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Monthly Archives: August 2021

Zinsen verfassungswidrig – aber gerechtfertigt

Zinsen laut Abgabenordnung sind nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) verfassungswidrig seit 2014, aber bis 2018 gerechtfertigt.

Zinsen – verfassungswidrig, aber politisch gerechtfertigt

GrundgesetzLaut Abgabenordnung (AO) betragen die Zinsen für Steuernachforderungen und -erstattungen (AO § 233a) sechs Prozent.

Das BVerfG beschloss am 08.07.2021, dass diese Zinshöhe gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung aller Steuerpflichtigen gem. Grundgesetz Art 3 verstößt. Die Festsetzung solcher Zinsen ab 2014 sind verfassungswidrig.

Hat das BVerfG mit diesem Beschluss Angst vor der eigenen Courage bekommen? Oder ist es aus politischen Gründen eingeknickt?

Denn damit der Rechtsstaat nun nicht die zuviel kassierten Zinsen seit 2014 zurückzahlen muss, hat das BVerfG zugleich entschieden: die als verfassungswidrig eingestuften Zinsfestsetzungen dürfen bis Ende 2018 fortgelten. Erst seit 2019 darf die bisherige Regelung nicht mehr angewendet werden.

Begründet wird dies mit dem Hinweis auf Planungssicherheit der Staats-, Landes- und Gemeindehaushalte.

Der „Gesetzgeber“ hat schon vielfach nichtige oder verfassungswidrige Gesetze erlassen. Weitere Verfassungsbeschwerden – siehe beispielsweise hier – sind anhängig. Nun muss bis zum 31.12.2022 eine neue verfassungsgemäße Regelung getroffen werden.

Die Rechtsanwältin und Fachanwältin für Steuerrecht Susanne Christ hält diese Entscheidung für wenig einleuchtend. Denn schon im Jahr 2014 waren Zinsen von sechs Prozent an den Kapitalmärkten illusorisch. Das war auch dem Fiskus und dem „Gesetzgeber“ in diesem schon zu diesem Zeitpunkt bekannt.

Susanne Christ kritisiert auf stb-web.de am 26.08.2021:

„Die Entscheidung führt dazu, dass der Fiskus und die Gesetzgebung letztendlich dafür ‚belohnt‘ werden, sich beharrlich geweigert zu haben, sich der aufgrund veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse aufdrängenden Verfassungswidrigkeit bestehender Steuergesetze zu stellen und diese von sich aus verfassungsgemäß zu gestalten. Dies zeigt auch eine Schwäche des bestehenden Grundrechtsschutzes durch das BVerfG auf: Hoheitsträger werden nicht verpflichtet, von sich aus auf die Verfassungsmäßigkeit bestehender Regelungen zu achten, sondern erst wenn sich betroffene Bürger*innen dagegen zur Wehr setzen, werden nach – langjähren und verfahrensrechtlich außerordentlich schwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen – Verfassungswidrigkeiten festgestellt und häufig für die Vergangenheit hingenommen. Eine solche Rechtsprechung motiviert die Gesetzgebung geradezu dazu, es mit der Frage der Verfassungsmäßigkeit von Hoheitsakten nicht so genau zu nehmen. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass die Gesetzgebung nicht von sich aus längst tätig geworden ist.“

Steuerfreiheit, statt Steuerflucht

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Ohne Spritze – zum Abschuss freigegeben

Ungeimpft und vogelfrei

Wer sich der Gen-Spritze verweigert, ist in Deutschland gesellschaftlich zum Abschuss freigegeben.
von Rubikons Leserinnen und Leser

Spritze

Quelle: Liz Masoner/pixabay.com

Ungeimpft lebt es sich schwer im Deutschland des Jahres 2021. Die Luft wird immer dünner, der Spielraum gesellschaftlicher Teilhabe immer kleiner. Hinzu kommt, dass jene, die die Nadel ablehnen, an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und entmenschlicht werden. Wie konnte es so weit kommen? Wie konnten sich in Deutschland in kürzester Zeit Abgründe auftun, von denen man eigentlich gedacht hätte, dass sie überwunden wären? Quälende Fragen, die einer unserer Leserinnen schlaflose Nächte bereiteten. In ihrem Beitrag schüttet sie ihr von Corona-Restriktionen geschundenes Herz aus.

von Simone Theisen-Diether

Tränen rinnen über mein Gesicht, während ich versuche, Schlaf zu finden. Es sind bittere Tränen der Verzweiflung, Tränen der Hoffnungslosigkeit. Ich bin verzweifelt über den Zustand meines Landes, dessen Staatsbürgerin zu sein, mich früher stolz machte. Ich hatte keinen Grund, etwas in Zweifel zu ziehen. Das hat sich geändert, Corona hat alles verändert.

Ich habe eine chronische Erkrankung, genauer gesagt, eine seltene chronische Erkrankung. Die Kosten für die Behandlung trage ich zum Großteil selbst, da es bis heute nicht gelungen ist, das Krankheitsbild in vollem Umfang in die entsprechenden Richtlinien und Verordnungen aufzunehmen.

Ich werde damit alleine gelassen, so viel zum Thema „Solidarität“, die ja gerade so hoch gehängt wird.

Eine Petition, die diese unglücklichen Umstände ändern soll, liegt seit März 2021 beim Petitionsausschuss des Bundestages. Es ist okay, ich trage diese Kosten, auch wenn es keine Peanuts sind. Monatlich schlägt die Krankheit im Schnitt mit 300 Euro zu Buche. Es bleibt mir nichts anderes übrig, wenn es mir gut gehen soll. Eine Investition in die eigene Gesundheit, damit arrangiert man sich.

Aber nun soll ich ab Oktober auch noch dafür bezahlen, wenn ich meine Oma besuchen möchte. Es ist Schluss mit kostenlosen Schnelltests für Ungeimpfte. Degradiert zu Menschen zweiter Klasse, Ausgeschlossene im eigenen Land, werden wir nun auch noch zur Kasse gebeten. Ich bin fassungslos über so viel Geschmacklosigkeit und Kälte. Was wird so ein Test kosten? 25 Euro, oder mehr? Der Willkür scheinen keine Grenzen gesetzt.

Ich habe große Angst davor, was da auf mich zukommt. Die Anzahl der Besuche bei meiner 90-jährigen Oma hängt also vom Volumen meines Geldbeutels ab. Schönes neues Deutschland.

Letztes Jahr zur gleichen Zeit, hat es in der Regierung niemanden interessiert, ob und wie ich meine Oma besuche. Damals lebte sie noch in ihrer Wohnung, ungeimpft, logischerweise. Es war uns überlassen, wie wir uns schützen und auf uns aufpassen. Ganz eigenverantwortlich haben wir das hinbekommen. Und nun? Ich möchte nichts anderes, als meine Oma zu besuchen. Ich gehe mit frisch desinfizierten Händen, die Maske auf, geradewegs in ihr Zimmer, es gibt keinen Kontakt zu anderen Personen. Und auf direktem Weg zurück. Wo ist der Unterschied zu letztem Jahr? Ich passe immer noch gut auf und Oma ist auch schon längst geimpft.

Es ist nicht zu verstehen. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich meine Besuche demnächst reduzieren muss, weil auch mir kein Goldesel zur Verfügung steht. In einer Phase, wo jeder Besuch der letzte sein könnte. Anstatt zu ihr zu gehen, wenn mir danach ist, unterliege ich Regeln, die keinen Platz haben für Menschlichkeit. Ganz aktuell rudert jetzt der Sprecher des Gesundheitsministeriums zurück. Aber bei den vielen gebrochenen Versprechungen der letzten Zeit warte ich mit meiner Erleichterung lieber noch ab.

Der Ausweg aus dem Dilemma heißt „Impfen“, weil „damit bekommen wir ja unsere Freiheit zurück“. Es würgt mich, wenn ich solche fadenscheinige Propaganda höre. Es ist kaum auszuhalten. Von mir gibt es aktuell allerdings eine klare Absage ans Impfen.

Mein Ärmel bleibt unten, jetzt und sicherlich auch noch für lange Zeit.

Pfui, unsolidarisch bin ich und egoistisch. Nach neuester Definition gar unpatriotisch. Menschen, die so urteilen, machen es sich zu leicht. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, es gibt zahllose Grauschattierungen dazwischen. So, wie es vielleicht Gründe für die Impfung gibt, gibt es auch welche dagegen. Das hat gar nichts mit Impfverweigerung oder dergleichen zu tun. Ich habe eine Entscheidung getroffen und ich habe gute Gründe dafür. Die muss ich niemandem sagen, es ist privat und es ist mein gutes Recht. Dachte ich zumindest. Was tatsächlich noch mein gutes Recht ist, das hat sich in den letzten Monaten sehr aufgeweicht.

Einigkeit und Recht und Freiheit, nie zuvor hatte ich einen faderen Beigeschmack beim Hören der Deutschen Nationalhymne wie bei den kürzlich beendeten Olympischen Spielen.

Grundrechte gibt es nur für brave — sprich geimpfte — Bürger, Meinungsfreiheit gilt nur, wenn Big Tech die Meinung gefällt, und Demonstrationsrecht, das hat man nur noch, wenn das Thema passt. Eigenverantwortung ist abgeschafft und das Recht auf körperliche Unversehrtheit muss ich mir mit harten Restriktionen erkämpfen. All das macht mir Angst. Ich habe das Gefühl, in einem System der Willkür zu leben, in dem Fakten größtenteils ausgeblendet oder verdreht werden. All das, was Deutschland zu so einem lebenswerten Ort machte, verschwindet immer mehr.

Ich fühle mich vogelfrei, im übertragenen Sinne zum Abschuss freigegeben und es gibt niemanden, von dem man sich Hilfe erwarten könnte. Wohin soll man sich wenden?

In mir macht sich eine große Hoffnungslosigkeit breit, wohin steuert dieses Land? Ich bin verzweifelt, wenn ich sehe, wohin diese Politik die Gesellschaft getrieben hat. Wird sie sich jemals davon erholen? Die große Masse in Deutschland macht einfach mit. Manche mit „Ist-mir-egal-ich-bin-geimpft-Mentalität“, andere begrüßen es ganz unverblümt, dass der neue Feind der Gesellschaft nun zur Kasse gebeten und ausgegrenzt wird. Wenige gibt es, die ihre Stimme erheben und auf die Diskriminierung hinweisen. Dass es ausgerechnet in Deutschland so leicht war, diese Spaltung herbeizuführen, erschreckt zutiefst.

Eine gewisse Lebenserfahrung sagt mir, dass sich der Wind schneller drehen kann, als man denkt. Anders ausgedrückt: „Dann wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.“ Wer heute noch lacht, diskriminiert, beschimpft oder einfach nur wegschaut, weil er nicht betroffen ist, der wird sich vielleicht schon bald wundern. Was kommt nach Corona? Vorausgesetzt, es wird ein „Nach Corona“ überhaupt geben. Vielleicht werden Pools im eigenen Garten verboten oder die Anzahl der Urlaubstage im Ausland reglementiert. Alles nur zum Wohle des Großen Ganzen. Umsetzbar mit Bußgeldandrohungen oder dergleichen. Klingt wie eine schlechte Fantasie, völlig abwegig? Ja, das dachte ich vor einem Jahr auch noch über meine körperliche Unversehrtheit.

Es wird immer Menschen geben, die von einer staatlichen Regelung mehr betroffen sind als andere. Handelt es sich um Regelungen, die dem Grundgesetz widersprechen, sollte man immer den Mund aufmachen. Schweigend dulden eröffnet nur die Möglichkeiten für neue Machtspiele. Eine Gesellschaft lässt sich nicht daran messen, wie sie bei eitel Sonnenschein zusammensteht, sondern daran, wie es um ihren Zusammenhalt in der Krise bestellt ist. Aktuell sieht es nicht gut aus. Das lässt mich verzweifeln und raubt mir den Schlaf. Einen kleinen Restfunken Hoffnung habe ich noch, sonst wären diese Zeilen gar nicht erst entstanden. Es ist an der Zeit, dass wir aufstehen, alle, ohne Unterschied.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 24.08.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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Corona-Impfung

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Pressefreiheit gestern und heute

Die Pressefreiheit wird laut Grundgesetz garantiert – und was macht die Presse mit dieser Garantie? Hilft sie bei der freien Meinungsbildung?

Pressefreiheit im Grundgesetz

Grundgesetz Art 5

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

„Reporter ohne Grenzen“ hat eine „Rangliste der Pressefreiheit“ veröffentlicht, die nachdenklich machen sollte:

Pressefreiheit Weltweit 2021

Demnach hat sich Deutschland in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit um zwei Plätze vom 11. auf den 13. Rang verschlechtert. Mit einer „Punktzahl“ von 15,24 rutscht die Bundesrepublik abwärts und überschreitet die Marke von 15 Punkten, ab der die Pressefreiheit nur noch als „zufriedenstellend“ und nicht mehr als „gut“ eingestuft wird.

Als Hauptgrund für die Herabstufung wird die Gewalt gegen Medienschaffende in Deutschland angegeben, die im Jahr 2020 „eine noch nie da gewesene Dimension erreicht“ hätte.

Und wie sieht es mit der Pressefreiheit aus, wenn es um die Objektivität der medialen Berichterstattung geht? – Da wird das Ranking wenig überzeugend. Was auch nicht verwunderlich ist, wenn man die Methodik der Analyse kennt, die Thomas Röper einmal näher beleuchtet hat.

