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Zu versteuerndes Einkommen – § 2 EStG

Das zu versteuernde Einkommen gemäß § 2 EStG bildet die Bemessungsgrundlage für die tarifliche Einkommensteuer. Wie wird das zu versteuernde Einkommen berechnet?

Zu versteuerndes Einkommen

 

Für die LohnsteuerklassenEinkommensteuer von natürlichen Personen bilden sieben Einkunftarten den Ausgangspunkt der Berechnung. Diese einkommensteuerpflichtigen Einkünfte können Sie durch steuerrelevante Aufwendungen in mehreren Berechnungsstufen mindern. Vielfach gibt es hierbei gesetzlich zulässige Gestaltungsmöglichkeiten, die von Steuerpflichtigen bewusst und zielgerichtet genutzt werden können.

Wer diese legalen Möglichkeiten nutzt, kann nicht nur seine Steuerbelastung für das jeweilige Kalenderjahr senken. Teilweise ist es auch möglich, Steuerverschiebungen zwischen den Kalenderjahren vorzunehmen.

Nach dem Grundschema der Einkommensteuerberechnung, wie es im § 2 EStG festgelegt ist, wird schließlich das zu versteuernde Einkommen ermittelt, welches die Bemessungsgrundlage für die tarifliche Einkommensteuer ist.

Wie steht das genau im Gesetz?

㤠2 Umfang der Besteuerung, Begriffsbestimmungen

(1) Der Einkommensteuer unterliegen
1.   Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
2.   Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
3.   Einkünfte aus selbständiger Arbeit,
4.   Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit,
5.   Einkünfte aus Kapitalvermögen,
6.   Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
7.   sonstige Einkünfte im Sinne des § 22,
die der Steuerpflichtige während seiner unbeschränkten Einkommensteuerpflicht oder als inländische Einkünfte während seiner beschränkten Einkommensteuerpflicht erzielt…

(3) Die Summe der Einkünfte, vermindert um den Altersentlastungsbetrag, den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende und den Abzug nach § 13 Absatz 3, ist der Gesamtbetrag der Einkünfte.

(4) Der Gesamtbetrag der Einkünfte, vermindert um die Sonderausgaben und die außergewöhnlichen Belastungen, ist das Einkommen.

(5) Das Einkommen, vermindert um die Freibeträge nach § 32 Absatz 6 und um die sonstigen vom Einkommen abzuziehenden Beträge, ist das zu versteuernde Einkommen; dieses bildet die Bemessungsgrundlage für die tarifliche Einkommensteuer.“

Einkommensteuergesetz (EStG) § 2

Welche Vorteile können Sie aus Ihrem Wissen über  das zu versteuernde Einkommen nach § 2 EStG ziehen?

Anhand des Gesetzestextes und des folgenden Rechenschemas können Sie zumindest prüfen, in welchen Bereichen Ihnen Steuergestaltungsmöglichkeiten bereits bekannt sind, oder Ihren Steuerberater zielgerichtet danach befragen.

Als Rechenschema ergeben sich aus § 2 Abs. 1 – 5 folgende Schritte:

    1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
+ 2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb
+ 3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
+ 4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
+ 5. Einkünfte aus Kapitalvermögen*
+ 6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
+ 7. sonstige Einkünfte i. S. d. § 22
= Summe der Einkünfte
– Altersentlastungsbetrag
– Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
– Freibetrag für Land- und Forstwirte
= Gesamtbetrag der Einkünfte
– Verlustabzug nach § 10d
– Sonderausgaben
– außergewöhnliche Belastungen
= Einkommen
– Freibetrag für Kinder
– Härteausgleich
= zu versteuerndes Einkommen

*Seit dem 01.01.2009 wird das zu versteuernde Einkommen grundsätzlich ohne die Kapitaleinkünfte ermittelt. Diese unterleigen der Abgeltungsteuer. Auf Antrag können Steuerpflichtige die Kapitaleinkünfte in die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens einbeziehen.

 

Was sollten Sie bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens beachten, um keinen Schaden zu erleiden?

