hin. Dort sind die Killer-Lymphozyten auf Patrouille. Dieses Mal ist der Kampf einseitig. Die Endothelzellen haben keine Abwehrmöglichkeit gegen den Angriff durch die Killerzellen.

Was dann passiert, kann man nur ahnen. Der Untergang von Endothelzellen und die damit verbundene Verletzung der Gefäßauskleidung führen in aller Regel zum Anwerfen der Blutgerinnung und der Ausbildung von Gerinnseln. Dies würde in unzähligen Gefäßen an unzähligen Orten im Körper passieren. Geschieht es in der Plazenta, könnten schwere Schädigungen des Kindes im Mutterleib die Folge sein. Geschieht es in anderen Organen, inklusive Herz, Gehirn und Rückenmark, sind alle erdenklichen Folgen möglich.

Gibt es Hinweise dafür, dass so etwas vonstattengeht? Ja, von seltenen Bluterkrankungen ist die Rede, bei denen ein möglicher Zusammenhang zur Impfung geprüft werden müsste (32). Auffällig sind Berichte von Patienten, bei denen ein starker Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) beobachtet wurde. Das würde zur hier aufgestellten Hypothese passen, denn Plättchen werden an den Orten der Gerinnselbildung aktiviert und verbraucht.

Es wäre leicht überprüfbar, ob die Annahme richtig ist. Laborbefunde geben sofort Auskunft darüber, ob die Blutgerinnung in Gang gekommen ist. Obduktionen könnten klären, ob sich Gerinnsel in den kleinen Gefäßen gebildet haben. Und in der Zwischenzeit könnte erwogen werden, ob Gerinnungshemmer bei Patienten vorbeugend verabreicht werden sollten. Auch die Gabe von Cortison-Präparaten zur Dämpfung der Lymphozytenaktivität könnte überlegenswert sein.

Tatsache ist, dass es weltweit laufend Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gibt. Offiziell heißt es, selbstverständlich hat die Impfung nichts mit den Todesfällen zu tun.

Es sind ja fast alles ältere Menschen mit zahlreichen Vorerkrankungen, die ohnehin bald verstorben wären. Wenn das tatsächlich so sein sollte, erschließt sich wohl keinem denkenden und mitfühlenden Menschen, warum diese dann noch geimpft werden mussten — mit einem kaum charakterisierten Impfstoff.

Was könnte bei einem gebrechlichen Menschen Stunden und Tage nach der Impfung zum Tode führen? Mehrere Möglichkeiten sind denkbar:

  1. Stress durch die Impfung selbst. Allergische Reaktionen.
  2. Autoimmunangriff. Lymphozyten sind auch im Alter einsatzfähig. Bei älteren vorerkrankten Menschen könnte der Angriff auf die Virusfabriken der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.
  3. Etwas komplizierter wird es, wenn eine echte Infektion zusätzlich ins Spiel kommt. In mehreren Pflegeheimen gab es anscheinend Covid-19-Ausbrüche gerade in den Tagen nach der Impfung der Bewohner. Man kann es als auffällig bezeichnen, dass es bis zu diesem Zeitpunkt in der gesamten Umgebung kaum Fälle gegeben hatte, und alle Hygienemaßnahmen eingehalten worden waren. Selbst nach der zweiten Impfung gab es Ausbrüche (33,34), ein deutlicher und zu erwartender Hinweis darauf, dass die Impfung nicht vor Infektionen schützt.

Dazu scheint es, als ob gerade die Geimpften versterben. Ist das vielleicht die immunbedingte Verschlimmerung von Erkrankungen, die wir befürchten müssen? Jetzt nicht Antikörper-bedingt, sondern durch aufgebrachte Killer-Lymphozyten? Und könnte das nicht zu jeder Zeit bei jedem Geimpften passieren — morgen, übermorgen, nächste Woche, im nächsten Herbst? Denn Lymphozyten haben ein Elefantengedächtnis. Und sie erkennen etwas, das bei allen Coronaviren ähnlich aussieht: Müll. Das heißt, die Lymphozyten-bedingte Verschlimmerung von Krankheitsverläufen könnte wohl bei jeder beliebigen Infektion mit einem verwandten Virus eintreten. Bei jedem „erfolgreich“ geimpften Menschen — ob jung oder alt — und zu jeder Zeit in naher oder ferner Zukunft.

Schlusswort

Die genbasierten Impfstoffe erhielten in Windeseile die Notzulassung zur Bekämpfung eines Virus, das laut WHO weltweit eine Infektionssterblichkeit von 0,23 Prozent hat. Dabei gibt es klare Hinweise dafür, dass Menschen durch die Impfung schwer erkranken und versterben können. Ein Nutzen der Impfung wurde nie gezeigt.

Was ist zu tun? Folgender Kompromiss erscheint uns vernünftig.

Wer gut aufgeklärt ist und sich impfen lassen möchte, möge das tun. Jedoch darf die Impfung nie direkt oder indirekt einem Menschen aufgezwungen werden. Die Entscheidung gegen die Impfung darf nie zu einer Benachteiligung in irgendeiner Form führen.

