Der ehemalige CIA-Analyst Larry C. Johnson kommentierte das Interview, das Russlands Außenminister Lawrow am 14. August 2026 gab.
„Keine Ultimaten, kein Waffenstillstand“ – Russland sucht noch immer eine Verhandlungslösung im Ukraine-Konflikt
Die Ukraine begeht am 24. August offiziell ihren „Unabhängigkeitstag“ als Nationalfeiertag.
„Drei Tage nach dem Augustputsch in Moskau, am 24. August 1991, erfüllte das ukrainische Parlament auf einer Sondersitzung die notwendigen rechtlichen Bedingungen und verabschiedete die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine, die durch ein Referendum am 1. Dezember bestätigt wurde.“ (wikipedia.de, abgerufen am 24.08.2026.)
Nicht nur für die Ukraine und Russland ist ein endgültiges Ende des militärischen Konfliktes in der Ukraine und im Donnbass von herausragender Bedeutung. Die Chance auf einen schnellen Friedensschluss mit dem bereits von beiden Seiten unterschriebenen Abkommen von Istanbul Ende März 2022 wurde vertan.
Was scheinbar als militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Raussland begann, ist inzwischen offen als Krieg Russlands gegen die Ukraine und und über 40 Staaten erkennbar. Laut Ukraine Support Tracker haben „41 Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea, Türkei, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz“ der Ukraine Hilfe zugesagt.
Für die Ukraine geht es vor allem um die weitere physische Existenz als selbständiger souveräner Staat. Das Land hat nicht nur direkte Kriegsopfer zu beklagen. Millionenen Ukrainer sind auch aus dem Land geflüchtet, beispielsweise nach Westeuropa.
Ebenso geht es für Russland um grundlegende existenzielle Fragen. Darauf verweisen russische Politiker in den letzten Monaten immer deutlicher
USA, Russland und der Ukraine-Konflikt
Der ehemalige CIA-Analyst Larry C. Johnson kommentierte am 17. 08. 2026 auf seinem Blog das Interview, das Russlands Außenminister Lawrow am 14. August 2026 dem Fernsehsender WGTRK gab. Nach seinen Worten
„lieferte Außenminister Sergej Lawrow Moskaus schärfste Einschätzung seit Monaten zum Stand der Beziehungen zu Washington im fünften Jahr des Krieges in der Ukraine. Die Botschaft war bewusst zweideutig, und zwar ganz absichtlich: Die Vereinigten Staaten sind nach Lawrows Darstellung sowohl eine Kriegspartei im Krieg gegen Russland als auch das einzige Land, mit dem Moskau noch über eine Beendigung des Konflikts verhandelt. Diese beiden Behauptungen zusammen bilden die gesamte aktuelle Haltung Russlands gegenüber Washington, und Lawrow verbrachte das Interview damit, die Spannung zwischen ihnen zu steuern, anstatt sie aufzulösen.“
Doch ungeachtet der „Schärfe“ hebt Johnson hervor:
„Diese Zurückhaltung ist bezeichnend. Moskau entscheidet sich dafür, den diplomatischen Kanal offen zu halten, obwohl die Vereinigten Staaten an Angriffen auf sein Territorium mitschuldig sind – ein Abwägen, das zeigt, dass Russland die Aussicht auf günstige Verhandlungen mit der Trump-Regierung höher bewertet als die Befriedigung einer harten rhetorischen Linie…
Was den Inhalt einer möglichen Einigung angeht, bekräftigte Lawrow die Position, die die Verhandlungen seit Monaten blockiert, und untermauerte deren Begründung. Russland werde keinen einfachen Waffenstillstand entlang der derzeitigen Kontaktlinie akzeptieren, sagte er; es werde erst dann aufhören, wenn es eine ‚langfristige, verlässliche und nachhaltige Lösung‘ gebe. Er verpackte diese maximalistische Forderung in eine Sprache der historischen Erinnerung und argumentierte, dass ein Stillstand entlang der Kontaktlinie das Opfer jener Generation verraten würde, die den Nationalsozialismus besiegt habe – derselbe Bezug zum Zweiten Weltkrieg, den der Kreml während des gesamten Krieges genutzt hat, um seine Ziele als existenziell und nicht als territorial darzustellen.“
Damit Sie die Interpretation besser mit den tatsächlichen Aussagen des russischen Außenministers vergleichen können, hier die offizielle Übersetzung:
Beginn der offiziellen Übersetzung des russischen Außenministeriums:
Interview des Außenministers der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, mit dem Fernsehsender WGTRK, Moskau, 14. August 2026
Frage: In der Militärdoktrin Japans wird Russland als die größte Bedrohung bezeichnet. Wie können Sie das kommentieren, und wäre so etwas unter Shinzo Abe möglich gewesen?
