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März 9, 2023

Geheimdienst und Public Relation

Geheimdienst als Pressestelle für Medienmanipulation statt Instrument des Staatsschutzes – gleich drei Beispiele innerhalb weniger Tage.

Geheimdienst als Instrument des Staatsschutzes?

„Was macht ein Geheimdienst und was ist seine Aufgabe?“ – SWR Wissen bietet dazu folgende Antwort an:

„Ein Geheimdienst ist die dritte Säule der Sicherheitsarchitektur eines Staates – neben Militär und Polizei … Auslandsgeheimdienst. Da geht es darum, Krisen aufzuspüren, ehe sie bedrohlich werden, um der Politik eine vorzeitige Information zu geben und damit die Möglichkeit, Krisen abzuwenden bzw. zu minimieren.“

Zu dieser kindlich-naiven Erklärung gelangten innerhalb weniger Tage drei Beispiele an die Öffentlichkeit, die diese Aufgabe bestens illustrieren.

1. Pro-Ukrainische Gruppe sabotiert Nord Stream Pipelines

Nachdem sich westliche Regierungen monatlich um eine klare Antwort gedrückt haben, wer die Nord Stream Pipelines gesprengt hat, taucht fast genau einen Monat nach dem staatsmedial totgeschwiegenen Enthüllungsreport von Seymour Hersh – und wenige Tage nach dem geheimnisvollen Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz bei US-Präsident Joe Biden – die vermeintlich wahre Enthüllung auf.

Die New York Times meldet am 07.03.2023:

„Die Überprüfung der neu gesammelten Geheimdienstinformationen deutet darauf hin, dass es (eine Gruppe von) Gegner des russischen Präsidenten Wladimir W. Putin waren, die hinter den Anschlägen stecken, dass aber die Informationen keine Rückschlüsse über die Mitglieder der Gruppe zulassen oder darüber, wer die Operation geleitet oder bezahlt hat…

Die Geheimdienstbeamten, die die Informationen überprüft haben, sagten, sie glaubten, dass die Saboteure höchstwahrscheinlich ukrainische oder russische Staatsbürger, oder eine Kombination aus beidem sind.“

Andrei Martyanov, ein in den USA lebender Experte Militärpolitik und russische Streitkräfte, kommentierte dies sarkastisch:

„Bemerkenswerterweise lügt die NYT hier nicht, was an sich schon ein extrem seltenes Ereignis ist … Es ist absolut wahr, wenn man die USA und die NATO zu Recht als ‚pro-ukrainische Gruppe‘ betrachtet, was sie sicherlich sind…

‚US-Beamte‘ wissen verdammt gut, wer, wann und wie die NS2 in die Luft gejagt hat. Sollen sie das doch verkraften, während sie sich neu formieren und versuchen zu beschönigen, was auf einen Akt des Staatsterrorismus hinausläuft und nur zu den Kriegsverbrechen der Regime von Obama und Biden beiträgt, die sie in der ehemaligen Ukraine begangen haben. Sie rechneten sicher nur mit mäßiger Gewalt und dem schnellen Zusammenbruch Russlands. Junge, Junge, ihr Plan ist in die Hose gegangen, und jetzt wird die ganze Welt Zeuge der Vernichtung der US-Handlanger in einer Zahl, die seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gesehen wurde, und den Russen geht es sowohl wirtschaftlich als auch militärisch sehr gut. Aber die Leichen stapeln sich – Schoigu meldete heute, dass die Zahl der Gefallenen der VSU [Streitkräfte der Ukraine – T.S.] allein im Februar 11.000 überstieg (auf Russisch) – und wir alle wissen, dass das russische Verteidigungsministerium bei seinen Zahlen extrem konservativ ist. Und der Fleischwolf für die VSU in Bakhmut und anderswo entlang der 1.000 Kilometer langen Front geht unvermindert weiter. Irgendjemand wird für all das geradestehen müssen. Und das wird er auch.“

6-köpfiges Kommando – Spuren führen in die Ukraine

„Völlig unabhängig“ von den Enthüllungen der NYT kommt die Tagesschau am gleichen Tag zu folgender Erklärung:

„Es ist das politisch wohl brisanteste Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts. Nach einer gemeinsamen Recherche des ARD-Hauptstadtstudios, des ARD-Politikmagazins ‚Kontraste‘, des SWR und der ‚ZEIT‘ konnte im Zuge der Ermittlungen weitgehend rekonstruiert werden, wie und wann der Sprengstoffanschlag auf die Nord Stream-Pipelines vorbereitet wurde. Demnach führen Spuren in Richtung Ukraine. Allerdings haben die Ermittler bislang keine Beweise dafür gefunden, wer die Zerstörung in Auftrag gegeben hat.“

Am 06. 09. 2022 soll sich ein 6-köpfiges Kommando in Rostock auf eine Yacht begeben haben. Die 5 Männer und eine Frau sind bislang offenbar nicht namentlich identifiziert. Aber Ermittler konnten Spuren von Sprengstoff nachweisen. Außerdem stellte sich heraus, Spuren führen in Richtung Ukraine.