John Swinton über Freiheit der Presse

John Swinton, seinerzeit Editorialschreiber bei der New York Sun, bekannte in seiner Rede im Twilight Club am 12.04.1883 im D’Orville’s Restaurant im Mills Building in New York:

„So etwas wie eine unabhängige Presse gibt es in Amerika nicht, außer in abgelegenen Kleinstädten auf dem Land. Ihr seid alle Sklaven. Ihr wisst es und ich weiß es. Nicht ein einziger von euch wagt es, eine ehrliche Meinung auszudrücken. Wenn ihr sie zum Ausdruck brächtet, würdet ihr schon im Voraus wissen, dass sie niemals im Druck erscheinen würde. Ich bekomme 150 Dollar dafür bezahlt, dass ich ehrliche Meinungen aus der Zeitung heraushalte, mit der ich verbunden bin. Andere von euch bekommen ähnliche Gehälter um ähnliche Dinge zu tun. Wenn ich erlauben würde, dass in einer Ausgabe meiner Zeitung ehrliche Meinungen abgedruckt würden, wäre ich vor Ablauf von 24 Stunden wie Othello: Meine Anstellung wäre weg. Derjenige, der so verrückt wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, wäre auf der Straße um einen neuen Job zu suchen. Das Geschäft des Journalisten in New York ist es, die Wahrheit zu verdrehen, unverblümt zu lügen, sie zu pervertieren, zu schmähen, zu Füßen des Mammon zu katzbuckeln und das eigene Land und Volk für sein tägliches Brot zu verkaufen, oder, was dasselbe ist, für sein Gehalt. Ihr wisst es und ich weiß es; Was für ein Unsinn, einen Toast auf die ‚Unabhängigkeit der Presse‘ auszubringen! Wir sind Werkzeuge und Dienstleute reicher Männer hinter der Bühne. Wir sind Hampelmänner. Sie ziehen die Fäden und wir tanzen. Unsere Zeit, unsere Fähigkeiten, unser Leben, unsere Möglichkeiten sind alle das Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

„Der Mythos der Objektivität“

In einem Beitrag unter dem Titel „Der Mythos der Objektivität“ zitiert Michael Meyen, Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU München, Paul Harms, der im Kaiserreich und in der Weimarer Republik viel publizierte:

„Für den ordnungsliebenden Staatsbürger, der nur lügt, wo sein persönlicher Vorteil es erheischt, mag die Erkenntnis schmerzlich sein, aber es ist so: Nichts als wahr zu sein, ist gar nicht die Aufgabe der Zeitungsnachricht. Sie kann es nicht sein, und sie darf es nicht sein“.

Meyen verweist darauf, dass Harms zu einer solchen Einschätzung kam, weil er selbst erlebte, wie im Auftrag des Kaiser über Geld und Exklusivnachrichten „die deutsche Presse korrumpiert“ und aus dem Journalismus bis auf wenige Ausnahmen Regierungs-PR gemacht wurde.

Pressefreiheit nur im Rahmen der Regierungs-PR

Was zumindest für Insider schon seit mehr als hundert Jahren klar ist, wird besonders in den letzten beiden Jahrzehnten bestenfalls durch einige wenige alternative Medien und investigative Journalisten aufgebrochen – die immer schärfer von der Dreieinigkeit aus Legislative, Exekutive und Judikative bekämpft werden.

Sehr detailliert schildert das aktuell beispielsweise Mathias Bröckers in dem Interview über 9/11 (Teil I und Teil II):

„Die Berichterstattung über die Anschläge vom 11. September und ihre direkten Folgen, die Kriege in Afghanistan und im Irak, waren dann auch von einer Einheitlichkeit geprägt, die mit Journalismus nichts mehr zu tun hatte: Die »freie Presse«, die Wachhunde der Demokratie, waren zu Schoßhunden und Lautsprechern der US-Regierung mutiert. Sie produzierten Propaganda.“

Offiziell findet keine Zensur statt, wird die Pressefreiheit garantiert. Doch in der Praxis werden nicht nur Journalisten und alternative Medien bekämpft. Da wird schon mal der Twitter-Kanal von Donald Trump mit 70 Millionen Followern gelöscht, „um eine bananenrepublikanische Zählung und Deutung der Wahlergebnisse sicherzustellen“

„Doch wenn man den Kommandeur der größten Weltmacht ungestraft von der Kommunikation abschneiden kann, ist auf dieser nach oben offenen Trump-Skala künftig alles möglich und kein kleinerer Akteur muss sich mehr wundern, wenn ihm der Saft abgedreht wird.“

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Beispiele für Zensur und korrumpierte Medien:

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Offener Brief von Wissenschaftlern ermutigt Ungeimpfte

Die letzte Bastion der Freiheit

Ein offener Brief von Wissenschaftlern ermutigt Ungeimpfte und bekräftigt das Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung.
von Rubikons Weltredaktion

Impfkampagne

Quelle: Liz Masoner/pixabay.com

Der Forscher Dr. Denis Rancourt und mehrere andere kanadische Wissenschaftler haben einen offenen Brief verfasst, um diejenigen zu unterstützen, die sich gegen eine COVID-19-Impfung entschieden haben. Die Gruppe betont den freiwilligen Charakter dieser medizinischen Behandlung sowie die Notwendigkeit einer informierten Zustimmung und einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Sie lehnen den Druck ab, den Gesundheitsbehörden, Medien und soziale Medien sowie Mitbürger auf Ungeimpfte ausüben. Die Kontrolle über unsere körperliche Unversehrtheit zu behalten, bedeutet, die letzte Grenze verteidigen, die unsere bürgerlichen Freiheiten noch schützt.

von Angela Durante

Offener Brief an die Ungeimpften

Sie sind nicht allein! Mit Stand vom 28. Juli 2021 haben 29 Prozent der Kanadier keine COVID-19-Impfung erhalten, weitere 14 Prozent haben bis dato nur eine Dosis bekommen. In den USA und in der Europäischen Union ist weniger als die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft, und selbst in Israel, dem laut Pfizer „Weltlabor“, ist ein Drittel der Menschen völlig ungeimpft. Politiker und Medien haben eine einheitliche Sichtweise eingenommen und die Ungeimpften zum Sündenbock für die Probleme gemacht, die nach achtzehn Monaten der Angstmacherei und der Lockdowns entstanden sind. Es ist an der Zeit, einige Dinge richtig zu stellen.

Es ist völlig vernünftig und legitim, sich gegen unzureichend getestete Impfstoffe auszusprechen, für die es keine zuverlässige wissenschaftliche Grundlage gibt. Sie haben das Recht, über Ihren Körper zu bestimmen und medizinische Behandlungen abzulehnen, wenn Sie es für richtig halten. Sie haben das Recht, „Nein“ zu sagen, wenn Ihre Würde, Ihre Integrität und Ihre körperliche Autonomie verletzt werden. Es ist Ihr Körper, und Sie haben das Recht, frei zu entscheiden. Sie haben das Recht, gegen die Massenimpfung Ihrer Kinder in der Schule zu kämpfen.

Sie haben Recht, wenn Sie sich fragen, ob eine freie und informierte Zustimmung unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich ist. Langfristige Auswirkungen sind unbekannt. Mögliche vererbbare Auswirkungen sind unbekannt. Die durch die Impfung verursachte Deregulierung der natürlichen Immunität ist unbekannt. Mögliche Schäden sind nicht bekannt, da die Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen verspätet, unvollständig und von Land zu Land uneinheitlich geschehen.

Sie werden von den Mainstream-Medien, den Social-Engineering-Kampagnen der Regierung, ungerechten Vorschriften und Richtlinien, kollaborierenden Arbeitgebern und dem Mob in den sozialen Medien ins Visier genommen. Ihnen wird gesagt, dass Sie jetzt das Problem sind und dass die Welt nicht wieder in Ordnung kommen kann, wenn Sie sich nicht impfen lassen.

Sie werden von der Propaganda zum Sündenbock gemacht und von Ihrem Umfeld unter Druck gesetzt. Denken Sie daran: Mit Ihnen ist alles in Ordnung.

Sie werden fälschlicherweise beschuldigt, eine Fabrik für neue SARS-CoV-2-Varianten zu sein, obwohl Ihr natürliches Immunsystem nach Ansicht führender Wissenschaftler tatsächlich eine Immunität gegen mehrere Komponenten des Virus erzeugt. Dies fördert Ihren Schutz gegen eine Vielzahl von Virusvarianten und verhindert eine weitere Ausbreitung auf andere Personen.

Sie fordern zu Recht unabhängige, von Experten begutachtete Studien, die nicht von multinationalen Pharmaunternehmen finanziert werden. Alle von Fachleuten begutachteten Studien zur kurzfristigen Sicherheit und Wirksamkeit wurden von diesen gewinnorientierten Unternehmen finanziert, organisiert, koordiniert und unterstützt; und keine der Studiendaten wurde veröffentlicht oder Forschern zugänglich gemacht, die nicht für diese Unternehmen arbeiten.

Sie haben Recht, wenn Sie die vorläufigen Ergebnisse der Impfstoffstudien in Frage stellen. Die behaupteten hohen Werte der relativen Wirksamkeit stützen sich auf eine geringe Zahl von „Infektionen“, die nur sehr vage bestimmt wurden. Die Studien waren auch nicht blind, das heißt die Personen, die die Injektionen verabreichten, wussten oder konnten sich erschließen, ob sie den experimentellen Impfstoff oder das Placebo injizierten. Dies ist keine akzeptable wissenschaftliche Methodik für Impfstoffstudien.

Sie haben Recht mit Ihrer Forderung nach einer Vielfalt wissenschaftlicher Meinungen. Wie in der Natur brauchen wir eine Polykultur von Informationen und deren Interpretationen. Und die haben wir im Moment nicht. Die Entscheidung, den Impfstoff nicht zu nehmen, schafft Raum für Vernunft, Transparenz und Verantwortlichkeit. Sie fragen zu Recht: „Was kommt als Nächstes, wenn wir die Hoheit über unseren eigenen Körper aufgeben?“

Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Sie beweisen Widerstandskraft, Integrität und Entschlossenheit. Sie kommen mit Gleichgesinnten zusammen, schmieden Pläne, um sich gegenseitig zu helfen, und setzen sich für die wissenschaftliche Rechenschaftspflicht und die Meinungsfreiheit ein, die für das Gedeihen der Gesellschaft unerlässlich sind. Wir gehören zu den vielen, die an Ihrer Seite stehen.

Angela Durante, PhD
Denis Rancourt, PhD
Claus Rinner, PhD
Laurent Leduc, PhD
Donald Welsh, PhD
John Zwaagstra, PhD
Jan Vrbik, PhD
Valentina Capurri, PhD


Dieser Artikel erschien zuerst unter dem Titel „Letter to the unvaccinated“. Er wurde von Max Stadler aus dem ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt, vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert und erschien auf Rubikon am 18.08.2021.

Er ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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Bürger als Pawlowsche Hunde

Der Tod der Vernunft

Mit den Auswüchsen der Impfkampagne geht ein Absterben rationalen Denkens in der Gesellschaft einher — damit ist das Tor für schlimmste Gräueltaten geöffnet.

von Nicolas Riedl

Impfkampagne

Quelle: Liz Masoner/pixabay.com

Voltaire wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, bringt dich auch dazu, Ungeheuerlichkeiten zu tun.“ Der Satz verdeutlicht, dass das Dahinschwinden rationalen Denkens in der Masse der Gesellschaft eine erhebliche Gefahr birgt. So lustig einem im ersten Moment die Handlungen einer von allen guten Geistern verlassenen Menschenherde vorkommen können, so schnell kann einem das Lachen vergehen. Die Frage ist, wozu diese irrationalen Menschen noch imstande wären. Die verbliebenen kritischen Geister im Land spotten vielleicht über Menschen, die auf dem Fahrrad mit Maske über einen menschenleeren Feldweg fahren. Doch wenn dieser Mensch eine derart absurde Handlung nicht als solche erkennt, in welchen Bereichen wird er sonst noch völlig blind sein? Wird er Unrecht als solches erkennen können und der Grausamkeit offen entgegentreten? Und wie wird sich dieser maskierte Radler verhalten, wenn er sieht, dass Menschen auf offener Straße verprügelt werden?

Die Irrationalität triumphierte

Bereits Ende April verfasste ich einen Beitrag mit dem Titel „Triumph der Irrationalität„, der anscheinend einen Nerv traf und vergleichsweise sehr viral ging. In diesem analysierte ich anhand eines RTL-Beitrags die Reaktionen von Passanten auf die „Impfen = Freiheit„-Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm. Die vorgestellten Fußgänger waren ein mustergültiges Beispiel für Menschen, denen jegliche Rationalität abhandengekommen ist. Will heißen, dass sie über keine kritisch-analytische Integrität verfügen, sondern einem Schwamm gleichkommend alles aufsaugen, was ihnen an Gedanken aufgegossen wird.

Im Grunde genommen dachte ich, mit diesem Artikel bereits alles gesagt zu haben. Doch Meldungen der zurückliegenden Tage und Wochen, die einem wahrlich die Kinnlade runterfallen lassen, belehrten mich eines Besseren. Da ich dem inneren Drang nicht widerstehen kann, das zu kommentieren, folgt nun auf dem oben genannten Beitrag aufbauend ein verschriftlichtes Haareraufen in Reaktion auf die abstrusen Blüten der Impfkampagne. Hierzu seien die wichtigsten Thesen des genannten Beitrags stichpunktartig zusammengefasst:

  • Die Impf-Maxime wird mit einem religiösen Eifer und in kultischer Manier transportiert.
  • Die Menschen geraten psychisch in einen Prozess der Regression, in welchem sie sich in den infantilen Status eines Kindes zurückentwickeln (1).
  • Der Triumph der Irrationalität ist zugleich der Triumph der Biopolitik — die Biopolitik, deren Feld der Machtausübung der Körper eines jeden Einzelnen ist (2). So bekennen die Befragten im genannten RTL-Beitrag, sie würden sich sofort impfen lassen — mit was, das sei ihnen egal.
  • Es findet zudem eine historische Regression statt — die sprachliche Nähe von „Impfen = Freiheit“ zu „Arbeit macht frei“ wird überhaupt nicht erkannt.

Die Irrationalität hat triumphiert. Betrachten wir nun, was auf diesen Triumph folgt. Es sind die Arten der Impfanreize, die fassungslos machen. Im genannten Beitrag erwähnte ich bereits einen Impfanreiz in Form von je einer Flasche Eierlikör, die der Chef einer Pflegekette einem jeden geimpften Angestellten in Aussicht stellte. Sie finden bereits das absurd? Dann schnallen Sie sich gut an — es folgen geistige Luftlöcher!

