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Einige Wurzeln für Kanadas Unterstützung der Ukraine

Kanadas Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen Russland kommt nicht aus heiterem Himmel. Larry C. Johnson verweist auf geschichtliche Verbindungen.

Zum Verständnis der aktuellen Rolle Kanadas in der Ukraine

Wer nur die jeweils aktuellen Ereignisse betrachtet, kann sich viele Zusammenhänge nicht erklären und ist nicht selten verwundert. Larry Johnson lenkt mit einem Beitrag vom 25. 06.2022 unseren Blick zurück auf einige Wurzeln im 2. Weltkrieg.

Beginn der Übersetzung:

Das Verständnis der ukrainischen SS-Division Galizien hilft, die Unterstützung Großbritanniens und Kanadas für die Ukraine zu erklären

Wenn man verstehen will, warum das Vereinigte Königreich und Kanada die Ukraine so vehement unterstützen, muss man einen Blick zurück auf das Ende des Zweiten Weltkriegs werfen. Ukrainer wurden rekrutiert und in die Waffen-SS-Division „Galizien“ eingegliedert, die von den Nazis Mitte 1943 im Zweiten Weltkrieg gebildet wurde, um das scheiternde Regime von Adolf Hitler zu unterstützen. Das ukrainische Zentralkomitee unterstützte diese Idee mit Begeisterung, obwohl die Kollaboration mit dem totalitären Regime kostspielig und verbrecherisch war.

Der Generalgouverneur von Galizien, Otto Wachter, trat an Himmler mit dem Vorschlag heran, aus galizischen Rekruten eine Frontkämpferdivision zu bilden. Nach einem Gespräch mit Hitler gab Himmler Wachter grünes Licht und ordnete die Aufstellung der 14. Grenadierdivision Galizien der Waffen-SS an. Trotz seiner Stellung als SS-Chef stößt Himmler mit dieser Idee auf Widerstand. Erich Koch, Karl Wolfe (Verbindungsoffizier der Waffen-SS im Stab Hitlers) und SS-General Kurt Daleuge (Reichsprotektor von Böhmen und Mähren) waren der Meinung, dass die Waffen, die einer solchen Einheit zur Verfügung gestellt würden, gegen die Deutschen eingesetzt werden könnten. Himmler blieb jedoch standhaft, und die Division Galizien wurde gegründet. Er hatte dafür zwei Gründe: Der Verlust an Kräften nach der Niederlage in Stalingrad bedeutete, dass das Reich dringend neue Formationen brauchte, und er befürchtete, dass unzufriedene ukrainische Jugendliche sich der Untergrundbewegung, d. h. der UPA, anschließen würden.

Ich habe dies bereits in meinem Beitrag Was unsere Väter taten – ein NAZI-Erbe in der Ukraine erörtert. Otto von Wachter war der oberste Nazi in der Ukraine. Sein Pendant, Hans Frank, leitete Polen und richtete die Vernichtungslager ein, in denen mindestens 50 % der während des Holocausts ermordeten Juden umkamen. Ukrainer, vor allem aus dem westlichen Teil der heutigen Ukraine, schlossen sich an und bildeten eine SS-Division.

Bereits im Juli 1943 wurde die Waffen-SS-Division „Galizien“ an die Front geschickt, wo sie in der Schlacht von Brody besiegt wurde; danach wurde ein Teil der Division (Überlebende) neu formatiert und in die Slowakei geschickt, wo die Soldaten an den Kämpfen gegen die Teilnehmer des slowakischen Aufstandes sowie in Polen gegen die Heimatarmee teilnahmen. Nach einer weiteren Umstrukturierung fand sich die Einheit in Österreich wieder, nun als 1. Ukrainische Division der Ukrainischen Nationalarmee; dort legten die Soldaten der Division in der westlichen Besatzungszone die Waffen nieder. Die meisten von ihnen lebten danach im Ausland.

Ein anderer Bericht führt dies weiter aus:

Die 14. Grenadierdivision der Waffen-SS wurde Mitte 1943 aus 80.000 Bewerbern gebildet. Die besten 13.000 wurden ausgewählt, der Rest wurde zur Bildung von Polizeiregimentern verwendet. Von Anfang an wurde die Einheit von UPA-Mitgliedern infiltriert. Trotzdem wurde sie ausgebildet und ausgerüstet und ging mit einer Stärke von 18.000 Mann an den Start. Wie bei anderen slawischen Einheiten waren der Kommandeur der Division, SS-Brigadeführer Fritz Freitag, und seine Offiziere ausschließlich Deutsche. Im Juni 1944 gehörte die Division zur Heeresgruppe Nord, als sie in ihre erste und einzige große Schlacht – in der Brody-Tarnow-Tasche – verwickelt wurde, die sie fast vernichtete. Nach diesem Gefecht zählte die Division nur noch 3000 Mann. Nach einer Zeit der Erholung und Umrüstung nahm die Division an mehreren halbherzigen Operationen gegen Partisanen in der Slowakei und in Slowenien teil, bevor sie im Mai 1945 in Österreich kapitulierte.

Was geschah nun mit den Überlebenden? Am Ende des Krieges griff der Papst ein und sorgte dafür, dass die Überreste der ukrainischen SS-Division nicht an die Russen ausgeliefert wurden. Statt in die russischen Gulags zu gehen, emigrierten viele der Überlebenden in das Vereinigte Königreich und nach Kanada. Diese Ukrainer hatten eine dunkle Geschichte:

Es gibt eindeutige Beweise dafür, dass einige Einheiten der galizischen Division in der Slowakei während ihres Dienstes für die Nazis Kriegsverbrechen begangen haben und dass es während der Niederschlagung des slowakischen Volksaufstandes ernsthafte Probleme mit ihrer Disziplin und ihrem Verhalten gab. Einige der galizischen Einheiten waren während ihres gesamten Bestehens im Bezirk Brody, in Polen und in der Slowakei an schrecklichen Gräueltaten beteiligt.

Viele der Angehörigen meldeten sich freiwillig zum Dienst in der Slowakei, in der Hoffnung, Freunde und Verwandte unter einer großen Gruppe von Flüchtlingen aus Galizien zu finden, die kurz vor dem Aufstand in der Slowakei aufgenommen worden waren.[23]: 62 Die erste Einheit, eine Bataillonsgruppe, die aus einem Bataillon des 29. Schließlich wurden alle Divisionseinheiten in die Slowakei verlegt. Ab dem 15. Oktober 1944 bildeten sie zwei Kampfgruppen, Wittenmayer und Wildner. (Die Division operierte in Koordination mit einer Kampfgruppe der SS-Division Horst Wessel, während auf dem Papier die SS-Sturmbrigade Dirlewanger ihr direkt unterstellt war, aber ihr Kommandeur ignorierte alle Anweisungen, die er erhielt, und handelte bis zum 5. Februar 1945 eigenständig mit der Wlassow-Abteilung und anderen SS- und SD-Verbänden weiter. [24][Seite benötigt][25] Laut dem slowakischen Historiker K. Fremal „beteiligten sich die Mitglieder der Division an antipartisanischen, repressiven und terroristischen Aktionen und begingen Morde und andere Exzesse“ [23]:

Der Morningstar gibt weitere Einblicke in die Gründung und das Ende der Galizia-Division:

So schrieb Volodymyr Kubiyovych, Leiter des ukrainischen Zentralkomitees im von den Nazis besetzten Krakau, nach der Bekanntgabe der Bildung der Galizien-Division: „Heute ist für die Ukrainer in Galizien ein sehr historischer Tag, weil mit dem heutigen Staatsakt einer der sehnlichsten Wünsche des ukrainischen Volkes in Erfüllung geht – mit Waffen in der Hand gegen den Bolschewismus zu kämpfen… Dieser Wunsch entsprang der tiefen Überzeugung, dass es unsere Pflicht ist, im großen Kampf um den Aufbau der neuen europäischen Ordnung nicht neutral zu bleiben, und was wir für den Sieg des neuen Europas tun können… Dieser historische Tag wurde durch die Bedingungen ermöglicht, den Ukrainern Galiziens eine würdige Gelegenheit zu schaffen, Arm in Arm mit den heldenhaften deutschen Soldaten des Heeres und der Waffen-SS gegen den Bolschewismus, Ihren und unseren Todfeind, zu kämpfen. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen. Natürlich sollten wir dem Großen Führer des vereinten Europas dafür danken, dass er unsere Teilnahme am Krieg anerkannt hat, dass er Ihre Initiative gebilligt und der Schaffung der Division Galizien zugestimmt hat.“

Kanadas stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland ist die Enkelin eines Mannes, der mit den Nazis kollaborierte:

Am 26. Januar 2022, mitten in den Vorbereitungen Russlands auf den Einmarsch in die Ukraine, gab Kanadas stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland eine Erklärung ab, in der sie darlegte, warum Kanada – Heimat der größten ukrainischen Diaspora außerhalb Russlands – die Ukraine bedingungslos unterstützen würde, und skizzierte eine manichäische Sichtweise eines „Kampfes zwischen Demokratie und Autoritarismus“. „Kanadier – unsere eigenen Eltern und Großeltern – kämpften und starben“, fuhr sie fort, „um eine auf Regeln basierende internationale Ordnung während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu etablieren.“

Freelands ukrainischer Großvater mütterlicherseits, Michael Chomiak, hat nichts dergleichen getan. Während des Krieges war er Herausgeber von Krakivski Visti, einem nationalsozialistischen Propagandablatt im besetzten Krakau, das auf einer von einer jüdischen Zeitung beschlagnahmten Presse gedruckt wurde.

Die Zusammenarbeit von Großvater Chomiak mit den Nazis ist unbestreitbar:

Aus Chomiaks Unterlagen geht hervor, dass er in Wien für deutsche Spionage- und Propagandaoperationen ausgebildet und dann dazu befördert wurde, während der vierjährigen Besatzung die deutsche Pressemaschine für die galizische Region der Ukraine und Polen zu leiten. Chomiak war so hochrangig und aktiv in der Sache der Nazis, dass der polnische Geheimdienst bis in die 1980er Jahre aktiv nach Chomiak suchte – ohne zu wissen, dass er sich auf eine Farm in Alberta, Kanada, in Sicherheit gebracht hatte.

Das Nazi-Erbe in der Ukraine lebt im Vereinigten Königreich und in Kanada fort. Die Enkel dieser Männer haben die schmutzige Geschichte ihrer Vorfahren nicht verleugnet, sie haben sie sich zu eigen gemacht. Bedenken Sie dies, wenn Sie die Ermahnungen aus Großbritannien und Kanada zur Unterstützung der ukrainischen Sache in Betracht ziehen. Dahinter steckt eine Nazi-Ahnenreihe.

Ende der Übersetzung

Siehe auch: Thierry Meyssan, Kanada und die Bandera-Anhänger


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Eine neue „Verschwörungstheorie“? – seltsame Zusammenhänge

Eine neue „Verschwörungstheorie“? – „Warum waren ukrainische Nazis am 6. Januar im US-Kapitol?“ – Unglaublich? Prüfen Sie selbst!

Sturm auf das Capitol – eine Verschwörung?

Am 09.06.2022 veröffentlichte Larry C. Johnson auf seinem Blog einen Beitrag den er wie folgt einleitete:

„Angesichts des Schein-Schauprozesses gegen die mutmaßlichen Schuldigen hinter dem sogenannten ‚Aufstand‘ vom 6. Januar 2021 sind meiner Meinung nach einige Fakten angebracht, die bei näherer Betrachtung nur noch mehr Fragen aufwerfen. Eine der beunruhigendsten Fragen lautet: Warum mischten sich Ukrainer, die mit Neonazi-Gruppen in Verbindung stehen, im US-Kapitol mit verdeckten FBI-Agenten und Anhängern von Donald Trump?“

Davon ausgehend verweist er auf einen investigativen Artikel von Yaacov Apelbaum. Nachfolgend habe ich den Beitrag übersetzt und und die Links/Bilder wie im Original eingefügt.

Der Artikel von Larry Johnson erschien unter dem Titel „Why Were Ukrainian Nazis in the U.S. Capitol on January 6“ („Warum waren ukrainische Nazis am 6. Januar im US-Kapitol?“).

Beginn der Übersetzung

Yaacov hat vor mehr als einem Jahr einen hervorragenden investigativen Artikel geschrieben, und nur wenige haben den Fakten, die er aufgedeckt hat, Beachtung geschenkt. Ich bin hier, um das zu korrigieren. Hier ist, was Yaacov geschrieben hat:

In einem Tweet vom 14. Januar 2021 mit dem Titel: „PRO RUSSIAN LDNR OPERATIVE WITH ANTIFA AT THE CAPITAL BUILDING“, identifizierte [Mary] Fanning einen Antifa- und einen russischen Operator bei den Unruhen in der Hauptstadt. Dieser Beitrag veranschaulicht ihre Vorgehensweise. Sie sprüht immer wieder winzige Stückchen Wahrheit in ein Meer der Täuschung, auch bekannt als der Feuerschlauch der Unwahrheiten. (Fanning hat diese Informationen in ihrem Blog The American Report veröffentlicht).

BILD 1: Mary Fanning (unter dem Pseudonym @realmaryfanning) identifiziert die politische Zugehörigkeit von Dybynyn fälschlicherweise als pro-russisch

Mary Fanning bezeichnete Sergei Dybynyn als „prorussische LDNR“ und wollte offenbar Russland die Schuld dafür geben, dass die Unruhen am 6. Januar stattfanden. Er ist nicht pro-russisch. Sergei Dybynyn ist Mitglied der neonazistischen AZOV-Gruppe. Schauen Sie sich die folgenden Bilder genau an.

Eines der Bilder zeigt Sergei Dybynyn, der neben dem gehörnten Wikinger steht (ein Schauspieler, der unter dem Namen Jake Angeli AKA Jacob Anthony Chansley bekannt ist, der keine öffentlichen Verbindungen zur Antifa hat). Dybynyn steht mit Mitgliedern der ukrainischen nationalistischen Bewegung in Verbindung, von denen sich einige offen zu rechtsextremen und faschistischen Ideologien bekennen. Fannings Behauptung über die Quelle für Dybynyns Haftbefehl ist ebenfalls falsch, er wurde nicht vom „ukrainischen Innenministerium“ ausgestellt, sondern von den prorussischen Separatisten: „DSP des Innenministeriums der LPR (Lugansker Volksrepublik)“.

Wie Sie auf dem vorstehenden Bild selbst sehen können, liegt gegen Sergei Dybynyn, den Mary Fanning während der Unruhen in der Hauptstadt fälschlicherweise als „pro-russisch“ bezeichnete, ein Haftbefehl der mit Russland verbündeten Volksrepublik Lugansk vor. Bevor Sie jetzt aufschreien, dass das „Zhidobanderite“-Bild auf Ihor Kolomoyskys T-Shirt mit Photoshop bearbeitet wurde, seien Sie beruhigt: Diese Allianz/Billigehe mit der Ideologie des Právyi Séktor ist gut dokumentiert.

Das nächste Bild bietet einen tieferen Einblick in Dybynyn und drei weitere Personen, die mit den LPR-Haftbefehlen gesucht werden. Diese Fotos stammen von ihren Social-Media-Seiten und anderen Quellen. Alle vier sind ukrainische Nationalisten. Roman Bochkala, einer der Gesuchten, ist ein US-amerikanischer Peace-Crops-Freiwilliger in der Ukraine, der die USA regelmäßig besucht und an Schulungen in den USA teilgenommen hat (über das Programm Open World). Interessanterweise scheint er auch ein Vielflieger in verschiedenen US-Militärflugzeugen zu sein. Wenn Sie immer noch nicht überzeugt sind, was diese Leute wirklich über die Russen denken, sehen Sie sich die Botschaft auf Romans rechtem Handverband an. (Sie lautet: „F**k U Putin“).

Es bleibt die Frage, warum der Neonazi Sergei Dybynyn und seine Freunde am 6. Januar 2021 im US-Kapitol waren. Dies ist nur eine der eklatanten Unregelmäßigkeiten, die der Ausschuss des Repräsentantenhauses untersuchen sollte. Ignorieren sie es, weil sie wissen, dass, wenn sie dem Geld nachgehen – d. h., wer sein Flugticket und seine Unterkunft in Washington, DC, bezahlt hat -, sie wahrscheinlich einen demokratischen Mitarbeiter finden werden, der das Scheckbuch in der Hand hält?

Ende der Übersetzung


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US-Beamte – Lügen – Ukraine

„US-Beamte geben zu, dass sie über den Erfolg in der Ukraine und die Misserfolge Russlands gelogen haben.“

US-Beamte gestehen Lügen

In einem Blogbeitrag vom 03.02.2022 kommentierte Larry C. Johnson das Eingeständnis von US-Beamten, dass zu über die militärische Auseinandersetzung in der Ukraine gelogen haben. Wer nicht nur die sogenannten Qualitätsmedien verfolgt, konnte das schon mehrfach feststellen. Doch viele Menschen sind Politikern, Beamten und „Qualitätsmedien“ gegenüber immer noch sehr vertrauensselig.