Die Einkünfte sind bei den ersten drei Einkunftsarten der Gewinn, bei den anderen Einkunftsarten der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten.

Zu den Einnahmen liegen dem Finanzamt Dank der Datenübermittlung bereits eine Reihe von Angaben vor. Deshalb kann Ihnen die Steuerverwaltung kostenlos die „vorausgefüllte Steuererklärung anbieten. So können Sie die folgenden elektronischen Daten und Belege mit vielen Steuerprogrammen oder ELSTER abrufen:

  1. vom Arbeitgeber übermittelte Lohnsteuerbescheinigungen
  2. Lohnersatzleistungen (zum Beispiel Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld)
  3. Mitteilungen über den Bezug von Rentenleistungen
  4. Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen
  5. Vorsorgeaufwendungen (zum Beispiel Riester- oder Rürup-Verträge)
  6. Beiträge für Vermögenswirksame Leistungen (VWL / VL)

Demgegenüber sind Aufwendungen nur zum Teil erfasst. Hier bieten sich viele Möglichkeiten des Steuersparens an, wenn Sie die legalen Möglichkeiten ausnutzen.

Natürlich ist es für viele nicht leicht und zudem zumindest sehr zeitaufwendig, sich in die Vielzahl der – teilweise widersprüchlichen – Gestaltungsmöglichkeiten einzuarbeiten, um das zu versteuernde Einkommen zu senken. Steuerprogramme können dafür eine preiswerte Hilfe sein. (Eine kurze Übersicht über die beliebtesten Steuerprogramme.)

Wer sich das nicht zutraut oder damit nicht abgeben will, sollte auf jeden Fall professionelle Hilfe nutzen. Mit wenigen „Tipps und Tricks“ allein ist keine optimale Steuergestaltung möglich. (Wer einen Nagel in ein Brett schlagen kann, ist auch nicht gleich perfekt wie ein Tischlermeister.) Nicht umsonst gehört die Steuerberaterprüfung zu den schwierigsten Prüfungen.

Dass sich eine Steuererklärung und die professionelle Hilfe dabei lohnen kann, beweisen jährlich die Steuererstattungen. Wer eine Steuererklärung abgibt, kann durchschnittlich mit ca. 1.000 Euro je Steuererstattung rechnen.

 

Wie denken andere über das zu versteuernde Einkommen?

Benjamin Franklin (1706 – 1790): „Die Steuern sind hoch, aber wir werden doppelt so hoch besteuert durch unsere Faulheit, dreimal so hoch durch unsern Stolz und viermal so hoch durch unsere Torheit.“

Meyer A. Rothschild (1744–1812): „Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Steuerzahlen. Die Kenntnis aber häufig.“

Albert Einstein (1879–1955): „Um eine Steuererklärung abgeben zu können, muss man Philosoph sein; es ist zu schwierig für einen Mathematiker.“

 

Weiterführende Links zur Senkung des zu versteuernden Einkommens nach § 2 EStG

Einkommensteuererklärung 2018/2019 (Haufe Steuerratgeber)

Konz: Das Arbeitsbuch zur Steuererklärung

Steuern steuern: Mit der richtigen Steuerstrategie zu Vermögen und Wohlstand

Smartphone Cash Formel

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Lohnsteuerklassen – § 38b EStG – welcher Freibetrag in welcher Steuerklasse

Lohnsteuerklassen gemäß § 38b EStG werden beim Abzug der Steuern von Lohn und Gehalt berücksichtigt. Welchen Vorteil bringt das Steuerpflichtigen?

Lohnsteuerklassen – Wer hat welche?

LohnsteuerklassenBei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (Lohn, Gehalt) wird die Einkommensteuer durch Abzug vom Arbeitslohn als sogenannte „Lohnsteuer“ erhoben. Damit bekommen die Beschäftigten nicht das Bruttoentgelt, sondern nur das Nettoentgelt ausgezahlt, denn auch die Sozialversicherungsbeiträge werden gleich mit abgezogen.