Sergej Lawrow: Shinzo Abe war ein absolut korrekter Politiker, der verstand, dass sich die nationalen Interessen ohne eine Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation nicht gewährleisten lassen. Diejenigen, die ihm nachfolgten, sind der Auffassung, dass diese Interessen gemeinsam mit den Vereinigten Staaten durch eine beginnende Militarisierung Japans gewährleistet werden müssen.
Bei den ASEAN-Veranstaltungen mit unseren Partnern auf den Philippinen gab der japanische Minister im Anschluss eine Erklärung ab, wonach man bilaterale Angelegenheiten und die regionale Situation mit Sergej Lawrow erörtert hätte. Ich war verblüfft, denn das Ganze ereignete sich während eines Festbanketts, bei dem alle Minister an einem langen Tisch platziert waren. Plötzlich berührte mich jemand von hinten an der Schulter. Ich drehe mich um, da steht unser japanischer Kollege und sagt, wie sehr er sich freue, mich zu sehen, wie schön das sei… Ich hatte nicht einmal Zeit aufzustehen. Ich schüttelte ihm die Hand, und er ging zu seinem Platz. Und das heißt dann also: „Wir haben bilaterale und regionale Fragen erörtert“.
Vor Kurzem gab es Informationen darüber, dass irgendeine japanische Delegation von Geschäftsleuten zu Besuch war. Sie sagten ganz offen, dass sie von der Führung ihres Landes die strikte Anweisung hätten, keinerlei Projekte mit uns zu erörtern.
Frage: Die Europäische Union hat Kontrollen russischer Handelsschiffe angekündigt und bezeichnet sie als „Schattenflotte“. Was soll das überhaupt sein? Was bedeutet das? Und was steckt tatsächlich hinter diesen Kontrollen?
Sergej Lawrow: Die Europäische Union hat diesen Begriff schon vor langer Zeit erfunden. Er findet sich in keinem einzigen Dokument. Die Europäische Union hat beschlossen, ihr eigenes „Recht“ anzuwenden, sofern man die rechtswidrigen Entscheidungen Brüssels überhaupt als „Recht“ bezeichnen kann, wonach Russlands Möglichkeiten, auf den Weltmärkten Geld zu verdienen, eingeschränkt werden sollen.
Sie haben im Grunde ein Verbot des Handels mit Energieträgern der Russischen Föderation eingeführt. Und alle Schiffe, die der Europäischen Union nicht gehorchen, werden unabhängig davon, unter welcher Flagge sie fahren, zur „Schattenflotte“ erklärt. Das ist ein sehr gefährlicher Weg, denn damit erklären sie, dass ihre Entscheidungen über dem Völkerrecht stehen.
Sie haben sich selbst erlaubt, Schiffe nicht nur anzuhalten und zu kontrollieren, sondern auch deren Ladung zu beschlagnahmen und zu verkaufen, um daraus irgendwelche Einnahmen zu erzielen. Und diese Einnahmen sollen der Ukraine übergeben werden, damit sie ihr Naziregime weiter stärken kann.
Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, hat sehr klar und besonnen erklärt, dass wir auf dieses Banditentum, auf diese Piraterie spiegelbildlich reagieren werden. Wir werden die Ziele selbst auswählen. Ziele werden Schiffe sein, die im Interesse jener Länder tätig sind, die Banditentum und Piraterie zu ihrer offiziellen Politik erklärt haben.