Impfanreize — „Ist dies Wahnsinn, so hat es doch Methode.“ (Shakespeare)

Bevor wir uns in die Impf-Geisterbahn setzen, sei hier noch ein Fakt vorab in Erinnerung gerufen. Dafür muss man wahrlich nicht Medizin studiert haben, eigentlich müsste das auch jedem Laien bekannt sein. Eine Impfung stellt in aller Regel eine temporäre Schwächung des Immunsystems dar. Es ist von daher ratsam, sich in den Tagen danach nicht zu verausgaben. Dazu zählt auch, dass man in diesem Zeitraum mehr als sonst auf eine gesunde Lebensweise achten sollte.

Ich selbst bin mehrfach — mit „normalen“ Stoffen — geimpft und erinnere mich noch gut an die ärztlichen Ratschläge, nach erfolgter Injektion die nächsten Tage lieber eine ruhige Kugel zu schieben und mich nicht allzu sehr zu verausgaben. Behalten wir uns diese Binsenweisheit im Hinterkopf. Und nun: Augen zu und durch!

Impf-Frühschoppen

Bitte nicht verlesen! Die Rede ist hier nicht von „Shoppen“, sondern vom „Schoppen“. Mir als Bayer erschließt sich der Begriff „Schoppen“ trotz Duden in diesem Kontext nicht wirklich. Jedenfalls werden im nordrhein-westfälischen Attendorn die Menschen mit dem sogenannten Frühschoppen ins Impfzentrum (IZ) gelockt.

Beim Hellweger Anzeiger — der sich angesichts der Schlagzeile selbst nicht so ganz entscheiden kann, ob er nun „Schoppen“ oder „Shoppen“ meint — liest sich das so:

„Um Anreize zum Impfen zu schaffen, wurde im Sauerland ein regelrechtes Fest am Impfzentrum veranstaltet. Der Frühschoppen mit Blasmusik, Brezeln und alkoholfreiem Bier war ein voller Erfolg.“

So so, Impfen bei Blasmusik? Müssten der Corona-Logik nach die Aerosole durch die Trompeten nicht wild durch die Luft geschleudert werden? Aber geschenkt!

Bleiben wir gleich mal im Ort Attendorn — das scheint ein regelrechtes Mekka des Corona-Kults zu sein.

Impf-Party — Wochenende! Impfen! Geil!

Anfang Juli fand in besagtem Ort doch tatsächlich eine „Impf-Party“ statt. Wer dachte, dass es nichts Hirnrissigeres als Masern-Partys gibt, wird hier eines Besseren belehrt. Das IZ wurde in eine Club-Location umgebaut, in welcher man sich unter den Disco-Kugeln ungetestete „Impfstoffe“ in die Venen rammen lassen konnte.

Dazu gab es Cocktails, die nach den Impfstoffen umbenannt waren: „Sex on the Beach“ wurde zum Platzhalter für Astra Zeneca, „Havana Tropical“ für Moderna, „Solero“ für Biontech und Erdbeer-Bowle für Johnson & Johnson. Es gab auch Aperol Spritz. Der hieß dort Zweitimpfung.

Doch in beiden ist nicht drin, was der Name jeweils verspricht: Weder sind in den „Impfstoffen“ die medizinischen wie politischen Heilsbringer für die Gesundheit und Freiheit enthalten, noch enthielten die Cocktails, was nach offizieller Rezeptur hätte drin sein müssen — Alkohol. Für die „Impflinge“ mag das zwar durchaus vorteilhaft sein, wenn der Körper neben den ungetesteten „Impfstoffen“ nicht auch noch zusätzlich den Alkohol verarbeiten muss. Aber im Umkehrschluss bedeutet dies ja, dass die Partygäste im nüchternen Zustand etwas taten, was vernünftige Menschen nicht einmal im Vollsuff täten — sich gegen eine Erkrankung im Gefährlichkeitsbereich einer saisonalen Grippe mit ungetesteten, neuartigen „Impfstoffen“ zu spritzen.

Auf die Rationalität, Prost!

Impfen im Supermarkt

In Supermärkten soll demnächst geimpft werden. Nicht nur auf den Parkplätzen, sondern in den Märkten selber. Das ist bemerkenswert, sind Supermärkte doch wahrlich kein Hort der Gesundheit. Das Sortiment eines Edeka oder Rewe-Marktes auf die wirklich unbedenklichen, gesunden Produkte reduziert, würde in einen kleinen Tante-Emma-Laden passen.

Nun sehen wir also demnächst Menschen in den Supermarkt strömen, um sich der Gesundheit wegen impfen zu lassen und sich danach zuckerhaltige, giftige, künstliche Nahrungsmittel und hochtoxische Haushaltsmittel zu beschaffen.

Dass allein der Zucker ein vielfaches mehr an Menschen dahinrafft, als es Corona je könnte, ist entweder niemanden bekannt oder es wird schlicht ignoriert.

Wir dürfen uns jedenfalls schon freuen auf kleine Impfboxen neben den Süßigkeitenregalen — ein fast schon mustergültiges Beispiel für kognitive Dissonanz.

Impf-Drive-in

„Scheibe runter, Arm raus, weiterfahren: Mehrere deutsche Städte haben in den vergangenen Wochen Massenimpfungen am Drive-in-Schalter durchgeführt.“, titelt RND.

Und was ist mit der ärztlichen Voruntersuchung, die bei einer Impfung immer geboten ist? Fragt an den Drive-in-Schaltern überhaupt jemand, ob der zum Dauerpatienten degradierte Mensch Vorerkrankungen hat? Ob er sich heute gesundheitlich wohlfühlt? Wird etwa überprüft, ob die Person vielleicht gerade einen Schnupfen oder eine andere Erkrankung hat und deswegen besser nicht „geimpft“ werden sollte? Ja, wird die „Impfung“ überhaupt von medizinisch geschultem Personal durchgeführt, gar von einem Arzt? Oder sitzen dort behelfsmäßige Laien vom Schlag eines Faktenchecker-Redakteurs? Also irgendwelche Kunstpädagogik-Studienabbrecher, die sich ohne medizinische Ausbildung erdreisten, renommierten Ärzten die Kompetenz abzusprechen und daraus schlussfolgernd auch fachlich dazu befähigt sind, vorbeifahrenden Menschen Spritzen in den Oberarm zu jagen?

Hol das Leckerli! — Impfung gegen Bratwurst

Wenn man Menschen mit einer Flasche Eierlikör zur Impfung bewegen kann, dann kann man sie auch mit anderen Verbrauchsgütern im einstelligen Eurowertbereich zur Injektion locken. Aber Menschen mit Bratwürsten zu locken, hat dann doch noch mal ein ganz eigenes „Geschmäckle“.

Ein Geschöpf, das mit einer Wurst für eine vollbrachte Leistung belohnt wird — woran denken Sie? An einen Menschen — oder doch eher an einen Hund?

Ja, hier zeigt sich die Abschaffung des Menschseins in aller Deutlichkeit. Der Mensch wird zum Nutztier. Schauen Sie sich doch nur an, wie die Menschen in Scharen in der Schlange der IZ stehen, wie arme Tiere aus der Massentierhaltung, die ihrer Schlachtung entgegensehen. Die Menschen werden gelockt, wie Fische, denen man einen Köder ins Wasser wirft. Es wirkt fast so, als würde der breiten Masse der Menschen nun das gleiche Schicksal blühen, welches sie bei Milliarden von Nutztieren aus der Massentierhaltung billigend in Kauf nahmen. Sie werden in Herden getrieben, registriert, mit temporären Leckerlis verlockt und dann …

Wo steht der Mensch in seiner Entwicklung, wenn er geistig so weit abgerichtet ist, dass er sich im Gegenzug zu einer in drei Minuten verputzbaren Bockwurst eine womöglich lebensverändernde Injektion verpassen lässt?

Ist das der mündige Bürger, der zu werden wir in der Schule angehalten wurden? Ist das der Mensch nach dem Idealbild Kants? Was ist aus der Aufklärung geworden? Wo sind die Erkenntnisse aus dieser Epoche hin?

Ich sage Ihnen, was aus der Aufklärung wurde: Stellen Sie sich vor, die Aufklärung wäre Senf. Scharfer Senf. Und dieser Senf befindet sich im Bratwurst-Hotdog, den der Frischgeimpfte für seine Injektion erhalten hat. Und dieser Senf spritzt — als der Geimpfte in seine Gratis-Bratwurstsemmel beißt — direkt auf sein Shirt. Mit einem angewiderten „Uuuh“ streift er den Senffleck vom Shirt, von wo aus er auf dem Asphalt, auf den ein Hinweis zur Maskenpflicht aufgetragen ist.

McImpfen — Bleiben Sie gesund, gehen Sie zu McDonald‘s!

„Jetzt kann man sich sogar bei McDonald‘s impfen lassen“, titelt Tag24 ganz begeistert. Auch anderorts wirbt McDonald‘s damit, dass man sich in der Filiale oder durch den davor parkenden Impfbus spritzen lassen kann und im Gegenzug ein Menü erhält.

Erinnern Sie sich bitte an den Hinweis zu Beginn dieser Auflistung. Es geht hier doch vornehmlich um Gesundheit, oder nicht?

Wie um alles in der Welt können Menschen diese Widersprüchlichkeit nicht erkennen? Der Gesundheit wegen zu McDonald‘s zu gehen? Sich erst eine Spritze verabreichen zu lassen — von der die Menschen überzeugt sind, sie diene ihrer Gesundheit — aber sich danach als „Dankeschön“ ein Essen reinpfeifen, welches nicht einmal Maden anrühren?

Es ist doch wirklich kein großes Geheimnis, dass Fast Food von McDonalds alles andere als gesund ist. Und wer sich bereitwillig davon ernährt, scheint sich doch sowieso nicht sonderlich für die eigene Gesundheit zu interessieren. Die, die sich in oder vor McDonalds impfen lassen und dafür ein McMenü spendiert bekommen — machen die das wirklich einfach nur für die Illusion, durch die Impfung wieder Freiheit zu erlangen? Oder schlimmstenfalls sogar einfach nur, um gratis Pommes und Burger abzustauben?

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal:

Impfungen wurden in der alten Normalität in Arztpraxen und in Krankenhäusern von medizinisch geschultem Personal, respektive einem Arzt durchgeführt. Ihnen ging verpflichtend eine Beratung sowie eine neutrale (!) Aufklärung über Nutzen und Risiko voraus.

Ob das bei McDonalds ebenso eingehalten wird? Und wer führt die Impfung eigentlich durch? Ein Ronald-McDonald-Clown?

Und für McDonald‘s gilt ebenso wie für die Impf-Bratwurst: Konsum von Fleisch aus der Massentierhaltung schadet nicht nur dem, der es isst, sondern auch allen anderen Menschen. Das sei hier nur stichpunktartig aufgeführt: Grundwasserverschmutzung, Erzeugung multiresistenter Keime und vieles mehr.

Will heißen, dass Massentierhaltung real die Gesundheit anderer gefährdet. Aber ging es bei der Impfung nicht vordergründig darum, andere zu schützen? Stellt es dann nicht einen eklatanten Widerspruch dar, sich einerseits „für andere“ zu impfen, aber anderseits dann eben jene „anderen“ durch den eigenen Fleischkonsum zu gefährden? Und sollte man angesichts der Keimbelastung von Billigfleisch aus der Massentierhaltung vor dem Tüteninhalt seines McMenüs oder der Bratwurst, die man im Gegenzug zur Corona-Impfung erhielt, nicht deutlich mehr Angst haben als vor diesem Virus? Das Virus, dessen Letalitätsrate für Unter-70-Jährige bei 0,05 Prozent und insgesamt bei 0,23 Prozent liegt (3)?

Wenn die Rationalität fällt …

Unterm Strich basieren sämtliche Impfanreize auf der Handlungsmaxime, man müsse die Impfungen dahin bringen, wo die Leute seien, whatever it takes. Die Impfung müsse den Leuten allerorten aufgedrängt werden. Die Impfunwilligkeit und -müdigkeit wird wie ein unerwünschter, zu behebender Defekt betrachtet, nicht als eine legitime Entscheidung des Einzelnen. Es herrsche eine Corona- und Impfmüdigkeit, heißt es. Daher brauche es die Anreize — und seien sie noch so billig —, damit das potenziell immerzu kranke Patienten-Vieh sich doch noch für die Impfung entscheidet. Das erinnert an den ungleichen Deal zwischen amerikanischen Ureinwohnern und europäischen Siedlern, die Ersteren gegen wertlose Murmeln und Perlen ihre Reichtümer und Ländereien „abkauften“.

Der Mensch wird nicht mehr als mündiges Wesen betrachtet, das seine Entscheidungen selbst fällen und für sich Verantwortung übernehmen kann. Und jene, die diese Fähigkeit eines mündigen Bürgers beanspruchen, werden pathologisiert, „idiotisiert“ und kriminalisiert. Die Willfährigkeit, mit der die Masse all das über sich ergehen lässt, gibt den Akteuren Recht. Die Masse der Menschen lässt es wirklich mit sich machen. Sie lässt sich wie eine Tierherde dressieren, locken und konditionieren.

Man könnte nun darüber lachen, über diese gesellschaftsfähige Idiotie. Doch leider ist sie alles andere als zum Lachen. Denn der Wegfall der Rationalität in breiten Teilen der Gesellschaft birgt eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Mit „Rationalität“ ist in diesem Zusammenhang nicht das rein verkopfte Denken unter Auslassung der Emotionen gemeint. Wäre eine Gesellschaft rein rational gepolt, sodass ihre Mitglieder in utilitaristischer Manier rein nach Kosten-Nutzen-Abwägungen ihre Entscheidungen zum Zweck der Nutzenmaximierung fällten, wäre dies ebenso wenig ein wünschenswerter Zustand. Der Begriff der Rationalität soll bei dieser Betrachtung als ein Zusammenspiel von logischem Denken und der Herzebene im empathischen und angstfreien Zustand verstanden werden. Immanuel Kant wird folgendes Zitat zugeschrieben:

„Vernunft ist durch das Herz gebrochener Verstand.“

Somit könnte man auch von „Vernunft“ statt von „Rationalität“ sprechen, doch da der Vernunftbegriff in der Corona-Debatte sehr sinnverzerrend konnotiert ist, bleiben wir beim Begriff „Rationalität“ nach oben genannter Definition.