Dabei hatte schon Thomas Jefferson (1743 – 1826), der 3. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und hauptsächlicher Verfasser der Unabhängigkeitserklärung sarkastisch angemerkt:

„Bei einer Zeitung stehen die einzigen Wahrheiten, auf die du vertrauen kannst, in den Anzeigen.“

Für alle, die nicht so flüssig die englische Sprache beherrschen hier eine Übersetzung des Beitrages von Larry Johnson mit den Originallinks und Hervorhebungen.

Beginn der Übersetzung

„US-Beamte geben zu, dass sie über den Erfolg in der Ukraine und die Misserfolge Russlands gelogen haben.“

Ich habe es euch gesagt. Die USA und die NATO haben darüber gelogen, was in der Ukraine tatsächlich vor sich geht. Für diejenigen, die mit meinen früheren Schriften über die aktuelle Situation nicht vertraut sind, werfen Sie einen Blick zurück auf meine früheren Artikel vom März – Ist Russland in der Ukraine am Drücker? und Update zur militärischen Lage in der Ukraine.

NBC News, nicht gerade als Putin-freundliches Medienunternehmen bekannt, veröffentlichte in dieser Woche diese bahnbrechende Meldung:

Es war eine aufsehenerregende Behauptung, die weltweit für Schlagzeilen sorgte: US-Beamte sagten, sie hätten Hinweise darauf, dass Russland den Einsatz chemischer Kampfstoffe in der Ukraine vorbereiten könnte.

Präsident Joe Biden sagte dies später öffentlich. Drei US-Beamte erklärten jedoch diese Woche gegenüber NBC News, es gebe keine Beweise dafür, dass Russland chemische Waffen in die Nähe der Ukraine gebracht habe. Sie sagten, die USA hätten die Informationen veröffentlicht, um Russland davon abzuhalten, die verbotenen Kampfstoffe einzusetzen.

Dies ist eines von mehreren Beispielen dafür, dass die Regierung Biden mit den jüngsten Präzedenzfällen bricht, indem sie deklassierte Geheimdienstinformationen als Teil eines Informationskriegs gegen Russland einsetzt. Die Regierung hat dies auch dann getan, wenn die Informationen nicht felsenfest waren, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin aus dem Gleichgewicht zu bringen, so Beamte. . . .

Erst in dieser Woche stand der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan am Rednerpult des Weißen Hauses und verlas, wie es hieß, weitere freigegebene Geheimdienstinformationen, in denen behauptet wurde, dass der Rückzug Russlands aus den Gebieten um Kiew kein Rückzug, sondern eine strategische Verlagerung sei, die einen bedeutenden Angriff auf die Ost- und Südukraine signalisiere, der nach Ansicht von US-Beamten ein langwieriger und blutiger Kampf sein könnte.

NBC versucht verzweifelt, dieses Schwein mit Lippenstift zu beschmieren und es als Marilyn Monroe zu bezeichnen, d.h. als etwas Schönes und Brillantes, aber die Quintessenz ist klar und einfach: Die US-Regierung hat das amerikanische Volk belogen und NICHTS erreicht, um das taktische und strategische Bild vor Ort im Donbas zu verändern. Diese Informationen haben weder Putin noch seine militärische Führung aus dem Gleichgewicht gebracht. Stattdessen haben sie die Verteidiger von Mariupol zu Staub zermahlen und erobern stetig Gebiete im Donbass zurück, die die Ukraine einst kontrollierte. Ich bin mir sicher, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr viele „erfolgreiche“ Geheimdienstoperationen überleben können, wie die, die sie bisher unterstützt haben.

Die Bestätigung von Jake Sullivan, dass die Ukraine die Russen nicht besiegt und sie nicht aus Kiew vertrieben hat, spricht Bände. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Andrei Martyanov, Scott Ritter, Doug MacGregor, Jacob Dreizin und ich die russischen Panzerkolonnen, die nördlich von Kiew positioniert waren, als eine Finte analysierten, die wichtige ukrainische Kräfte um Kiew herum festnagelte, während die Russen eine strategische Verlagerung in den Donbas vornahmen, um an der Zerstörung der verschanzten ukrainischen Truppen zu arbeiten.

Wenn Sie glauben, der Westen habe seine Lektion gelernt und sich für die Wahrheit entschieden, irren Sie sich. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck ging diese Woche mit diesen Unwahrheiten in seiner eigenen Regierung hausieren:

Die westlichen Sanktionen als Reaktion auf Moskaus Einmarsch in der Ukraine fordern immer noch einen hohen Tribut von der russischen Kriegsmaschinerie. Die russische Wirtschaft bricht zusammen“, und fügte hinzu, dass Deutschland seinen Teil dazu beigetragen habe, indem es die Exporte nach Russland im März um 60 % reduziert habe, wobei für April ein noch stärkerer Rückgang erwartet werde.

Die offensichtliche Frage für jeden Reporter mit der Intelligenz eines Idioten wäre: „Was ist der Beweis dafür, dass Russlands Wirtschaft zusammenbricht?“ Die Wahrheit ist, dass alle Sektoren auf allen Zylindern laufen. Nur weil Deutschland beschlossen hat, ein wirtschaftliches Hari Kari zu begehen, indem es sich weigert, billiges russisches Öl zu kaufen, bedeutet das nicht, dass Russland finanziell ausblutet. Der Economist berichtete vor zwei Wochen, dass Russland einen Rekord-Handelsüberschuss erzielt.

Ja, Russland importiert weniger Mercedes und BMWs über den freien Markt. Erstens ist Russland nicht darauf angewiesen, dass westliche Luxusgüter die Geschäfte in westlichem Besitz füllen. Zweitens ist die russische Mafia mehr als bereit, die Lücke zu füllen und solche Waren über den Schwarzmarkt zu beschaffen. Anscheinend lernt der Westen nie dazu.

Habeck vergisst auch die erste Regel des Krisenmanagements: Wenn du in einem Loch steckst, höre auf zu graben. Er stellte diese noch haarsträubendere Behauptung auf:

Moskau habe den Zugang zu Teilen verloren, die für seine Fähigkeit, den Krieg zu führen, von entscheidender Bedeutung seien, wie etwa „Sicherheitsupdates für Flugzeuge, mit dem Ergebnis, dass die Flugzeuge bald am Boden bleiben werden“.

Offensichtlich hat er die öffentlich zugängliche Information nicht erhalten, dass Russland seine eigenen Flugzeuge, Raketen, Raumschiffe und Panzer baut. Putin hat die kritische Industrie nicht nach China oder Mexiko ausgelagert. Die Realität wird die Vereinigten Staaten und ihre verrückten europäischen Verbündeten daran erinnern, dass Russland die einzige Supermacht mit einer autarken Wirtschaft ist. Die russische Wirtschaft ist nicht davon abhängig, dass es eine russische Version des Rodeo Drive gibt, die mit überteuertem Schnickschnack gefüllt ist.

(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator – kostenlose Version)

Ende der Übersetzung

Wie Larry Johnson schreibt, sind solche Lügengeschichten jedoch kein Privileg von US-Beamten. Hier ein paar weitere Beispiele:


Beiträge und Artikel anderer Autoren müssen nicht die Sichtweise der Webseiteninhabers widerspiegeln, sondern dienen nur der vergleichenden Information und Anregung zur eigenen Meinungsbildung.


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„Russland ein autoritäres Höllenloch“

„Russland ein autoritäres Höllenloch“ – Larry Johnson stellt anhand einer Meldung des Wall Street Journal einen Vergleich an und hat Zweifel.

Russland – das kann nur die Hölle sein

„Russland ein autoritäres Höllenloch“ klingt wohl für viele selbstverständlich. Larry C. Johnson stellt anhand einer Meldung des Wall Street Journal einen Vergleich an und hat Zweifel. Dazu regte ihn ein Beitrag unter dem Titel an „Dokumente enthüllen, dass Hunderte russischer Truppen wegen Ukraine-Befehlen aus der Reihe tanzen“ wird darin behauptet:

„Desertionen und die Weigerung, sich an der Invasion zu beteiligen, haben Moskau in die Zwickmühle gebracht, wie es seine Soldaten bestrafen kann, ohne die Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken“.

Beginn der Übersetzung des Kommentars von Larry Johnsohn (Links wie im Original)

Die neueste schwache Propaganda des Wall Street Journal,
2. Juni 2022 von Larry Johnson

Auf der Titelseite des Wall Street Journal findet sich ein lächerlicher Propagandaartikel, der anscheinend als Reaktion auf die wachsende Zahl von Videos rebellierender ukrainischer Soldaten gedacht ist, die sich gegen ihre Befehlskette auflehnen. Der Artikel von Matthew Luxmoore mit dem Titel Documents Reveal Hundreds of Russian Troops Broke Ranks Over Ukraine Orders (Dokumente zeigen, dass Hunderte russischer Truppen wegen Befehlen aus der Reihe tanzten) wirft wenig Licht auf den Krieg in der Ukraine, zeigt aber die Verzweiflung der Propagandakampagne.

Hier eine knappe Zusammenfassung (sie sind es mir schuldig, dass ich Ihnen die Mühe erspare, seine miserable Prosa zu lesen):

Der russische Soldat Albert Sakhibgareev, 24 Jahre alt, wurde am 8. Februar zu Militärübungen in die russische Region Belgorod beordert. Als die militärische Sonderoperation am 24. Februar begann, meldete sich Sakhibgareev unerlaubt ab. Raten Sie, was mit ihm im Gulag Russland geschah?

Militärstaatsanwälte erreichten Sakhibgareev und seine Mutter schließlich per Telefon und überredeten ihn, zum Dienst zurückzukehren. Sie erlaubten ihm die Versetzung auf einen anderen Stützpunkt, weit weg von der Front.

Oh mein Gott!! Können Sie sich so ein schreckliches Schicksal vorstellen? Das zeigt nur, was für abscheuliche Monster die Russen sind. Sie gaben einem unerlaubt abwesenden Soldaten ein ordentliches Verfahren und ließen ihn unbehelligt zu einer anderen Einheit fernab der Front zurückkehren. OH DIE MENSCHLICHKEIT!! (Verzeihen Sie meinen Sarkasmus.)

Zumindest berichtet Luxmoore genau über die mögliche Strafe, die Sakhibgareev droht:

Das russische Recht sieht Strafen von bis zu 10 Jahren Gefängnis für Angehörige der Streitkräfte vor, die ihre vereidigten Pflichten vernachlässigen. Deserteure können von einer strafrechtlichen Verfolgung verschont werden, wenn sie nachweisen können, dass sie unter großem Druck gehandelt haben oder persönliche Probleme hatten, die sie zur Flucht veranlassten. Angehörige der Streitkräfte haben auch das Recht, Befehle zu verweigern, die sie für illegal halten.

Vergleicht man die Behandlung, die Sakhibgareev erfuhr, mit der Behandlung der so genannten Aufständischen, die jetzt in den Vereinigten Staaten inhaftiert sind, weil sie die Kühnheit besaßen, am 6. Januar 2021 das US-Kapitol zu betreten, muss man die gängige Meinung, dass Russland ein autoritäres Höllenloch und die Vereinigten Staaten eine Bastion der Freiheit sind, überdenken. Tatsächlich sitzen in den Vereinigten Staaten um ein Vielfaches mehr Menschen im Gefängnis als in Russland.

Luxmoore besteht darauf, die müden, diskreditierten Argumente zu wiederholen, dass Russland in der Ukraine geschlagen wird:

Ein hochrangiger Pentagon-Beamter sagte im April, dass die russische Armee bei ihrem Einmarsch in die Ukraine schon früh ins Straucheln geraten sei und Tausende von Opfern und den Verlust von schätzungsweise einem Viertel der eingesetzten militärischen Ausrüstung zu beklagen habe. Desertionen und Ungehorsam unter Soldaten, Truppen des Innenministeriums und Mitgliedern der Nationalgarde verschärfen das Problem.

Dies ist ein weiteres Beispiel für das psychologische Phänomen der „Projektion“. Luxmoore schreibt Russland genau die Probleme zu, die die ukrainische Armee entnerven. Inzwischen gibt es mehr als ein Dutzend Videos von rebellischen ukrainischen Soldaten, die ihre Posten verlassen. Es gibt keine vergleichbaren Videos mit russischen Soldaten, die dasselbe tun.

Diese Tatsache hält Luxmoore jedoch nicht davon ab, die beweislose Behauptung zu verdoppeln, dass das russische Militär zusammenschmilzt:

Westlichen Geheimdiensten zufolge gibt es zahlreiche Hinweise auf Chaos und Unordnung unter den russischen Streitkräften in der Ukraine. Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter sagte Reportern im vergangenen Monat, dass russische „Offiziere mittleren Ranges auf verschiedenen Ebenen, sogar bis hinauf zur Bataillonsebene … sich entweder geweigert haben, Befehle zu befolgen, oder [sie] befolgen sie nicht mit demselben Maß an Eifer, das man von einem Offizier erwarten würde.“

Ich frage mich, ob er das Chaos im Stahlwerk Azovstal meint, wo mehr als 2500 ehemalige Asow-Kämpfer in russische Kriegsgefangenenlager „evakuiert“ wurden? Vielleicht bezieht er sich auf die russische Einnahme von Liman und Popasna? Wo genau sehen diese stahlharten US-Verteidigungsbeamten „Chaos und Unordnung“?

Und es gibt eine neue Stimme, die sich dem Propaganda-Chor anschließt – das Organized Crime and Corruption Reporting Program, kurz OCCRP. Der Bericht des OCCRP vom April bestand darauf, dass das russische Militär von „niedriger Bezahlung, Korruption und Schikanen gegen neue Mitglieder [geplagt wird], was die Moral weiterhin untergräbt. Falls Sie es nicht wissen: Das OCCRP wird von Organisationen finanziert, die mit George Soros und dem US-Außenministerium verbunden sind.

Gott dem Allmächtigen sei Dank ist das US-Militär gegen Korruption geimpft (SARCASM ALERT). Die Vereinigten Staaten erlauben es Generälen und Admirälen nicht, sich von höheren Kommandostellen zurückzuziehen und dann einen süßen Job in der Rüstungsindustrie anzunehmen, die darauf erpicht ist, dem Verteidigungsministerium überteuerte Waffensysteme zu verkaufen. Ja, da gibt es keine Korruption.

Das folgende Video von HistoryLegends gibt einen guten Überblick über die urkainische/amerikanische Propagandakampagne:

(Text des Blogbeitrags übersetzt mit www.DeepL.com/Translator – kostenlose Version)

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Eine Fehlkalkulation, die Tausenden das Leben kostet

Die Fehlkalkulation

Westeuropa und die USA stürzen sich selbst ins Unglück, indem sie gegen einen „Feind“ anrennen, den sie nie verstanden haben.

von Michael Ewert

Sie wollen „Russland isolieren“ und sind in Wahrheit dabei, sich selbst global zu isolieren. In fataler Verkennung der Stärke und der wahren Absichten ihres Gegners wiederholt die Westallianz einen Fehler, an dem schon Napoleon und Hitler gescheitert sind: den Versuch der Zerstörung Russlands. Dabei hätte es Gelegenheiten genug gegeben, die ausgestreckt Hand des Riesen im Osten zu ergreifen, auch noch zu Beginn der Präsidentschaft Putins. Stattdessen verfolgten die NATO-Länder eine langfristige Strategie der Zurückdrängung und Schwächung Russlands, was Putin zunehmend zu Maßnahmen der Gegenwehr reizte. Längst ist offenkundig, dass Sanktionen und Nibelungentreue gegenüber einer faschistisch unterwanderten Ukraine vor allem uns selbst schaden. Russland ist inzwischen erfolgreich dabei, sich global umzuorientieren, neue Bündnisse und Abnehmer für ihre Ressourcen zu finden und mit China an einem alternativen Weltfinanzsystem zu basteln. Das alte, von den USA dominierte hat so viel Elend über den Rest der Welt gebracht, dass die Erfolgsaussichten dieses Projekts groß sind. Das alte Imperium ist dabei, sich selbst zu demontieren — mit destruktiven Aktionen, die zum großen Teil ohne Not und aufgrund von Hybris unternommen wurden.

Die Fadenscheinigkeit der Gründe, die von den USA für ihre Mordaktionen angeführt wurden, gereichten ihnen nie zum Nachteil. Denken wir an die militärisch sinnlosen Flächenbombardements deutscher und japanischer Städte, die zwei Atombomben, mit denen das kapitulationsbereite Japan „zur Kapitulation gezwungen“ werden sollte, den Angriff vietnamesischer Fischerboote auf die mächtigste Marine der Welt in Gewässern, in denen sie nichts zu suchen hatte, die aus der Luft gegriffene Vision eines neuen Auschwitz mitten in Jugoslawien oder nichtexistierende Massenvernichtungswaffen im Irak. Alles gelogen. Spielte aber keine Rolle.