Frage: Wie sollen wir gegen derart unredliche Gegenüber siegen? Schließlich haben wir völlig andere Werte. Selbst in alten Zeiten sagten unsere Fürsten vor ihren Feldzügen: „Ich ziehe gegen euch.“ Wir haben völlig andere Werte, die von solchen Terrorakten weit entfernt sind.
Sergej Lawrow: Und nach jedem derartigen Terroranschlag prahlen Vertreter des Regimes in den sozialen Netzwerken und auf anderen Plattformen auch noch voller Stolz damit, wie „großartig“ sie einen Strand, ein Wohnheim, in dem Mädchen zu Lehrerinnen ausgebildet wurden, und andere ausschließlich zivile Objekte getroffen hätten.
Frage: Wie sollen wir gegen solche Gegner kämpfen? Wir werden uns doch nicht auf ihre Methoden herablassen?
Sergej Lawrow: Wir werden uns nicht auf dieses Niveau herablassen, aber wir werden unsere eigenen Methoden wesentlich härter gestalten, um alles zu zerstören, womit der Westen die Kriegsmaschinerie Kiews unterstützt. Und das tun wir bereits. Sie beginnen bereits zu jammern.
Nicht zufällig werden aus verschiedenen Teilen unseres gemeinsamen Raumes immer mehr Stimmen laut, die dazu aufrufen, unverzüglich Halt zu machen. So wird es nicht gehen. Aufhören darf man erst dann, wenn es eine langfristige, verlässliche und nachhaltige Regelung gibt.
Wenn wir jetzt plötzlich an der Kontaktlinie Halt machen würden, würden wir im Grunde zulassen, dass die Heldentat unserer Großväter und Urgroßväter, die den Nazismus besiegt haben, zunichtegemacht wird. Das kommt nicht in Betracht. Und es geht nicht nur darum, wie komfortabel jemand heute lebt, bei uns leiden Menschen, Menschen sterben infolge dieser Terroranschläge. Es geht um unsere Verantwortung für die tausendjährige Geschichte des russischen Staates.
Frage: Ein deutscher Journalist fragt auf der Pressekonferenz des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und Wladimir Selenskis ganz unverhohlen Selenski, wie sie, die Deutschen, den Ukrainern dabei helfen könnten, Russen zu töten. Das ist unvorstellbar. Was ist mit der westlichen Diplomatie geschehen?
Sergej Lawrow: Natürlich ist dieser Mensch unwürdig, irgendeine Position in den Medienstrukturen und erst recht irgendeine offizielle Position im Regierungsapparat zu bekleiden.
Die Metastasen des Nazismus dringen in der deutschen Gesellschaft unter der Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz weiter nach oben. Er erklärt offen, Deutschland müsse erneut zur stärksten Militärmacht Europas gemacht werden. Versteht er, was das Wort „erneut“ in diesem Zusammenhang bedeutet? Ich bin mir nicht sicher.
Übrigens, was diese Situation betrifft, als auf der Pressekonferenz von Wladimir Selenski und Aleksandar Vučić diese Frage gestellt wurde: Ich habe gesehen, dass der serbische Präsident Aleksandar Vučić einfach fassungslos war. Natürlich würden wir angesichts des gewaltigen Beitrags unserer serbischen Freunde zum Sieg über den Nazismus gerne irgendeine Reaktion von ihnen hören.
Frage: Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat ein Dokument über militärische Unterstützung für die Ukraine unterzeichnet. Gleichzeitig sind die Bombardierungen Jugoslawiens im Gedächtnis des Volkes noch präsent. Bedeutet das, dass sich Serbien auf die Seite des Westens stellt? Wie können Sie das kommentieren?
Sergej Lawrow: Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat es nicht leicht. Er ist ein sehr erfahrener Politiker. Und er hält am Kurs auf die europäische Integration fest.