Wenn also diese Rationalität wegfällt, verliert die Gesellschaft als Kollektiv einen Sicherungsschalter, eine Schutzschicht, ein Bollwerk gegen die Barbarei. Vielleicht mag das auf den ersten Blick ungeheuerlich und vollkommen übertrieben wirken. Aber denken wir das einfach mal weiter und erinnern uns an das Voltaire-Zitat aus der Einleitung:

„Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, bringt dich auch dazu, Ungeheuerlichkeiten zu tun.“

Sich mit einem ungetesteten „Impfstoff“ spritzen zu lassen, um im Gegenzug eine Bratwurst zu erhalten, ist eine Absurdität, wenn der oder diejenige glaubt, dadurch einen Vorteil zu erlangen. Dieses Beispiel für eine irrationale, abstruse Handlung ist dabei nur eine Variable, ein Platzhalter für weitere absurde Entscheidungen. Überlegen Sie mal: Wenn ein Mensch für nur eine Bratwurst so etwas mit sich machen lässt — zu was wäre dieser Mensch imstande, erhielte er im Gegenzug zwei kostenlose Bratwürste? Seinen ungeimpften Nachbarn zu melden? Sich für eine Nacht einer Nachbarschaftswache anzuschließen, die auf den Straßen patrouillierend die Ausgangssperre für Ungeimpfte kontrolliert?

Warum sollte jemand, der sich bei McDonald‘s impfen lässt und dies nicht für „seltsam“ erachtet, skeptisch werden oder gar die Stimme erheben, wenn beispielsweise massenhaft Eltern das Sorgerecht entzogen wird und Kinder gegen den elterlichen Willen geimpft werden?

Warum sollte jemand, der sich im Supermarkt impfen lässt und anschließend billigstes Junkfood auf das Kassenband legt, aufbegehren, wenn Ungeimpfte den Laden nicht mehr betreten dürfen?

Wenn in einem Bereich nicht rational gedacht und gehandelt wird, warum sollte es dann in einem anderen Bereich anders sein? Solche Menschen werden vermutlich nicht einmal dann die Paradoxie erkennen, wenn an der Schiebetür der Märkte ein regenbogenfarbener LGBTQ-Aufkleber als Symbol der Toleranz und der Nichtdiskriminierung hängt, die allerdings bei der Frage des Impfstatus endet und zur Folge hat, dass Türsteher Ungeimpfte nicht mehr hereinlassen.

Zusammengefasst: Fällt die gesellschaftliche Rationalität, fällt der Schutz vor Barbarei. An die Stelle, wo vormals rationales Denken stand, kann nun jede noch so abstruse Gräueltat treten.

Oasen der Rationalität schaffen

Es wäre freilich falsch zu behaupten, die Gesellschaft hätte nicht schon vor 2020 ihre Lücken und Defizite hinsichtlich der Rationalität gehabt. Doch was die Blüten der neuen Normalität gegenüber der alten unterscheidet: Die Einschläge kommen näher. Kannte man vormals Irrationalitäten von irrwitzigen Fehlplanungen wie etwa dem Berliner Flughafen oder Stuttgart 21, EU-Normen für Gurkenkrümmungen oder Ähnliches, so geht der Spalt der Irrationalität nun bis in die Intimsphäre. Und hier gilt es, sich in Schutz zu nehmen.

Man muss sich vor Augen führen, dass der Großteil der Bevölkerung nicht mehr im Besitz eines klaren Verstandes ist, dass dieser von Angst und anderen übermächtigen Emotionen — hoffentlich nur vorübergehend — schachmatt gesetzt wurde. In einem solchen Zustand kann man diesen Menschen nicht mehr mit rationalen Argumenten, Fakten oder Zahlen kommen. All das wird abgeblockt, um die eigene Sicht der Dinge aufrechtzuerhalten und um eine erlebte kognitive Dissonanz zu verhindern.

Von diesen Menschen muss man sich fernhalten, sowohl um sich selbst zu schützen als auch diese Menschen davor zu bewahren, sich in dem Rausch ihrer Irrationalität unverzeihlicher Verbrechen schuldig zu machen. Es bleibt einem vorerst nichts anderes übrig, als sich mit den restlichen Menschen, die des rationalen Denkens noch fähig sind, zusammenzuschließen, um diese Zeit zu überstehen. Die Qualität der Beziehung wird in den nächsten Jahren schwerer wiegen als die Quantität.

Wohin das führt, ist schwer vorauszusagen. Vielleicht ist diese Fontäne an Irrationalität der notwendige Kulminationspunkt, um die Verwerfungen der vergangenen 200 Jahre sichtbar zu machen, die seit 2020 wie unter dem Brennglas so deutlich wie nie zuvor erkennbar werden. Vielleicht ist dies aber auch der Rückfall hin zu den Verwerfungen der voraufklärerischen Dunkelzeit des Mittelalters — allerdings unter der Flagge der Aufklärung.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Czycholl, Aaron; Czycholl, Dietmar; Maaz, Hans-Joachim: Corona Angst Was mit unserer Psyche geschieht, Berlin, 2021, Frank & Timme Verlag, Seite 93 bis 117.
(2) Agamben, Giorgio: Homo sacer — Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt am Main, 2019, Suhrkamp, Seite 127.
(3) Bhakdi, Sucharit; Reiss, Karina: Corona Unmasked – Neue Zahlen, Daten Hintergründe, Berlin, 2021, Goldegg Verlag, Seite 101.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 05.08.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


Nachtrag 14.09.2021:

Musterschreiben: Strafanzeige gegen illegale Werbung für Impfungen und Arzneimittel


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Pandemie-Fragen von Darren Allen (Teil II)

Die Nagelprobe

Maßnahmen-Befürworter sollten sich bestimmte Fragen stellen, ehe sie stur diesen zerstörerischen Kurs bis zum bitteren Ende mitgehen. Teil 2/2.

von Rubikons Weltredaktion

Im Folgenden finden Sie eine kritische Zusammenfassung der Coronavirus-Geschichte. Außerdem eine Liste von Fragen, gerichtet an Menschen, die die Lockdowns unterstützt haben und die glauben, dass wir im Jahr 2020 einer einzigartigen Bedrohung ausgesetzt waren, die diese rechtfertigte — zusammen mit sozialer Distanzierung, Masken, Impfstoffen, Tracking-Apps und all dem. Die meisten, wenn nicht alle diese Fragen sollten überzeugend beantwortet und nicht einfach mit ein paar billigen Einwänden und Etiketten abgetan werden — allen voran natürlich die Worthülse „Verschwörungstheoretiker“. Wenn Sie also Lockdowns unterstützt haben, dann schlage ich vor, einen näheren, ernsthaften Blick auf das Folgende zu werfen. Wenn Sie gegen Lockdowns waren, wird dieser Artikel hoffentlich Ihre Position stärken. Sie können ihn dann an so viele Menschen wie möglich weiterleiten, die nicht Ihrer Meinung waren. Bitten Sie sie höflich um eine Liste von Antworten.

von Darren Allen

(Teil 1)

… aber das allgemeine Empfinden schien ziemlich gleich zu sein. Ein paar Linke schürten fröhlich die Flammen des PANDEMISCHEN TERRORS mit ein paar Pro-Masken-Tweets und Kritik, dass wir nicht hart genug abriegeln (ich spreche von hier in Großbritannien, dem drittstrengsten Lockdown der Welt), aber die meisten waren still. Das Thema war „zu spaltend“, die Emotionen kochten „zu sehr hoch“, man sollte sich besser auf die Labour Party oder Israel oder die Umwelt konzentrieren, irgendetwas, irgendetwas anderes.

Ein Jahr zuvor schrieb ich einen Artikel, in dem ich die Linke aus einer anarchistischen Perspektive verurteilte. Ich schrieb darüber, wie die oben aufgeführten Leute im Grunde alle systemtreue Sozialisten sind; in ihrer Unterstützung für die Demokratie (die niemals funktionieren kann), für den Staat und für Technologie oder technokratische Lösungen für unsere kollektiven Übel, in ihrer unkritischen Haltung gegenüber Expertentum, in ihrem Relativismus, in ihrem schwachen Reformismus und in ihrem mittelmäßigen Output. Einige wenige reagierten auf meine Kritik mit kindischen Verunglimpfungen und oberflächlichen Argumenten, aber die meisten ignorierten sie — und mich. Vorhersehbarerweise verschwand die Unterstützung, die ich von Media Lens, Cook, Zerzan und Graeber erhalten hatte.

Ich bat den OffGuardian, das Stück zu veröffentlichen, der sich, obwohl er mich unterstützte, weigerte, mit der Begründung, dass es die Linke auf ungute Weise spalten würde. Dann schlug die „Pandemie“ zu und es wurde jedem, der sich tatsächlich gegen das System stellt, klar, dass die sogenannte Linke Teil des Systems ist. Nicht im Sinne einer „kontrollierten Opposition“ — eine lächerliche Idee — sondern in ihrer Akzeptanz (sogar Bedürfnis nach) seiner fundamentalen Natur. Alle diese Leute sind Mitglieder der professionellen Klasse. Selbst diejenigen, die in ihrer „Arbeiterklassenherkunft“ aufgewachsen sind (und sie deshalb verraten haben), haben ihr Leben damit verbracht, für und durch professionelle Institutionen zu arbeiten. Sie sind institutionalisiert.

Warum haben alle den Lockdown akzeptiert?

Die Institutionalisierung geht sehr tief. Es geht nicht nur darum, die „Werte“ des Staates, der Ärzteschaft, des Christentums oder welcher Ideologie auch immer die Institution gerade frönt, zu akzeptieren. Gezwungen zu sein, als integraler Bestandteil großer, komplexer sozialer Systeme zu leben, verändert Mann und Frau zutiefst. Es macht sie abhängig vom System — von seinen verschiedenen Institutionen — und damit gefügig. Es unterdrückt und stumpft ihre Individualität und Sensibilität ab und zwingt sie dazu, skeptisch — ja sogar ängstlich — gegenüber ihren Sinnen und ihrer eigenen gelebten Erfahrung zu werden. Das institutionelle System, mit einem Wort, domestiziert Mann und Frau.

Ich erkläre den Prozess hier ausführlich. Es genügt zu sagen, dass der Hauptgrund dafür, dass so viele Menschen, besonders aus der Mittelschicht (und so viele von uns im Westen sind jetzt in diesem Sinne Mittelschicht) a) so viel Angst vor einem grippeähnlichen Virus hatten, der für sie keine Gefahr darstellte, und b) sowohl die offizielle Propaganda als auch die „Notwendigkeit“ von Lockdowns akzeptierten, darin liegt, dass sie in ihrem tatsächlichen Leben so wenig Erfahrung mit Unsicherheit, Tod und echter psychologischer Unabhängigkeit haben. Sie mögen diese Dinge auf ihren wundersamen Reisen gesehen haben, aber sie haben sie nie leben müssen.

Die stützende Struktur einer sich institutionalisierenden Zivilisation war ein ständiger, lebenslanger Schutzschirm, oder Filter, der über ihre bewusste Erfahrung gespannt war. Sie mögen wunderbar radikale Meinungen über Politik, die Umwelt und sogar die Zivilisation haben, aber wenn es hart auf hart kommt, sind das nur Meinungen.

(Der Grund, warum es übrigens so aussah, als sei die Anti-Lockdown-Bewegung „rechts“, war, dass die meisten Menschen, die tatsächlich mit Unsicherheit, Krankheit, Unbehagen, Tod und Schmerz umgehen mussten — die armen und arbeitenden Klassen — und die deshalb nicht dazu neigen, sich vor grippalen Viren, menschlichem Kontakt und verklemmtem Supermarktpersonal zu fürchten, aufgrund ihrer eigenen dummen Konditionierung auch eher dazu neigen, für die Kapitalmacht als für die Arbeitsmacht zu stimmen. Sie können durchaus unterwürfige Feiglinge sein, sind aber im Großen und Ganzen mutiger und vernünftiger als die moralischen und physischen Schwächlinge, die angestellt werden, um sie zu belehren, zu bepredigen und zu verarzten).

Die Unabhängigkeit vom institutionalisierenden System — psychische und geistige Unabhängigkeit also, physische Unabhängigkeit ist so gut wie unmöglich — führt zur Wahrheit und zum Vertrauen, zur Wahrheit der eigenen, einzigartigen Erfahrung und Kritikfähigkeit und zum Vertrauen in diese Erfahrung — ganz zu schweigen vom eigenen Immunsystem oder von der Fähigkeit des Menschen, Gesundheit selbst zu finden, statt sie von oben verordnet zu bekommen.

Weil so wenige Menschen in irgendeinem nennenswerten Sinne unabhängig sind, sind sie den Lügen, Drohungen und Bestechungen des Systems im Wesentlichen hilflos ausgeliefert, wie der weltweite Lockdown deutlich gezeigt hat.

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Bleiben Sie zu Hause und bleiben Sie gesund, bleiben Sie zu Hause und retten Sie Leben, bleiben Sie zu Hause und erhalten Sie kostenloses Geld, bleiben Sie zu Hause und sehen Sie (vielleicht) Ihre Familie, bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt mit ihnen, bleiben Sie zu Hause und kämpfen Sie gegen „Verschwörungstheoretiker“ und „Anti-Vaxxer“, bleiben Sie zu Hause und leben Sie Ihr ganzes Leben über den Bildschirm, bleiben Sie zu Hause oder Sie werden von den Sicherheitsleuten im Supermarkt zurechtgewiesen, bleiben Sie zu Hause oder riskieren Sie eine fast lächerlich hohe Geldstrafe … Und so weiter.