Auch der Tod von Millionen hat sich, wie Harold Pinter in seiner Nobelpreisrede festhielt, eigentlich nie ereignet. Mit der Hinnahme von Kriegen ist es seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine vorbei: Russland müsse sich vollständig zurückziehen — bis an den Verhandlungstisch. Aber über was soll verhandelt werden? Dass der Westen Fehler gemacht hat? Das hieße, Russland Gründe für den Einmarsch zuzugestehen. Da können wir lange warten, denn die entgegen einem Michael Gorbatschow 1991 gegebenen Versprechen durchgeführte NATO-Osterweiterung war nicht einfach ein „Fehler“. Auch nicht ihr De-facto-Vordringen bis in die Ukraine. Von Fehlern spricht man, wenn Alternativen vorhanden sind. Von ihnen aber kann keine Rede sein, wie sich gut am Krieg der USA gegen Japan im Zweiten Weltkrieg zeigen lässt.

Die gegebenen Sozial-, Vermögens- und Machtstrukturen in den USA erforderten, den südwestpazifischen Raum als „Grand Area“ zu kontrollieren. Das Gebiet von China über Britisch-Malaya bis Niederländisch-Ostindien, das heutige Indonesien, mit seinen Rohstoffquellen wie Zinn, Bauxit, Kupfer, Kautschuk, Chinin, Tungsten oder Erdöl und Absatzmärkten galt für das reibungslose Funktionieren der heimischen Ordnung als überlebensnotwendig. Japan wurde mit „Sanktionen“ — Embargos — in die Enge getrieben, bis es in Pearl Harbor zurückschlug und ein paar Schiffe versenkte. Wem das bekannt vorkommt, der unterliegt keiner Täuschung.

Wie im Rom nach den Punischen Kriegen erfordert eine aus den Fugen gebrachte Sozialstruktur die permanente Expansion. Der Krieg gegen das irakische Volk 1991 fiel nicht aus heiterem Himmel, sondern wurde in dem Moment vom Zaun gebrochen, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Rückgang der Rüstungsausgaben zugunsten von Sozialleistungen drohte. Ein Mitglied der Bush-Regierung atmete auf: „Wir schulden Saddam (Hussein) einen Gefallen. Er hat uns vor der Friedensdividende gerettet“ (1). Von hier aus sei die Prognose gewagt, dass es wie bei den folgenden Massakern 1999 (Jugoslawien), 2001 (Afghanistan) oder 2003 (nochmals Irak) auch in der Ukraine keinen Verhandlungsfrieden geben wird. Mit wem auch?

Während Russland seit Jahren Gesprächsbedarf angemeldet hat, ging das vom Westen gesteuerte Kiew seit dem Maidan-Putsch mit Waffengewalt gegen die russischstämmige Bevölkerung im Donbass vor.

Nie wurde das Marionettenregime zu einer friedlichen Einigung gedrängt, deren Verweigerung bis Februar 2022 an die 14.000 Menschen das Leben gekostet und eineinhalb Millionen nach Russland vertrieben hat. Das kam in der westlichen Berichterstattung nicht vor. Auch nicht die Verseuchung der staatlichen Strukturen in der Ukraine mit faschistischen Kräften.

Die Vorläufer der Kräfte hinter dem Staatsstreich 2014 kollaborierten mit den Nazis, ermordeten Zehntausende Juden, Polen und „Bolschewiki“. Nach 1945 warteten sie im überseeischen Exil oder in von der CIA bezahlten Sendern wie Radio Free Europe oder Radio Liberty, dass ihre Zeit käme. Am 22. Februar 2014 strichen die USA die Dividende der fünf Milliarden US-Dollar ein, die sie seit 1990 in die Pflege der ukrainischen „Landschaft“ investiert hatten: Eine Koalition aus Antisemiten, Apologeten der Nazi-Kollaboration, Faschisten, westlich orientierten Oligarchen sowie neoliberalen Kräften riss die Macht an sich. Ihre Ziele deckten sich mit denen der NATO, die seit ihrer Gründung 1949 keinen anderen Zweck hatte, als den Feind im Osten auf Distanz zu Europa zu halten, ihn zurückzudrängen und eventuell zu zerschlagen (2).

Zusammen mit den Kollaborateuren des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa und vor allem in Deutschland mit den Stützen des Dritten Reichs wurde nicht nur bezüglich der Repression gegen Arbeiterorganisationen und der Terrorisierung europäischer Kolonialgebiete der Faden aufgegriffen, wo ihn die Nazis fallen gelassen hatten. Auch geopolitisch sah sich das US-Imperium gezwungen, sich im Interesse seiner ihm dank der Roten Armee in den Schoß gefallenen Dominanz im globalen Maßstab eines seit jeher lästigen Konkurrenten zu entledigen. Hinter Nebelschwaden der Propaganda verschwand die simple Tatsache, dass der Kalte Krieg ohne das Schreckgespenst des „Bolschewismus“ nicht wesentlich anders verlaufen wäre.

Der Hass auf Russland ist ein langer Schatten, den soziopathologische geistige Zwerge geworfen haben.

Die zivilisatorische Sonne wurde am Schluss herabgezerrt durch jahrelange Kindereien, mit jeder noch so haltlosen Anschuldigung gegen Russland propagandistisch verwertbare und einschüchternd vorgestellte Sanktionen zu verhängen. Es war klar, dass mit dem Einmarsch in die Ukraine alle Brücken abgebrochen sein würden. Russland hat sich nicht „verrechnet“. Die Reaktionen unserer „Ordnung“ waren so „regelbasiert“ wie unbedingte Reflexe eines pawlowschen Hundes. Es ist der Westen, der sich verrechnet und die Konsequenzen des eigenen Handelns für sich selbst sowie — ebenso fatal — für seinen sich nun definitiv umorientierenden Gegner nicht bedacht hat. Die Milchmädchenrechnungen werden nicht aufgehen.

Schläge und Rückschläge

Fehlbeträge stellten sich schon länger ein und produzierten Nervosität, die in der zunehmenden Hetze gegen Wladimir Putin zum Ausdruck kam. Sie begann mit den in dichtem Abstand folgenden Fehlschlägen der US-Angriffskriege, die gemäß Paul Wolfowitz vor Erstarken Russlands oder anderer Konkurrenten durchgeführt werden müssten. Er meditierte 1991 gegenüber einem konsternierten Wesley Clark über ein „Zeitfenster“ von fünf oder zehn Jahren. Es schloss sich schneller als gedacht.

Als Putin 2007 auf der Münchener Sicherheitskonferenz die USA auch wegen geplanter Raketenstützpunkte in Tschechien und Polen kritisierte, machten diese „Angriffe auf die Außenpolitik der westlichen Führungsmacht“ unsere Medien fassungslos: „Russland verwirrt den Westen“ (3). Der Westen ist in Ordnung, und wer das nicht sieht, lädt zu Vermutungen über seinen Geisteszustand ein. Wenig später, der NATO-Aspirant Georgien griff 2008 die Hauptstadt Südossetiens an, nahm der Albtraum konkrete Gestalt an: Russland schlug zurück. Nach dem „Verlust“ der Krim 2014 schrillten endgültig die Alarmglocken, und die Schleusen zur Hölle waren geöffnet.

Reihenweise wurden Anklagepunkte zusammengebastelt, die eine Verhöhnung des gesunden Menschenverstandes darstellten. Eingeleitet wurden sie schon 2012 von der Inszenierung um den Tod von Sergei Magnitzky, 2015 folgte die Ermordung von Boris Nemzow nahe der Kreml-Mauer — damit es der Hausherr nicht so weit nach Hause hatte — und 2018 wurde die Welt von dem Anschlag auf die Skripals mit dem gefährlichsten Kampfstoff der Welt erschüttert, den sie ebenso wie Alexei Navalny 2020 überlebten.

Nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH-17 im Donbass triumphierte nicht nur die SZ: „Der Krieg ist zurück!“, weshalb es mit „gutem Willen und ganz viel Diplomatie“ nun nicht mehr getan sei (4)! Parallel war längst eine Drohkulisse in Osteuropa entstanden, insbesondere im Baltikum und in Polen. Jetzt wurde noch die Ukraine eingebunden mit Milliarden an Krediten und „Hilfen“ sowie einer NATO-Kooperation knapp unterhalb einer offiziellen Mitgliedschaft.

Allein 2021 wurden fünf Manöver mit „Bündnissoldaten“ durchgeführt. Als Russland am 17. Dezember 2021 forderte, die Ukraine dürfe sich keinem Militärbündnis anschließen und auch die Raketenstellungen in Osteuropa seien abzubauen, kam als Antwort zum einen die Erneuerung einer Vereinbarung für technische Zusammenarbeit mit der NATO. Zum anderen drängte auf der Münchener Sicherheitskonferenz Anfang Februar 2022 Wolodimir Selinski noch einmal auf die Aufnahme in die NATO und sogar die Bewaffnung mit Atomwaffen.

Gleichzeitig kam es zu massiven Truppenverstärkungen in der Südostukraine und ab 21. Februar — protokolliert von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) — zu einer dramatischen Zunahme von Artillerieangriffen auf die von den Autonomisten gehaltenen Gebiete des Donbass. Daraufhin erkannte der Kreml die beiden Volksrepubliken an und griff zwei Tage später Ziele in der gesamten Ukraine an. Egal, ob Russland eine Falle gestellt wurde oder nicht — die westliche Politik des Drucks gegen Russland ist an einem Scheidepunkt angelangt. Kooperation, Vertrauen und ein friedfertiges Miteinander waren nie vorgesehen.

1952 bot Josef Stalin ein bündnisfreies Gesamtdeutschland bei freien Wahlen an. Nikita Chruschtschow erneuerte dieses Angebot 1958 (5). Dem FDP-Abgeordneten Thomas Dehler war ebenso wie Gustav Heinemann, mittlerweile enttäuscht von der CDU zur SPD gewechselt, vollkommen klar, dass die Strategie der einseitigen Westbindung den Interessen Deutschlands fundmental entgegenstand (6). Doch zu meinen, die andere, sowjetische oder heute russische Seite mit Druck gefügig machen zu können, ist nicht einfach ein Gedankenfehler. Die Leute, die dieser Auffassung waren, wussten, was sie taten, und übersahen auch nicht die Folgen ihrer Entscheidungen. Die Folgen waren Zweck dieser Politik. Sie fallen uns heute allerdings unmittelbarer auf die Füße.

Russland und China sind dabei, ein alternatives globales Finanzsystem zu schaffen. Dieses Unterfangen wird erleichtert durch den Umstand, dass es zwar das Ziel extremer Anstrengungen ist, Russland vom Rest der Welt zu isolieren. Doch nicht nur steht China an seiner Seite. Auch Indien, Pakistan, Vietnam, Indonesien, praktisch ganz Afrika sowie Mittel- und Südamerika einschließlich Mexiko konnten nicht abspenstig gemacht werden. Die arabische Halbinsel erhöht nicht nur nicht ihre Ölproduktion, sondern erklärt sich bereit, den Warenverkehr mit anderen Ländern in nationalen Währungen abzuwickeln.

Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung stehen den Vorteilen eines neuen, weniger ausbeuterischen und erpresserischen Modells der Zusammenarbeit, vorsichtig ausgedrückt, nicht abgeneigt gegenüber. Die restlichen zehn Prozent können sich gegenseitig die Haare schneiden — gerne gegen Bezahlung in US-Dollar, dessen Wertverlust sich nur durch die Plünderung der europäischen Protektorate verlangsamen lassen dürfte. Die Nachfrage nach ihm wird sinken, ebenso die nach US-Staatsanleihen, die zur Finanzierung der gigantischen Schulden der USA verwendet werden. Damit ginge die Zeit des US-Dollars als Sparbüchse und Scheckheft des Imperiums seinem Ende entgegen. Die damit verbundene Erschütterung des globalen Staatensystems birgt Momente akuter Gefahr, in denen die Unfähigkeit zu konstruktiven Antworten dem nekrophilen Amoklauf Hitlers ähneln könnte (7): Die USA würden dann alles mit sich in den Strudel abwärts reißen und einen Atomkrieg vom Zaun brechen.

Der Niedergang ist das Resultat von „Rückschlägen“, wie es Chalmers Johnson bezeichnete, Rückschläge aufgrund der eigenen Blindheit, unvermeidlich, wenn man zu einer Kurskorrektur nicht in der Lage ist (8). Und der Westen ist es nicht. Dazu fehlen alle gesellschaftsstrukturellen, charakterologischen und folglich auch bewusstseinsmäßigen Voraussetzungen. Als wieder einmal dichter Nebel über dem Ärmelkanal herrschte und die Schiffsverbindungen ausgesetzt werden mussten, sollen die Schlagzeilen in der englischen Presse gelautet haben: „Continent isolated“.

Krieg um neue Investitionsfelder

Der Westen ist isoliert, und die Lage ist bedrohlich. Die Realwirtschaft ist seit Langem angeschlagen und hat enorme Schwierigkeiten, das Geld zu erwirtschaften für eine ihrem Wesen nach parasitäre Finanzwirtschaft. Sie stand zuletzt 2019 am Abgrund. Abhilfe sollte die Bekämpfung einer „Pandemie“ schaffen. Nicht sie erforderte eine Geldflut, sondern umgekehrt die notwendige Geldflut eine Pandemie mit den bekannten Begleiterscheinungen: Zerstörung von Millionen Existenzen, drakonische Restriktionen, Abschaffung von Grundrechten, Überwachung dank modernster Kontrollen sowie der Infamie des Zwanges, sich einer genbasierten Therapie mitsamt der hektisch verschleierten Gesundheitsschädigungen zu unterwerfen.

In dieser Rekonstruierungsphase kapitalistischer Akkumulations- und Ausbeutungsprozesse gab es Wachstum lediglich bei der Armut, der Inflation — sie lag schon Januar 2022 bei gelogenen offiziellen 7 Prozent; seitdem muss noch viel besser gelogen werden — und den Schulden. Allein in Deutschland kosteten die Maßnahmen gegen die „Pandemie“ fast eine halbe Billion Euro, zu Beginn des Krieges in der Ukraine wurden für die Rüstung noch einmal 100 Milliarden „aus Sondervermögen“ draufgesattelt. Dazu kommen die Kosten für Hunderttausende Ukrainer, die unser autoritäres Meinungsspektrum bereichern werden. Infolge der Abhängigkeit von Rohstoffimporten auch aus Weißrussland und der Ukraine könnten sich in Deutschland die Nettoausgaben für Öl, Gas, Kohle und Lebensmittel 2022 gegenüber dem Durchschnitt von 2016 bis 2020 verdreifachen.

Ebenso gesteigert werden die unter dem Coronaregime erprobten Zwangsmaßnahmen: die Kontrolle der Bevölkerung über ein Geflecht monopolistischer Technologiegiganten, gefügiger Parteien, durch finanziellen und gesellschaftlichen Druck konformer Akademikerschichten sowie unzähliger Vereine, „Stiftungen“ oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und ihrer Multiplikatoren, den wie gleichgeschaltet agierenden Medien. Wenn wir noch das Militär und die Geheimdienste einbeziehen, haben wir das, was der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern den MICIMATT nennt, den „Military-industrial-congressional-intelligence-media-academia-think tank complex“. Diese Strukturen erfordern eine permanente Bedrohungsatmosphäre. Sie stellt sich wie von selbst ein im Rahmen einer Konfrontations- und Eskalationspolitik gegenüber Konkurrenten, die ein Hindernis für eine Ausweitung der Profitzone westlicher Kapital- und Finanzgesellschaften darstellen. Damit sind die Weichen für die westliche Politik gestellt.

Am aggressivsten unter den Vasallen der USA agiert das Vereinigte Königreich (UK), das noch mehr zu verlieren hat als das um seine Dominanz fürchtende Imperium (9). Dank einer drastischen Verlagerung wirtschaftlicher Tätigkeiten auf den Finanzsektor lebt 2022 ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, wovon fast die Hälfte der Kinder betroffen ist. Ähnlich desaströs ist die Lage in Italien mit einem Ex-Goldman-Sachs-Angestellten und ehemaligen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) als nie gewählter Ministerpräsident, der wie ein Kommissar eingesetzt wurde. Es geht nicht um die Ukraine, der seit der Machtergreifung 2014 etwa zehn Millionen Menschen den Rücken gekehrt haben — was einst als „Abstimmung mit den Füßen“ bezeichnet wurde.

Als Erstes geht es um die Rettung der Ukraine als von der EU verbürgtes Paradies für Kredite, Anleihen und „Aufbauprogramme“ — nicht zuletzt für Biowaffen-Laboratorien.