In der Zwischenzeit sollten verlässliche Daten gesammelt werden und Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung gründlich untersucht werden.

Quellen und Anmerkungen:

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Corona Unmasked — Neue Zahlen, Daten und Hintergründe“ von Karina Reiss und Sucharit Bhakdi.

(1) www.aerzteblatt.de/archiv/216361/Vorerkrankungen-Risikogruppen-sind-jetzt-bekannt.
(2) www.ema.europa.eu/en/documents/product-informati-on/comirnaty-epar-product-information_de.pdf
(3) www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1521661621000024?via%3Dihub
(4) https://www.dw.com/en/india-pfizer-withdraws-covid-vaccine-application-for-emergency-use/a-56462616
(5) www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.12.11.421008v1
(6) https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa2024671
(7) www.nature.com/articles/s41586-020-2608-yds
(8) https://science.sciencemag.org/content/368/6494/1012.long
(9) https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2034577?query=featured_home
(10) www.bmj.com/content/371/bmj.m4037
(11) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32453686/
(12) www.nature.com/articles/s41467-020-19802-w
(13) https://www.nature.com/articles/s41591-020-1046-6
(14) www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html
(15) https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3777268
(16) www.who.int/news/item/20-01-2021-who-information-notice-for-ivd-users-2020-05
(17) www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7445431/
(18) www.aerztezeitung.de/Nachrichten/AstraZeneca-stoppt-Corona-Impfstudien-412708.html
(19) www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Downloads-COVID-19/Aufklaerungsbogen-de.pdf?__blob=publicationFile
(20) http://wonder.cdc.gov/
(21) https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmra2035343
(22) www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6829615/
(23) www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6383180/
(24) https://jvi.asm.org/content/85/20/10582
(25) https://www.jstage.jst.go.jp/article/jvms/60/1/60_1_49/_article
(26) https://jbiomedsci.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12929-020-00695-2
(27) https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ijcp.13795
(28) www.researchsquare.com/article/rs-35331/v1
(29) www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)30610-3.
(30) https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.29.174888v1; www.merkur.de/welt/corona-schweden-immunitaet-infektion-studie-pandemie-stockholm-forscher-t-gedaechtniszellen-zr-90038510.html
(31) https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/adma.201906274
(32) www.nytimes.com/2021/02/08/health/immune-thrombocytopenia-covid-vaccine-blood.html
(33) www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/geimpfte-altenheim-bewohner-positiv-auf-corona-variante-getestet,SOLqrXv
(34) www.welt.de/vermischtes/article225923129/Land-kreis-Osnabrueck-Trotz-zweiter-Impfung-Ausbruch-von-Corona-Variante-in-Altenheim.html
(35) www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf

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Eine Kritik der politischen Linken

Die rot lackierte Diktatur

Die politische Linke tritt während der Corona-Krise ihre Grundwerte mit Füßen.

von Felix Feistel

Corona bringt so mancherlei ans Licht. Auch der Niedergang linker Gruppierungen und Parteien hat sich mit der Corona-Krise immens beschleunigt. Dabei offenbarte sich nicht nur, wie bedeutungslos sie im Gesamtgefüge der Gesellschaft als verändernde Kraft geworden sind, sondern auch und vor allem, dass sie die totalitären Strukturen, die den Regierungsmaßnahmen im Zuge der Krise innewohnen, weder zur Kenntnis noch in die Kritik nehmen.

In nie gekanntem Ausmaß schränken Regierungen die Freiheiten der Menschen ein, werden Existenzen durch vollkommen überzogene Maßnahmen im „Kampf gegen das Virus“ willkürlich vernichtet, werden Menschen isoliert, in die Vereinsamung und Krankheit getrieben, und die Umwelt wird zerstört. Gute Zeiten für eine gesellschaftliche Linke, die sich solidarisch für die unterdrückten Menschen einsetzt und den Kampf mit einem übergriffigen, totalitären Staat aufnimmt – so könnte man zumindest meinen. Beobachten lässt sich jedoch das genaue Gegenteil. Die Linke, ob parlamentarisch oder außerparlamentarisch, unterstützt zu einem sehr großen Teil den heraufziehenden Totalitarismus und schlägt auf alle Kritiker der Maßnahmen ein.

So werden die vielfältigen Demonstranten in Berlin, Kassel, Stuttgart und vielen anderen Städten pauschal als Covidioten, Nazis oder Verschwörungstheoretiker verunglimpft. Die Antifa veranstaltet Gegendemonstrationen, um ein Zeichen gegen „rechte Verschwörungsmythen“ zu setzen. Menschen, die sich zuvor als staatskritisch, antikapitalistisch oder gar anarchistisch bezeichnet haben, marschieren nun im Gleichschritt mit staatlicher Repression, bejubeln das harte Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten und verteidigen Großkapitalisten wie Bill Gates, die aus der ausgerufenen Pandemie längst ein Geschäft gemacht haben.