Zu diesen Erkenntnissen waren nicht einmal die deutschen Geheimdienste fähig. Denn sie sind das Ergebnis Der Tätigkeit des Generalbundesanwalts und der „Recherchen des ARD-Hauptstadtstudios, des Politikmagazins Kontraste, des SWR und der Zeit“. Deutsche Geheimdienste konnten also – nach der Tagesschau – weder der „Politik eine vorzeitige Information“ geben, noch nachträglich diesen Terrorakt so gut aufzuklären wie ARD & Co.

Vielleicht klappte das aber auch nur, weil wie seinerzeit im Schutt des World Trade Centers in New York ein unversehrter Pass von einem der angeblichen Al-Qaida-Attentäter gefunden worden war nun auch die Pipeline-Attentäter zwei „hervorragend gefälschte Pässe“ wahrscheinlich auf dem Boot hinterlassen haben.

Schließlich berichtete auch THE GUARDIEN über die „brisanten Entdeckungen“ us-amerikaniser Geheimdienste, des Generalbundesanwalts sowie der ARD & Co.

Koordinierte Informationsoperation

Zu den „Stärken“ der Veröffentlichungen von NYT und ARD schreibt Larry Johnson, ehemaliger CiA-Analyst, am 8. März 2023 auf seinem Blog:

„Die gestrige gleichzeitige Veröffentlichung eines neuen Berichts über die Zerstörung der Nordstream-Pipeline in der New York Times, der Zeit und einer Londoner Zeitung, in dem die Schuld auf schattenhafte Pro-Ukrainer geschoben wird, war kein Zufall. Es handelte sich um eine koordinierte Informationsoperation, und die Reaktion der Medien auf diese Nachricht ist recht aufschlussreich. Dieselben Medien, die Sy Hershs brisante, detaillierte Enthüllung, dass es sich um eine US-Operation mit norwegischer Hilfe handelte, vehement ignorierten, stolperten über sich selbst und berichteten atemlos, dass eine nicht identifizierte pro-ukrainische Gruppe die schuldige Partei sei.

Die Zeit sorgte mit ihrer phantastischen Geschichte von sechs Personen auf einer Privatjacht, die die Tat verübten, für den größten Aufreger.“

Zur Verdeutlichung, dass es sich nur um eine phantastische Geschichte handeln kann verweist er unter anderem auf Moon of Alabama’s detaillierte Aufschlüsselung des Unsinns:

„Nein, man taucht nicht von einem spärlich besetzten Boot aus bis zu 80 Meter tief, um einen Auftrag von industriellem Ausmaß auszuführen, bei dem Hunderte von Pfund Sprengstoff in acht einzelnen Ladungen an sehr robusten Rohrleitungen angebracht werden. Solche Tieftauchgänge erfordern spezielle Gase, eine spezielle Atemausrüstung, eine spezielle Ausbildung, eine Dekompressionskammer für Notfälle und viele gut ausgebildete Leute, die all diese Dinge instand halten.“

Denn in allen drei Artikeln wurde vergessen, darauf hinzuweisen, dass man solch einen Tauchgang auf 200 Fuß nicht mit normaler Tauchausrüstung vollziehen kann.

„Man braucht einen Trockenanzug (wie mein Freund Mark sagt, sieht man aus wie der Stay Puft Marshmallow Man). Dieser Anzug erfordert eine spezielle Ausrüstung, die nicht auf eine Jacht passt. Dies ist ein verzweifelter, jugendlicher Versuch, die Schuld von den Vereinigten Staaten abzulenken. Ich kann es kaum erwarten, was passiert, wenn Sy eine neue Geschichte über Nordstream veröffentlicht.“

Taucherausrüstung

 

Vgl.: „Seymour Hersh: Das Nord-Stream-Geisterschiff – Die falschen Details in der CIA-Tarngeschichte

 

2. Test von zwei ukrainischen Piloten

Larry Johnson verbindet seinen Blogbeitrag zu den NS-Enthüllungen gleich noch mit dem „Blödsinn, dass zwei ukrainische Piloten eine Einführung in die F-16 erhalten.“

Die USA arbeiten mit ukrainischen Piloten in den Vereinigten Staaten zusammen, um herauszufinden, wie lange es dauern würde, sie für das F-16-Kampfflugzeug auszubilden, so drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen gegenüber CNN.