Darüber hinaus ist das eigentliche Ziel eine Rückkehr zu den glorreichen Zeiten des Ausverkaufs Russlands unter Boris Jelzin mit den uferlosen Aussichten für „Vermögensverwalter“, große Konzerne und Investmentfonds. Diese Strategie hat eine Sollbruchstelle, da jeder Schritt des Westens ein verheerend kontraproduktives Potenzial hat. Deshalb werden die Menschen der G7-Staaten mit Durchhalteparolen versorgt wie die Deutschen bis zum Morgen des 8. Mai 1945. Es ist ein Pfeifen im Walde.

Da beide Seiten gewinnen müssen, weil sie nicht verlieren dürfen, ist die Frage, wem eher die Luft ausgehen wird. Lassen wir uns von den Schwierigkeiten Russlands bei seinem Feldzug, der sich nicht in vielleicht vorgestellter „Blitzkrieg“-Manier durchführen lässt, nicht täuschen: Die Karten sind ungleicher verteilt, als uns nicht umsonst mit solcher Vehemenz rund um die Uhr eingebleut werden soll. Rußssand ist zu groß, autark wie kein anderes Land, gesegnet mit Bodenschätzen aller Art und verfügt traditionell über nachhaltigere Gesellschaftsstrukturen. Das mussten schon Schweden im 18. Jahrhundert, Napoleon im 19., das deutsche Kaiserreich und die Polen, die territorial nie den Hals vollkriegen konnten, sowie dann vor allem Nazideutschland im 20. Jahrhundert erfahren.

Je strikter die Meinungen kontrolliert und Abweichungen sanktioniert werden, desto sicherer können wir sein, dass viel, wenn nicht alles, auf dem Spiel steht. Schon beim 11. September 2001 und der Pandemie-Inszenierung war der tiefere Hintergrund die mit allen Mitteln durchzusetzende Absicherung und Ausweitung der militärischen, ökonomischen und ideologischen Kampfzone. Diesem Programm hat Russland nun einen Riegel vorgeschoben, was für Entsetzen sorgt. Die Panik des Westens offenbart sich um so deutlicher, je hektischer dieser sein Pulver verschießt. Der Kaiser ist nackt und steht mit leeren Händen da.

Perspektiven

Die Bellizisten sagen seit Jahrtausenden: Wer den Frieden will, muss den Krieg vorbereiten. Für Pazifisten hingegen ist klar: Wer keinen Krieg will, muss den Frieden vorbereiten. Es war weder zu sehen, dass der Frieden mit Russland 1914, 1938, 1941 oder 1945 vorbereitet wurde, noch in den Jahren seit 1990. Der Verzicht auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten barg in sich den Kern der Tragödien, die sich jetzt abspielen. Er zeigte klar den tiefen Charakter der USA und ihres „Verteidigungsbündnisses“ NATO.

In dem Maße, wie die Konfrontationspolitik vorangetrieben wurde, bestanden für Russland am Ende kaum Optionen. Es wird den Krieg nicht beenden, bevor das Pulverfass eines den multiethnischen und geographisch delikaten Charakter des Landes missachtenden Regimes nicht entschärft ist. Je länger Kiew zaudert, diese Zwänge anzuerkennen, umso mehr Gebiete wird es auf die eine oder andere Weise verlieren. Aber tangiert ist auch ein Punkt, der von Anfang an bestimmend war für die Fehlentwicklung in Europa, deren Ergebnis wir jetzt in aller Deutlichkeit sehen. Walter Lippmann hob ihn schon 1947 in seiner Kritik an George Kennan hervor.

Kennan befürwortete eine gemessen an ihren eigenen Intentionen völlig gescheiterte Konfrontationspolitik, die eine Teilung des Kontinents explizit in Kauf nahm. Lippmann hingegen insistierte auf unstreitig verifizierbaren Maßnahmen wie einen vollständigen Abzug fremder Truppen aus Europa, zunächst mit Ausnahme Deutschlands. Diese Einschränkung ist heute, nachdem russische Truppen seit Jahrzehnten nicht mehr anwesend sind, obsolet. Egal, ob die NATO aufgelöst wird oder nicht — die Losung muss lauten: Alle fremden Truppen raus aus Europa! Das ist der einzig realistische Schritt hin zu einer Friedensordnung, die von Lissabon bis Wladiwostok reichen muss.

Das ist ein langer Weg, doch wird es die pure Not sein, die immer mehr Menschen zur Raison bringen und auf die Sprünge helfen wird. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren schon bislang kaum zu bewältigen und haben zum Notausgang des Coronaregimes geführt. Jetzt aber wird die Bürde unerträglich werden. Die Frage wird unabweislich im Raum stehen: Hätte das alles auch vermieden werden können?

Ja, hätte, aber, wie es heißt, „wer nicht hören will, muss fühlen“. Jetzt hört der Westen, aber er will und kann — noch — nicht verstehen. Unerlässlich wäre ein mehrheitliches Umdenken der Bevölkerung sowohl jenseits als auch diesseits des Atlantiks. Vielleicht wird es beflügelt von den Rückschlägen der wie von einem sich nicht mehr unter Kontrolle habenden Racheengel ausgelösten „Sanktionen“ gegen Russland. Hieraus ergeben sich Perspektiven und Lösungsansätze, die über eine persönliche Anmerkung zum Schluss erläutert seien.

Ich bin in der britischen Besatzungszone als Kind ostpreußischer Flüchtlinge geboren. Nie fiel ein böses oder nur abfälliges Wort über die Sowjetunion, „die Russen“, die meine Mutter noch August 1945 bei Danzig als Hilfskrankenschwester erlebte — mitsamt den Ermahnungen durch Rotarmisten, sie müsse mehr essen — oder Polen. Meine Eltern besuchten in den 1970er- oder 1980er-Jahren den Geburtsort meines Vaters im südlichen Teil Ostpreußens (Reichenbach, Preußisch Holland), aber er erkannte nichts wieder. Meine Mutter wohnte in der Königsberger Hermannallee, seinerzeit Sperrgebiet.

Vertreibung und Flucht fallen oft der Verdrängung anheim. Wirklich heimisch wird man möglicherweise nirgends mehr, und manchmal denke ich, das gilt auch mindestens für die nächste Generation. Ich habe in Westdeutschland in drei verschiedenen Regionen gelebt, die letzten 65 Jahre in München. Aber es ist schon seltsam: Am meisten verbunden fühle ich mich mit Ostpreußen, wofür die wenigen Erzählungen meiner Eltern aus ihrer Kindheit und Jugendzeit ausreichten. Doch habe ich noch weniger als meine Eltern Illusionen über die Schuldigen dieser Trennung von alten deutschen Gebieten.

Neben Nationalismus, Militarismus und schließlich Faschismus der deutschen Gewaltherrschaft ist hier in erster Linie der von USA und UK gestützte Konrad Adenauer zu nennen, der von Kurt Schumacher zu Recht „Kanzler der Alliierten“ genannt wurde. Seine Politik war der Inbegriff eines Landesverrats, dessen implizierte „Westbindung“, wie es euphemistisch heißt, mit der bis heute andauernden Preisgabe nationaler Souveränität nicht nur die Auslieferung an Besatzungsmächte bedeutete.

Bauen konnte diese nachhaltige Kapitulation auf ein Verhängnis, dessen Folgen nicht zuletzt durch die Rebellenfolklore der 1968er einigermaßen verdeckt waren. Sie traten nach einer Dauerindoktrination während des Kalten Krieges mit dem augenscheinlich gewordenen Wegbrechen wirklicher Opposition, der sklavischen Ergebenheit zumal in der Corona-Despotie und nun mit den russophoben, waffenstarrenden Ausbrüchen klar zutage: das aus der Nazizeit herübergeschwappte Kontinuum einer latent faschistoiden, totalitär-aggressiven und autoritären Grundeinstellung.

Die Hasspropaganda gegen Russland zieht sich von den sowjetischen Soldaten, die „keine Kameraden“ sind, über das Gräuelmärchen von an Zivilisten begangenen Verbrechen im ostpreußischen Nemmersdorf (10) bis heute zur Naziterminologie einer Angestellten der NATO sowie der Universität Potsdam, die 2022 zur besten Sendezeit über uns fremde Einstellungen „der Russen“ zu „Gewalt und Tod“ schwadronierte. 1991 löste sich die Sowjetunion auf, nicht aber das jahrzehntelang gewebte Muster einer Politik, das auf Feindbildern basiert.

Was hätte man 1945 bis 1949, 1952 oder 1958, im Grunde auch noch 2001 — nach Putins legendärer, auf Deutsch gehaltenen Rede im Bundestag — erreichen können, wenn die Sowjetunion eine Haltung der Demut, der Reue und des unbedingten Willens zu konstruktiver Zusammenarbeit gespürt hätte?

Damit sei nicht der Chance einer territorialen Wiedereingliederung der Ostgebiete, wo längst andere Vertriebene ansässig waren beziehungsweise gemacht worden sind, das Wort geredet. Denkbar wären aber vermutlich auch für die neuen Einheimischen bei entsprechenden vertraglichen Absicherungen unproblematische Rückkehrrechte beziehungsweise -möglichkeiten. Welch fruchtbare Keimzelle einer europäischen Friedensordnung und eines gedeihlichen Zusammenlebens hätte sich daraus entwickeln können!

Voraussetzung dafür wäre freilich gewesen, dass eine Wandlung hin zu einer selbstkritischen Einstellung, zur Bereitschaft, in der Sowjetunion einen Partner zu sehen, und zu einer Haltung hin zu nationalem, auch europäischem Selbstbewusstsein. Davon war nichts zu spüren — was uns heute zum finalen Verhängnis wird. Wenn Geschichte über den Kopf wächst, hat man versäumt, sie mit beiden Händen zu ergreifen. Wir erleben derzeit ein Lehrbeispiel für Gehirnwäsche mit schleichender Langzeitwirkung. Da sind verheerende Einschläge vorprogrammiert.

Die verhetzte und verlogene Einstellung, die gegenüber einem Gegner zur Anwendung kommt, ist der Brutkasten für fatale Autosuggestionen, begleitet von Paranoia, Hysterie und anderen Irrationalismen. Nur so konnte es in totaler Verkennung der Realitäten zu der Vorstellung kommen, sich leisten zu können, einen aufrechten, niemals vertragsbrüchig gewordenen oder betrügerisch vorgegangenen Partner zu verprellen.

Was für eine Fehleinschätzung, die innere Stärke Russlands als unterlegen zu sehen gegenüber unserer zerfaserten Bubblegum-Ökonomie mit ihren Bilanzfälschungen sowie jeder Menge Influencern, Followern und anderen Konsumidioten, die nicht bis drei zählen können und jeden inneren Kompass für selbstständige Entscheidungen verloren haben. Deutschland wird gerade, wie Michael Hudson konstatiert hat, zum dritten Mal von den USA besiegt — diesmal mithilfe einer gut geschmierten Vasallenmaschinerie mit unzähligen IMs und Kollaborateuren. Sie sitzen auf hohen Rossen und merken nicht, wie müde die armen Gäule sind. Das Kartenhaus wird zusammenfallen, wenn Deutschland — und mit ihm Europa — nicht zur Besinnung kommt.

Eine Sprechpuppe schnatterte vor der Weltöffentlichkeit, sie wolle „Russland ruinieren!“, und, um Michael Moore zu zitieren, „alle Fernseher applaudierten“. Wenn der Gegner so gesehen wird, wie man sich ihn wünscht, hat man nach Sun Tzu den ersten Schritt in Richtung des eigenen Scheiterns getan. Herodot und Aristoteles überlieferten die Frage, die König Kroisos an das Orakel von Delphi stellte: ob er des göttlichen Beistands gewiss sein könne, wenn er die Perser angreife. Die Antwort interpretierte er als Zustimmung für sein Vorhaben: „Du wirst ein großes Reich zerstören.“ Vielleicht findet sich ja in der Umgebung von Barbiebock eine Person, die ihr den Witz der Anekdote erläutert.


Quellen und Anmerkungen:

(1) New York Times, 2. März 1991, zitiert nach Howard Zinn, Geschichte des (US-)amerikanischen Volkes, Berlin 2007, 613
(2) Siehe hierzu Tom-Oliver Regenauer: Sie waren nie weg. Neonazi-Strukturen werden seit dem Kalten Krieg durch westliche Geheimdienste gefördert — in der Ukraine fallen diese Strömungen historisch bedingt auf fruchtbaren Boden, Rubikon, 6. Mai 2022, https://www.rubikon.news/artikel/sie-waren-nie-weg, oder Susann Witt-Stahl: Verblendet durch die Schwarze Sonne. Die Kiewer Regierung und ihre westlichen Partner leugnen beharrlich die Gefahr, die von militanten Rechtsradikalen ausgeht — zunehmend aggressiv seit der Eskalation des Krieges gegen Russland, Hintergrund, 9. Mai 2022, https://www.hintergrund.de/politik/welt/verblendet-durch-die-schwarze-sonne/; Toralf Laibtzsch, Faschismus in Blau-Gelb, Rubikon, 19. Mai 2022 https://www.rubikon.news/artikel/faschismus-in-blau-gelb.
(3) SZ, 12. Februar 2007
(4) Siehe Stefan Ulrich: Zum ewigen Unfrieden, SZ vom 19./20. Juli 2014
(5) Siehe etwa James Warburg: Germany. Key to Peace, Harvard 1953; Wilfried Loth: Die Teilung der Welt 1941-1955, München 1980, 282 fortfolgende; Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Russlands, Bonn 2006, oder auch Valentin Falin: Politische Erinnerungen, München 1993, 305 fortfolgende
(6) Siehe sehr aufschlussreich und von Albrecht Müller in Erinnerung gebracht die Debatte im Deutschen Bundestag vom 23. Januar 1958, 384 fortfolgende beziehungsweise 401 fortfolgende
(7) Siehe Erich Fromm: Die Anatomie der menschlichen Destruktivität, Reinbek 1988, 458 folgende
(8) Siehe Johnson: Ein Imperium verfällt. Ist die Weltmacht USA am Ende? München 2000, 19 fortfolgende, 289 fortfolgende
(9) Vergleiche nur Jimmy Dore: U.K. Orders Zelensky To Stop Peace Negotiations with Russia, JimmyDoreShow, 10. Mai 2022, https://www.youtube.com/watch?v=bj5pBU_rbNE&t=5s; Sevim Dagdelen: Wie ein Verhandlungsfrieden im Ukrainekrieg torpediert wird, NachDenkSeiten, 16. Mai 2022, https://www.nachdenkseiten.de/?p=83910#more-83910, oder Jens Berger: Billionen für die Ukraine — am Ende werden wir die Zeche zahlen, NachDenkSeiten, 16. Mai 2022, https://www.nachdenkseiten.de/?p=83923#more-83923
(10) Siehe Erich Später: Der Dritte Weltkrieg. Die Ostfront 1941-45, St. Ingbert 2015, 245 fortfolgende; dort angegeben: Bernhard Fisch: Nemmersdorf, Oktober 1944. Was in Ostpreußen tatsächlich geschah, Berlin 1997; Eva Hahn/Hans Henning Hahn: Die Vertreibung im deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte, Paderborn 2010


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 24.05.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Ukraine im Spiegel westlicher Medien

Die Verlautbarungen von Politikern und Medien über die Entwicklung in der Ukraine sind überwiegend realitätsfern, begründet Larry C. Johnson.

„Den Krieg in der Ukraine in den Kontext stellen“

Mit diesem Titel überschrieb Larry Johnson einen Beitrag auf seinem Blog am 27.05.22. Seiner Auffassung nach fehlt dieser Realitätssinn in vielen Aussagen.

Deutsche Medien übernehmen vielfach die Beiträge und „korrigieren“ Sie gegebenenfalls, wie beispielsweise Thomas Röper unlängst nachwies.

Ähnlich wie Larry Johnson kommentierte am 27.05.2022 auf Consortiumnews Caitlin Johnstone: WaPos Blick auf das Schlachtfeld“.

Lesen Sie die beiden Beiträge und bestimmen Sie selbst Ihre Sicht. Den Beitrag der Australierin Caitlin Johnstone, in dem Sie einen Bericht der Washington Post aufgreift, können Sie hier nachlesen. (Für eine deutsche Übersetzung links unten auf den „Translate“-Button klicken und die Sprache auswählen.) Den Beitrag von Larry Johnson habe ich nachfolgend übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Westliche Medien, Experten und Politiker haben sich zähneknirschend damit abgefunden, dass Russland in der Ukraine die Oberhand gewinnt und die ukrainische Armee besiegt. Dennoch geben sie sich alle Mühe, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Ukraine noch eine Chance hat, wenn sie nur eine Superwaffe bekommt, die das Spiel verändert. [*] Ich möchte Sie auf einen Rundgang durch die repräsentativen Medienberichte über den Konflikt mitnehmen, damit Sie den Geschmack der Berichterstattung genießen können. Den Anfang macht CNN:

Das US-Verteidigungsministerium erklärte am Freitag auf einer Pressekonferenz, dass Russland im Donbas weiterhin „schrittweise Fortschritte“ macht.