Es gehörte nicht viel dazu, um die Superreichen davon zu überzeugen, eine Maske für die Kameras aufzusetzen, während sie sich an einer Welt erfreuten, die nun von einfachen Menschen gesäubert war. Es gehörte auch nicht viel dazu, um Akademiker, Intellektuelle, Ärzte, Anwälte, „Radikale“ und Manager zu überzeugen, eine „Notwendigkeit“ zu akzeptieren, zu Hause zu bleiben, ihren einflussreichen Status zu behalten oder zu vergrößern, während, wie J.J. Charlesworth bemerkte, die Menschen der Arbeiterklasse ihnen die Dinge lieferten. Und es gehörte sicher nicht viel dazu, die verwirrte, schwache, paranoide, verunsicherte und selbstgerechte Generation von Eloi, die die Maschine geschaffen hat, dazu zu bringen, unkritisch den offiziellen Verlautbarungen zu gehorchen und sich weiter in ihre anitseptischen Raumanzüge zu verkriechen.

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Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der den Terror abgelehnt hat, ein selbstbewusstes, unabhängig denkendes Genie ist. Weit gefehlt. Einige der schlimmsten Elemente des rechten Flügels, durchgeknallte Verschwörungsspinner, sehr wütende Menschen ohne Sinn für Humor, mikrofaschistische Kleinunternehmer und Gott weiß, wer sonst noch, sind alle auf den Anti-Lockdown-Zug aufgesprungen, und natürlich wurde die „Schwachmaten-Täuschung“ (sich auf das schlimmste Beispiel einer Gruppe zu stürzen, um eine ganze Philosophie oder einen Standpunkt abzutun) enthusiastisch eingesetzt, um sie zum Entgleisen zu bringen, indem man über David Icke und Alex Jones lachte oder über die Tatsache, dass Right Said Fred keinen Doktortitel in Tropenkrankheiten hat.

Warum gab es einen Lockdown?

Diese Frage, so interessant und nützlich sie auch ist, über die Antworten zu spekulieren — von denen einige sicherlich wahrscheinlicher sind als andere — ist, das muss man unbedingt verstehen, zweitrangig. Dass wir ohne Grund eingesperrt wurden, ist weitaus wichtiger als der eigentliche Grund dafür, der, wie ich schreibe, letztlich immer noch ein Rätsel ist.

Die Tatsache, dass ein massiver Finanzcrash unmittelbar bevorstand und dass eine „kontrollierte Zerstörung“ (das Zusammenbrechen der Wirtschaft und die Drosselung der Produktion auf eine die Elite nicht allzu sehr beeinträchtigende Weise, um sie dann wieder aufzubauen) der einzig gangbare Weg ist, um mit einer von Natur aus inflationären Schuldenwirtschaft umzugehen, die mit Sicherheit jeden Augenblick implodieren wird, sollte vielleicht in Betracht gezogen werden; die ständige Arbeit, die von den Organisationen der Elite geleistet wird, um ihre Bevölkerungen in einem Zustand des erträglichen Terrors zu halten (Kommunisten, Drogenbarone, Terroristen, etc. etc.) könnte man ebenfalls in Betracht ziehen; ebenso wie die Ziele transnationaler Organisationen wie des Weltwirtschaftsforums, die zumindest die globale Reaktion auf die „Pandemie“ beeinflusst und sie in Richtung ihrer offen erklärten transhumanistischen Agenda getrieben haben.

Man könnte auch anmerken, dass die Wirtschaft seit April letzten Jahres boomt, dass die Superreichen jetzt mehr oder weniger die Welt für sich allein haben, während wir Proleten zum und vom Supermarkt huschen; dass Milliardäre während der Pseudopandemie um mehr als 50 Prozent reicher geworden sind; und dass Staaten überall ihre Befugnisse unter „Notfall“-Bedingungen massiv erweitert haben, absolut ohne jede Aussicht, dass sie sie je zurückgeben werden. Eine weitere bedenkenswerte Tatsache ist, dass die Zivilisation auf einem ökologischen Fundament ruht, das nun fast vollständig aufgezehrt ist, was sicherlich zu noch nie dagewesenen — schrecklichen — Unruhen führen wird; für diejenigen, die die Erd-AG kontrollieren, wäre es sicherlich nützlich, wenn wir alle in einem techno-faschistischen Lock-up leben würden, falls und wenn dies geschieht.

Aber die Details sind schwer greifbar, wie sie es gewöhnlich sind, wenn massive Verbrechen begangen werden. Was wir wissen, und das schon lange, ist, dass das technokratische System, wie Lewis Mumford, Jacques Ellul und Ivan Illich uns lehrten, seine eigenen Prioritäten, seine eigenen Ziele, seine eigene „Intelligenz“ und seine eigene unaufhaltsame Dynamik hat, und diese Dynamik geht — und kann nur in eine Richtung gehen: mehr Kontrolle.

Mehr Kontrolle über die Natur, über die menschliche Natur, über die Kultur, über alles. Nichts anderes macht für das System „Sinn“; das System, dem Politiker, CEOS, Fachleute und sogar Rebellen der Linken und Rechten alle dienen; weshalb es mit jedem Jahr, das vergeht, in jedem Land auf der Erde — kapitalistisch, kommunistisch, monarchistisch, was auch immer — immer weniger Wildheit gibt, immer weniger persönliche oder kollektive Freiheit, immer weniger gemeinsamen Raum, in dem man sich bewegen kann, immer weniger Überraschung und immer weniger Gelegenheit für Kritiker dieser Zombie-produzierenden Maschinenwelt, gehört zu werden.

All dies geschieht automatisch. Die globale Elite, mit anderen Worten, hat keine signifikante Macht über die Maschine, die sie besitzt und verwaltet, und sie hat nicht plötzlich beschlossen, die Welt zu übernehmen. Es ist ein Prozess, der schon lange im Gange ist (ich behaupte 10.000 Jahre — aber die aktuelle, letzte Phase geht auf die neoliberale Revolution in den 1970er Jahren zurück).

Es gab in diesem Fall eindeutig konzertierte und konspirative Bemühungen, eine Krise zu fabrizieren — wie frühere Versuche, Panik wegen SARS, MERS und so weiter zu schüren, zeigen —, aber die technokratische Elite (die Politiker, Manager, Fachleute, reichen Grundbesitzer und mächtigen CEOS der Welt) arbeiten im Grunde nicht bewusst. Sie arbeiten einfach in Hinblick auf die technokratische Notwendigkeit, weshalb also die Fokussierung auf die spezifischen Verantwortlichen, die spezifische Politik spezifischer Politiker, die spezifischen Unternehmen, die hinter dem Verbrechen stehen, über das Sie sich empören mögen, und die spezifischen Aktivitäten spezifischer Institutionen … weshalb eben all das nebensächlich ist und letztlich die Übel der Welt verewigt.

Nehmen Sie, um ein Beispiel zu nennen, die Impfpässe. Wie die meisten Menschen feststellen, sind sie für die „Wiedereröffnung der Gesellschaft“ sicher nicht notwendig, weil diese nicht stattfindet. Wie Ian Brown anmerkte

da die „Impfstoffe“ weder die Übertragung noch die Infektion verhindern (sagen die Hersteller), wie kann dann ein „Impfpass“ die Übertragung eines Virus verhindern?

Warum sind diese also notwendig? Wenn der Massenmörder Tony Blair im Fernsehen sagt, dass wir digitale Ausweise brauchen, um Zugang zur Gesellschaft zu haben, und dass diejenigen ohne diese Ausweise von denen mit diesen Ausweisen getrennt werden sollten, dann wissen Sie ziemlich genau, wer davon profitiert, und wo wir moralisch, ideologisch und sogar praktisch stehen. Sie sind nicht notwendig, nicht für normale Menschen.

Aber obwohl einer der bösartigsten Menschen auf dem Planeten seit einiger Zeit auf eine Welt drängt, in der nur die Gehorsamen Zugang zur Gesellschaft haben, und obwohl die schlimmsten Regierungen der Welt Impfpässe, digitale IDs, Sozialkreditsysteme und Ähnliches unterstützen, ist es ein großer Irrtum anzunehmen, dass die Notwendigkeit dafür letztlich vom einzelnen Menschen ausgeht.

Es ist die Maschine, die immer mehr Kontrolle braucht — ja, die sich überhaupt nur „Kontrolle“ als Ziel oder Wert vorstellen kann — und Impfpässe, zusammen mit all den Techniken der Disziplinierung, Überwachung und Bestrafung, die sie mit sich bringen, sind einfach ein „logischer“ Schritt in diese Richtung, so wie es die weithin gehassten Fabriken der industriellen Revolution waren.

Leider ist das alles für die meisten Menschen sehr schwer zu begreifen, selbst für diejenigen, die gegen Lockdown sind. Es ist viel einfacher, sich auf die Bösewichte zu konzentrieren — Sozialisten und Kapitalisten, Politiker und CEOs, Außerirdische und Eliten — als auf das System selbst, denn jeder von uns hat sein Leben für das System aufgegeben; ist süchtig danach, selbst wenn es uns erdrückt. Sich gegen das System zu wenden bedeutet, sich gegen den Teil unserer eigenen Seele zu wenden, den das System kolonisiert hat.

Warum sollen alle geimpft werden?

Laut Experten wie der Molekularbiologin und Immunologin Professor Dolores Cahil (bestätigt von Fauci) liefert die mRNA-Impfung ein synthetisches, anorganisches Molekül, das die Zellen darauf programmiert, Krankheitserreger in Form eines „Spike-Proteins“ zu synthetisieren, das Ihr Immunsystem für den Rest Ihres Lebens ständig abwehren muss. Wie gefährlich ist das wirklich? Was könnten die langfristigen Auswirkungen sein? Wie könnte es sich auf schwangere Mütter und kleine Kinder auswirken? Antwort; unbekannt.

Laut The Lancet, selbst wenn man die Daten der Pharmafirmen beim Wort nimmt, war „die absolute Risikoreduktion (durch Impfstoffe), das heißt der Unterschied zwischen den Erkrankungsraten mit & ohne Impfstoff“: AZ — 1,3 Prozent Moderna — 1,2 Prozent Pfizer — 0,84 Prozent. Insgesamt: winzig.

Also, selbst angesichts der Tatsache, dass Covid eine grippeähnliche Krankheit ist, mit der die Herdenimmunität (eine natürliche Tatsache) nicht nur leicht hätte fertig werden können, sondern dies auch tat, warum die Welt dagegen impfen?

Auf den ersten Blick ist es seltsam, dies zu tun, besonders bei Menschen unter 30 Jahren, die auf dem Höhepunkt der Pandemie eine Chance von eins zu einer Million hatten, daran zu sterben (laut dem Risikokalkulator der Universität Oxford), oder bei Kindern, die ein Todesrisiko von fast null haben und eine natürliche Immunität besitzen (mit, wie diese Gruppe von Ärzten betont, hohem Risiko gegenüber keinem Nutzen für Kinder und Jugendliche).

In Anbetracht der besonderen Beschaffenheit des Impfstoffs — kein normaler Impfstoff, sondern eine experimentelle synthetische, genverändernde Chemikalie mit einer hohen Rate an Nebenwirkungen und Todesfällen (die Zahl der Todesfälle in Großbritannien lag am 17. Juni offiziell bei 1.356, die Zahl der Todesfälle in Europa lag am 22. Mai bei 12.184, mit über einer Million Nebenwirkungen, während die Zahl der Todesfälle in den USA am 25. Juni bei 6.985 lag; Auch hier handelt es sich um offizielle Zahlen, die also wahrscheinlich niedriger sind als die tatsächlichen Zahlen), deren Langzeitfolgen völlig unbekannt sind (was natürlich besonders für junge Menschen, die noch viele Jahre zu leben haben, von Bedeutung ist) — in Anbetracht all dessen war die Forderung nach einer allgemeinen Impfung geradezu verblüffend (1).

Die Rätsel sind damit aber noch nicht gelöst. Wie es gelang, innerhalb von neun Monaten nicht nur einen, sondern achtzehn sichere und wirksame Impfstoffe zu entwickeln, obwohl kein pharmazeutisches Unternehmen jemals einen solchen erfolgreich hergestellt hatte, ist ziemlich außergewöhnlich. Ebenso wie die Entscheidung, die Kampagne auf Kinder auszuweiten, deren Chance, an dem Coronavirus zu sterben (oder sich sogar anzustecken und es weiterzugeben), so verschwindend gering war, dass sie praktisch bei Null lag. Wiederum gab es keinen Laut des offiziellen (oder inoffiziellen; siehe unten) Zweifels und Experten, die Zweifel äußerten, wurden zum Schweigen gebracht oder aus ihren prestigeträchtigen Jobs gefeuert.

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All das ist sehr seltsam, sogar, ohne auf die Tatsache einzugehen, dass diese Impfstoffe ihre klinischen Testphasen noch nicht abgeschlossen haben, dass die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sie nicht zugelassen hat (sondern nur ihre Verwendung genehmigt hat), dass 2012 Tierversuche für mRNA-Impfstoffe gestoppt werden mussten, weil (laut dem Präsidenten der Association of American Physicians & Surgeons) die Tiere immer wieder starben, dass 24 Länder die Verwendung der AstraZeneca-Impfstoffe verboten haben und dass laut dem renommierten National Institute of Health „COVID-19-Impfstoffe, die neutralisierende Antikörper hervorrufen sollen, die Impflinge für schwerere Krankheiten sensibilisieren können, als wenn sie nicht geimpft wären“.

Ein Programm, die gesamte Welt mit diesen experimentellen Chemikalien zu impfen, scheint der Gipfel des Irrsinns zu sein — es sei denn natürlich, man nimmt an, dass der Grund dafür nicht darin liegt, uns alle vor einer Krankheit zu schützen, die für die große Mehrheit sicherer ist als Mobiliar, sondern aus irgendeinem anderen Grund, etwa um ihnen Mikrochips zu injizieren, die Erde zu entvölkern oder effektiv ein immunologisches „Betriebssystem“ in jedem Menschen zu installieren, das zweimal im Jahr aktualisiert werden muss.