In der gegenwärtigen Phase treibt die Europäische Union ihr Spiel mit ihm und erpresst ihn schlichtweg. Sie sagen: Ja, Serbien steht schon lange in der Warteschlange, aber wir werden die Verhandlungen erst dann beschleunigen, wenn ihr zwei grundlegende Forderungen erfüllt. Erstens: Erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo an. Und zweitens: Schließt euch sämtlichen Maßnahmen und Beschlüssen der EU gegenüber Russland an.
Er hält diesem Druck bereits seit mehreren Jahren mutig stand. Wir verkaufen Serbien Gas zu sehr günstigen Preisen und verlangen von Serbien niemals etwas, abgesehen davon, dass es für uns inakzeptabel wäre, wenn unsere serbischen Brüder sich an der Bewaffnung des Kiewer Regimes beteiligen würden. Präsident Aleksandar Vučić hat eine Sonderentscheidung getroffen, die derartige Handlungen untersagt.
Seine Zustimmung zu den hartnäckigen Bitten Selenskis, ihn zu empfangen, spiegelte wahrscheinlich die Absicht von Vučić wider, den Druck der Europäischen Union ein wenig zu verringern. Dieser Druck ist schamlos und unverschämt. Sie verhalten sich so, als hätten sie bereits ein „Viertes Reich“.
Frage: Der bulgarische Staatschef hingegen will aus der „Koalition der Willigen“ austreten und sagt, dass alles auf diplomatischem Wege gelöst werden müsse. Glauben Sie, dass es der Europäischen Union dennoch gelingen wird, ihn „unter Druck zu setzen“?
Sergej Lawrow: Ich kenne den bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew gut. Er trat bei den Wahlen mit dem Motto der nationalen Interessen an und nicht mit dem Motto der Unterordnung unter die EU-Bürokratie. Es gibt nicht wenige Beispiele dafür, dass Menschen mit solchen Absichten, nachdem sie schließlich an die Macht gelangt waren, sich unterschiedlich verhielten. Manche werden in der Lage sein, an den prinzipiellen Überzeugungen festzuhalten, mit denen sie zur Wahl angetreten sind. Andere werden dem Druck nachgeben.
Sollen sie das dort untereinander klären.
Frage: Was Steve Witkoff und Jared Kushner betrifft, die es nun erneut einfach nicht schaffen, zu uns zu kommen: Sie haben sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen persönlich gesprochen. Wer von ihnen kann nach Ihrem Eindruck als erfahrener Diplomat in irgendeiner Weise Einfluss auf US-Präsident Donald Trump nehmen?
Sergej Lawrow: Ich gehe davon aus, dass sie, wenn ihnen ein solches Vertrauen entgegengebracht wird, Einfluss auf den US-Präsidenten haben und dass er ihnen vertraut.
Wir weigern uns nicht, mit ihnen zu sprechen. Wenn sie kommen, wissen sie, dass der Präsident Russlands, Wladimir Putin, bereit ist, sie erneut zu empfangen. Eine andere Frage ist, womit sie kommen werden. Denn als Steve Witkoff vor etwas mehr als einem Jahr hier war (ich glaube, es war am 5. oder 6. August), brachte er Vorschläge von US-Präsident Donald Trump mit. Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, nahm sie zur Prüfung an, und als er nach Alaska kam, sagte er: „Donald, du hast uns Vorschläge geschickt, ich habe darüber nachgedacht. Es gibt Dinge, die einen Kompromiss erfordern. Aber deine Vorschläge in der Form, in der du sie mir geschickt hast, nehme ich an.“
Dann kam eine Pause. Dann folgten Sanktionen gegen „Lukoil“ und „Rosneft“. Parallel dazu eilten die Anführer der Europäischen Union und der NATO zusammen mit Selenski nach Washington und hängten sich US-Präsident Donald Trump regelrecht an die Arme mit dem Hauptziel, ihn von jeglichen weiteren Initiativen abzubringen.