Die russischen Streitkräfte verstärken ihre Bombardierung von Gebieten in der Ostukraine, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Ukrainische Beamte im Osten geben zu, dass ihre Verteidigungskräfte unterlegen sind und zu wenig Waffen haben.

MSNBC ignoriert die Ukraine völlig. Es gibt zwar eine Rubrik mit dem Titel Ukraine: Freiheit oder Tod, die jedoch mit Videos bestückt ist, die vor mehr als einem Monat aufgenommen wurden.

FOX NEWS greift das CNN-Memo vom „schrittweisen Fortschritt“ auf:

Die von Russland unterstützten Separatisten behaupteten, sie hätten einen Eisenbahnknotenpunkt in der Ostukraine eingenommen, während Moskaus Streitkräfte am Freitag versuchten, weiteren Boden zu gewinnen, indem sie ein anderes von der Ukraine gehaltenes Gebiet bombardierten, in dem nach Angaben der Behörden seit Beginn des Krieges 1.500 Menschen gestorben sind.

Während die russische Offensive in der ukrainischen Industrieregion Donbass zunehmend Fortschritte macht, bezeichneten ukrainische Beamte den Kampf dort als ernst und forderten erneut hochentwickelte, vom Westen gelieferte Waffen.

Der ukrainische Außenminister plädierte für „Waffen, Waffen und nochmals Waffen“ und warnte, dass die ukrainischen Streitkräfte ohne neue ausländische Waffen nicht in der Lage seien, Russlands Vormarsch im Osten aufzuhalten.

Die Washington Post befasst sich mit einem CNN-Bericht, wonach Biden Langstreckenraketen in die Ukraine  schicken will:

Die Biden-Administration bereitet sich darauf vor, fortschrittliche Langstrecken-Raketensysteme in die Ukraine zu schicken, da das Land im Osten Verluste durch vorrückende russische Truppen erleidet, sagten Beamte der US-Administration und Kongressmitarbeiter. . .

Das Raketensystem war eine der wichtigsten Forderungen ukrainischer Beamter, die sagten, es sei notwendig, um den Vormarsch der russischen Streitkräfte einzudämmen, die am Freitag die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt Lyman erlangten und Moskau einen weiteren Sieg bei seiner Offensive in der ostukrainischen Region Donbas bescherten. CNN berichtete zuerst über die Vorbereitungen der USA zur Entsendung des Systems.

Die New York Times führt den Chor derer an, die behaupten, Russland sei zurückgeschlagen worden und müsse im Donbass nachlegen:

Nachdem es Russland nicht gelungen war, die ukrainische Regierung in Kiew zu stürzen, verlegte es seine Truppen für ein weit weniger ehrgeiziges Ziel: den Rest des Donbass zu erobern, über das Gebiet hinaus, in das Russland bereits vor einem Monat vorgedrungen war.

Russlands Militär hat eine überwältigende Überlegenheit an Waffen, wenn auch nicht an Männern – Panzer, Kampfflugzeuge, Hubschrauber und schwere Artillerie. Doch einen Monat nach Beginn der Schlacht um den Osten hat Russland nur allmähliche Fortschritte an der Ostfront gemacht.

Immer wieder musste das russische Militär die schwierige Tatsache akzeptieren, dass es nicht über die nötigen Kräfte verfügt, um an zu vielen Orten gleichzeitig zu kämpfen.

Das Gebiet, in dem die kritischsten Kämpfe stattfinden, ist nur 75 Meilen breit und umfasst drei wichtige Städte: Sloviansk, Kramatorsk und Sievierodonetsk.

Lassen Sie mich das in einen Zusammenhang stellen. Russland kämpft auf breiter Front und nimmt es mit ukrainischen Truppen auf, die in stark befestigten Gräben und Bunkern kauern. Seit Beginn der „besonderen Militäroperation“, auch Invasion genannt, am 24. Februar hat Russland den größten Teil der Südküste der Ukraine eingenommen. Die Schlacht um Mariupol gilt als die folgenreichste Stadtschlacht des 21. Jahrhunderts. Gleichzeitig stehen Russland und die Milizen der Republiken Donezk und Luhansk kurz vor der vollständigen Niederlage der ukrainischen Streitkräfte im Donbass.

Neben Mariupol hat Russland wichtige Städte im Donbass und in den angrenzenden Regionen unter seine Kontrolle gebracht, darunter Wasilewka in der Region Saporoschje, Cherson, Ljman und Popasna. Russland hat jetzt Sievierodonetsk umzingelt und mehrere tausend ukrainische Soldaten gefangen genommen. Was ich damit sagen will? Russland hat dies gegen gut bewaffnete, von der NATO ausgebildete Truppen erreicht, die aus Verteidigungspositionen heraus kämpfen. Die Ukrainer hatten Artillerie und einige Drohnen/Raketen. Russland hat all dies in weniger als zwei Monaten erreicht.

Hier also ein Vergleich. Schauen Sie sich an, was die Vereinigten Staaten in Vietnam und im Irak im Kampf gegen Kräfte geleistet haben, die nicht so gut ausgebildet oder bewaffnet waren wie die Ukrainer:

Die Schlacht von Huế – 7 Bataillone der U.S. Army und des Marine Corps, begleitet von 11 südvietnamesischen Bataillonen, kämpften mehr als einen Monat lang, um Huế, die alte kaiserliche Hauptstadt Vietnams, nach der Tet-Offensive des Vietcong im Januar 1968 zurückzuerobern.

Zweitens die Schlacht um Falludscha – Zwölftausendfünfhundert Marinesoldaten und 850 britische Soldaten kämpften mehr als einen Monat lang (7. November bis 23. Dezember 2004), um Falludscha im Irak von irakischen islamischen Aufständischen zu erobern und zu sichern.

Der Vietcong und die irakischen Aufständischen verfügten nicht wie die ukrainischen Truppen über Javelins, Stingers, Artillerie, Drohnen und stark befestigte Stellungen (d. h. Stahlbeton, die in den letzten acht Jahren gebaut wurden). Es ist keine russische Lobhudelei, anzuerkennen, dass die russischen Truppen mit Unterstützung der LPR- und DPR-Milizen bemerkenswerte und substanzielle Fortschritte vor Ort gemacht haben und dass die Ukraine die tatsächliche Kontrolle über den Donbass (ganz zu schweigen von ihrer Südküste) verloren hat.

Ende der Übersetzung

*Erinnert mich an die NS-Propaganda über die „Wunderwaffen“, mit der das faschistische Deutschland die Niederlage Hitler-Deutschlands verhindern wollte. – T. S.

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Symbol einer Gesinnung von Fraktionen verleugnet

Das verleugnete Symbol

Die Fraktionen des Bundestages äußern sich zu dem Instagram-Post des ukrainischen Präsidenten mit dem Abzeichen der SS-Totenkopf-Division.

von Jens Bernert

Der 9. Mai ist in Osteuropa der Tag, an dem der Sieg über Hitlers Wehrmacht und das Ende des Zweiten Weltkrieges gefeiert wird. Ausgerechnet an diesem Tag postete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seinem Instagram- sowie Telegram-Account ein aktuelles Bild eines ukrainischen Soldaten, welcher auf seiner Kampfmontur das Nazisymbol der SS-Totenkopf-Division aus dem Zweiten Weltkrieg trägt (1, 2). Die Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU, FDP, Grüne, AfD und Linke äußerten sich nun auf eine Presseanfrage hin zu dem Vorfall. Die SPD steht dabei mit ihrer Antwort ziemlich alleine da im Politik- und Medienzirkus.

Der SS-Totenkopf-Beitrag des ukrainischen Präsidenten verweilte nur eine halbe Stunde bei Instagram, dann wurde er gelöscht. Auch bei Telegram war er nach einiger Zeit nicht mehr zu finden. In der Zwischenzeit wurden, wie heutzutage üblich, jedoch zahlreiche Screenshots der Nachricht angefertigt. Ebenso verwendete das ukrainische Innenministerium am selben Tag das gleiche Bild in den „sozialen Medien“.

Weitere Bestätigung des Vorfalls

Der Vorfall erregte im Internet einiges an Aufsehen, wobei die Medien eher spärlich darüber berichteten. Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek bestätigte den Post Selenskyjs samt Verweis auf eine Archivseite mit dem Telegram-Beitrag in einem „Fact Check“ über Anschuldigungen, Sky News habe ein Interview abgebrochen, nachdem in diesem der Selenskyj-Nazi-Post vom Interviewten gezeigt wurde:

Bild

Screenshot-Ausschnitt aus Newsweek-Beitrag zu angeblicher Zensur des Selenskyj-SS-Totenkopf-Fotos (3).

„Wie aus dem Interview hervorgeht, hat Sky News Polyanskiy nicht zu kurz kommen lassen, um ihn zu zensieren. Der UN-Delegierte hatte ausreichend Zeit, um auf die Frage zu antworten, ob russische Soldaten ähnliche Gräueltaten wie die Nazis im Zweiten Weltkrieg begehen würden. Stattdessen kam er auf das Foto zu sprechen, das auf Selenskyjs Instagram- und Telegram-Seiten veröffentlicht und später gelöscht wurde und auf dem ein Soldat mit einem Totenkopf zu sehen war, der mit der deutschen SS assoziiert wird.“

Bild

Screenshot der von Newsweek verlinkten Archiv-Seite mit dem Telegram-Beitrag Selenskyjs samt SS-Totenkopf (4).

Zwar handelt es sich bei diesem Zeigen eines Nazisymbols hinsichtlich der Ukraine um keinen Einzelfall, allerdings übertrifft die Kombination „9. Mai plus ukrainischer Präsident“ wohl alles bisher da gewesene (5 bis 10). Angesichts der deutschen Vergangenheit würde man starke Stellungnahmen der deutschen Parteien zu diesem Vorfall erwarten.

Eine Presseanfrage an die Fraktionen des Deutschen Bundestages vom 11. Mai 2022 sollte den sechs Fraktionen des Hohen Hauses Gelegenheit geben, sich in beliebigem Umfang zu dem Thema zu äußern. „Wir haben doch von nichts gewusst“ trifft nicht mehr zu.

Die Presseanfrage sowie die Antworten darauf werden hier im Folgenden vollständig dokumentiert. Das Bild zur Presseanfrage zeigt einen Screenshot von Selenskyjs Instagram-Post sowie der Wikipedia-Seite zur SS-Totenkopf-Division (11).

Die Presseanfrage

Stellungnahme Selenskyj-Vorfall

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich stelle gerade Presseanfragen an die Fraktionen des Bundestages und würde mich freuen, wenn auch Ihre Fraktion beziehungsweise Pressestelle die folgende Anfrage im Laufe des heutigen Tages oder spätestens morgen Vormittag beantworten könnte:

Am 9. Mai 2022, dem Gedenktag zur Kapitulation der Wehrmacht 1945, postete der ukrainische Präsident Selenskyj bei Instagram ein aktuelles Foto eines ukrainischen Soldaten mit dem Emblem der SS-Division Totenkopf auf dem Kampfanzug. Das gleiche Foto wurde auch vom ukrainischen Innenministerium verwendet.

Wie beurteilen Sie diesen Vorfall?

Einen Screenshot mit dem Selenskyj-Bild finden Sie zu Ihrer Information anbei im Anhang. Ihre Antwort sowie die Antworten (oder Nicht-Antworten) der anderen Bundestagsfraktionen würde ich gerne in einem Artikel über den Vorfall veröffentlichen, der vermutlich in mehreren Magazinen erscheinen wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Jens Bernert
blauerbote.com
sowie diverse weitere Magazine

Bild

Die Antwort der AfD-Fraktion

Die Bundestagsfraktion der AfD antwortete nicht auf die Presseanfrage.

Die Antwort der CDU-CSU-Fraktion

In einer kurzen Rückantwort fragte der CDU-CSU-Pressesprecher nach einem telefonischen Kontakt. Auf die Bitte hin, sich schriftlich zu äußern, gerne auch in einem lediglich kurzen Statement, kam leider keine weitere Rückmeldung durch die CDU/CSU. Es kann vermutet werden, dass die CDU-CSU-Fraktion sich nicht zu dem Thema schriftlich äußern möchte.

Die Antwort der FDP-Fraktion

Die Bundestagsfraktion der FDP antwortete nicht auf die Presseanfrage.

Die Antwort der Grünen-Fraktion

Die Bundestagsfraktion der Grünen antwortete nicht auf die Presseanfrage.

Die Antwort der Linksfraktion

Die Bundestagsfraktion von Die Linke antwortete nicht auf die Presseanfrage.

Die Antwort der SPD-Fraktion

„Wir konnten die Echtheit des Screenshots nicht verifizieren, es handelt sich offensichtlich um Fake News. Die bewusste Verbreitung von Falschnachrichten ist ein Teil hybrider Kriegsführung. Viele Fake-News-Kampagnen sind hochprofessionell und wirken wie seriöse Berichterstattung. Häufig ist Propaganda daher nicht unmittelbar als solche zu erkennen. Dagegen hilft am besten mediale Aufklärung. Die SPD-Fraktion im Bundestag hat bereits im März 2017 ein umfassendes Positionspapier zum Umgang mit Fake News im Netz beschlossen, auf das ich sehr gerne hinweise: https://www.spdfraktion.de/themen/so-will-spd-fraktion-gegen-fake-news-hass-sozialen-netzwerken-vorgehen“ (12).


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.nachdenkseiten.de/?p=83759
(2) https://uncutnews.ch/sky-news-interview-wird-nach-erwaehnung-von-zelensky-der-einen-soldaten-mit-ss-abzeichen-postet-abgebrochen/
(3) https://www.newsweek.com/fact-check-was-russian-delegate-censored-sky-news-over-nazi-claims-1705761
(4) https://archive.ph/6Dan9
(5) https://www.nachdenkseiten.de/?p=83759
(6) http://blauerbote.com/2022/03/03/spiegel-nimmt-nazi-video-nach-protesten-vom-netz/
(7) http://blauerbote.com/2021/12/28/uno-generalversammlung-nur-usa-und-ukraine-stimmen-gegen-verbot-der-glorifizierung-der-nazis/
(8) http://blauerbote.com/2022/04/10/ukraine-geheimdienst-mit-ss-runen-und-ss-division-galizien-auf-der-uniform/
(9) http://blauerbote.com/2022/03/04/klitschko-und-nazis/
(10) https://www.anti-spiegel.ru/2019/bild-verantwortlicher-fuer-politik-bezeichnet-das-hissen-von-hakenkreuzflaggen-als-humor/
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/SS-Division_Totenkopf
(12) https://www.spdfraktion.de/themen/so-will-spd-fraktion-gegen-fake-news-hass-sozialen-netzwerken-vorgehen


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 13.05.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Beiträge und Artikel anderer Autoren müssen nicht die Sichtweise der Webseiteninhabers widerspiegeln, sondern dienen nur der vergleichenden Information und Anregung zur eigenen Meinungsbildung.


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Neonazi-Strukturen von Geheimdiensten gefördert

Sie waren nie weg

Neonazi-Strukturen werden seit dem Kalten Krieg durch westliche Geheimdienste gefördert — in der Ukraine fallen diese Strömungen historisch bedingt auf fruchtbaren Boden.

von Tom-Oliver Regenauer

Dass die Ukraine ein massives Nazi-Problem hat, ist nichts Neues. Dass westliche Geheimdienste seit den 1950er-Jahren aktiv den Aufbau internationaler rechtsradikaler Netzwerke fördern, wird jedoch gerne außer Acht gelassen. Dabei ließe sich eine beinahe unendliche Liste an Beispielen mit derlei Kollaborationen aufführen. Kurzum — der Wertewesten hat keine Berührungsängste mit bekennenden Nazis, wenn die Zusammenarbeit den Machtinteressen zweckdienlich ist. Dies zeigt sich nun abermals in der Ukraine. Flankiert wird dieses anrüchige Zusammenspiel von einer Propaganda- und Zensurmaschinerie, die durch den digitalen Fortschritt mittlerweile ungemein verfeinert wurde.

„Die Vereinigten Staaten haben keine Freunde oder Verbündeten, nur Interessen“ (Henry Kissinger).

Die Situation in der Ukraine bleibt intransparent. Während die Medien der NATO-Hegemonie von Angriffskrieg, Genozid, Kriegsverbrechen, Massakern und vermeintlichen Giftgaseinsätzen Russlands schreiben, spricht das russische Fernsehen weiterhin von gezielten Militäroperationen, der Befreiung der Bevölkerung und Entnazifizierung des Donbass. Russische Hardliner fordern Putin zur besten Sendezeit auf, der Ukraine nun endlich offiziell den Krieg zu erklären, um den Konflikt entsprechend zu beenden.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn sie ist das erste Opfer eines jeden Krieges.