Mehr noch unterstützen sie nicht nur die staatlich verordneten Maßnahmen wie einen vollkommen unsinnigen und gesundheitsgefährdenden Maskenzwang, die Schließung von Geschäften und massenhafte Impfungen – nein, all dies geht ihnen nicht einmal weit genug. Vielmehr fordern sie mit „ZeroCovid“ oder „NoCovid“ den totalen Lockdown, rufen also nach einem noch härteren, noch repressiveren Staat, der den totalen Zwang der Gesellschaft oktroyiert. Dabei halten sie gleichzeitig jedoch Begrifflichkeiten wie „offen“, „solidarisch“ oder „demokratisch“ hoch. Wie kann es sein, dass diese Menschen einerseits die offene, solidarische und demokratische Gesellschaft postulieren, andererseits aber genau das Gegenteil fordern und totalitär, ja faschistoid handeln? Die Gründe dafür sind wohl vielfältig und ihre Ursachen schon lange vor Corona angelegt gewesen.

Wortaberglaube

Ein zentraler Punkt ist der Wortaberglaube, den viele Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft noch immer hegen. So glaubt man, dass ein Wort seine Bedeutung tatsächlich in sich trägt und auch von allen anderen Menschen gleich verstanden wird. Man geht also von einer festen, unverrückbaren Definition der Begriffe aus. Mit anderen Worten: Was mit Demokratie überschrieben ist, kann nur demokratisch sein.

Wenn also eine entfesselte Exekutive ohne große Interventionen der Legislative Verordnung um Verordnung beschließt, Maßnahmen ohne große Debatte immer wieder verlängert und dabei die von ihr verwalteten Menschen in keiner Weise um ihre Meinung fragt, dann ist das demokratisch, weil man uns eben versichert, dass es demokratisch sei. Denn wir leben hier ja in einer Demokratie und haben vor ein paar Jahren, lange bevor Corona zu einem gesellschaftlichen Thema wurde, eine von einigen sich kaum unterscheidenden Parteien in ihrem Kurs bestätigen dürfen.

Und wenn es als solidarisch deklariert wird, die Menschen dazu zu zwingen, giftige Masken aufzusetzen, mit denen sie ihre eigenen Gesundheit sowie die Umwelt gefährden, um Menschen zu schützen, die einer zur Risikogruppe deklarierten Altersklasse angehören, dann ist eben auch das solidarisch. Dabei gibt man jedoch die Definitionsmacht aus der eigenen Hand in die des Staates, der sie zu seinen eigenen Machtinteressen missbraucht. Denn wer kann schon entscheiden, wer einer Risikogruppe angehört? Wer entscheidet, welche Maßnahmen ab sofort als solidarisch zu gelten haben?

All dies könnte hinterfragt werden. Man könnte Daten und Fakten heranziehen und auf fundierter Basis die Definitionen des Staates infrage stellen. Die organisierte Linke, eigentlich ein Kind der Aufklärung, hat sich aber dafür entschieden, Wissenschaft und Kritik aus dem Diskurs zu verbannen. Stattdessen wird eine von staatshörigen Einzelwissenschaftlern propagierte Einheitsmeinung reproduziert und zur absoluten Wahrheit erhoben.

Die Linke ist mit ihren eigenen Kampfbegriffen schon zu Anfang der ausgerufenen Coronakrise eingekauft worden.

Weil Maßnahmen wie Social Distancing oder das Tragen einer Maske mit dem Begriff der Solidarität verschlagwortet worden sind, sah sich eine Linke, die seit jeher Solidarität als ihr ureigenes Anliegen betrachtet, zur Einhaltung dieser angeblichen Solidarität gezwungen. Man wollte nicht plötzlich als unsolidarisch gelten, wo man doch zuvor genau diesen Begriff für sich so hochgehalten hatte. Dass der Staat ihn dabei längst für seine eigenen Machtinteressen umgedeutet hat und unter Solidarität nun die Verantwortung für alles und jeden dem Einzelnen auflastet, ist ihnen dabei entgangen. Die Linke wird somit zum Erfüllungsgehilfen des staatlichen Totalitarismus. Denn wenn sogar die einstigen Gegner von Staat und Kapital die Maßnahmen gutheißen – welch bessere Propaganda können sich die Verantwortlichen noch wünschen?

Angst und Schuld

Womit wir zu einem weiteren wichtigen Aspekt kommen. Von Anfang an lief die Propaganda auf Hochtouren. Horrorszenarien wurden entworfen, in denen es Abermillionen von Toten geben sollte, wenn wir nicht handeln. Dabei wurden von Anfang an zwei Emotionen zielgerichtet angesprochen: die Angst und die Schuld.

Angst, insbesondere die vor dem eigenen Tod, ist ein starker Motivator zum Handeln. In diesem Überlebensmodus ist der Mensch jedoch unfähig zu reflektiertem Denken. Es überwiegt der „Kampf oder Flucht“-Teil unseres Gehirns, das sogenannte Reptiliengehirn. Hier gibt es eben nur diese beiden Möglichkeiten: Kampf oder Flucht. Auch dies war von Anfang an gut zu beobachten. Haben die einen sich selbst in Quarantäne versetzt, jeden potenziellen Gefährder in der Öffentlichkeit gemieden, zum Beispiel Menschen, die keine Maske trugen, so haben andere ihrem Unbehagen ganz erkennbar Ausdruck verliehen.