Solche „Verschwörungstheorien“ sind, wenn man sie für bare Münze nimmt, fast unmöglich ernst zu nehmen, aber wie viele Märchen darüber, wie die Welt funktioniert, deuten sie in ihrem Versuch, die tatsächliche Ursache unserer Übel intuitiv zu erfassen, die Wahrheit an, wenn auch auf verzerrte Weise, oder in diesem Fall den wahrscheinlichsten Grund für den beispiellosen Versuch, alle Menschen auf der Erde zu impfen, um, unlogischerweise, zu schützen („Keiner von uns ist sicher, bis wir alle sicher sind“), und das heißt, dass Impfstoffe für Impfpässe notwendig sind und für, wie auch immer es in der Praxis eingesetzt wird, mehr Kontrolle über die widerspenstigen Massen, eine Tatsache, die der eine oder andere dieser widerspenstigen Massen, in der törichten Annahme, dass sie nach der Impfung so frei sein würden wie im Jahr 2019, zu verstehen versucht.

Was ist Gesundheit?

Gehen wir ein wenig tiefer in all das hinein. Ivan Illich hat in seiner bahnbrechenden Kritik an der Ärzteschaft ein mehr oder weniger stichhaltiges Argument für deren „iatrogene“ — das heißt inhärent krankmachende — Natur geliefert. Zuallererst nimmt die Ärzteschaft, so Illichs Argument, den einfachen Menschen und ihren Gemeinschaften die Macht zur Selbstdiagnose und Selbstbehandlung.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Menschen, so wie sie heute sind, Ersteres akkurat oder Letzteres verantwortungsvoll tun könnten, sondern dass sie gezwungen sind, für ihre so genannte Gesundheit von externen, entfernten und größtenteils nicht rechenschaftspflichtigen institutionellen Machtstrukturen abhängig zu sein. Zweitens hat die Medizin (wie auch die Psychiatrie) eine inhärente Voreingenommenheit gegenüber Krankheiten. Ärzte sind angestellt, um Krankheiten zu diagnostizieren und diese dann zu behandeln. In der Theorie gehen Ärzte nicht von Krankheit aus, aber in der Praxis marschieren sie in jede Situation auf der Suche nach etwas, das sie heilen können.

Drittens ist die bei weitem lähmendste Auswirkung des Lebens in einer Welt, in der Gesundheit nur durch die Ärzteschaft erreicht werden kann, dass wir gezwungen wurden, soziale Krankheit in den Körper zu introjizieren. Alle unsere Krankheiten werden von Ärzten (und wiederum von Psychologen) im Körper des Individuums verortet, einem Körper, der — und nur so kann es sein — als Maschine begriffen wird, als ein System, an dem der Arzt-Mechaniker dafür bezahlt wird, so lange herumzubasteln, bis es wieder reibungslos läuft und der Patient in sein entfremdetes Leben des „gewöhnlichen Elends“ zurückkehren kann.

Jeder von uns sieht nun seinen eigenen Körper auf diese Weise, gewissermaßen als ein medizinisches Diagramm, in das ein fremder Schock oder Virus eingedrungen ist, der nun repariert oder entfernt werden muss. Die Gesamtheit unseres Lebens, die Gesamtheit unseres Charakters und vor allem die Gesamtheit unserer Welten spielen dabei keine Rolle und können es auch nicht, aus dem fundamentalen Grund, dass es sich dabei letztlich nicht um eine Ansammlung objektiver (oder gar subjektiver) Dinge handelt, sondern um lebendige Erfahrungen, die wir nur qualitativ verstehen und bewältigen können; als moralische Probleme, als persönliche Herausforderungen und durch kreative oder sogar mythische Symbole.

David Cayley fasst Illichs Position zusammen:

„Was (Illich) beunruhigte, war eine Welt, in der wissenschaftliche Phantome das Aussehen von greifbaren, alltäglichen Realitäten angenommen haben: in der die Menschen vertraulich von ihren Genen sprechen, als ob sie sich auf ein gewöhnliches Objekt beziehen und nicht auf ein etwas verschwommenes theoretisches Konstrukt; in der unvorstellbar komplizierte Simulationen des Erdklimas politische Entscheidungen bestimmen; in der der Mutterleib zu einem öffentlichen Ort wird und Familien Ultraschallbilder der Ungeborenen auf ihren Kaminsims stellen und eine ‚Beziehung‘ zu ihnen aufbauen; in der die Person, die neben Ihnen auf der Straße steht, sich mit jemandem am anderen Ende der Welt unterhalten kann.

Illich war der Ansicht, dass die Technowissenschaft den Sinn verdrängt hat, oder das, was Maurice Merleau Ponty einmal sehr schön als ‚den Boden der sinnlichen und erschlossenen Welt, wie sie in unserem Leben und für unseren Körper ist.‘ Das ist der Kontext, in dem Illich schrieb, ein Kontext, den er als eine schlimme Notlage betrachtete, aufgrund der Geschwindigkeit, mit der die zunehmende Verbreitung wissenschaftlicher und technologischer Abstraktionen die Sinne der Menschen aushöhlte.“

Diese „Aushöhlung“ ist die Ursache für eine Krankheit, die keine Wissenschaft jemals diagnostizieren kann. Sie kann über eine solch verheerende Verletzung nicht einmal nachdenken — geschweige denn etwas dagegen tun —, weshalb radikale Kritiken wie die von Illich süffisant als unverständliche mystische Albernheit beiseite geschoben werden können. Dass wir die Opfer der Ärzteschaft sind, und dass diese Ärzteschaft in ihrer Entwertung der menschlichen Würde und des Bewusstseins uns zu rationalen Dioden und Ventilen in einer Maschine macht, die unsere Gesundheit und Vernunft zermalmt, kann nur jenen als perverser Unsinn erscheinen, die darauf konditioniert sind, willentlich an der Vernichtung von Bewusstsein, Qualität, Geselligkeit und Kooperation durch das System teilzunehmen.

Das ist auch der Grund, warum Ärzte im Wesentlichen unterwürfig sind, warum sie immer das System unterstützen, warum zum Beispiel so viele von ihnen der Nazi-Partei beigetreten sind, warum sie mit jedem Jahr mehr den mittelmäßigen Technikern ähneln, die sie eigentlich sind, die auf Bildschirme starren und Stimulanzien und Depressiva austeilen, und warum so viele von ihnen so kalt, arrogant, unsensibel und fast unverschämt unkultiviert sind. Sie wissen nicht, was Gesundheit ist, und sie können nichts gegen eine kranke Welt tun.

Glücklicherweise fängt Illichs „unverständliche mystische Torheit“ an, viel vernünftiger auszusehen. Zumindest wird es immer mehr Menschen klar, dass alles, was während der Pseudopandemie für unsere „Sicherheit“ und unsere „Gesundheit“ getan wurde, uns kränker gemacht hat. Unsere Macht, zu verstehen und damit zu leben, was uns krank macht — ohne biomedizinische Eingriffe —, unsere Macht, gesund zu sein — entgegen dem, was uns die Mediziner erzählen — und unsere Macht, unsere Umgebung frei zu unserem Wohl zu gestalten; all diese Kräfte, so schwach sie doch bereits waren, wurden uns nun fast vollständig aus der Hand genommen, so dass nichts als eine kranke Hülle übrig blieb …

Warum sollte man Leben retten?

Was für eine seltsame Frage! Sicherlich würde nur ein Verrückter sie stellen? Jemand, der verrückt genug ist, das Weltsystem zu hinterfragen. Denn in Wahrheit ist es die Einstellung der Welt zu dem, was sie „Leben“ nennt, die zutiefst, ja unsagbar böse ist. Die moderne Einstellung zum „Leben“ hat die vormoderne Einstellung zum Gott Abrahams abgelöst. Das „Leben“, so erkannte Illich, ist heute ein universell angebetetes Idol, dessen Wert als so selbstverständlich sakrosankt gilt, dass man, wenn man es in Frage stellt, Gefahr läuft, wie ein Wesen aus einer bösen Paralleldimension zu klingen oder — was viel wahrscheinlicher ist — einfach ignoriert zu werden, so als hätte man behauptet, man sei aus Wachs und esse Bleistifte. Das war Illichs Schicksal, als er begann, über das Leben zu sprechen.

Die oben erwähnte Verleugnung und existentielle Angst vor dem Tod hat ihre Entsprechung in einer pathologischen Anbetung dessen, was „Leben“ genannt wird, aber eigentlich eine groteske objektive Karikatur davon ist.

Wie alle Tugenden, die ihres komplementären Gegensatzes beraubt werden — wie etwa der Mut, der ohne Umsicht zur Rücksichtslosigkeit wird, oder das Vertrauen, das ohne Bescheidenheit zur Arroganz wird, oder die Originalität, die ohne Tradition zur Perversität wird —, wird die Liebe zum Leben ohne Akzeptanz des Todes zum lebendigen Tod.

Das soll nicht heißen, dass wir alle an einem Übermaß an Lebensfreude leiden, sondern dass wir als Ergebnis eines langen Prozesses der Entfremdung von unserer eigenen verkörperten Erfahrung dazu gekommen sind, das Leben nicht als eine undefinierbare, schwer fassbare Qualität zu sehen, sondern als ein Ding, das man besitzen, verwalten und kontrollieren kann, und indem es dinghaft geworden ist, hat es eine fast alptraumhafte unabhängige „Schattenrealität“ angenommen, die das tatsächliche Leben ihren Definitionen und Bedürfnissen untergeordnet hat. Das „Leben“ ist nun für uns, wie David Cayley es ausdrückt, „eine Instanz von etwas unvorstellbar Allgemeinem. (Es) kann bewertet und verbessert, besessen und bewahrt werden.“ Es kann und ist zu einer Art vergöttlichter Größe geworden, gegen die unsere tatsächlichen, individuellen Existenzen bloße Instanzen und damit entbehrlich sind.

Das erklärt, warum wir von der Todesstatistik der „Pandemie“ besessen sind und — falls Ihnen das vernünftig erscheint — von völlig irrelevanten Fällen. Es ist auch der Grund, warum das Versprechen, „Leben zu retten“, benutzt werden kann — und wird —, um jede erdenkliche Deformation unserer Erfahrung zu rechtfertigen — im Fall der „Pandemie“ damit, dass wir gezwungen sind, an einen Bildschirm gefesselt zu leben, ständig mit Hightech-Überwachungssystemen verfolgt und von unseren Mitmenschen getrennt zu werden. Alte Menschen wurden mit dickem Plastik umgeben, durften ihre Liebsten nicht berühren, und die Hirne von Kindern wurden auseinandergerissen, um sie als digitale Wissenskonsum- und -produktionseinheiten wieder zusammenzusetzen.

Alles, um „Fallzahlen zu reduzieren“ und „Leben zu retten“. Nicht aus Interesse am tatsächlichen Leben der Menschen, das das System und seine Funktionäre nur als Bedrohung der „Ordnung“ und der „Stabilität“ wahrnehmen können, sondern weil das „Leben“ als objektive Tatsache die Realität verdrängt hat. Unsere Vorstellungen von uns sind zu uns geworden, und wir sind zu unseren Vorstellungen von uns geworden. Einen höllischeren Zustand kann man sich nicht vorstellen.

Wann wird das alles vorbei sein?

Wenn diese Frage bedeutet: „Wann wird es sicher genug für die Verängstigten sein?“, lautet die Antwort: nie. Wenn sie bedeutet: „Wann wird es sicher genug für den Konzernstaat sein, um seine Kontrolle über unser Leben aufzugeben?“, dann lautet die Antwort: nie. Wenn es bedeutet: „Wann werden wir wieder in die ’normale‘ Welt zurückkehren, die wir 2019 hatten?“, dann ist die Antwort: nie, obwohl das in diesem Fall keine schlechte Sache ist, denn eigentlich war „normal“ nur ein etwas sanfterer Lockdown-Albtraum als der, in dem wir jetzt leben.

Bild

Lockdown „Leben“ wird immer weiter gehen, bis genug Menschen erkennen, dass es nie enden soll (dass temporäre Tyrannei immer nur zu permanenter Tyrannei führt), bis genug Menschen sich weigern, Masken zu tragen, getestet und geimpft zu werden, diszipliniert zu werden und zu tun, was ihnen gesagt wird — was in der Praxis bedeutet, bis genug Menschen bereit sind, ihre Vergnügungen, ihre Bequemlichkeit und ihre Freundschaften zu riskieren, später vielleicht ihre Jobs und sogar eines Tages ihr Leben; für Freiheit, Wahrheit, Liebe und all diese anderen törichten, romantischen „Ideale“.

Bis dahin wird es nie aufhören. Es wird eine leichte Lockerung der Kontrolle geben, eine kleine Erleichterung, und dann wird eine neue „Variante“ auf magische Weise erscheinen (oder hergestellt werden? wer weiß?) und wir werden wieder zurück in die Lagereinheiten kriechen müssen, die die meisten von uns „Zuhause“ nennen. Wir könnten einen völlig neuen Virus bekommen, oder vielleicht verliert die Virusgeschichte ihre Kraft und eine neue Bedrohung muss erschaffen werden — Terroristen vielleicht, oder ein ökologischer Kollaps, oder Aliens aus einer fernen Galaxie; es ist wirklich egal.

Wie frei wir sind, wird und kann nur in eine Richtung gehen: in Richtung einer dystopischen Existenz, die nicht einmal Orwell, Huxley, Kafka oder Dick hätten vorhersagen können. Wieder einmal werden diejenigen, die in großen, bequemen Lagereinheiten mit schönen Gärten leben, ihre Hände über die Aushöhlung ihrer bürgerlichen Freiheiten ringen sowie über Berichte, dass Menschen weit weg von ihnen an Hunger und Armut sterben, aber sie werden sich durchwursteln, für eine Zeit lang.