Beide Seiten betreiben Propaganda und führen derzeit einen Informationskrieg ungekannten Ausmaßes. Nur Triangulation auf Basis aller verfügbaren Informationen lässt eine halbwegs verlässliche Standortbestimmung zu. Umso verheerender ist der Umstand, dass in den westlichen Leitmedien — wie zur Coronakrise — lediglich eine frenetisch dogmatisierte Einheitsmeinung präsentiert wird.

Bei objektiver Analyse der hegemonialen Berichterstattung fällt jedoch sofort auf, dass viele der Meldungen über russische Angriffe und Gräueltaten substanzlose Behauptungen sind. Eine aufschlussreiche und detaillierte Analyse der militärischen Lage in der Ukraine lieferte Jacques Baud am 5. April 2022 für Uncut-News aus der Schweiz. Baud ist ehemaliger Oberst des Generalstabs, ehemaliges Mitglied des strategischen Nachrichtendienstes der Schweiz und Spezialist für die östlichen Länder. Seine Ausführungen unterstreichen: Vieles in den westlichen Medien wirkt fabriziert. Gestellt. Propaganda eben. Vom russischen Sturm auf Kiew über vermeintliche Giftgaseinsätze, falsche Zeugen und Dutzende miserabel editierte Videos bis hin zum angeblichen Massaker in Butscha — wo der ukrainische Bürgermeister noch am Tag vor der Meldung über das russische Massaker freudig in einem Videobeitrag erklärte, die Stadt sei befreit, friedlich und die russische Armee zurückgedrängt.

Ein Massaker, Leichenberge oder Massengräber erwähnte er mit keinem Wort. Die Firma, die das entlarvende Satellitenbild für den entsprechenden Hetz-Artikel der New York Times lieferte, auf dem nach offiziellen Angaben Straßenzüge voller Leichen zu sehen waren, Maxar, ist ein Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der USA und gehört vornehmlich den Investment-Riesen Blackrock und Vanguard. Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Beweisbildes hatte Maxar nachweislich keinen Satelliten über dem betreffenden Gebiet verfügbar. Noch dazu hätten die fotografierten Leichen gemäß offiziellen Zeitangaben bereits seit knapp drei Wochen auf der Straße liegen müssen.

So sehen diese auf einem Video aus Butscha allerdings nicht aus. Im Gegenteil. Im Rückspiegel des Autos, aus dem das betreffende Video gefilmt wurde, sieht man deutlich, wie einer der verstreut herumliegenden, vermeintlich leblosen Körper den Kopf bewegt und sich erheben möchte. Ein andere Leiche bewegt die Hand. Die offensichtliche Inszenierung lässt sich auch durch einen hilflosen Faktencheck der Deutschen Welle, der die Bewegung der Leiche mit der Krümmung des Rückspiegels begründet, nicht aus der Welt schreiben. Nicht zu erwähnen die stümperhaft dargestellte Betroffenheit Ursula von der Leyens, die den vermeintlichen Tatort medienwirksam besuchte, um die Stimmung gegen Russland weiter anzuheizen.

Der russische Giftgaseinsatz wurde am 11. April 2022 ebenfalls als Faktum dargestellt. Als Verifikation der Meldung genügte den Westmedien die Tatsache, dass sie aus der Ukraine stammte. Eigene Recherche? Falsifikation? Fehlanzeige. Auch die Tatsache, dass die Nachricht vom rechtsradikalen Asow-Bataillon kam, beunruhigte in den hegemonialen Redaktionen anscheinend niemanden. Die Schlagzeile ging um die Welt. Nur drei Tage später ruderte man, wie bei der CBC, allgemein zurück und musste eingestehen, dass auch nach Tagen keine Beweise für die Behauptungen aus der Ukraine über Giftgaseinsätze Russlands vorlagen. Die Leitmedien änderten kurzerhand den Tenor und fragten nun, was zu tun sei, „wenn“ der Kreml derartige Waffen einsetze. Von einer Korrektur der initialen Meldung oder genaueren Untersuchungen der, falls zutreffend, äußerst schwerwiegenden Anschuldigung keine Spur.

Die beiden Beispiele zeigen exemplarisch, wie substanzlos die Berichterstattung abhängiger Medien in Kriegszeiten ist. Denn sie sind die mächtigsten Waffen in einem Krieg, den die Menschheit so noch nie geführt hat, dem totalen Informationskrieg. Ob sich dieser zu einem heißen Konflikt entwickelt und über die Ukraine hinaus eskaliert, ist aktuell unklar. Wenn Säbelrasseln, Kriegsangst und Lieferengpässe der internationalen Oligarchie nicht als Hebel genügen, um die dystopischen Visionen einer technokratischen, multipolaren Weltordnung des digitalisierten Stakeholder-Kapitalismus umzusetzen, liegt das durchaus im Bereich des Möglichen. Auch wenn die damit einhergehende, großflächige Zerstörung der im Zuge der vergangenen zwanzig Jahre errichteten Überwachungsinfrastruktur einen vernichtenden Welt- oder Nuklearkrieg derzeit eher unwahrscheinlich wirken lässt.

Bei den Vereinten Nationen (UN) erweckt aktuell jedenfalls eher die NATO als Russland den Eindruck, den Konflikt eskalieren lassen zu wollen. Warum sonst verhindern die Briten eine von Russland geforderte Sondersitzung der UN zum vermeintlichen Giftgaseinsatz?

Wieso bleiben diverse andere Ungereimtheiten, die der russische Außenminister Sergei Lawrow vor der UN-Vollversammlung mittels Dokumenten und Fotos aufzeigte, seitens des Staatenbundes unkommentiert? Sollte dieser nicht generell an Aufklärung und Mediation eines derartigen Konfliktes interessiert sein? Warum gibt es nach wie vor kein verlässliches Bildmaterial, das die Kampfhandlungen in der Ukraine und vor allem die russischen Angriffe dokumentiert, wie das beim Golf- oder Kosovokrieg der Fall war? Immerhin handelt es sich nach Angaben der Westmächte um eine massive Offensive und eine weitreichende Invasion von Putins Truppen. Das Verhalten der UN, der Westmächte, der hegemonialen Medien sowie des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses gibt derzeit allen Grund zur Annahme, dass diese Parteien an einer Ausweitung der Kampfhandlungen interessiert sind.

Die Neonazi-Strukturen in der Ukraine

Es liegt somit vorerst im Dunkeln, ob die internationale Technokratie supranational koordiniert vorgeht und den Konflikt in der Ukraine in übergeordnetem Einvernehmen führt, um mittels Narrativ und begrenztem Militäreinsatz eine gemeinsame Agenda 2030 umzusetzen, oder ob es sich um einen echten Machtkampf um Führungsanspruch in der neuen multipolaren Weltordnung handelt. Während also unstrittig ist, dass Kampfhandlungen in der Ukraine stattfinden, ist sehr wohl fraglich, wer dort gegen wen kämpft, was genau die ukrainischen Kräfte im Donbass treiben und inwieweit Russland dort tatsächlich militärisch offensiv agiert. Denn bisher führen bei der Suche nach dem eigentlichen Aggressor alle Spuren in die USA. Und je weiter man in der Geschichte zurückblickt, desto düsterer sind die Zusammenhänge mit der Gegenwart.

Während nämlich hinlänglich bekannt ist, dass die USA maßgeblich an den Vorbereitungen der Maidan-Revolution sowie dem Regimewechsel in der Ukraine beteiligt waren und seit mindestens einem Jahrzehnt mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) versuchen, das Land nach dem Vorbild der Pax Americana zu „demokratisieren“, wird die Tatsache, dass man in Washington schon seit über einem Jahrhundert mit Eugenikern und Nazis sympathisiert, kollaboriert und diese finanziert, gerne unter den Tisch gekehrt. Dabei lassen sich die Ursprünge des massiven Nazi-Problems der heutigen Ukraine bis auf das Ende des Zweiten Weltkrieges zurückverfolgen. Der rote Faden: die CIA.

Dass in der heutigen Ukraine ein ernsthaftes Nazi-Problem besteht, können die Leitmedien trotz massiver Zensur gegenüber allem, was mit Russland und dem aktuellen Konflikt zu tun hat, nicht gänzlich unterdrücken, wie ein Artikel der Frankfurter Rundschau vom 20. April 2022 belegt, der die Verbindungen des ungehobelt auftretenden Botschafters der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, zum ultrarechten Asow-Bataillon dokumentiert.

Oder ein CNN-Beitrag vom 30. März 2022, der ebenfalls die Schlüsselrolle der Asow-Nazis in der ukrainischen Armee betont. Selbst die Washington Post kommt am 6. April 2022 nicht umhin, das Kind beim Namen zu nennen und die rechtsradikalen Asow-Milizen als führende Kraft der ukrainischen Verteidigung zu beschreiben. Daily Veracity berichtet jüngst, dass sich die rechtsradikalen Kämpfer des neuen EU-Protektorats bevorzugt und massiv mit Captagon aufputschen, einer Meth-ähnlichen Droge, die auch schon in Syrien Konjunktur hatte und das Schmerzempfinden reduziert.

Bis zum Beginn der russischen Operation im Donbass war das Thema, ebenso wie die Korruptionsvorwürfe gegen Selenskyj und sein Clan-Regime, das in den „Pandora-Papers“ mehrfach Erwähnung findet, auch in den Leitmedien offen angesprochen worden, wie mein Beitrag vom 27. März 2022 veranschaulicht. Schon im März 2018 berichtet THE HILL davon, dass der US-Kongress Gelder für die Unterstützung des ultrarechten Asow-Bataillons, das nur Nazis aufnimmt, sperrt und die Zahlungen blockiert — was kurze Zeit später auf Druck des Pentagons rückgängig gemacht wurde. Und die Jerusalem Post publizierte noch am 20. April 2022 einen Artikel, der untersucht, warum Neonazi-Milizen in der Ukraine auch israelische Waffen im Gefecht einsetzen.

Seit der Ukrainekonflikt die Coronakrise blitzschnell von den Titelseiten verdrängt hat, scheint sich niemand in den hegemonialen Redaktionen mehr daran zu stören, bekennende Nazis zu unterstützen.

Und das Asow-Bataillon ist nur eine von vielen offen rassistischen Gruppierungen in der Ukraine. Daneben existieren unter anderem die seit den 1940er-Jahren bestehende 72nd Mechanized Brigade, deren Ehrenmitglied, Oleksiy Arestovych, heute Selenskyj berät, die Georgian Legion oder die Patriot of Ukraine-Organisation, die angeblich 2014 aufgelöst wurde. Wie diese Gruppierungen hinsichtlich der zumeist über russische Wurzeln verfügenden Menschen im Donbass denken, zeigt ein Interview mit dem ukrainischen Journalisten Bohdan Butkevych, der offen ausspricht, was die Ziele des Asow-Bataillons und seiner Schergen sind, wenn er ausführt:

(..) „dass im Donbass mindestens 1,5 Millionen unnötige Menschen leben, (..) dass es eine bestimmte Kategorie von Menschen dort gibt, die man einfach töten sollte.“

Der verlinkte Faktencheck zu diesem Videointerview möchte die Aussagen als Zusammenschnitt russischer Propagandakanäle entkräften, bestätigt aber ironischerweise einfach nur die Authentizität des Videos. Bemängelt wird von „Stop Fake“ außerdem fehlender Kontext bei verkürztem Zitat des Videos in manch einem Social-Media-Portal. Diesen Kontext bietet „Stop Fake“ nun nach eigenem Empfinden, indem der Online-Pranger den gesamten Text von Butkevych anführt — der aber nichts relativiert oder entkräftet und nach wie vor offen einen Genozid im Donbass fordert. Daran gibt es keinen Zweifel.

Wes Geistes Kind das Regime in Kiew ist, verdeutlicht auch der Umstand, dass ein faschistisches Projekt wie das Myrotvorets-Archiv in der Ukraine nicht verboten ist. Die Webseite der Organisation listet fast 190.000 sogenannte Feinde der Ukraine öffentlich auf, samt Adressen und Telefonnummern, und wächst täglich. Wer russischer und ungarischer Herkunft ist oder gegen das Regime in Kiew wettert, landet auf dem Online-Pranger. Und nicht wenige Personen, die neu auf der Liste erscheinen, werden binnen weniger Tage ermordet.

Das Asow-Netzwerk funktioniert wohl als Label oder Dachverband für versprengte neonazistische Einheiten und hat über die zurückliegenden zwanzig Jahre Regierung, Militär, Justiz und Polizei der Ukraine erfolgreich infiltriert, sodass es heute das dominante Netzwerk im Staatsapparat des Landes darstellt und Schlüsselpositionen besetzt.

Finanziert, trainiert und vernetzt von der CIA und ihren NGO-Vehikeln wie USAID, NED oder WEF. Dass die hegemonialen Kräfte seit 2014 mit finanziellen Mitteln den Lauf der Dinge in Russlands Nachbarstaat bestimmen, ist nichts Neues. Dass die CIA dort seit einer Dekade offen und mit Unterstützung des Pentagon Nazi-Gruppierungen unterstützt, war in der Vergangenheit ebenfalls kein Geheimnis, wie entsprechende Artikel aus der Zeit vor Russlands Einmarsch im Donbass belegen. Aber dass die CIA schon seit 1953 in der Ukraine engagiert ist und rechte Strömungen monetär wie organisatorisch unterstützt, dürfte dagegen weniger bekannt sein.

Das verdeckte Aufbauen und geopolitische Instrumentalisieren von Extremisten in fremden Ländern hat in der angloamerikanischen Elite Tradition. So finanzierte die amerikanische Hochfinanz, namentlich unter anderem Prescott Sheldon Bush, nicht nur Adolf Hitler und die NSDAP bis zum offiziellen Kriegseintritt der Vereinigten Staaten am 11. Dezember 1941, auch eine Al Kaida wäre ohne Zutun aus Washington nicht denkbar gewesen. Die amerikanischen Nachrichtendienste haben überall auf der Welt ihre Finger im Spiel. Die Liste ist endlos. Umso interessanter für das Verständnis der aktuellen Situation ist der Umstand, dass sowohl die CIA als auch der englische MI6 bereits Anfang der 1950er-Jahre rechtsradikale Formationen in der Ukraine unterstützten, um anti-russische Ressentiments zu schüren und amplifizieren.

Die USA und rechte Strömungen — Chronik einer engen Zusammenarbeit

Ein deklassifiziertes Geheimdokument der CIA vom 13. Juli 1953 belegt, dass mit „Project Aerodynamic“ und „Project Capacho“ schon zu diesem Zeitpunkt psychologische Kriegsführung sowie handfeste Militär- und Geheimdienstoperationen gegen die Supermacht auf der Agenda der westlichen Siegermächte standen, obwohl der Zweite Weltkrieg gerade erst sein Ende gefunden hatte. Ein Artikel von Investigativ-Journalist Wayne Madsen vom 14. Januar 2016 beleuchtet diese Hintergründe und erklärt, warum das Asow-Bataillon als historischer Nachfolger der Nazi-Gruppen aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute dem ukrainischen und in München begrabenen Nazi-Führer Stepan Bandera huldigt. Ein Banner des Nazi-Idols zierte gar prominent den Eingang der Zentrale des Euromaidan im Jahr 2014 — dem Hauptquartier der vermeintlichen Demokratisierung der Ukraine.

Zum Geburtstag von Stepan Bandera finden in der Ukraine regelmäßig riesige Gedenkmärsche statt, wie die Times of Israel am 1. Januar 2022 moniert. Auch die WELTEXPRESS publizierte 2019 einen entsprechenden Artikel. Über die 69 Jahre umspannende Geschichte der Unterstützung von Nazitum in der Ukraine seitens der CIA und die Rolle von Stepan Bandera berichtete auch truthundercover am 27. März 2022. Der Enkel von Bandera, Steve, lebt gemäß einem Artikel der israelischen Zeitung HAARETZ vom 22. August 2019 derzeit übrigens in Kanada und versucht, die Nazi-Verbrechen seines Großvaters als russische Propaganda zu verharmlosen, um jüdische Holocaust-Opfer und hochrangige Rabbis dazu zu bewegen, „die historische Identität der Ukraine zu akzeptieren“.

Das „Institute for Policy Studies“ berichtet schon in einem Beitrag vom 1. Mai 2001 ausführlich über die skrupellose Kollaboration der CIA mit Nazis in Deutschland und anderen Ländern. Zudem spannt der entsprechende Text den zeitlichen Bogen weiter und verweist auf die Organisation Gehlen, die Vorläuferorganisation des Bundesnachrichtendienstes. Sie wurde nach Reinhard Gehlen benannt, der unter Hitler die Position des Leiters der Abteilung Fremde Heere Ost in der Wehrmacht innehatte. Gehlen war Nazi durch und durch. Trotzdem wurde er im Rahmen der Nürnberger Prozesse nur als Mitläufer eingestuft und kurz nach dem Krieg eine Schlüsselfigur für die CIA in Deutschland. Über diese unrühmliche Gründungsgeschichte des deutschen Auslandsgeheimdienstes schrieb die WELT am 1. April 2016: „Lügen und fiese Tricks — so entstand der BND“.