Jene, die es mit den Masken, dem Abstand oder den Vorschriften zur Beschränkung des Kontakts nicht ganz so genau nahmen, wurden und werden noch immer angepöbelt, teilweise körperlich angegriffen oder denunziert. Die Blockwartmentalität ist längst schon zurückgekehrt, und auch die sogenannte Linke hat ihrer Angst in zornerfüllten Gegendemonstrationen oder mit Pöbeleien in Bus und Bahn Ausdruck verliehen.

Auch Gefühle von Schuld wurden zielgerichtet angesteuert, nicht allein bei Kindern. Denn nie war es so leicht, zum Mörder erklärt zu werden, wie heute.

Du trägst keine Maske, hältst den Abstand nicht ein oder lässt dich nicht impfen? Wegen dir können Menschen sterben, denn das Virus könnte bereits in dir stecken, und mit deinem Egoismus trägst du es weiter! So offenbar der weitverbreitete und vollkommen irrationale Gedankengang, und so kommt es, dass gerade linke Tugendwächter die Maßnahmen am vehementesten verteidigen und Kritiker in einer Art Corona-Inquisition mundtot zu machen versuchen.

Dass es Viruserkrankungen schon immer gab und die jetzige nicht einmal besonders tödlich verläuft, ist irrelevant. Dass die Kausalketten, die da zum Teil gesponnen werden, von jedem klar denkenden Menschen als irrwitzig bezeichnet werden müssten, zählt ebenso wenig. Denn mit der gleichen Logik könnte man die Mutter eines Mörders ins Gefängnis sperren — Begründung: Wenn sie diesen Menschen nicht geboren hätte, wäre er nicht zum Mörder geworden. Die Mutter ist also schuldig des Mordes. Kein Gericht der Welt würde so eine Kausalität anerkennen.

Das radikal Gute

Doch man möchte in keiner Weise schuldig sein am Tod von Menschen, und sei die Schuld auch noch so konstruiert. Das ist die Folge einer Vorstellung, die in der Linken schon längere Zeit vorherrscht: Man befindet sich auf der Seite des radikal Guten. Denn immerhin ist man gegen Rassismus, Sexismus, Faschismus, man ist Feminist, für Schwule, Lesben, Transgender, Flüchtlinge und ganz allgemein für alles, was gut und schön ist in der Welt, und gegen alles, was schlecht und böse ist. Das führt dazu, dass man in der eigenen Gruppe keinesfalls als Rassist, Sexist oder homophob gelten will.

Aufgrund einer Mentalität, die hier keinerlei Toleranz kennt und keinen Spaß versteht, führt das zu einer Selbstzensur und einem ständigen Gefühl der Schuld. Denn jede Verhaltensweise wird an den Maßstäben des Anti und Pro gemessen. Du redest mehr und lauter als andere? Das ist dein männlich dominantes Redeverhalten, das Ausdruck deiner patriarchalen Prägung ist, die du unreflektiert übernimmst. Du bist also ein Sexist! Du hast Zweifel daran, dass der massenhafte Zuzug von Flüchtlingen nur Vorteile bringt? Dann bist du ein Rassist!

Witze über all die als wichtig und gut erachteten Themen, Humor oder Selbstironie sind den selbsternannten Guten vollkommen fremd. Es herrscht ein Gefühl der Intoleranz gegenüber allen, die sich kritisch äußern, ein Sektierertum, dem man selbst Freundschaften unterordnet. Persönliche Kontakte stehen somit immer unter dem Vorbehalt, die gleiche, homogene Einheitsmeinung zu teilen. Wer das nicht zu einhundert Prozent tut, wird gnadenlos aussortiert. Dies führt zu dem Phänomen der Cancel Culture. Stimmen, die abweichende Meinungen prominent kundtun, werden mit Diffamierungen überzogen, Veranstalter von Vorträgen bedroht und bedrängt, Veranstaltungen abzusagen.

Die Meinungsfreiheit bleibt dabei auf der Strecke. Denn Meinungsfreiheit gilt ganz grundsätzlich nur für jene, welche dieselbe, homogene Meinung teilen. Diesem von kleinen Gruppen erzeugten Druck beugen sich sogar Universitäten, die ein Hort unabhängiger Wissenschaft sein sollten. Denn mit Menschen, die irgendwie mit Antisemitismus, Nationalsozialismus, Rassismus und so weiter in Verbindung gebracht werden, will man nichts zu tun haben.