Die „Lohnsteuer“ ist keine eigenständige Steuerart. Schließlich wird mit der Bezeichnung nur herausgestellt, dass die Erhebung der Einkommensteuer in einer speziellen Form erfolgt – nämlich durch Steuerabzug bereits bei Auszahlung von Lohn und Gehalt.

Zu diesem Zweck werden den Lohn- und Gehaltsempfängern bestimmte Lohnsteuerklassen zugeordnet.

Wie steht das genau im Gesetz?

§ 38b Lohnsteuerklassen

1. In die Steuerklasse I gehören Arbeitnehmer, die

a) unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und

aa) ledig sind,

bb) verheiratet, verwitwet oder geschieden sind und bei denen die Voraussetzungen für die Steuerklasse III oder IV nicht erfüllt sind; oder

b) beschränkt einkommensteuerpflichtig sind;

2. in die Steuerklasse II gehören die unter Nummer 1 Buchstabe a bezeichneten Arbeitnehmer, wenn bei ihnen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b) zu berücksichtigen ist;

3. in die Steuerklasse III gehören Arbeitnehmer,

a) die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse V eingereiht wird,

b) die verwitwet sind, wenn sie und ihr verstorbener Ehegatte im Zeitpunkt seines Todes unbeschränkt einkommensteuerpflichtig waren und in diesem Zeitpunkt nicht dauernd getrennt gelebt haben, für das Kalenderjahr, das dem Kalenderjahr folgt, in dem der Ehegatte verstorben ist,

c) deren Ehe aufgelöst worden ist, wenn

aa) im Kalenderjahr der Auflösung der Ehe beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig waren und nicht dauernd getrennt gelebt haben und

bb) der andere Ehegatte wieder geheiratet hat, von seinem neuen Ehegatten nicht dauernd getrennt lebt und er und sein neuer Ehegatte unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind, für das Kalenderjahr, in dem die Ehe aufgelöst worden ist;

4. in die Steuerklasse IV gehören Arbeitnehmer, die verheiratet sind, wenn beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben; dies gilt auch, wenn einer der Ehegatten keinen Arbeitslohn bezieht und kein Antrag nach Nummer 3 Buchstabe a gestellt worden ist;

5. in die Steuerklasse V gehören die unter Nummer 4 bezeichneten Arbeitnehmer, wenn der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse III eingereiht wird;

6. die Steuerklasse VI gilt bei Arbeitnehmern, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen, für die Einbehaltung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn aus dem zweiten und einem weiteren Dienstverhältnis sowie in den Fällen des § 39c.“

Einkommensteuergesetz (EStG) § 38b

Seit dem Jahr 2010 können berufstätige Ehegatten alternativ zu den Lohnsteuerklassen das sogenannte Faktorverfahren nach § 39f EStG wählen

Welche Vorteile können Sie aus Ihrem Wissen über  die Lohnsteuerklassen nach § 38b EStG ziehen?

Aufgrund der Steuerklassen werden bereits beim Lohnsteuerabzug bestimmte Freibeträge berücksichtigt:

Lohnsteuerklassen 2020

LohnsteuerklassenQuellen: lohn-info.de

Wenn diese Freibeträge bereits beim monatlichen Steuerabzug berücksichtigt werden, dann führt das in den meisten Fällen dazu, dass die Steuerpflichtigen schon im Verlauf des Kalenderjahres über mehr Geld frei verfügen können, als wenn diese Freibeträge nicht berücksichtigt worden wären. Denn die Steuerabzüge sind dadurch geringer. Andernfalls würden sie die zuviel abgezogenen Steuern erst im Ergebnis des Steuerbescheids im folgenden Jahr zurückerhalten.

Insofern führt der Lohnsteuerabzug nicht zu einer Steuerersparnis, sondern bestenfalls zu einer Steuerstundung mit einem Liquiditätsvorteil.