Der BND beschäftigte nach seiner offiziellen Gründung so illustre Gestalten wie die Tochter von Heinrich Himmler, Gudrun Burwitz, wie der englische Independent im Juni 2018 dokumentiert. Auch der „Schlächter von Lyon“, Klaus Barbie, grausamer Chef von Hitlers Gestapo in Lyon und mehrfach verurteilter Kriegsverbrecher, arbeitete nach Kriegsende noch bis in die frühen 1970er-Jahre für den neuen deutschen Geheimdienst. Die Stern-Ausgabe Nummer 42 vom 9. Oktober 1980 enthält einen Artikel über Klaus Barbie, der zu diesem Zeitpunkt als Berater des Präsidenten von Bolivien Karriere machte. Er starb am 25. September 1991 an Krebs — 46 Jahre nach Kriegsende.

Auch Franz Six, im Jahre 1941 Chef des „SS-Vorkommando Moskau“, arbeitete, ungeachtet seiner Vergangenheit, für den BND — und damit die CIA. Ein entsprechender Artikel des Stern findet sich gar als Schwarz-Weiß-Scan einer Printausgabe auf der hauseigenen Archivseite der Central Intelligence Agency. Und die Liste lässt sich beliebig erweitern: SS-Standartenführer Walther Rauff, SS-Oberführer Dr. Friedrich Panziger, SS-Hauptsturmführer Dr. Hermann Hübig et cetera. Hartmann Lauterbacher, SS-Brigadeführer, Gauleiter von Hannover, Stellvertreter des Reichsjugendführers von Schirach, war als BND-Agent bis Ende der 1970er-Jahre gar „Berater des Sultanats Oman in Jugendfragen“.

Viele Top-Nazis entkamen der Strafverfolgung für lange Zeit. So auch Adolf Eichmann, der bis 1960 in Argentinien lebte und bei Mercedes-Benz in Buenos Aires gar zum Abteilungsleiter aufstieg. Selbst Josef Mengele, der sogenannte Todesengel, lebte erst in Argentinien und Paraguay, bevor er 1979 vor der Küste Brasiliens nach einem Herzinfarkt ertrank. Auch Hitlers Raketenbauer, SS-Mitglied Wernher von Braun, wurde nach 1945 noch zu einem hohen Tier bei US-Armee und NASA. Er posierte mit Walt Disney und arbeitete für die Präsidenten Eisenhower und Kennedy. Letzterer ernannte von Braun gar zum Technischen Direktor des amerikanischen Mondlandeprogramms. Mitsamt seinem aus Deutschland importierten Team von Ingenieuren sollte er dafür sorgen, dass die USA im Kampf um die Vormachtstellung im Weltraum gegen Russland Oberhand gewannen und behielten. Der Kalte Krieg war in vollem Gange. Der sogenannte Vater der modernen Weltraummedizin, Hubertus Strughold, machte dank der CIA und trotz Nazi-Vergangenheit ebenfalls Karriere bei der NASA — obwohl er den Großteil seines Wissens bei Experimenten mit und an KZ-Häftlingen erwarb, die er unter anderem in Unterdruckkabinen einfror und dabei regelmäßig umbrachte.

Man sieht: Die USA arbeiten auch mit Monstern zusammen, wenn es den hegemonialen Interessen der Supermacht dient.

Die Verwicklungen von US-Geheimdiensten in Aktivitäten des vermeintlich explodierenden inländischen Rechtsterrorismus sind jedoch auch in der Gegenwart nicht weniger grotesk. So legen FBI-Dokumente nahe, dass die USA über das von der CIA finanzierte Asow-Bataillon indirekt auch Nazi-Gruppen im eigenen Land unterstützen. Zum Beispiel bei den Unruhen in Charlottesville am 12. August 2017. Das Ziel: über die gezielte Lancierung eines als Terrorvereinigung klassifizierten Staatsfeindes im Inland den Polizeistaat der Vereinigten Staaten weiter auszubauen.

Über Verbindungen zwischen dem ukrainischen Asow-Bataillon und der 2017 ins Leben gerufenen amerikanischen Neonazi-Organisation „Rise Above Movement“ berichtete auch Bellingcat bereits am 15. Februar 2019 ausführlich. Und noch im Januar 2021 schrieb das TIME Magazine über die inspirierende Rolle, die das Asow-Bataillon für die internationale Neonazi-Szene einnehme, sowie über den Umstand, dass die ukrainischen Extremisten via Facebook weltweit erfolgreich für neue Mitglieder werben. Viele davon stammen aus den USA.

Das FBI hatte weiterhin keine Probleme damit, ein Buch von Kaleb Cole zu finanzieren, einem hochrangigen Mitglied der 2013 gegründeten und international vernetzten Neonazi-Gruppierung „Atomwaffen Division“, wie Gerichtsakten aus den USA belegen.

Der virtuelle Lesesaal (gesetzter Suchfilter des Links: Ukraine) der CIA ist aufgrund des „Freedom of Information Act“ eine ergiebige Ressource in Bezug auf Dokumente, welche die Nazi-Vergangenheit der angloamerikanischen Hegemonie im Allgemeinen und der Ukraine im Besonderen belegen. Ein kleiner Blick in die Vergangenheit führt so klar vor Augen, dass weder die USA noch Großbritannien jemals Berührungsängste zeigten, wenn es darum ging, mit Extremisten zusammenzuarbeiten, egal welchem politischen Spektrum diese zuzurechnen sind, um eigene Interessen durchzusetzen — wie in diesem Falle gegen Russland, der einzigen ernsthaften Konkurrenz für die angloamerikanische Hegemonie. Denn China ist keine Bedrohung, sondern lediglich ein sozioökonomisches Versuchslabor der Westmächte und wird seit Maos Zeiten von Washington aus kontrolliert. Die Hintergründe dazu beleuchtet mein Text Mao, Yale und die Hegemonie vom 21. Januar 2022.

Informationskrieg

In Anbetracht dieser Informationen muss man davon ausgehen, dass der westliche Turbokapitalismus schlichtweg das Ende seiner systemischen Halbwertszeit erreicht hat und in naher Zukunft implodiert — und dass somit ein eskalierender Krieg durchaus die Interessenlage der westlichen Hegemonie repräsentiert. Denn auch die ersten beiden Weltkriege waren aufgrund wirtschaftlicher Interessen losgetreten worden und primär auf subversives Treiben der angelsächsischen respektive angloamerikanischen Hochfinanz zurückzuführen. Gerissene Bänker finanzierten schon immer beide Seiten eines Konflikts, um an Ende an beiden Parteien verdienen zu können.

Früher wie heute: Das totalitäre System, also die supranationale, multipolare Weltordnung in Manifestation einer Superklasse von mittlerweile circa 7.000 Personen, die es mittels Korporatismus steuert, schafft sich überall auf der Welt die Bedrohungslagen, die es benötigt, um seine autoritäre und inhumane Politik vor der menschlichen Zivilisation zu legitimieren.

Denn täte es das nicht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, wäre es morgen bereits am Ende.

Im Hinblick darauf ist festzuhalten, dass eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 belegt, dass schon zu diesem Zeitpunkt circa 65 Prozent des weltweiten Internet-Traffics automatisiert erzeugt wurden. Von Bots. Es bedarf wenig Fantasie, um sich auszumalen, was das für Social-Media-Portale, die Effizienz von staatlicher Propaganda sowie die Abbildung und Wahrnehmung von Mehrheiten im Jahr 2022 bedeutet.

Die von Big Tech kuratierte Realität ist eine Simulation und das Internet auf seiner obersten Ebene tot. Kontrolliert und zensiert von einem unsichtbaren Wahrheitsministerium. Überdeutlich wird dies, wenn man einen Begriff wie Klimawandel bei Google eingibt. Denn obwohl Google in Sekundenbruchteilen meldet, zig Millionen von Suchergebnissen gefunden zu haben, ist auf Seite 39 und nach 385 angezeigten Links Schluss. Außer Beiträgen von staatlich anerkannten Stellen, die dem offiziellen Narrativ das Wort reden, findet sich absolut nichts. Kein freier Blog, keine unabhängige Studie, keine Gegenmeinung. Das gilt auch für den Ukrainekonflikt und andere Narrative.

Ja, es herrscht Krieg. Vielleicht sogar der Dritte Weltkrieg. Aber nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen einem neofeudalistischen, technokratischen System und der von ihm unterdrückten Menschheitsfamilie.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 06.05.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Beiträge und Artikel anderer Autoren müssen nicht die Sichtweise der Webseiteninhabers widerspiegeln, sondern dienen nur der vergleichenden Information und Anregung zur eigenen Meinungsbildung.


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Krieg im Donbass – kaum Anteilnahme

Der Krieg vor dem Krieg

Bereits vor Beginn der aktuellen Kampfhandlungen tobte in der Ukraine seit fast einer Dekade ein Bürgerkrieg, an dem der Westen wenig Anteil nahm.
von Katrin McClean

Seit Ende Februar dieses Jahres bewegt der Krieg in der Ukraine die ganze Welt. In diesen Tagen ist ein Buch erschienen, das Reportagen aus den vorangegangenen acht Jahren des militärischen Konfliktes in der Ukraine enthält, der bis zum Februar 2022 bereits über 14.000 Opfer forderte. „Der längste Krieg in Europa seit 1945“ hat der langjährige Russland-Korrespondent Ulrich Heyden sein neues Werk genannt. Ein wichtiges Buch, das von den Menschen in den umkämpften Gebieten im Donbass erzählt und damit eine klaffende Informationslücke füllt.

Der deutsche Journalist Ulrich Heyden lebt seit über dreißig Jahren in Moskau und hat die Ukraine, insbesondere die östlichen Gebiete im Donbass, seit Anfang 2014 mehrfach besucht und von der Situation der Menschen vor Ort berichtet.

In seinem neuen Buch „Der längste Krieg in Europa seit 1945“ präsentiert er eine lange Reihe lebensnaher Darstellungen, die einen ganz besonderen Rückblick auf die letzten Konfliktjahre ermöglichen. Heydens eigene Beiträge setzen ihren Schwerpunkt auf das Erleben und die Sichtweise jener Menschen, die am meisten von den Konflikten in der Ukraine betroffen waren und sind, den Bewohnern der selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk.

In klassischer journalistischer Manier vermittelt Heyden die jeweils aktuellen politischen Fakten und lässt verschiedene Interviewpartner mit ganz unterschiedlichen Ansichten und Erfahrungen zu Wort kommen.

Wie kaum anders zu erwarten, ergibt sich beim Lesen als Erstes die Erkenntnis: Die Sache ist komplex. Für einseitige Schuldzuweisungen ist hier kein Platz, das Geschehen lässt es einfach nicht zu.

Die Sammlung der journalistischen Beiträge aus acht Jahren ermöglicht dem Leser gerade durch ihre Abfolge einen aufschlussreichen Rückblick. Im ersten Kapitel werden wir zunächst mit dem Alltag eines Krieges konfrontiert, der seit 2014 im Donbass zur belastenden „Gewohnheit“ geworden ist. Einfache Menschen, Bewohner der Region, eine Journalistin, eine Lehrerin und andere berichten vom Leben unter den Artilleriebeschüssen der ukrainischen Armee. Menschen, auf die weder das Wort „Separatist“ oder gar „Terrorist“ zutrifft, die selbst kaum wissen, wie sie eigentlich in diesen Krieg geraten sind. Dass Artilleriefeuer auf zivile Einrichtungen nicht geeignet ist, um das Vertrauen in die neue Regierung in Kiew zu stärken, wird schnell nachvollziehbar.

Nach diesem ersten Eindruck nimmt uns Heyden mit auf eine Reise durch die letzten acht Jahre Konflikt im Donbass und macht mit Fakten und Umständen vertraut, die vielen Lesern neu sein dürften. In diesem Buch geht es einmal nicht um Spekulationen über lang gehegte geheime Nato-Pläne, ebenso wenig um vermeintlich historisch gewachsene russische Machtansprüche. Heyden verfolgt Monat um Monat und Jahr um Jahr die Entstehung und Aufrechterhaltung eines militärischen Konfliktes, dessen friedliche Lösung in immer weitere Ferne zu geraten schien.

Die meisten westlichen Medien haben sich bei der Bezeichnung der Regionen im Donbass für einen wertenden Begriff entschieden, es ist von „Separatistengebieten“ die Rede, an deren Spitze fast ausschließlich Russen stünden, die zudem vom russischen Geheimdienst gesteuert würden. Die Darstellungen legen nahe, die russische Armee sei in diese Gebiete einmarschiert und würde dort kriminelle russische Warlords unterstützen, die ihre Bevölkerung terrorisieren.

Schon im Vorwort schildert Heyden hier eine wesentliche Problematik: Deutschland hat seine Journalisten aus dem umkämpften Gebiet zurückgezogen. Der Journalist Heyden selbst war langjähriger Russland-Korrespondent für mehrere deutsche Tageszeitungen, die ihm alle 2014 die Zusammenarbeit kündigten.

Die offiziellen deutschen Medien beziehen ihre Nachrichten über die selbst ernannten Volksrepubliken aus Kiew, das heißt vom Pressezentrum einer Konfliktpartei. Für unabhängige Vorortberichte gibt es de facto eine Nachrichtensperre. Damit, so Heyden, hat sich Deutschland selbst in gewissem Sinne zur Kriegspartei gemacht.

Neutralität würde beinhalten, einen neutralen Beobachterstatus für alle Regionen der Ukraine zu wahren. Wie soll man friedliche Lösungen finden, wenn man sich objektiven Nachrichten und Informationen aus der Gegenseite verweigert?

Heydens Buch „Der längste Krieg in Europa seit 1945“ dokumentiert, indem er die Lage der Bewohner im Donbass schildert, auch gescheiterte Ansätze von Friedensbemühungen, worunter vor allem die einfachen Menschen vor Ort leiden.

Die Gründung der „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“

Das Völkerrecht sieht keine eindeutige Rechtslage für Abspaltungsbestrebungen — sogenannte Sezessionen — vor, so viel haben wir aus den Erfahrungen des Kosovo und der Krim gelernt. Was eine wie auch immer definierte „internationale Gemeinschaft“ in einem Fall schnell billigt, weist sie im anderen strikt zurück. Generell könnte man wenigstens anerkennen: Wenn die Bevölkerung einer ganzen Region den Versuch einer solchen politisch schwierigen Abspaltung unternimmt, dann sollte das handfeste Gründe haben.

In den Interviews von Ulrich Heyden wird schnell klar, welche Hoffnungen die Bewohner der heutigen „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“ mit den umstrittenen Gründungen verbanden.

Dass das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der Europäischen Union, das die neue Kiewer Regierung unterzeichnete, einen Riss durch die Ukraine ziehen würde, ist sicher oft genug beschrieben worden. Heyden erinnert daran, wie selbst ukrainische Schriftsteller klar formuliert haben, dass die russischsprachige Bevölkerung im Osten der Ukraine eine völlig andere Beziehung zum großen Nachbarn Russland hat als die westlich orientierten Ukrainer. Zum einen auf sprachlich-kulturellem aber vor allem auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Eine Abwendung von Russland, sprachlich, kulturell, ökonomisch und vor allem auch militärisch, wie es das Assoziierungsabkommen für die Ukraine vorsah, mussten die Menschen im Donbass zwangsläufig als existenzielle Bedrohung wahrnehmen.

Das Vorbild Maidan hatte sie gelehrt, für ihre Interessen auf die Straße zu gehen und auch Verwaltungsgebäude zu besetzen. Doch während man in Kiew den Sieg der Demokratie feierte, kam die Antwort auf die Selbstbestimmungsbestrebungen der Menschen im Donbass mit Panzern.

Zu den beeindruckendsten Schilderungen im Buch gehört eine Geschichte darüber, wie es anfangs gelang, den gewaltsamen Bruderzwist abzuwenden. Die Soldaten in den Panzern wurden mit Piroggen und Gurken empfangen und so der Abbruch einer militärischen Intervention erreicht.

Dass die neue Kiewer Regierung sich der Gewaltbereitschaft ukrainischer Nationalisten bediente, um den angestrebten militärischen Kurs dennoch weiterzuführen, haben deutsche Medien vielfach dementiert. Entsprechende Augenzeugenberichte, Bilder, Videos und sogar die „stolzen“ Selbstbekenntnisse der radikalen Einheiten lassen sich jedoch nicht mehr widerlegen.

Angesichts der eskalierenden Gewalt sollten die schnellen Gründungen der beiden Volksrepubliken eine friedliche Lösung des Konfliktes vorbereiten. So schilderten es dem deutschen Journalisten Heyden glaubhaft mehrere und ganz unterschiedliche Zeitzeugen.