Dabei ist es schon fraglich, wie diese Verbindungen geschaffen werden. Oft beruhen sie auf unbewiesenen Behauptungen, auf Verdrehungen von Aussagen oder auf dem Prinzip der Kontaktschuld. So werden Menschen schon deshalb in die rechte Ecke gestellt, weil sie gewissen Medien, wie der Jungen Freiheit, oder auch Ken Jebsen ein Interview gegeben haben. Ken selber steht im Ruf, ein rechter Antisemit zu sein, eine Behauptung, die auch nach all den Jahren keine seriöse Grundlage hat, aber unhinterfragt, unreflektiert in das kollektive Gedächtnis linker Bewegungen eingeschrieben worden ist.

Überprüft werden diese Behauptungen dann in der Regel nicht mehr, da „man ja weiß“, dass es sich bei den besagten Personen um Unmenschen handelt. Mit deren Aussagen und Inhalten muss man sich dann nicht mehr auseinandersetzen. Genau so funktioniert auch das Label der „Verschwörungstheoretiker“. Indem man den Überbringer einer Nachricht abwertet, setzt man sich über Inhalt und Argumente hinweg. So wird heutzutage jeder, der sich schon die Mühe macht, Zusammenhänge herzustellen, pauschal als Verschwörungstheoretiker bezeichnet.

Das sind Strategien von Macht und Herrschaft, die auf die Zerstörung von Dissens zielen, um das eigene Vorgehen zu legitimieren und als einzige Möglichkeit darzustellen. Mit Wissenschaft, in der es darum geht, sich mit anderen Sichtweisen fundiert auseinanderzusetzen, hat das nichts mehr zu tun.

Die Linke macht sich selbst zu einem Werkzeug der Herrschenden, zu den Schlägertruppen des imperialen Kapitals und beweist dabei immer wieder, dass es im Grunde keinen Unterschied machen würde, wenn sie an die Macht käme.

Das jedoch ist keine neue Erscheinung. Die Tendenz ist schon mindestens seit dem Aufkommen der sogenannten Antideutschen erkennbar. Diese haben jede Kritik an mächtigen Finanzoligarchen und der imperialen Politik der USA und Israel schon vor Corona mit dem Totschlagargument des „Antisemitismus“ versehen, ein Trend, der sich nun bei jeder Kritik an finanzstarken Akteuren wie Bill Gates fortsetzt. Die selbsternannten Antikapitalisten machen sich also gemein mit dem Kapital.

Daran merkt man, dass all die Kampfbegriffe wie Antikapitalismus oder „Kein Gott, kein Staat“ längst zu hohlen Phrasen geworden sind. Es gehört heute in gewissen, meist akademischen Kreisen zum guten Ton, gegen den Kapitalismus zu sein oder den Staat zu verteufeln. So berechtigt diese Ansichten auch sind, so wenig Folgen zeitigen sie doch. Es sind hohle Demosprüche, ohne Anspruch auf wirksame Folgen.

Statt das System der Macht im Großen und Ganzen zu kritisieren, beschränken sich linke Forderungen schon seit geraumer Weile auf eine Identitätspolitik, die jeder noch so absurden Minderheit einen Kampf um ihre Rechte einräumt, selbst dann, wenn niemand ihnen diese Rechte streitig zu machen versucht. So kämpft man für LGBTQ, gendert, bis der Duden kotzt, und versucht jede noch so kleine Spur von angeblichem Rassismus aus der Welt zu tilgen. Man macht sich dabei zu einem Söldner wahlloser Ideologien, das jedoch mit einem Eifer, der so über das Ziel hinausschießt, dass man seinen Feind an jeder Ecke zu finden glaubt.

So setzte man sich zum Beispiel mit einem unaufhaltsamen Elan dafür ein, dass das Unwort „Neger“ aus jedem noch so alten und historischen, literarischen Werk gestrichen wird. Man nimmt also in Kauf, solche Werke zu verunstalten, indem man ein damals vollkommen gebräuchliches Wort aus diesen tilgen will.

Damit sei nicht gesagt, dass dieses Wort heute noch Verwendung finden sollte. Es ist jedoch kein Zeichen von Aufklärung, Solidarität oder Emanzipation, in einer inquisitorischen Hexenjagd jeden dieser Autoren und ihre Werke in das Reich des Bösen zu stellen. Denn sie sind Zeugnis einer historischen Epoche und damit auch ein Zeugnis der Veränderung und des Fortschrittes. Die Cancel Culture hingegen zielt darauf ab, jeden Bezug zur Historie gnadenlos auszumerzen, einzig um eine wachsweiche Wohlfühlwelt zu kreieren, in der die Vertreter solcher Ideologien sich nicht mehr mit Divergenzen, Differenzen, Ambiguitäten und Oppositionen herumschlagen müssen.

Auch hier spielt das Gefühl von Schuld eine große Rolle. Denn als weiße, meist männliche Menschen rechnen sich diese selbsternannten Weltverbesserer der privilegiertesten Menschengruppe des Planeten zu und reden sich ein, für alle Verbrechen dieser Gruppe die Schuld auf sich nehmen zu müssen, selbst wenn sie schon Jahrhunderte zurückliegen. Niemand widerspricht dem Anliegen, aus der Geschichte zu lernen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass so etwas nicht wieder passiert. Diese selbstgerechten Kämpfer für das radikal Gute jedoch zeigen, dass sie aus der Geschichte nichts gelernt haben, sondern die Geschichte einfach vergessen wollen. Wer seine Geschichte nicht kennt, ist aber verdammt dazu, sie zu wiederholen.

