„Ist Wladimir Putin verrückt?“ von Larry C. Johnson

Larry C. Johnson, ehemaliger Analyst der CIA, stellte am 25.04.2022 auf seinem Blog einen Beitrag zur Diskussion zur Frage: „Ist Wladimir Putin verrückt?“

„Ist Wladimir Putin verrückt?“

In den westlichen Medienberichten, ja selbst von einigen Politikern, wird behauptet: Putin sei verrückt, weil er für die „Aggression“ in der Ukraine verantwortlich ist. Larry Johnson stellt in seinem Blogbeitrag diese Frage zur Diskussion, in dem er aus Wladimir Putins Rede vor dem Vorstand der Generalstaatsanwaltschaft am 25.04.2022 zitiert und kommentiert. Hier die Übersetzung seines Blogbeitrags.

Beginn der Übersetzung

Ich bin mir nicht sicher, ob die Medienberichte im Westen, in denen behauptet wird, Wladimir Putin sei verrückt, auf grober Unwissenheit beruhen oder Teil einer verzweifelten Propagandakampagne sind. Werfen Sie einfach einen Blick auf Putins Rede, die er heute vor einer Versammlung der Generalstaatsanwaltschaft gehalten hat (um es mit den Worten der USA auszudrücken: es war eine Konferenz hochrangiger Beamter des Justizministeriums und der US-Staatsanwälte). Lesen Sie diesen Ausschnitt und sagen Sie mir, ob das nach einem verrückten Paranoiker klingt (Server aus Deutschland gesperrt, u.a. über Opera-Browser mit VPN/Standort Asien aufrufbar – T.S.):

Ich möchte speziell auf die Aufgaben eingehen, vor denen die Strafverfolgungsbehörden und der gesamte Bereich der Strafverfolgung im Zusammenhang mit der militärischen Sonderoperation im Donbass und in der Ukraine stehen.

Die Sonderoperation hat zahlreiche Verstöße gegen das Völkerrecht durch ukrainische Neonazi-Gruppen und ausländische Söldner aufgedeckt. Wir sprechen hier von extremen Gräueltaten wie der Tötung von Zivilisten, dem Einsatz von Menschen, einschließlich Kindern, als menschliche Schutzschilde und anderen Verbrechen. Offensichtliche Provokationen gegen unsere Streitkräfte, auch mit Hilfe ausländischer Medien und sozialer Netzwerke, erfordern ebenfalls eine gründliche Untersuchung.

Gleichzeitig ist es notwendig, jegliche Verbrechen auf dem Territorium der Russischen Föderation mit aller Entschlossenheit zu unterbinden. Heute Morgen hat der Föderale Sicherheitsdienst einen Anschlag einer terroristische Gruppe vereitelt, den sie auf einen bekannten russischen Fernsehjournalisten plante. Sie werden das jetzt sicherlich abstreiten, aber die Fakten und Beweise sind unwiderlegbar.

In diesem Zusammenhang möchte ich Folgendes anmerken. Zu unserer Überraschung fordern hochrangige Diplomaten in Europa und den Vereinigten Staaten ihre ukrainischen Satelliten auf, ihre Ressourcen zu nutzen, um auf dem Schlachtfeld zu gewinnen. Unsere Partner in den Vereinigten Staaten bedienen sich einer solch seltsamen Diplomatie – Diplomaten rufen sogar dazu auf. Aber da sie erkennen, dass dies unmöglich ist, versuchen sie stattdessen, ein anderes Ziel zu erreichen – die Spaltung der russischen Gesellschaft, die Zerstörung Russlands von innen. Aber auch hier gibt es einen Haken; auch das hat nicht funktioniert. Unsere Gesellschaft hat Reife und Solidarität bewiesen; sie unterstützt unsere Streitkräfte und unsere Bemühungen, die Sicherheit Russlands zu gewährleisten und den Menschen im Donbass zu helfen. Das bedeutet tatsächlich Unterstützung für unsere Menschen im Donbass. Als sie also ihre Informationsziele nicht erreichen konnten – sie haben natürlich weiterhin ihre Bürger getäuscht und ihre Monopolstellung im Informationsraum ihrer Länder und in einigen anderen Ländern ausgenutzt, aber hier, auf dem Territorium Russlands, haben sie versagt – sind sie zum Terror übergegangen und haben die Ermordung unserer Journalisten arrangiert.