Ähnlich der Separierung der Slowakei von Tschechien, bei der bekanntlich kein einziger Gewehrschuss gefallen ist, erhoffte man sich eine friedliche Abtrennung der vorwiegend russisch orientierten Ostukraine vom westlich orientierten Landesteil.

Die Volksabstimmungen zur Gründung der Volksrepubliken sowie die regelmäßigen Präsidentschaftswahlen zeigen, dass eine überwältigende Mehrheit (zwischen 80 und 90 Prozent) für die Existenz der eigenständigen Republiken war, dennoch werden sie nicht anerkannt.

Selbst wenn nach Jahren bewaffneter Auseinandersetzungen sowohl Zeitzeugen als auch Außenstehende es für ausgeschlossen halten, dass die Bevölkerung der Ostukraine jemals wieder zu einem Vertrauen in die Kiewer Regierung fähig sein könnte, lehnen EU und Nato die Anerkennung der Volksrepubliken kategorisch ab.

Dabei dokumentieren die Beiträge von Heyden eindeutig, dass diese Wahlen nicht unter Zwang, dafür aber unter akzeptabler ausländischer Kontrolle und Beobachtung standen.

In den Interviews, die Heyden mit Bewohnern der beiden Volksrepubliken gemacht hat, wird vor allem eine Frage überdeutlich: Wieso weigern sich die demokratischen Staaten, den Mehrheitswillen der lokalen Bevölkerung zu akzeptieren? Wieso nehmen sie diesen Weg für eine friedliche Lösung nicht an?

Die Abkommen Minsk-1 und Minsk-2

Einige Interviewpartner sprechen in diesem Buch von einem „rätselhaften“ Krieg und tatsächlich tun sich beim Lesen der Beiträge immer mehr Rätsel auf. Zum Beispiel fragt man sich, warum sich westliche Staaten und die ukrainische Regierung notorisch weigerten, mit Vertretern der Volksrepubliken zu sprechen, dafür aber die russische Regierung für die gesamte innerukrainische Entwicklung verantwortlich machten.

Obwohl ein regulärer Einmarsch der russischen Armee in die Gebiete der „Volksrepubliken“ nie bewiesen werden konnte, werden ausschließlich Vertreter Russlands zu Gesprächen akzeptiert, namentlich der russische Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow. Es scheint fast, als wäre den Vertretern der westlichen Länder von Anfang an klar gewesen, dass in der Ukraine „nur“ ein Stellvertreterkrieg stattfindet, in den die Nato bereits involviert war, was die nachgewiesene Beteiligung westlicher Militärs und bereitwillige Waffenlieferungen ja auch bestätigen.

Die Abkommen von Minsk und Gespräche im „Normandieformat“ sollten nach friedlichen Lösungen suchen. Heydens Buch erinnert an die vielversprechenden Ansätze, die vor allem von den Vertretern Deutschlands, Steinmeier und Merkel, mit Putin und Lawrow gefunden wurden. Er dokumentiert allerdings auch die offensichtliche Nicht-Verbindlichkeit der Vereinbarungen von Minsk. Seine Beiträge können glaubhaft vermitteln, dass sich die Kiewer Regierung nach solchen Vereinbarungen militärisch zwar zurückhielt, das Waffenstillstandsabkommen aber fortwährend verletzte und sich dem angestrebten Dialog mit Vertretern der Volksrepubliken verweigerte.

Besonders unklar bleibt, warum der Beschuss von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern notwendig gewesen sein sollte, um ukrainische Sicherheitsinteressen zu wahren. Ebenso rätselhaft bleibt, warum die deutschen Politiker immer wieder ignorierten, dass die Kiewer Regierung das paramilitärische Treiben bekennender Neonazis und Rechtsextremer im Osten der Ukraine zuließ. Man fragt sich: Wie ist das mit den Werten eines Deutschlands vereinbar, das im eigenen Land doch so aktiv jeden Ansatz rechtsextremen Gedankengutes zu verfolgen scheint?

Der Einfluss Russlands in den „Volksrepubliken“

Besonders aufschlussreich ist das Buch von Ulrich Heyden für diejenigen, die erfahren möchten, wie es denn mit der Rolle Russlands in den sogenannten „russischen Separatistengebieten“ bis Anfang 2022 wirklich bestellt war. Auf jeden Fall — aber das wird wohl kaum überraschen — scheint die Sache auch hier komplexer, als es in den meisten deutschen Medien dargestellt wurde. Damit ist nicht die Komplexität von Spekulationen über die Psyche eines Präsidenten, über historische Wunden und verspätete russische Herrschaftsfantasien gemeint. Die politische, gesellschaftliche und militärische Realität in den „Volksrepubliken“ ist komplex genug und die Einflussnahme Russlands findet auf verschiedenen Ebenen statt.

In erster Linie kommen die meisten Hilfsgüter für die notleidende Zivilbevölkerung in der Ostukraine aus Russland.

Deutlich wird auch, dass Russland in diesen Gebieten im Laufe der Jahre eine immer größere Rolle spielte, was kaum verwundert, es handelt sich immerhin um das Grenzgebiet zu Russland. Und eine ukrainische Regierung, die von der Nato zwar nicht zum Mitglied aber doch zum offiziellen Verbündeten erklärt wurde, ist in diesen Gebieten militärisch aktiv.

Das Bild, das sich aus den Interviews und Fakten ergibt, widerspricht aber der Vorstellung, die Gebiete seien 2014 offiziell von Russland besetzt worden. Unbestritten ist, dass russische Freiwillige im Donbass aktiv sind, von denen einige Vertreter in diesem Buch zu Wort kommen. Auch dass es insbesondere zu Anfang des Konfliktes auf beiden Seiten zu unkontrollierten Eskalationen kam, wird deutlich. Was die aktive Beteiligung Russlands angeht, bezeugt dieses Buch allerdings, dass die russische Regierung bis Anfang 2022 vor allem versuchte, im Sinne des Minsker Abkommens auf die Streitkräfte der Volksrepubliken einzuwirken, etwa mit Ermahnungen, selbst bei ukrainischem Beschuss möglichst nicht zurückzuschießen.

Die politische Einflussnahme Russlands erinnert am ehesten an die Einflussversuche des Westens beim Kiewer Maidan. So wie eine Victoria Nuland in ihrem berühmten „fuck the EU“-Telefonat bestimmen konnte, wer der neue ukrainische Präsident werden sollte, scheint die russische Regierung für den politischen Erfolg ihrer Wunschkandidaten in den Volksrepubliken gesorgt zu haben.

Dass das russische Vertrauen in eine friedliche Lösung durch das Minsk-2-Abkommen gesunken war, zeigte sich mit dem Angebot Russlands, den Bürgern der Volksrepubliken einen russischen Pass anzubieten, was viele dankbar annahmen. Politisch wurden sie damit zu Bürgern, die nun unter dem Schutz Russlands standen.

Eine Aufklärung über die ganze Rolle Russlands in diesem Konflikt liefert das Buch von Ulrich Heyden nicht, das ist auch nicht sein Anspruch. Zumindest aber kann es glaubwürdig vermitteln, dass niemand die vermeintlich allgegenwärtige Präsenz des russischen Militärs in den Volksrepubliken bestätigte.

Von Oligarchen und Kohleschmuggel

Neben der Realität der ständigen militärischen Bedrohung zeichnet Heyden in mehreren Beiträgen den Alltag in den selbsternannten Volksrepubliken. Man ist überrascht, dass gerade hier, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet hätte, der Aufstand gegen die Oligarchen noch immer ein brisantes Thema ist, hätte man das doch eigentlich von den Maidan-Politikern gedacht. Der Leser erfährt, dass die Volksrepubliken einen Teil der Kohlebergwerke unter staatliche Verwaltung stellten, gleichwohl aber auch Oligarchen, wie der reichste Ukrainer Rinat Achmetow bis 2017, versuchten, ihren Einfluss im Donbass geltend zu machen.

Ebenso aufschlussreich ist, wie wirtschaftliche Erfordernisse sowohl die Zentral- als auch die Ostukraine zwingen, die Kriegslogik zu durchbrechen, und die jeweils eigene Boykott-Politik zu unterlaufen. Mehr als einmal wünscht man sich beim Lesen, alle Beteiligten könnten aus reiner ökonomischer Vernunft alsbald auf eine Friedenslogik umsteigen.

Doch solche Gedanken werden zunichte gemacht, wenn man liest, dass Regierungspolitiker in Kiew bereits seit April 2021 die militärische Einnahme der Volksrepubliken ankündigten und klar machten, dass es nicht mehr um die Frage des „ob“ sondern nur noch des „wann“ gehen würde. Die Rede ist von einem russisch-ukrainischen Grenzgebiet, das nach einem solchen militärischen Einmarsch unter der direkten Kontrolle der Nato stehen würde.

Die Frage, auf welcher Seite das größere Potenzial zur Verhinderung der aktuellen Eskalation dieses Konfliktes gelegen hat, wird sich mit dem Buch von Ulrich Heyden nicht beantworten lassen. Dafür ist es zu sehr aus der Sicht der Bewohner der Ostukraine geschrieben.

Allerdings ist es fast das einzige Dokument in deutscher Sprache, das mit konsequent sachlichem Journalismus die Entwicklung in den selbst ernannten Volksrepubliken über eine so lange Zeit dokumentiert. Und wer nach Wegen zum Frieden sucht, der weiß, dass der richtige Weg nur gefunden werden kann, wenn alle Seiten vorurteilsfrei zu Wort kommen können. Insbesondere jene, die am meisten unter dem Krieg zu leiden haben.


Ulrich Heyden „Der längste Krieg in Europa seit 1945: Augenzeugenberichte aus dem Donbass


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 29.04.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Ukraine – „Säuberung“ in Butscha

Die Toten in Butscha waren Anlass, den Informationskrieg zwischen den westlichen Staaten und Russland weiter zu verschärfen – jedoch kaum aufzuklären.

Butscha wird „gesäubert“

Auf der Webseite von LB.ua erschien am 02.04.2022 ein Beitrag, in dem es heißt:

„In der von den ukrainischen Streitkräften befreiten Stadt Bucha in der Region Kiew haben Spezialkräfte mit einer Räumungsaktion begonnen. Die Stadt wird von Saboteuren und Komplizen der russischen Streitkräfte gesäubert.

Dies teilte die Nationale Polizei mit.“

Ein weiterer Beitrag auf der Webseite von LB.ua hat die Überschrift:

Andriy Kryshchenko: „Man kann Besatzer töten und es wird nichts passieren. Man kann eine Pistole, eine Mistgabel oder einen Molotowcocktail verwenden. Wie man will„.

Andererseits verbreite Devin Payne, ein ehemaliger Offizier der US-Armee, der „seit Jahren mit dem Kreml zusammenarbeite Desinformationen, wenn er in ausländischen Medien behaupte: „Der Westen sollte die Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen, um Russland nicht zu einer noch größeren Aggression zu provozieren“ und „Die Ukraine sollte die Krim und den Donbas aufgeben, um einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden.“

Nach eigenen Aussagen wurde LB.ua „im Juni 2009 als Partner-Website der Wochenzeitung Levyy Bereg gestartet und hat sich seitdem zu einem unabhängigen Nachrichten- und Analyseprojekt entwickelt … LB.ua nutzt den intellektuellen Input des Gorshenin-Instituts, eines in Kiew ansässigen Think-Tanks.“

Das Gorshenin-Institut wiederum stellt sich als „unabhängiges, gemeinnütziges Analyse- und Forschungszentrum zur Erforschung politischer und sozialer Prozesse in der Ukraine und in der ganzen Welt“ vor.

Scott Ritter über Narrative und Fakten

Der ehemaliger Geheimdienstoffizier des U.S. Marine Corps, Scott Ritter, hat sich in einem Interview zu den Butscha-Vorfällen geäußert:

Untertitel zu dem Video:

„Wissen Sie, es geht hier um einfache medizinische Forensik. Wenn Sie eine Leiche haben, unterziehen Sie sie einer gerichtsmedizinischen Untersuchung, einschließlich einer Autopsie, die in der Lage sein sollte, den Todeszeitpunkt, die Todesursache zu bestätigen, und ob die Leiche an desen Ort gebracht wurde oder ob das der Ort ist, an dem die Person gestorben ist.

Wenn die Ukrainer diese Behauptung aufstellen, dann dürfte man hoffen, dass sie die Art von Untersuchungen, diese forensischen Untersuchungen, durchführen und diese Daten zur Verfügung stellen, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Die Tatsachen, dass die Ukraine diese Daten jedoch nicht vorgelegt hat und stattdessen eine Geschichte erzählt, die sich ausschließlich auf Videobeweise stützt, die nicht untermauert sind, ist für mich ein klares Indiz dafür, dass das, was wir sehen, möglicherweise nicht der tatsächlichen Wahrheit vor Ort entspricht.

Russland hat meiner Meinung nach eindeutig die Absicht unter Beweis gestellt, sich an das Kriegsrecht zu halten. Die ukrainische Regierung hingegen hat das nicht getan und sich dafür entschieden, Wohngebiete in Schlachtfelder und damit ihre eigenen Zivilisten in menschliche Schutzschilde zu verwandeln. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das sagt die Washington Post, die als notorisch pro-ukrainisch gilt, aber zugeben muss, was die Fakten vor Ort sind.

Der Grund ist offensichtlich, warum der Westen die Tatsache herunterspielt, dass es die ukrainische Regierung war, die den Beschuss abfeuerte, und warum es wahrscheinlich ist, dass diese Zivilisten von Ukrainern getötet wurden: Sie wollen nicht, dass dies ans Licht kommt.

Das passt nicht zum verbreiteten Narrativ eines bösen Russlands.

Warum sollte die ukrainische Regierung eine gründliche Untersuchung des Vorfalls zulassen, die sie selbst in ein schlechtes Licht rücken würde? Sie haben doch bereits einen Propagandasieg errungen.

Der gesamte Westen ist über den Butscha-Vorfall empört. Der gesamte Westen scheint Russland die Schuld zu geben. Die ukrainische Regierung braucht also keine zusätzliche Arbeit zu leisten.

Wir haben auch die Art und Weise zur Kenntnis genommen, wie der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs über seine Ermittlungsabsicht gesprochen hat. Warum steht er nicht an der Türschwelle und fordert Zugang zu diesen Leichen, forensische Untersuchungen an den Toten durchzuführen, um Daten zu finden, die einen Hinweis auf die Täter geben? Ich höre nichts vom Internationalen Strafgerichtshof. Ich höre von niemandem etwas Substantielles.

Fakten sind im Moment nicht die Freunde der Ukraine und ihrer Verbündeten. Sie bedienen nur ein Narrativ, das auf reiner Propaganda beruht.

Wenn man über Kriegsverbrechen und deren Ahndung spricht, ist der Vorsatz einer der am schwierigsten zu beweisenden Sachverhalte. Denn tragischerweise sterben Menschen in einem Krieg. Es kommt also auf die Absicht derjenigen an, die eine Artilleriegranate oder andere Geschosse abgefeuert haben. Handelte es sich um eine legitime militärische Handlung, wollten sie absichtlich Zivilisten Schaden zufügen?

Wir müssen verstehen, dass wir über einen Krieg sprechen. Wir reden über Menschen, die sterben. Und wir reden darüber, dass die Menschen auf beiden Seiten heftige emotionale Reaktionen auf diese Todesfälle haben.

Aber nicht die Rhetorik ist das Problem. Es sind die Handlungen, die mit der Rhetorik verbunden sind. So ist beispielsweise ein Video aufgetaucht, in dem ein ukrainischer Arzt die Kastration russischer Kriegsgefangener fordert. Und wenn sich herausstellt, dass zurückkehrende Kriegsgefangene tatsächlich kastriert wurden, dann haben wir jetzt einen Fall, in dem Rhetorik zur Realität geworden ist und Taten folgten.

Je schneller dieser Krieg beendet werden kann, desto schneller kann Klarheit über die Verbrechen geschaffen werden, die von der Ukrainie und von militärischen Formationen wie dem Asow-Bataillon begangen wurden, die auf der Seite der Ukraine gekämpft haben.

Je schneller die Welt aufwacht, desto eher wird sie erkennen, dass sie von der ukrainischen Regierung und ihren westlichen Vermittlern mit einem Haufen Informationsmüll gefüttert wurde, und dass Russland tatsächlich Fakten auf seiner Seite hat. Und vielleicht wird das diese emotionale Überreaktion etwas dämpfen.

Ich kann nicht für die russische Regierung sprechen, aber als Beobachter denke ich, dass die Ukrainer eine diplomatische Lösunge viel dringender brauchen als die Russen.

Und was immer die Ukraine tun wird, um Russland möglicherweise vom Verhandlungstisch zu vertreiben oder einer möglichen diplomatischen Lösung keine Beachtung zu schenken, ist im Endeffekt schlecht für die Menschen in der Ukraine, die weiterhin unter diesem Konflikt leiden werden.“


[Brandneu] Ulrich Heyden: Der längste Krieg in Europa seit 1945


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