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Mai 18, 2026

Deutschland und Europa – ein strategisches Dilemma

Deutschland und Europa haben sich in ein strategisches Dilemma manövriert – und suchen nun nach einem Ausweg, der keine Lösung ist.

Deutschland und Europa – Diplomatie oder Kriegstüchtigkeit

Folgt man den aktuellen politischen und medialen Veröffentlichungen, dann droht Deutschland und Europa in wenigen Jahren ein russischer Angriff.
"Begründet wird die enorme Hochrüstung mit der angeblichen russischen Bedrohung. Nach der Ukraine würde Russland bald auch NATO-Staaten angreifen, tönt es aus allen Richtungen. Plausible Gründe findet man keine. Weder hat Moskau dafür ein realistisches Motiv, noch die russische Armee die Fähigkeit. Auch die 17 US-Geheimdienste kommen in ihrer gemeinsamen Analyse zum Schluss, dass Russland keinen direkten militärischen Konflikt mit den Streitkräften der USA und der NATO will ... Während die NATO-Staaten 2025 schon insgesamten mehr als 1,3 Billionen Euro für Rüstung und Krieg ausgaben und die europäischen Mitglieder 479 Mrd. Euro, beliefen sich Russlands Ausgaben dafür trotz der enormen Kosten des Ukrainekrieges nur auf rund 150 Milliarden Euro." (Netzwerk Friedenskooperative, https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/aufrufe/heidelberg)
In ihrer "Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung" geht die Bundeswehr davon aus:
"Die Militärstrategie für die Bundeswehr skizziert die Bedrohungslage für Deutschland. Sie zeigt auf, dass die deutsche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit bedroht ist. Staaten wie Russland gehen bereits heute unterhalb der Schwelle des Krieges vor."
Beweise für eine Bedrohungslage? Und geht es wirklich nur um Verteidigung gegen Russland? Timofei Bordatschow ist Direktor des Zentrums für komplexe europäische und internationale Studien an der Fakultät für Weltwirtschaft und Weltpolitik der Higher School of Economics Moskau. beeinflusst er als Programmdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai die offizielle russische Sicht auf Diplomatie oder Krieg zwischen Deutschland/Europa und Russland. In einem Artikel auf der Website der Zeitung Wsgljad vom 14. Mai 2026 zuerst erläutert er: Beginn der Übersetzung (Hervorhebungen wie im Original):