Eine Zeit lang schon. Wenn die Billionen, die in das Finanzsystem gepumpt werden, zu einer Hyperinflation führen, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wird, dass der gesamte Planet effektiv zu einem Slum wird, wenn die Techniken der Kontrolle — die jetzt offen geplant werden (UBI, biotechnische Überwachung, soziale Kreditsysteme, et cetera) — so vollständig, so invasiv werden, dass die Menschen auf den Status der sie verdrängenden Roboter reduziert werden, wenn die natürliche Welt komplett auseinanderfällt, was zu Ernteausfällen, Überschwemmungen, Bränden und ähnlichem führt, und wenn, was noch viel schlimmer ist, der Mensch sich schließlich in sich selbst einsperrt — in das Gefängnis der mental-emotionalen Simulakra, die er Realität nennt — dann gibt es für niemanden mehr ein Entkommen, nicht einmal für das synthetische Wesen, das früher unter dem Namen Mark Zuckerburg in seinem Bunker in Neuseeland tätig war.

In der Zwischenzeit befindet sich der Rest von uns in einem Krieg, einem immerwährenden Krieg, gegen das System. Das sind wir schon seit Tausenden von Jahren, aber während wir in das Endspiel eintreten, wird die Natur des Feindes für immer mehr Menschen offensichtlich werden. Wenn genug Menschen verstehen, was das technokratische System ist und wie es funktioniert — siehe 33 Mythen des Systems für eine vollständige Anleitung — werden wir anfangen, sinnvolle Versuche zu sehen, es zu überwinden oder unabhängig davon zu leben.

Bis dahin können wir zu Millionen durch vom System kontrollierte Städte marschieren, Petitionen auf vom System kontrollierten Webseiten aufsetzen, bissige Posts auf vom System kontrollierten sozialen Medien schreiben und für Galionsfiguren in vom System eingebetteten „Demokratien“ stimmen und effektiv nichts ändern. Nicht, dass ich vorschlage, dass Sie keines dieser Dinge tun sollen, aber dort kann keine Lösung liegen, genauso wenig wie Freiheit in einem gerechter geführten Gefängnis gefunden werden kann. Wir können nur auf der anderen Seite der Mauern frei sein — ein Ort, der viel näher ist, als Sie denken.


Darren Allen ist ein radikaler britischer Autor und Philosoph. Sein Werk widmet sich dem Wesen der Realität, dem Ursprung der Zivilisation, dem Schrecken von Arbeit, Tod, Gender, mentaler „Krankheit“, Miss Genius, bedingungsloser Liebe und Leben jenseits des Spektakels. Gottseidank verfügt er über keinerlei Qualifikation, die ihn dazu berechtigen würde, über all diese Dinge zu schreiben. Weitere Informationen — auf Englisch — unter expressiveegg.org.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien unter dem Titel „‚Pandemic‘ Questions“ zuerst auf dem Blog von Darren Allen. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert. Aufgrund der Länge wurde er zweigeteilt. Teil 1 finden Sie hier.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Eine kürzlich erschienene Abhandlung über die Wirksamkeit von Impfungen kam zu dem Schluss: „Für drei durch die Impfung verhinderte Todesfälle müssen wir zwei durch die Impfung verursachte Todesfälle akzeptieren. Die Schlussfolgerungen: Dieser Mangel an klarem Nutzen sollte Regierungen dazu veranlassen, ihre Impfpolitik zu überdenken.“ Die Arbeit wurde von der Fachzeitschrift, in der sie veröffentlicht wurde, zurückgezogen, da sie einen „kausalen Zusammenhang“ zwischen unerwünschten Ereignissen in den Niederlanden und der Meldung eines Todesfalls unterstellte. Die Autoren reagierten auf den Rückzug: „Derzeit haben wir nur eine Assoziation, wir stimmen zu, und wir haben nie etwas anderes gesagt. Aber das Gleiche gilt für Todesfälle als Folge von SARS-CoV2-Infektionen. Die Fälle, die hier als Todesfälle gezählt werden, sind in den seltensten Fällen durch Autopsie oder Zweitmeinung überprüft, aber dennoch als Todesfälle aufgrund von COVID-19 gezählt. Und genau diese vermeintlich hohe Zahl von COVID-19-bedingten Todesfällen war der Anlass für einen beispiellos schlampigen Regulierungsprozess, der es ermöglichte, dass neuartige Impfstoffe, die einen noch nie am Menschen getesteten Mechanismus verwenden, in der Bevölkerung weit verbreitet werden konnten.“


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Doping(-Propaganda) – eine endlose Geschichte

Der konstruierte Skandal

Behauptungen, im DDR-Sport seien mit Dopingmitteln „Menschenversuche“ durchgeführt worden, entbehren jeder Grundlage.

von Helmar Gröbel, Gerd Machalett

Wenn Sieger die Geschichte schreiben, gilt der altlateinische Spruch „Vae victis“ — Wehe den Besiegten! Noch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR versuchen westdeutsch dominierte Medien, den Ruf des ehemaligen realsozialistischen deutschen Staates zu schädigen. Neben dem DDR-Event-Vierteiler dient dazu vor allem das Genre der historischen Dokumentation. Noch Anfang dieses Jahres lief in der ARD eine Sendung, in der wieder einmal der DDR-Sport ins Visier geriet. Nicht nur das Schreckensbild einer „durchgedopten“ Sportlerriege wurde darin an die Wand gemalt — auch von Menschenversuchen war die Rede. Offenbar fällt es noch immer schwer, die damaligen Leistungen der Athleten eines relativ kleinen Landes als das anzuerkennen, was sie waren. Entweder stecken angeblich Aufputschmittel dahinter, oder totalitäre Menschenschinderei trieb die Sportler zum Äußersten. Die Autoren zeigen in ihrem Artikel, dass solche Vorwürfe einer genaueren Untersuchung nicht standzuhalten vermögen.

Am 26. Februar 2021 strahlte die ARD eine von Seppelt und anderen Journalisten produzierte Dokumentation aus, in der behauptet wird, dass im Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport in Leipzig von 1975 bis 1977 von den späteren Professoren Hermann Buhl und Jochen Scheibe „geheime“ Leistungsteste, auch mit Dopingmitteln, an Freizeitsportlern als „Versuchskaninchen“ zur „Schonung der Elite-Sportler“ durchgeführt wurden. Anne Drescher, die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern (M/V) für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, behauptete in der Doku, dass das „Menschenversuche“ waren und dadurch „Menschenrechtsverletzungen“ begangen wurden.

Die sachkundige Aufarbeitung durch Zeugenaussagen, verfügbare Dokumente, Veröffentlichungen und Aufzeichnungen sowie Prüfung der wissenschaftlichen Plausibilität der Behauptungen ließ erkennen, dass es sich hier ebenfalls wie bei der Mähr vom „Zwangsdoping“ um eine diffamierende Zweckkonstruktion der „Aufarbeitungsindustrie“ handelt, die nicht unwidersprochen bleiben darf.

Als Spezialisten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur haben Drescher, die Landesbeauftragte für die SED-Diktatur in M/V und „Investigationsjournalisten“ um Hajo Seppelt das „Zwangsdoping“ als Dauerthema wieder neu belebt.

Durch den Eklat bei den unwissenschaftlichen Machenschaften des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH-Verein) unter Leitung von Professor Ines Geipel drohte die Konstruktion des „Zwangsdopings“ gänzlich zu einer sportpolitischen Farce zu verkommen. Höchste Zeit, dass wieder an Zwang, massive Gesundheitsschäden, die Lebensverkürzung und die konspirativen Stasi-Strukturen der „kriminellen Körperpolitik“ der DDR erinnert wird.

Dabei bleibt aber unverändert bestehen, dass die Wissenschaftlichkeit bei den Unterstellungen und Beschuldigungen des Leistungssportes der DDR (2, 3, 4) fehlt. Der „Zwang“, die tief greifenden körperlichen, psychischen und sozialen Schäden als Folgen des Dopings sowie die Lebensverkürzung bis zu 15 Jahren durch Doping konnten nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Dazu wurde bereits 2017 ein Forschungsvorhaben in M/V mit einem finanziellen Aufwand von 178.000 Euro zur Untersuchung der Doping-Problematik unter Förderung der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeleitet und mit erheblichem PR-Aufwand publik gemacht, so im Ärzteblatt M/V. Im Mittelpunkt steht die Promotion von Frau Geipel zu „Hybris und Gewalt“. Auf Nachfrage zum Stand der Promotion im Sommer 2020 blieben vier konkrete Fragen unbeantwortet:

  • Wurde die Doktorarbeit bereits vollendet?
  • Wenn ja, kann man diese Arbeit einsehen?
  • Wenn ja, wie hoch waren die Steuermittel, mit denen diese Arbeit gefördert wurde?
  • Falls nein, steht ein Ende fest?

Da die Doktorandin und ihr Betreuer der Beantwortung dieser Anfrage nicht zustimmten, wurde die interessierte Öffentlichkeit weiter im Unklaren gelassen, so auch das Schreiben des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur M/V mit dem Aktenzeichen VII-3501 vom 22. Juni 2020.

Sämtliche Irritationen zur Arbeit des DOH-Vereines und der verantwortlichen Abteilung in der BRD-Regierung zur Frage der Entschädigung der Doping-Opfer mit je 10.500 Euro könnten beseitigt werden, wenn eine zusammenfassende Statistik zu den abgeschlossenen Fällen veröffentlicht würde.

Da die Fragen von Dauer-Dopingschäden: Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Co-Faktoren für Dopingschäden, Sportart-spezifische Wirkungsweise, Dauer der Doping-Einnahme und eventuelle Vorschädigungen, Möglichkeiten der Schädigung des Organismus nach Beendigung der Sport-Karriere sowie familiäre Krankheitsdisposition bisher unklar sind, könnte die statistische Aufarbeitung und Analyse ein wichtiger Schritt zur Schaffung einer wissenschaftlich belastbaren Grundlage für die Einschätzung von Dopingschädigungen sein.

Sollte es um die Existenzberechtigung der Landesstellen für die Aufarbeitung der SED-Diktatur gehen, wenn Hajo Seppelt, Josef Opfermann und Jörg Mebus gemeinsam mit Frau Ines Drescher die „heimlichen“ Menschenversuche an Freizeitsportlern der DDR ins Visier nahmen?

Testreihen mit Freizeitsportlern

Im Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FSK) in Leipzig führten Mitte der 1970iger-Jahre Hermann Buhl und Jochen Scheibe über mehrere Jahre Testreihen mit Freizeitsportlern zu Auswirkungen von Ausdauerbelastungen auf die biochemischen und strukturell-anatomischen Anpassungsmechanismen des Organismus durch. Man kann diese Untersuchungen zur Grundlagenforschung in der Sportmedizin rechnen. Dabei standen im Mittelpunkt der Datengewinnung vor allem die Laktat-Leistungskurve und die Beeinflussung der schnell kontrahierenden FT-Muskelfasern mit hohem Wirkungsgrad im Verhältnis zu den ST-Fasern, gesichert durch Muskelbiopsien.

Die Probanden nahmen auf freiwilliger Basis an den aufwändigen, belastenden Lauftests und nicht immer schmerzfreien Biopsien teil. Es bestand keinerlei Unterschied zu den Trainings-Überwachgungsuntersuchungen bei Hochleistungssportlern in der DDR.

Die Behauptung, dass die Freizeitsportler „Eingriffe aushalten mussten, die die Drahtzieher des Staatsdopings ihren Stars nicht zumuten wollten“, ist unsinnig.

Wer das behauptet, hat keine Ahnung vom Leistungssport, der Sportmedizin und dem Design von sportmedizinischen Versuchen weltweit. Im Leistungssport ist ein Erkenntnisgewinn nicht durch Ratten- und Mäuseversuche möglich, hier muss bei Maximalbelastungen vom Sportler Leistung abverlangt und objektiv gemessen werden.

Die Sportgruppe war so „konspirativ“, dass Professor Wildor Hollmann nach 1990 angab, dass er jederzeit informiert war, was hinter den Türen des FKS in Leipzig passierte.

Man darf sich den Sport in der BRD und der DDR nicht so vorstellen, wie es Politiker mit Alleinvertretungsanspruch praktizierten. So veröffentlichte Professor Hollmann von der Sporthochschule Köln zusammen mit Professor Kurt Tittel von der DHfK ein Buch zur Geschichte des Sportes in Deutschland. Manfred Ewald und der DVfL-Präsident Gregor Wieczisk waren zu runden Geburtstagen von Dr. Danz 1978 und 1988 unter den Gästen. OMR Dr. Höppner und Prof. Manfred Donike aus Köln tauschten regelmäßig ihre Ansichten und Erfahrungen zu Dopingfragen aus (5). Offensichtlich sind die Vorurteile wichtiger als die Urteile in den Kreisen der „Aufarbeitungsindustrie“.

Die Behauptung von „Menschenversuchen“ und gar „Menschenrechtsverletzungen“ (O-Ton Drescher) zeigen Wissenslücken zu ethisch-rechtlichen Normen der Arzneimittel-Gesetzgebung und den Festlegungen zu Erprobungen und Experimenten am Menschen in der DDR (1).

Die Versuchsreihen waren von der Ethik-Kommission der Universität in Leipzig genehmigt. Für die Probanden galt strikte Freiwilligkeit und die Möglichkeit, jederzeit aus dem Testprogramm auszusteigen.

Ohne Beweise wird vom „Dopingexperten“ Hajo Seppelt der Untersuchungsreihe an Freizeitsportlern Doping unterstellt. Es können zwar keine Dokumente wie die Verpflichtung zur Geheimhaltung, sportmedizinische Ergebnis-Dokumentation, Überwachung des Probanden durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) vorgelegt werden, sondern Seppelt beruft sich auf subjektive Behauptungen des einzigen „Versuchskaninchens“ Hans-Albrecht Kühne und dessen dubiöse Aufzeichnungen. Sowohl seine Klagen: etwas stimmt nicht, ich fand nicht mehr den Ausschalter, mir wurde plötzlich klar, dass ich gedopt bin und die dramatische Schilderung seiner Schmerzen im Unterbauch, Blut im Urin und Ejakulat sind keineswegs Doping-assoziierte Zeichen.