In diesem Zusammenhang ist natürlich anzumerken, dass wir die Namen aller westlichen Betreuer, aller Mitglieder westlicher Dienste, vor allem der CIA, kennen, die mit ukrainischen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten. Offensichtlich geben sie ihnen solche Ratschläge. Das ist ihre Haltung gegenüber den Rechten von Journalisten, gegenüber der Verbreitung von Informationen, das ist ihre Haltung gegenüber den Menschenrechten im Allgemeinen. Sie kümmern sich nur um ihre eigenen Rechte, einige hegen imperiale Ambitionen, andere halten auf altmodische Weise an ihrer kolonialen Vergangenheit fest. Aber das wird in Russland nicht funktionieren.

Ich fordere das russische Untersuchungskomitee und alle Ermittlungsbehörden auf, solche Verbrechen detailliert zu erfassen, die Drahtzieher und Täter zu identifizieren, Strafverfahren einzuleiten und sie vor Gericht zu stellen, wie es sich gehört. Staatsanwälte und Ermittler sollten diese und alle anderen Fakten sorgfältig prüfen und die notwendigen Beweise sammeln, die in Gerichtsverfahren, auch auf internationaler Ebene, verwendet werden sollten. Ich möchte betonen, dass solche Beweise für alle von Neonazis und ihren Komplizen begangenen Verbrechen gesammelt werden sollten, beginnend mit dem Staatsstreich in Kiew im Jahr 2014, der den Weg für Bürgerkrieg, Blutvergießen und Gewalt in der Ukraine ebnete.

Nächster Punkt. Besondere Aufmerksamkeit sollten wir den Menschen widmen, die aus der Ukraine, aus den Volksrepubliken Donezk und Lugansk, nach Russland kommen. Bis heute sind es fast eine Million Menschen, darunter über 100 000 Kinder. Die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, sind nicht immer im Besitz der erforderlichen Dokumente, um materielle Hilfe und medizinische Versorgung zu erhalten und ihre Kinder in Schulen oder Kindergärten einzuschreiben. Ich fordere die Generalstaatsanwaltschaft auf, diesen Menschen Rechtsbeistand zu gewähren und ihre Rechte zu schützen, auch indem sie ihre Anträge innerhalb kürzester Zeit prüft. Es ist schwer für diese Menschen, helfen Sie ihnen.

Joe Biden ist selbst mit Hilfe eines Teleprompters nicht in der Lage, eine Rede wie diese zu halten. Was mir sofort auffiel, war der gemäßigte Ton der Rede (sie wurde heute Morgen live auf RT übertragen). Wladimir Putin hat weder geschimpft noch getobt. Er war direkt, prägnant und klar.

Besonders interessant fand ich seine Bemerkungen über die CIA:

In diesem Zusammenhang ist natürlich anzumerken, dass wir die Namen aller westlichen Betreuer, aller Mitglieder westlicher Dienste, vor allem der CIA, kennen, die mit den ukrainischen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten. Offensichtlich geben sie ihnen solche Ratschläge. Das ist ihre Haltung gegenüber den Rechten von Journalisten, gegenüber der Verbreitung von Informationen, das ist ihre Haltung gegenüber den Menschenrechten im Allgemeinen. Sie kümmern sich nur um ihre eigenen Rechte, einige hegen imperiale Ambitionen, andere halten auf altmodische Weise an ihrer kolonialen Vergangenheit fest. Aber das wird in Russland nicht funktionieren.