Zwei ukrainische Piloten werden derzeit auf einem Militärstützpunkt in den USA in Flugsimulatoren getestet, um herauszufinden, wie viel Zeit sie benötigen, um das Fliegen verschiedener US-Militärflugzeuge, einschließlich der F-16, zu lernen.

Ein US-Militärbeamter sagte Reportern, die mit Verteidigungsminister Lloyd Austin in den Nahen Osten reisten, dass sich die ukrainischen Piloten in Tucson, Arizona, aufhielten, um sich mit der Situation vertraut zu machen“, was er als Routineaktivität im Rahmen unseres militärischen Dialogs mit der Ukraine“ bezeichnete.“

Wenn die Ausbildung zweier ukrainischer Piloten einen militärischen Wert haben sollte, dann wäre der gleich Null. Es wärebestenfalls eine politische Geste ohne taktische Bedeutung.

„Ein Jagdgeschwader besteht, zumindest in den Vereinigten Staaten, aus 20 Flugzeugen. Wenn es den Vereinigten Staaten und der Ukraine ernst damit ist, F-16 in der Ukraine in die Luft zu bringen, müssen sie mindestens 18 weitere Piloten auftreiben. Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Irgendjemand muss 20 F-16 auftreiben, und wenn die USA die Flugzeuge bereitstellen können, muss auch jemand Bodenpersonal rekrutieren und ausbilden, das in der Lage ist, jedes Flugzeug zu bedienen und zu warten. Kurz gesagt, das wird nicht passieren.“

3. Der Sturm auf das Kapitol

Noch länger als die Enthüllungen über die Kriegserklärung an die westeuropäischen NATO-Partner durch den Angriff auf ihre Energiebasis dauerte es, den Sturm auf das Kapitol zu entlarven. In den vergangenen Tagen veröffentlichte Tucker Carlson auf Fox News Ausschnitte aus den Videoaufzeichnungen, die von Überwachungskameras gemacht worden.

„Angeblich, so auch die von den deutschen Medien übernommene Version, seien am 6. Januar 2021 Teilnehmer einer Trump-Kundgebung gewaltsam ins Gebäude des US-Parlaments eingedrungen und hätten versucht, es zu besetzen. Dabei seien eine Demonstrantin und ein Polizist der Wache ums Leben gekommen; Letzterer sei an einem Schlag auf den Kopf mit einem Feuerlöscher verstorben. Bilder des „Sturms“ gingen damals um die Welt. Eine besonders auffällige Figur dabei war der sogenannte „QAnon-Schamane“, ein Mann mit einer Mütze mit Büffelhörnern, mit bürgerlichem Namen Jacob Chansley.

Aber die Videoaufzeichnungen, die Tucker Carlson zeigte, lassen klar erkennen, wie manipuliert die verbreitete Version ist. 40.000 Stunden Videoaufzeichnungen hätten sie gesichtet, so Carlson, und es wäre kein „Sturm“ auf ihnen zu sehen. Im Gegenteil. Selbst Chansley wird auf seinem Weg durch das Kapitol stets von mindestens zwei Wachleuten begleitet, die ihm sogar Türen öffnen und bei denen er sich im Sitzungssaal des US-Senats für ihre Gastfreundschaft bedankt.

Die deutschen Medien lassen bereits jetzt erkennen, dass sie an der Geschichte vom „Sturm auf das Kapitol“ festhalten wollen. Der Spiegel begründet das damit, dass sich „Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Senders Fox News, der Ex-Präsident Trump lange loyal verbunden war“, aufdrängten, und die Zeit greift auf persönliche Angriffe zurück: „Der Moderator ist dafür bekannt, Verschwörungstheorien sowie offensichtliche Falschmeldungen zu verbreiten und gegen Minderheiten zu hetzen.“ Die Frankfurter Rundschau wirft Carlson gleich vor, er habe das Videomaterial irreführend zusammengeschnitten.

 

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Thomas Schulze


Mit den Beiträgen will ich helfen, anhand ausgewählter Beiträge besser zu verstehen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"

Ihr Thomas Schulze

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