Dies zeigt sich auch jetzt in der sogenannten Coronakrise. Dass Faschismus nicht allein mit Hitler gleichzusetzen ist, sondern eine von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützte Bewegung war, die mit religiösem Eifer eine absolut gesetzte Ideologie verfolgte, wird bei den heutigen Linken gern vergessen. Faschismus kommt für diese nur aus der rechten Ecke in Form von Glatzen daher.

Dass Faschismus der Mitte der Gesellschaft entsprungen ist, begleitet von einer Selbstgleichschaltung der Medien unter Ausmerzung der letzten oppositionellen Stimmen, genau wie es heute der Fall ist, wird nicht berücksichtigt; Parallelen werden nicht nur nicht gezogen, sondern sogar verboten, weil sie auf eine Verharmlosung des Nationalsozialismus hinausliefen. Dieser hingegen sei eine singuläre, historische Erscheinung, die sich nicht wiederholen könne. Dass dies nichts als naive Verblendung ist, sieht man derzeit, wenn man es sehen will. Doch die Linke sieht nur, was sie sehen will, und macht sich zur Erfüllungsgehilfin mächtiger Interessen.

Dies alles setzt sich an den anderen „Fronten“ fort. Seien es die Rechte für Homosexuelle oder Transgender oder andere, als wichtig erscheinende Teilaspekte. Jeder einzelne wird zum Absoluten erhoben und jedes Geschehen auf der Welt an diesem gemessen. So wettert man, vereint mit den transatlantischen Kriegstreibern, gegen Russland, weil dort die Situation der Homosexuellen nicht auf dem gleichen Stand ist wie in Deutschland.

Dabei vergisst man jedoch, dass es auch hier eine beträchtliche Zeit gedauert hat, diesen Stand zu erreichen, möchte aber anderen Ländern und Kulturen nicht dieselbe Zeit für eine Weiterentwicklung einräumen, sondern am liebsten gleich, von außen, in faschistoider Manier den Status Quo hierzulande anderen Regionen aufzwingen. Durch den Blick auf winzige Teilaspekte verlieren linke Gruppierungen den Blick für das große Ganze und machen sich zu manipulierbaren Werkzeugen herrschender Interessen.

Folgerichtig hat sich die Fähigkeit linker Gruppen, die Geschehnisse der Welt systematisch und im Zusammenhang zu betrachten, in den vergangenen Jahrzehnten gnadenlos zurückentwickelt. Die vorgebliche Kritikfähigkeit ist nur noch eine rein oberflächliche, die sich an medialen Sensationen abarbeitet und sich in Wellen über die Gesellschaft ergießt, stets abhängig davon, welche Sau gerade wieder durch das mediale Dorf getrieben wird. Die zweifelsohne ebenso kritikwürdige, dogmatische Linke wurde ersetzt durch eine oberflächlich denkende, liberale Scheinlinke, mit leichten Tendenzen ins Grüne.

Dennoch setzt diese Linke sich selbst als absolut und misst auch andere an ihren selbst gesetzten Standards. Für jeden, der diese nicht erfüllt, nicht in gleicher Weise antirassistisch, für Homosexuelle, feministisch und so weiter ist, empfindet sie nichts als Verachtung. Dies gilt gerade für Menschen aus ärmeren Schichten, die man früher einmal die Arbeiterklasse genannt hätte. Diese haben in ihrem Alltag genügend eigene Probleme und oftmals weder Zeit noch Lust, sich mit als befremdlich und totalitär empfundenen, akademischen Debatten zu beschäftigen.

Deswegen werden diese Menschen gerade von Linken, die angeblich deren Vertreter sein wollten, als rechts oder Nazis diffamiert. So konnte man zu den Gelbwestenprotesten in Frankreich nicht selten vernehmen, dass diese nicht unterstützenswert, weil „alle homophob“ seien.

Die Linke will also Menschen, die gegen ihr eigenes Elend aufbegehren, deswegen nicht unterstützen, weil sie den von akademischen Liberalen gesetzten Standards nicht entsprechen.

Es herrscht aufseiten angeblicher revolutionärer Kräfte also tatsächlich ein gewisses Unbehagen gegen alles, was nach Revolution, Aufstand oder auch nur Unruhen aussieht, wenn es nicht homogen und einheitlich in der Ideologie identitärer Linker daherkommt. Spätestens hier offenbart sich der ganze faschistische Wahn, mit dem vorgebliche Antifaschisten die Welt in Schwarz und Weiß einteilen.