Wer ein kleinen wenig von der Medizin und den anabol-androgenen Steroiden versteht, erkennt in der Symptomatik kaum eine akute Testosteron-Wirkung sondern denkt eher an eine Prostatitis und/oder Ependidymitis.

Was ich im Film von Kühne gesehen habe, macht ihn für mich zu keinen glaubwürden Zeugen. Seine geklagten „Spätschäden“ des Dopings, ein einseitiges Beinödem bei Lymphabflussstörungen nach Quatrizeps-Biopsien sind als Biopsie-Zwischenfälle oder Schäden nicht bekannt. Entzündungen oder Thrombosen nach den Biopsien wurden von Kühne nicht geltend gemacht. Bei Treffen der Laufgruppe noch viele Jahre nach der Wende bei Hermann Buhl in Bad Idberg waren bei Kühne keine gesundheitlichen Folgen der „Dopingteste“ auszumachen, wie andere Teilnehmer berichteten. Er soll an einem Staffellauf in Güstrow 2015 bei bester Gesundheit und guter Leistungsfähigkeit noch teilgenommen haben.

Zum körperlichen Befinden der Ausdauerläufer im Alter liegen unterschiedliche Angaben vor. Einige Teilnehmer der Buhl’schen Laufgruppe waren bis ins Rentenalter erfolgreiche Läufer. Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ (1), der heute Freizeitsportler von damals betreut, informierte zu deren Klagen, dass sie „völlig fertig“ seien, ihr Immunsystem überfordert war und ihre körperliche Leistungsfähigkeit jetzt erheblich eingeschränkt sei.

Drei Testpräparate

Tatsächlich wurden vom 1. September 1976 bis zum 1. März 1977 im FKS für das Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) in Jena im Rahmen einer klinischen Erprobung der Phase I an sechs Probanden drei Präparate getestet:

  • STS 482: 5-alpha-Dihydro Oral-Turinabol
  • STS 646: 5-alpha-Dihydromethyltestosteron
  • STS 648: 4-Chlor-5-alpha-Dihydromethyltestosteron (Mesterolon)

Das Mesterolon war ein Westimport und dort seit 1967 im Gebrauch, das STS 482 und 646 waren offensichtlich Produktionen von Jenapharm und sollten Importe substituieren. In der Phase I einer Prüfung werden die Verträglichkeit, Wirkungsweise und Nebenwirkungen des Testpräparates geprüft. Die Bemerkung: „in der DDR nicht zugelassen“ ist eine leere Phrase, denn die Präparate werden geprüft, damit sie zugelassen werden können.

Üblicherweise wurden im FKS für solche Testungen Mitarbeiter gewonnen. Es ist ungewöhnlich, dass ein Freizeitsportler angeblich dafür herangezogen worden ist. Auch in diesem Falle konnten die Filmemacher keine beweisenden Dokumente vorlegen.Miserskys Meinung:

„Doping im Freizheitsport/Breitensport war weder staatlich organisiert, noch angeordnet oder gewollt. Wer an sportmedizinischen Untersuchungen oder Trainingsversuchen freiwillig teilnahm, war nicht das Objekt staatlicher Willkür, sondern hatte das selbst zu verantworten.“

Diese Untersuchungen als „Menschenrechtsverletzungen“ zu charakterisieren, zeigt die Ignoranz, historisch-wissenschaftliche Untersuchungen zur Problematik der unterstützenden Mittel weltweit zur Kenntnis zu nehmen.

Schizophrenie der Vergangenheitsbewältigung

Auf dem 32. Sportärzte-Kongress (West) vom 18. bis 21. Oktober 1990 hörte ich den Vortrag: „Doping-Untersuchungen an Freizeitsportlern“ — mit 1.500 mg Testosteron über sechs Wochen einschließlich Muskelbiopsien. Offensichtlich fallen „demokratische“ Dopingteste und Biopsien nicht unter „Menschenrechtsverletzungen“. Verstehe da noch einer die Schizophrenie der Vergangenheitsbewältigung im deutsch-deutschen Sport.

Historiker verlassen sich nur bedingt auf Zeitzeugenaussagen und auch nur dann, wenn sie nachprüfbar sind. Lebens-Erinnerungen sind eine subjektive Wiedergabe der Wirklichkeit.

Kühnes verzerrte Schilderungen der Ereignisse, die über 50 Jahre zurückliegen, lassen sich kaum als Basis für die neuerlich geplante Diskriminierungskampagne des DDR-Sportes verwenden, wie die Schilderungen des glaubhaften Zeitzeugen Helmar Gröbel belegen können.

Angaben von Helmar Gröbel, Teilnehmer an den Untersuchungsreihen als Sportstudent an der DHfK Leipzig bis 1976 als Zeitzeuge:

„Nach einigen Minuten der Doku war ich mit meinen Erinnerungen wieder in meiner Studentenzeit von 1972 bis 1976 an der DHfK in Leipzig. Nur für kurze Zeit hatte ich wieder den Schwung der Jugend, doch die Freude verflog bei den Darstellungen im Film, die absolut nichts mit der Wirklichkeit gemein hatten. Dubiöse Aufzeichnungen, bösartig verzerrte Kommentare, die die Grenzen der Sachlichkeit überschritten und einen Eindruck von Unterdrückung und Menschenfeindlichkeit schaffen sollten. Die Beschreibungen des ‚Hauptdarstellers‘ wie ‚…Experimente am lebenden Objekt …“

… „geheime Trainingsmethoden“… „Ich hatte das Gefühl, als wenn ich die Unterwelt betrete — eine andere Welt …“ „Gerüche lagen in der Luft … Es herrschte eine gespenstige Situation …“ und dann: „Meine Ohrläppchen wurden durch die Blutabnahme zerfetzt.“ Mit viel Fantasie wurde fast eine Folterszenerie aufgebaut.

Ist es Dummheit, Naivität, Gewissenlosigkeit oder gedankenlose Wiedergabe eines vorgegebenen Textes, vielleicht sogar das Streben, als Opfer eine Entschädigung zu erlangen?

Diese Gedanken und die Bewertung erlaube ich mir als Zeitzeuge bei der Teilnahme an den sportmedizinischen Testungen von Dr. Hermann Buhl während meiner Studienzeit an der DHfK. Ich nahm das Angebot für diese wissenschaftlichen Untersuchungen dankbar an, weil sie mein Wissen und die Erkenntnisse für eine moderne Trainingssteuerung erweitern würden. Die Teilnahme an den Muskelbiopsien, den Blutabnahmen zur Laktat-Testung und Laufbandtesten war freiwillig. Jederzeit hätte ich meinen „eigenen Weg gehen“ und das Programm beenden können. Vor jeder Muskelbiopsie fragte mich Buhl fast väterlich: „Na, wollen wir es machen… bist du bereit?“

Als Zeitzeuge weise ich die Beschuldigung zurück, dass diese Testungen gesetzeswidrig oder gar menschenfeindlich waren. Muskelbiopsien werden weltweit durchgeführt, um Veränderungen im Muskelgewebe zu erkennen, und haben so in der Klinik und der Sportmedizin Bedeutung.

Die beiden „Hauptdarsteller“ Hans-Albrecht Kühn, damals Journalistik-Student in Leipzig, und Bernd Moormann kannte ich persönlich. Mit Moormann wurde ich als Wehrpflichtiger für die Armee-Cross-Meisterschaft vorbereitet.

Ich stellte mir nach der Sendung die Frage, was diese beiden veranlasst haben könnte, sich für die sport-politische Sendung Seppels zur Verfügung zu stellen. War es Unzufriedenheit mit dem Lebenslauf in der DDR, Unzufriedenheit mit dem persönlichen Schicksal vor oder nach der Wende? Fanden beide keinen Platz in der neuen Gesellschaft?

Sicherlich ist es schwer, ins Herz des anderen zu schauen. Aus meiner subjektiven Sicht erlaube ich mir dennoch das Urteil: Jeder mit normaler Intelligenz wusste, um was es bei diesen Untersuchungen ging und wie der Ablauf, die Belastungen und Einschränkungen sein werden. Wenn Hans-Albrecht Kühne meint, „dass er in der DDR nicht selbstbestimmt leben konnte“, ist er unehrlich. Jeder konnte, allerdings im Rahmen seiner sozialen Gemeinschaft und für sich individuell eigene Entscheidungen treffen.

Das Auftreten und die Kommentare von Hajo Seppelt vermittelten das Gefühl der Unanständigkeit und Missachtung anderer Menschen. Sein Anliegen war sichtbar — die Verunglimpfung des DDR-Sportes und die Festlegung, wer Opfer und wer Täter ist.

Wenn Kühne die 20 Mark Entschädigung pro Muskelbiopsie — er ließ sich 30 Mal punktieren — als „Fleischgeld“ abqualifiziert, kann man getrost das Einkassieren einer Doping-Opferhilfe als „Kopfgeld“ bezeichnen.

Nach meinen Recherchen hat sich kein anderer Teilnehmer der Testgruppen von Buhl bereit erklärt, als Komparse für Seppelt sich vor der Kamera zu „prostituieren“.

Aufgeblähte Lügen

Mit dem Verweis Seppelts und Co. auf den zweimaligen Olympiasieger im Marathonlauf Waldemar Cierpinski mit Bezug auf die Laufgruppe Buhls und der Hinweis, dass Muskelbiopsien den Elitesportlern nicht zugemutet wurden, sowie die nebulöse Vermutung der Einnahme unterstützender Mittel wird die Sachebene verlassen und die Recherche durch Lügenkonstruktionen aufgebläht. Die Testungen der Gruppe im FKS hatten sowohl zeitlich als auch fachlich nichts mit Cierpinski zu tun. Waldemar Cierpinski und der Mitautor Helmar Gröbel hatten den gleichen Mentor für ihre Diplomarbeit an der DHfK, Dr. Manfred Scholich, und führten im Frühjahr 1976 mehrere Konsultationen zum Thema: „Trainingsmethodische Vorbereitung einer Marathonleistung“.

Die Teilnahme und der Sieg bei Olympia waren zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht abzusehen. Die Aussage Kühnes zur Nutzung der Ergebnisse der „Versuchskaninchen“ für Medaillen ist ein Hirngespinst. Übrigens hatte Cierpinski bereits am 17. Juni 1976 in Karl-Marx-Stadt die Olympianorm geschafft. Da waren noch keine Ergebnisse von Kühne verfügbar. Was soll also der Quatsch vom Versuchkarnickel für die Elite?

Die Fernseh-Doku Seppelts untergräbt das Vertrauen in die journalistische Sorgfaltspflicht mit dieser unseriösen spektakulären Räuberpistole über das menschenverachtende und menschenrechts-verletzende Zwangsdoping, nach neuesten Erkenntnissen(?) auch im Freizeitsport der DDR.

Rachsucht trübt den Blick und die klare Sicht auf die Wirklichkeit, deshalb ist es für die Zeitzeugen aus der DDR bitter, wenn ihnen von Laien vorgeschrieben wird, was sie zu denken und was sie selbst erlebt haben.

Besonders arrogant und überheblich kam bei kundigen Zuschauern an, wie ein Journalist versuchte, Professor Jochen Scheibe in Bad Pyrmont „vorzuführen“. Der Jenaer Hochschullehrer Scheibe hatte keinen Anteil an der Dopingforschung und dem Einsatz, wie es an einigen Universitäten in der BRD üblich war. Hier wurde an zahlreichen Hochschul-Sportmedizinischen Einrichtungen, zum Beispiel in Freiburg, Dopingforschung betrieben(6).

Natürlich war der Staatsplan 14,25 auch Professor Scheibe bekannt, aber es ist eine Unterstellung, Wissen für strafbar zu erklären.

Vielleicht hätten Seppelt und Co. bei ihren Recherchen im Protokoll der Landtages-Sitzung in M/V vom 10. September 2015 nachlesen sollen. Dort äußerte Scheibe:

„Doping in der Vergangenheit war maßgeblich begründet durch die Ost-West-Konkurrenz der beiden Deutschen Staaten. Dabei standen die betreuenden Ärzte im Leistungssport oft unter dem Zwiespalt zwischen Sicherung der Chancengleichheit der betreuten Sportler und ethischen Verpflichtungen ihres Berufes. Deshalb darf sich der Kampf gegen Doping nicht auf einen Kampf gegen den Sport der ehemaligen DDR beschränken.“

Doping war kein DDR-spezifisches Problem.

Nichts klappt besser zur Rechtfertigung des eigenen Versagens als die Behauptung des „Zwanges von Elbe bis Oder“.

Politisch diktierte Einengungen erzeugen ein deformiertes Bild von Körperkultur und Sport in der DDR.

Der „Facharzt für Sportmedizin“ der DDR wurde in der neuen BRD nach 1990 nicht eingeführt. Die Bezeichnung „Sportmedizin“ kann als Zusatzbezeichnung erworben werden. Für mich ist das ein bedenklicher Qualitätsverlust im Bereich der medizinischen Absicherung des Breiten- und Leistungssportes.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Hartmut Bettin: „Zum Umgang mit ethischen Fragen bei der Forschung am Menschen in der DDR.“ Zeitschrift für medizinische Ethik 56(2010), S. 235-250
(2) Blackbox-Doping-„Opfer“-Hilfe http://dopingalarm.de/files/autorentext/aktuell.pdf: Werner Franke, Claudia Lepping, Henner Misersky, Gerhard Treutlein
(3) Lutz Thieme: German Journal of Exercise and Sport Research. 50. S. 280-296(2020)
(4) Gerd Machalett: „Die Doping-Legende“
http://www.rubikon.news/artikel/die-doping-legende
(5) „Rotwein im Kofferraum“. Der Spiegel 44/2011, S. 154-155
(6) MainPost: Exklusiv: Doping in Deutschland. Die Akte VF-1220/13/72
File:///M:/Exklusiv Doping in Deutschland. Die Akte
VF-1220_13_72.htm


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 04.08.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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