Schließlich sparen Steuerpflichtige im günstigsten Fall durch den Lohnsteuerabzug sogar die Abgabe einer Steuererklärung, sofern das Einkommen ganz oder teilweise aus Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit besteht, von denen ein Steuerabzug vorgenommen worden ist. Allerdings müssen dann auch die weiteren Voraussetzungen gemäß EStG § 46 erfüllt sein.

Was sollten Sie zu den Lohnsteuerklassen beachten, um keinen Schaden zu erleiden?

Die Lohnsteuerklassen gehören zu den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen, die bei der Entgeltabrechnung zu berücksichtigen sind. Sie werden auf Veranlassung des „Arbeitnehmers“ (EStG § 39) gebildet. Zwar fließen dabei auch Angaben der „Meldebehörden“ ein. Doch letztendlich ist jeder „Arbeitnehmer“ selbst verantwortlich, dass die richtigen Steuerklassen und anderen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale für seine Entgeltabrechnung verfügbar sind. Wer sich nicht selbst kümmert, muss sich nicht wundern, wenn die Steuerabzüge dann – meist – zu hoch sind.

Auch die „Arbeitgeber“ können die Lohnsteuerklassen nicht von sich aus ändern. Sie melden lediglich das Arbeitsverhältnis als Haupt- oder Nebenarbeitsverhältnis an und bei Beendigung ab. Danach rufen sie die Lohnsteuerabzugsmerkmale nur im Rahmen des ELStAM-Verfahrens von den Finanzbehörden ab. Wurde das Arbeitsverhältnis als Hauptarbeitsverhältnis angemeldet, so wird ihnen die vom Arbeitnehmer gewählte Lohnsteuerklasse III/V oder IV/IV (bei verheirateten Arbeitnehmern und Lebenspartnerschaften) übermittelt. Bei Anmeldung als Nebenarbeitsverhältnis erfolgt die Übermittlung der Lohnsteuerklasse VI.

Die Steuerpflichtigen sollten also selbst darauf Einfluss nehmen, wie die Arbeitsverhältnisse angemeldet werden.

Für die Bildung und die Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale der unbeschränkt Steuerpflichtigen ist das Wohnsitzfinanzamt zuständig. Änderungen sind von den Steuerpflichtigen bei diesem zu beantragen.

Wie stark sich die Lohnsteuerklassen auf das monatlich ausgezahlte Entgelt auswirken, kann jeder leicht nachvollziehen, wenn der Steuerabzug mit einem Einkommensteuerrechner und mit einem Lohnsteuerrechner verglichen wird.

Wie denken andere über die Lohnsteuerklassen?

djb-Präsidentin Prof. Dr. Wersig: Von einer Abschaffung der Lohnsteuerklasse V „würden vor allem Frauen profitieren, die derzeit in Lohnsteuerklasse V einen Teil der Steuern ihrer Männer mittragen. Dies führt bei ohnehin schon geringerem Bruttoeinkommen zu unverhältnismäßig niedrigen Nettoeinkommen und Lohnersatzleistungen. Der Netto Pay Gap ist also noch größer als der Gender Pay Gap.“ (Frauen Union sagt der Steuerklasse V den Kampf an)

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Steuerrecht Susanne Christ: „Grundsätzlich sollten, soweit möglich, Eheleute und eingetragene Lebenspartner die Steuerklasse IV wählen, wenn sie dadurch unterjährig über ausreichende Liquidität verfügen. Wollen sie die Vorteile des Splittingtarifs schon im Laufe des Jahres erhalten, sollten sie bei der Steuerklasse IV das Faktorverfahren anwenden. Anders ist es, wenn Lohnersatzleistungen erwartet werden…“

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Steuerrecht Susanne Christ: Änderungen bei den Lohnsteuerklassen…

Weiterführende Links zu Lohnsteuerklassen nach § 38b EStG

Die Lohnsteuerklassen sind nicht unumstritten:

Steuerklasse V abschaffen

Die Abschaffung der Steuerklasse V allein genügt nicht. Das Ehegattensplitting / selbst muss reformiert werden!

 

Never Work Again
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