Genauso geschieht es auch mit den Kritikern der Coronamaßnahmen. Weil dort angeblich auch Rechte mitmarschieren, wird über das Prinzip der Kontaktschuld die ganze Bewegung abgewertet, da sie sich nicht an von Linken definierten Standards messen lässt, die in dieser Weise totalitär zur absolut richtigen Ideologie erklärt werden. Eine Revolution, die wirklich aus der Mitte der Gesellschaft kommt, kann daher von den Linken nicht unterstützt werden.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ Dieses Zitat wird gemeinhin dem italienischen Sozialisten und Schriftsteller Ignazio Silone zugesprochen, wobei ungeklärt ist, ob es wirklich von ihm stammt. Das tut jedoch auch nichts zur Sache, denn genau dies tritt heute in Form einer faschistischen Bewegung zur Unterstützung der Coronamaßnahmen, der Forderung nach einem totalen Lockdown und dem Kampf gegen alle Abweichler, Kritiker und wahren Oppositionellen in Erscheinung. Ignazio Silone war es auch, der nach einer anfänglichen Begeisterung für die bolschewistische Revolution die Sowjetunion bald als „roten Faschismus“ bezeichnet und damit klargestellt hat, dass auch alles, was sich als links bezeichnet, schnell in den Faschismus abgleiten kann.

Naivität

Diese liberale Scheinlinke hat nicht erst seit Corona ein weiteres Problem, das ihren Erfolg nachhaltig verhindert und das sich auch in ihrem Handeln bemerkbar macht: ein unbegründetes Vertrauen in den Staat und seine Strukturen sowie in die Medien und die darin verkündeten Wahrheiten. Anders als die beliebten Demoparolen vermuten lassen, sind Linke keinesfalls Staatsfeinde. Sie haben eher ein grundsätzliches Vertrauen in den Staat, sind nur der Ansicht, dass die Falschen an der Macht sind oder einige Strukturen reformiert werden müssten. Das Repressionsinstrument Staat an sich wird nicht hinterfragt.

Grundsätzlich geht man davon aus, dass der Staat zum Wohle der ihm unterworfenen Menschen da ist. Dass dieser Trugschluss schon unzählige Male widerlegt wurde, tut dem keinen Abbruch. Der Staat kann zensieren, inhaftieren, Krieg führen, unterwandern, rauben, morden, plündern, wie er will. Das Vertrauen in ihn wird dadurch, auch bei selbsterklärten Linken, nicht grundsätzlich erschüttert. Sicher, man kommt auf die Idee, die ein oder andere Person auszutauschen. Doch im Großen und Ganzen funktioniert der Staat doch recht gut, wenn nur „die Richtigen“ verantwortlich sind. Dies äußert sich auch in den Forderungen vieler Demonstrationen.

So verlangt man mehr Umweltschutz, den Kohleausstieg, entschlossenes Handeln gegen Klimawandel, Mietenwahnsinn, Rassismus und so weiter gerade von dem Staat, der seit Jahrzehnten für die Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur verantwortlich ist beziehungsweise sich zu einem Werkzeug des eigentlich herrschenden Kapitals gemacht hat und damit genau für die Zustände verantwortlich ist, gegen die man nun demonstriert.

Auch in der Coronakrise ist diese Mentalität deutlich geworden. Der Staat, den man noch vor Kurzem kritisiert hat, soll nun ein Interesse an der Gesundheit von Minderheiten wie alten Menschen haben, für die er zuvor nie Interesse gezeigt hat, die, im Gegenteil, hauptsächlich als Belastung der öffentlichen Kassen betrachtet wurden sowie als ausbeutbarer Marktanteil der Pharmaindustrie und der privaten Pflegeheime. Diese Naivität, die sich dort in der Linken offenbart, ist zu einem guten Steuerungshebel für die Machthaber geworden, die linke Gruppierungen in den Kampf gegen jene werfen, welche die eigentliche Opposition darstellen.

Diese Steuerung findet auch über die Medien statt. Denn auch gegen diese findet sich kaum grundsätzliches Misstrauen. Vielmehr werden die dort verkündeten Meldungen als Tatsache und einzig gültige Wahrheiten akzeptiert. Wenn also dort berichtet wird, dass Nazis, Verschwörungstheoretiker und Spinner gegen die Regierungsmaßnahmen protestieren, dann handelt es sich eben auch um solche. Da man selbst, als guter Linker, nicht mit diesen in Verbindung gebracht werden möchte, hält man sich daher auch von den Demonstrationen fern oder begegnet ihnen nur in Form von Gegendemonstrationen, auf denen man sich aber auch mit den Argumenten der Kritiker nicht auseinandersetzt. Das Kontaktschuldprinzip wird hiermit zu einem Hindernis auf dem Weg zu Verständnis und Verständigung. Stattdessen wird ein „Dagegensein“ kultiviert, das sich auf dem Glauben gründet, das Gute, Wahre und Schöne zu verteidigen.