Ich nehme Putin beim Wort. Der russische Geheimdienst hat eine Liste der wichtigsten CIA-Offiziere, die in der Ukraine arbeiten, zusammengestellt und wird sie zur Rechenschaft ziehen. Anders als zu Zeiten der Sowjetunion, als die Vereinigten Staaten verärgerten KGB- und GRU-Offizieren wirklich eine klare Alternative zu den Lügen boten, die das verrottete kommunistische System stützten, ist der Westen heute zu einer Karikatur der alten Sowjetunion geworden. Wir inhaftieren heute politische Gefangene im District of Columbia und in Pennsylvania, weil sie es gewagt haben, Donald Trump zu unterstützen und das US-Kapitol zu stürmen. Tatsächlich sind in den Vereinigten Staaten mehr politische Gefangene inhaftiert als in Russland.

Wie sieht es mit einer freien Presse aus? Amerika ist jetzt eine weltweite Witzfigur. Die Konzernmedien haben sich in Helen Keller verwandelt, wenn es darum geht, den Wahlbetrug zu untersuchen oder auch nur in Frage zu stellen, durch den die Präsidentschaftswahlen 2020 an den dementen Joe Biden gingen. Mit Ausnahme von Tucker Carlson weigern sich die Mainstream-Medien, Analysten wie Doug MacGregor und Scott Ritter Sendezeit zu geben, die das Ukraine-Narrativ, wonach Russland böse und die Ukraine ein unschuldiges Opfer ist, autoritativ in Frage stellen können. Jeder, der sich in den sozialen Medien zu Wort meldet und versucht, eine alternative Sichtweise zu vermitteln, wird gelöscht. Die amerikanischen Medien verhalten sich jetzt wie die sowjetische Prawda auf Steroiden.

Die CIA, deren Aufgabe es ist, Spione in Russland zu rekrutieren und zu verwalten, die entscheidende Informationen über die wahren Absichten und Pläne Putins und seiner Generäle liefern, ist nun vollständig kastriert. Wenn Sie ein russischer Offizier wären, der mit dem derzeitigen Kurs Russlands unzufrieden ist, würden Sie der CIA vertrauen, dass sie Sie beschützt? Ich glaube, die Antwort ist ein klares Nein. Vor allem, weil die USA jetzt ihre volle Unterstützung für eine Ukraine zugesagt haben, in der es von NAZI-Ideologie und -Anhängern nur so wimmelt.

Aus der Geschichte des Kalten Krieges wissen wir, dass die CIA gezielt russische Diplomaten und Militärattachés im Ausland ausspionierte, um Spione in den inneren Kreis des Kremls zu bringen. Da die Vereinigten Staaten alle Länder der Welt dazu drängen, alles Russische zu bestrafen, nicht nur die Regierung, sondern auch die Menschen, ist es für US-Geheimdienstler schwieriger als je zuvor seit 1947, sich mit einem Russen anzufreunden und ihn anzuwerben. Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr in der Lage sein werden, ihre eigenen Geheimdienstinformationen zu generieren, und dass sie mehr und mehr auf ausländische Geheimdienste angewiesen sein werden, die uns mit ihren Informationen versorgen.

Ich bemitleide jene US-Geheimdienstler, die noch ein gewisses Maß an Integrität besitzen und ein umfassendes Verständnis von Russland haben. Wer versucht, alternative Erklärungen dafür anzubieten, warum Putin und das russische Volk sich in der Ukraine engagieren, muss mit starkem Gegenwind und möglicherweise mit dem Vorwurf rechnen, ein „Russland-Sympathisant“ zu sein. Wenn man an die Maxime „Wissen ist Macht“ glaubt, dann treten die Vereinigten Staaten jetzt in eine Phase der Ohnmacht ein. Ignoranz und ideologischer Fanatismus in den Geheimdiensten sind ein Rezept für eine Katastrophe.

Ende der Übersetzung

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Thomas Schulze
 

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