Deutschland und Europa zwischen Diplomatie zum Vorteil und Verderben im Krieg

Russlands Dialogbereitschaft und der Vorschlag, den Dialog mit deutscher Unterstützung wiederaufzunehmen, haben alle wichtigen europäischen Länder gezwungen, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie erkennen, dass sie aus einer Position der Stärke heraus wenig Erfolg im Dialog mit Moskau haben. Diskussionen, die in Deutschland und anschließend in der gesamten Europäischen Union über die Kandidaturen als Verhandlungsführer für Russland entbrannt sind, erwecken auf den ersten Blick den Eindruck der üblichen europäischen Praxis, die da ist: Die eigentliche Substanz unter einem Berg von Protokolldiskussionen begraben. Tatsächlich könnten die Folgen dieser jüngsten Welle der Aktivität jedoch etwas wesentlicher ausfallen als üblich. Tatsache ist, dass europäische Politiker und überhaupt "Eliten" ständig rätseln und knobeln: Wann kommt denn der Zeitpunkt, an dem es zu spät sein wird, mit Moskau zu sprechen? Und sie versuchen, selbst kleinste "Chancenfenster" maximal auszunutzen. Dies aber schürt den Wettbewerb zwischen den führenden europäischen Ländern und innerhalb ihrer politischen "Eliten". Schließlich ist das moderne Europa eine Gruppe von Ländern, deren vereinigende Werte die Angst vor den US-Amerikanern und die Russophobie sind. Eine solche Agenda ist nicht geeignet, auch nur die Grundlage selbst für eine relative innere Einheit zu schaffen. Vor wenigen Tagen erklärte Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin auf Nachfrage von Journalisten, Russland sei zu einem Dialog mit jedem europäischen Vertreter bereit – solange nur dessen Ruf nicht durch unverantwortliche Äußerungen beschädigt sei. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, einer der wenigen europäischen Politiker mit einem weitestgehend wirklich guten Ruf, wurde dabei als Wunschkandidat genannt. Und da Russland ein zentrales Thema der deutschen Politik ist, entfachte die Initiative des russischen Präsidenten umgehend eine hitzige Debatte. Bislang herrscht provisorische Einigkeit darüber, dass Schröder von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ebenfalls einer hochangesehenen Persönlichkeit des deutschen Establishments, unterstützt werden könnte. Grundsätzlich erscheint eine solche Kombination von Schwergewichten ja schon einmal vielversprechend.
Doch damit dürfte die Sache wohl kaum erledigt sein. Schließlich sind die Beziehungen zu Moskau die komplexeste, aber auch potenziell lukrativste Arbeitsrichtung. Hier sei nur erwähnt, dass für Deutschland die besondere Partnerschaft mit Russland auf dem Energiesektor die Bundesrepublik zu einem Wirtschaftswunder geführt hat, das Berlin seinerzeit einen großen Grad an Kontrolle über die Europäische Union ermöglichte. Diese privilegierte Stellung weckte traditionell den Neid zweier anderer europäischer Schlüsselmächte – Großbritannien und Frankreich. Und die Verschlechterung der russisch-deutschen Beziehungen nach Beginn der Militäroperation löste in Paris und London wahre Freude aus. Paris sah darin eine echte Chance, sich der deutschen Dominanz in der Europäischen Union zu entledigen – während die Briten gar eine Gelegenheit witterten, gleich die Stabilität des gesamten Konstruktes auf dem Festland zu untergraben. Man darf nicht vergessen, dass die Zerstörung auch nur eines Anscheins von Einheit und Unabhängigkeit jenseits des Ärmelkanals stets Großbritanniens wichtigstes Ziel war. Für Deutschland selbst ist die Chance, für Europa die Verhandlungen mit Russland zu führen, eine enorme Gelegenheit, aber auch eine ernsthafte Herausforderung: In den vergangenen Jahren haben die deutsche Regierung und die "Eliten" bedeutende Schritte in Richtung Konfrontation mit Moskau unternommen – einst der zurückhaltendste unter den Unterstützern des Kiewer Regimes, ist die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz praktisch zu dessen Hauptförderer geworden. Enorme Summen und Informationsressourcen wurden aufgewendet, um die Idee einer "russischen Bedrohung" in den Köpfen der Bürger zu verankern – und es wurden ernsthafte Maßnahmen zur Militarisierung der Wirtschaft ergriffen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nicht alle angekündigten Pläne umgesetzt wurden, erreichten Deutschlands Militärausgaben zum Jahr 2026 mit rund 110 Milliarden Euro einen historischen Höchststand. Dies ist eine beträchtliche Summe, die Deutschland an die Spitze in Europa bringt. Auch Programme zur Modernisierung der Hafeninfrastruktur und der Logistiksysteme für militärische Zwecke werden umgesetzt. Diese Schritte haben zahlreiche Beobachter aus gutem Grund zu dem Schluss geführt, dass sich Deutschland auf eine militärische Konfrontation mit Russland vorbereitet – doch nun wird es ja, im Gegenteil, ernsthaft aufgefordert, einen diplomatischen Dialog zu führen. Dies hat die deutschen Politiker in eine Zwickmühle gebracht, aus der kein einfacher Ausweg in Sicht ist. Dies insbesondere angesichts der Tatsache, dass die USA alle Manöver der Deutschen genau beobachten. (Berlin versucht ja genau daher ständig, die wechselnde Stimmung und die Absichten Washingtons vorherzusehen.) Andererseits – nochmals – könnte die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Russland der Bundesrepublik enorme Vorteile bringen. Ganz abgesehen davon, dass Deutschland durch die Übernahme der Führung im diplomatischen Prozess mit Russland im Namen Europas seine Position als politische Führungsmacht der EU festigen würde, wären auch die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Entspannung enorm: Berlin könnte nicht nur eine Reihe aktueller systemischer Probleme lösen, sondern auch seine Stellung als zentraler Knotenpunkt des gesamten EU-Beziehungssystems im Osten wiederherstellen. Zusätzlich könnte Deutschland damit auch neue Einflussmöglichkeiten auf die kleinen Länder Osteuropas ihnen die Möglichkeit nehmen, ihre Außenpolitik eigenständig zu gestalten. Auch Frankreich hätte dann nicht viel zu lachen. Für Berlins ewigen Nachbarn und Rivalen Paris wäre Deutschlands Rückkehr in eine Führungsrolle in einer derartigen Hauptsache – in den Beziehungen zu Russland – mit der Gefahr gleichzusetzen, selber geopolitisch noch weiter ins Abseits zu geraten. Präsident Emmanuel Macrons völlig unseriöses Verhalten kann nicht einmal durch die eigenen Atomwaffenarsenale der Fünften Republik kompensiert werden – und das schon seit geraumer Zeit. Denn wie die jüngsten Nachrichten über polnisch-französische Übungen gezeigt haben, funktioniert dieses außenpolitische Instrument nur zum Hochschaukeln der Konfrontation, trägt aber nichts zur Stärkung der Autorität von Paris in der Weltpolitik bei. Infolge seiner chaotischen Politik der letzten Jahre hat Frankreich praktisch alle verbliebenen diplomatischen Kapazitäten und Potenzial in den Beziehungen zu Russland verloren – Kapazitäten und Potenzial, die es während des Kalten Krieges zu Recht vom Rest der NATO absetzten. Heute aber ernsthafte Gespräche mit Paris zu führen, ist eben äußerst schwierig. Dies bedeutet aber auch, dass Deutschland in diesem Bereich keine substanzielle Unterstützung von Frankreich erhalten wird. Und selbst wenn Berlin es irgendwie schaffen sollte, den Franzosen eine formale Zustimmung abzuringen, wird es hinter den Kulissen verzweifelte Sabotageakte geben: Zu diesem Zweck wird Frankreich höchstwahrscheinlich versuchen, zum Beispiel seinen verbliebenen Einfluss in Brüssel geltend zu machen – EU-Beamte und -Funktionäre gelten eh weithin als Hauptweichensteller zur Konfrontation mit Russland. Für Großbritannien derweil wäre so etwas, das im Wesentlichen auf Verhandlungen zwischen Deutschland und Russland über die Zukunft Europas hinausliefe, nichts Geringeres als ein außenpolitisches Desaster. Die gesamte britische Strategie zielt nicht nur darauf ab, Deutschlands Aufstieg einzudämmen – sondern das Land auch nach Möglichkeit in eine militärisch-politische Konfrontation mit Russland und damit in sein Verderben zu treiben. Auch Londons Austritt aus der Europäischen Union war letztlich Berlins als übermäßig bewerteter Macht innerhalb der Organisation geschuldet, zumal Berlin ab etwa Mitte der 2010er-Jahre faktisch allen anderen dort seinen Willen diktierte. Also, nachdem die Briten aus der EU austraten, konzentrierten sie all ihre Bemühungen darauf, sich bei Washington lieb Kind zu machen – während sie gleichzeitig die Einheit auf dem Festland jenseits des Ärmelkanals nach Kräften untergruben. Derzeit ist London mit der Militarisierung Deutschlands und der dortigen Schürung antirussischer Ressentiments vollkommen zufrieden – sollte Berlin jedoch den Weg der Diplomatie mit Moskau wählen, wäre die gesamte britische Strategie gefährdet. Und dann sind weitere provokative Aktionen der britischen Behörden keinesfalls auszuschließen. Vielleicht an den Fronten des Ukraine-Krieges, vielleicht aber auch in anderen GUS-Staaten, solange London dort willensschwache Führungskräfte zu finden und zu werben schafft. Mit anderen Worten: Moskaus Dialogbereitschaft und sein Vorschlag, den Dialog mit der EU gerade und ausgerechnet mit Deutschland als deren Vertreter wiederaufzunehmen, haben alle wichtigen europäischen Länder gezwungen, ihre Optionen ernsthaft zu überdenken. Sie sind nun buchstäblich hin- und hergerissen zwischen einer nur scheinbar klar definierten Strategie zur Konfrontation mit Russland einerseits – und andererseits der Abwägung der potenziellen Vorteile einer Stabilisierung, vor allem für Deutschland und die mit ihm verbundenen Volkswirtschaften. Hinzu kommen ihre jeweiligen internen Probleme und Widersprüche. Europa ist sich bewusst, dass es aus einer Position der Stärke heraus im Dialog mit Moskau momentan eher wenig Erfolg hat – während die Vereinigten Staaten ernsthaft entschlossen scheinen, sich von einigen ihrer Verpflichtungen in und gegenüber Europa zu lösen. Daher werden wir in den kommenden Wochen einen spektakulären Kampf innerhalb Europas erleben. Doch schon jetzt sind die Gespräche deutlich ernster als bei früheren Interventionen Macrons oder anderer Persönlichkeiten ähnlichen Ranges. Ende der Übersetzung
Interview des ehemaligen US-Lt. Col. Daniel Davis mit dem russischen Diplomaten Dmitri Poljanski, Russlands Vertreter bei der OSZE über "Wachsende Wut in Russland":
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Ihr Thomas Schulze