Zusammenfassung

Alles in allem lässt sich also eine sich selbst als Verteidiger der absoluten Wahrheit verstehende Linke von Staat und Medien instrumentalisieren, um einen totalitären Maßnahmenstaat zu verteidigen, zu unterstützen und sogar zu fordern, der auf Schlagworten wie „Demokratie“ und „Solidarität“ gegründet ist, die längst in ein totalitäres Glaubensbekenntnis umgedeutet wurden. Dies geschieht frei von allen Tatsachen, beansprucht Wissenschaftlichkeit für sich, wobei jede abweichende Meinung vollkommen unwissenschaftlich einfach mundtot gemacht und ausgegrenzt wird. Dabei knüpfen die Meinungsführer und Herrschenden an totalitäre Grundmuster an, die in der Linken schon lange vor Corona vorherrschten.

Das jedoch ist fatal, denn gerade in heutigen Zeiten wären linke Werte wie Offenheit, Solidarität, Mitmenschlichkeit und Menschenrechte notwendiger als jemals zuvor in der westlichen Welt, um die Angriffe des totalitären Kapitals auf die Gesellschaft abzuwehren.

Niemals war ein entschlossenes Entgegentreten gegen den faschistischen Machtanspruch totalitärer Strukturen notwendiger, und niemals zuvor war die Opposition abwesender.

Jedoch gibt es auch innerhalb dieser diversen linken Gruppen und Bewegungen Menschen, welche die Zeichen der Zeit erkannt haben. So haben sich zum Beispiel die „Freien Linken“ gegründet, ein Zusammenschluss aus Linken diverser Strömungen, welche die Mängel und das Versagen ihrer Genossen offen kritisieren. Es bleibt zu hoffen, dass sie, oder ähnliche Vereinigungen Zulauf erhalten und zu einer bedeutenden Bewegung werden können, die den staatlichen Übergriffen entschlossen entgegentritt.

Damit lehren uns Corona und der Niedergang der Linken vor allem dies Vorsicht vor dem radikal Guten, Ablehnung jeder totalen Weisheit und konsequentes Hinterfragen des eigenen Denkens und Handelns. Vor allem aber sollten wir erkennen, dass die Geschehnisse dieser Welt nur im Zusammenhang betrachtet werden können, sich jedoch eine einzige, zur einzig möglichen Sichtweise auf die Dinge erhobene Perspektive verbietet.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Rubikon am 17.04.2021 unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Auf Rubikon sind auch die Endnoten ausgeiesen. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Peter-Michael Diestel – politische Dummheit gefährdet Rechtsstaat

Peter-Michael Diestel, letzter DDR-Innenminister, spricht über den Rechtsstaat, über die Unterdrückung der Ostdeutschen, Russophobie westdeutscher Eliten…

Politische Dummheit gefährdet den Rechtsstaat

Das RT-Interview mit Peter-Michael Diestel stammt aus dem Oktober 2020.

Diestel war der letzte DDR-Innenminister unter der CDU-Regierung von Lothar de Maizière. Über diese Zeit und über aktuelle Entwicklungen im Rechtsstaat sprach Florian Warweg mit ihm. Diestel äußerte sich vor allem über Unterdrückung der Ostdeutschen, was Stasiunterlagen über westdeutsche Politiker verrieten und Russophobie westdeutscher Eliten.

Als Innenminister in der letzten DDR-Regierung war er unter anderem für die Auflösung der DDR-Staatssicherheit verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Übergabe von Unterlagen des DDR-Auslandsnachrichtendienstes HVA über westdeutsche Politiker.

Diestel belegt, warum er von einer noch andauernden „Unterdrückung und Okkupation“ der Ostdeutschen spricht: verantwortungsvollsten Positionen der Gerichte, Verwaltung und Ministerien im Osten der Bundesrepublik sind auch 30 Jahre nach der Wende noch immer fast ausschließlich von Westdeutschen besetzt.

Über seine Verantwortung für die Übergabe der HVA-Akten über westdeutsche Politiker und Großindustrielle an westdeutsche Geheimdienste zieht er für sich eine widersprüchliche Bilanz: Als Verdienst rechnet er sich an, dass nicht alles auf den Tisch gekommen ist, oder eine Schuld, die er sich aufgeladen habe. In diesem Zusammenhang bestätigt er auch, dass ein Bundespräsident als IM für die Staatssicherheit der DDR gearbeitet hat:

„Dieser unmoralische Mensch, der hat Dinge gemacht, die auch heute noch strafrechtlich relevant sind.“

Abschließend verurteilt er das damaligen – und mittlerweile gebrochene – Versprechen an die sowjetische Seite sowie die aktuellen Russlandpolitik:

„Die Menschen, die diese Russophobie betreiben, riskieren Deutschlands Sicherheit. Die haben andere Interessen als deutsche Interessen.“

Siehe auch Matthias Höhn zur Antwort des Bundesinnenministeriums auf seine Anfrage:

„Mit Blick auf die aktuellen Zahlen stelle ich resigniert fest: Es gibt auch in dieser Legislaturperiode keinen Sprung nach vorn. Die Festreden der Bundesregierung zur Deutschen Einheit waren Worte ohne Wirkung: Ostdeutsche bleiben unterrepräsentiert und zwar besonders an der Spitze.“ (rnd.de, 15.04.2021)

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