Später sagte US-Außenminister Marco Rubio auf die Frage eines Journalisten, wie es nun mit Anchorage weitergehen solle, sie hätten darüber nachgedacht und könnten wohl keine Vermittler sein, weil sie die Ukraine unterstützten. Ein paar Wochen später sagte er wieder das Gegenteil: In jedem Fall sei nur US-Präsident Donald Trump in der Lage, die Ukraine und Russland an den Verhandlungstisch zu bringen und eine Lösung zu finden. Das heißt, sie unterstützen offenbar sowohl die Ukraine als auch diese Waffenlieferungen und die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen.
Frage: Genau deshalb können die Ukrainer unsere Ölraffinerien so präzise treffen, darunter leiden kleine Unternehmen und einfache Menschen. Warum können wir nicht, bevor wir uns mit ihnen – mit Witkoff und Kushner – an den Verhandlungstisch setzen, zunächst ein Ultimatum stellen und verlangen, dass sie damit aufhören?
Sergej Lawrow: Wir stellen keine Ultimaten. Wir haben dem US-Außenministerium eine ganze Reihe von Fragen übermittelt und um Stellungnahme gebeten, unter anderem zur Weitergabe von Geheimdienstinformationen sowie dazu, dass die USA wesentlich tiefer in die Organisation und Durchführung von Angriffen tief im Territorium der Russischen Föderation gegen zivile Objekte verwickelt sind. Wir werden die Antwort abwarten.
Frage: Der türkische Außenminister Hakan Fidan war in Russland, in Kasan, und traf sich mit Ihnen und mit dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin. Natürlich ging es, wie Sie bereits bestätigt haben, auch darum, dass die Türkei möglicherweise erneut als Vermittler bei den Verhandlungen auftreten könnte. Gleichzeitig unterzeichnet der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf dem NATO-Gipfel Dokumente zur Wiederherstellung der territorialen Integrität des Kiewer Regimes. Können beziehungsweise sollten wir überhaupt auf solche Vermittler setzen?
Sergej Lawrow: Die Türkei möchte NATO-Mitglied sein und als solches über die größte Armee des Bündnisses verfügen, zugleich möchte sie Beziehungen zur Europäischen Union unterhalten, obwohl sie tief im Inneren versteht, dass sie niemals in die EU aufgenommen werden wird. Sie möchte gute Beziehungen zu Russland haben, weil wir zahlreiche gemeinsame Wirtschaftsprojekte haben und vieles in unserer Geschichte miteinander verbunden ist: der Kaukasus, das Schwarze Meer. Die Türkei ist aufrichtig daran interessiert, dass das Schwarze Meer stabil bleibt.
Jetzt sprechen unsere türkischen Kollegen erneut davon, dass man sich irgendwie darauf verständigen müsse, dass die Schifffahrt nicht zum Ziel von Angriffen wird. Aber wir haben damit nicht angefangen. Wenn eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte ein türkisches Frachtschiff, einen Tanker oder ein ziviles Schiff angreift, wenn dieselben Drohnen wiederholt die Infrastruktur des Kaspischen Pipeline-Konsortiums angreifen und dabei direkt Schiffe treffen, die mit den amerikanischen Unternehmen Chevron und ExxonMobil in Verbindung stehen, erklären weder die Türkei noch die Vereinigten Staaten öffentlich, dass diese Handlungen ukrainischer Terroristen inakzeptabel sind.
Als wir nachfragten, ob sie sich damit abfinden würden, antworteten sie, nein, sie würden entsprechende Signale senden. Was das Kaspische Pipeline-Konsortium betrifft, soll US-Vizepräsident J. D. Vance offenbar irgendein Signal an Selenski gesandt haben. Die Türken sagten uns, auch sie hätten den Ukrainern erklärt, dass man es nicht angreifen solle. Aber öffentlich schweigen alle. Auch das ist bezeichnend. Bemerkenswert ist, dass das Regime von Selenski als Reaktion auf diese Ermahnungen, soweit ich den vorliegenden Informationen entnehmen kann, nicht versprochen hat, die Angriffe einzustellen. Es versprach lediglich, die Angriffe auf jene Schiffe einzustellen, die nichts mit der Russischen Föderation zu tun haben. Und offenbar wurde diese Erklärung als akzeptabel betrachtet.
Mit der Türkei haben wir eine umfangreiche Agenda. Ich denke, dass gewisse „Nachwirkungen“, die sich aus ihrer NATO-Mitgliedschaft und ihren Beziehungen zur Europäischen Union ergeben, unvermeidlich sind.
Frage: Eine etwas informellere Frage. Welche Ihrer Eigenschaften hat Sie Ihrer Meinung nach zu dem gemacht, der Sie heute sind?
Sergej Lawrow: Ich habe nie Eigenwerbung betrieben. Wissen Sie, wahrscheinlich bin ich immer sehr verantwortungsvoll mit dem umgegangen, was ich getan habe, um diejenigen nicht zu enttäuschen, die mir etwas anvertraut und mich auf die jeweilige Position berufen haben – sei es in Sri Lanka, in der Zentrale, in New York oder wieder hier in Moskau.
Frage: Und welche Eigenschaft hindert Sie manchmal daran, Diplomat zu sein?
Sergej Lawrow: Ehrlich gesagt, nichts hindert mich daran. Ein Diplomat sollte Humor haben und fröhlich sein, sobald er seine Arbeit gut erledigt hat und sie angenommen wurde.
Frage: Nach Ansicht des Diplomaten William Burns (er schrieb darüber in seinem Buch) kann man Sie nicht aus der Fassung bringen. Stimmen Sie dieser Aussage zu?
Sergej Lawrow: Aus der Fassung bringen kann man mich schon, aber man darf es mir nicht ansehen.
Frage: Sie waren Ihrer Großmutter und Ihrem Großvater sehr verbunden. Wer von ihnen, oder vielleicht ein anderer Verwandter, hat Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf Sie und Ihren Charakter gehabt?
Sergej Lawrow: Mich haben sowohl meine Mutter als auch mein Großvater und meine Großmutter geprägt, vor allem dadurch, dass sie mir die Freiheit im Umgang mit Gleichaltrigen nicht nur erlaubten, sondern sie sogar förderten. Man kam aus der Schule, machte die Hausaufgaben, und dann ging es raus auf die Straße, in den Hof, zu den Auseinandersetzungen unter Kindern. Einer hatte zu einem anderen irgendetwas gesagt, das gefiel ihm nicht. Danach einigte man sich, versuchte, einander von etwas zu überzeugen. Gerade dort galt übrigens ganz besonders der Grundsatz: „Man erreichte eine Vereinbarung – und damit war die Sache abgemacht.“
Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie mich nicht zwangen, zu Hause zu bleiben. Wissen Sie, wie das so ist: Kaum hatte man angefangen …
Frage: Aber erst nach den Hausaufgaben?
Sergej Lawrow: Nach den Hausaufgaben natürlich. Manchmal habe ich auch geschwänzt, aber wer hat das nicht? Es kam alles Mögliche vor.
Frage: Welche Fächer haben Sie geschwänzt?
Sergej Lawrow: Das weiß ich nicht mehr. Aber einmal hatte ich sogar eine „Drei“ als Verhaltensnote.
Frage: Heute durchlebt das Land eine recht schwierige Zeit. Für die Menschen ist es wichtig, deutliche und kraftvolle Aussagen zu hören, darunter auch Ihre. Was möchten Sie heute sagen?
Sergej Lawrow: Wir hören regelmäßig kraftvolle Aussagen. Auch der Präsident Russlands, Wladimir Putin, macht unmissverständlich deutlich, dass alle Ziele der militärischen Spezialoperation erreicht werden.
Ich sehe mir die Berichte von der Front an. Beeindruckende Jungs, entschlossen, stolz auf ihr Land. Ihre Stimmen von dort, nachdem sie den nächsten Ort eingenommen haben – „Der Feind wird geschlagen werden, der Sieg wird unser sein, unsere Sache ist gerecht“ –, das ist eine sehr starke Aussage.
Nun, was kann man dem noch hinzufügen? Manchmal würde ich gerne noch etwas hinzufügen, aber ich fürchte, Sie würden es „wegpiepsen“.
Ende der offizielle Übersetzung des Russischen Außenministeriums.

