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Die Pflicht zum Ungehorsam – von 1849

Die Pflicht zum Ungehorsam

In einem berühmten Essay aus dem Jahr 1849 forderte Henry David Thoreau die Menschen auf, ihrem Gewissen zu folgen, nicht der Obrigkeit. Teil 1/2.
von Rubikons Weltredaktion

Henry David Thoreau lebte, was er predigte. Aus Protest gegen den Krieg mit Mexiko und wegen der Duldung der Sklaverei in den Südstaaten verweigerte er die Bezahlung von Steuern und verbrachte deswegen eine Nacht hinter Gittern. In seinem Pamphlet „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ nutzte der Harvard-Absolvent diese für ihn positive Erfahrung für einen literarischen Rundumschlag gegen die stumpfsinnigen Menschenmassen und die Arroganz der Macht. Die Regierenden hätten das Staatsideal Benjamin Franklins verraten, das dem Individuum ein Recht auf Leben, Freiheit und Glück zusicherte. Nach Throreau soll jeder Bürger für sich selbst bewusste Entscheidungen treffen und sich nicht vom System unterwerfen lassen. Die Regierung sei für das Volk da und nicht umgekehrt. Deshalb hätten Bürgerinnen und Bürger einer Gesellschaft die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und zum zivilen Ungehorsam aufzurufen, auch wenn drastische Maßnahmen des herrschenden korrupten Systems drohten. Thoreaus Schrift gehörte zur Standardlektüre für Bürgerrechtler und Kriegsgegner wie Martin Luther King und Mahatma Gandhi und genoss bei den Hippies Kultstatus. Lassen wir sie nicht in Vergessenheit geraten!

Die beste Regierung

1 Von ganzem Herzen übernehme ich das Motto: „Die beste Regierung ist die, die am wenigsten regiert“ (1). Und ich wünschte, es würde schneller und systematischer befolgt. Ausgeführt läuft es schließlich darauf hinaus, wovon ich gleichfalls überzeugt bin: „Die Regierung ist die beste, die gar nicht regiert.“ Und wenn die Menschen bereit dafür sind, wird das die Form der Regierung sein, die sie haben werden.

Eine Regierung ist im besten Falle nur ein Mittel zum Zweck. Aber in der Regel sind die meisten Regierungen — und alle Regierungen sind es manchmal — unzweckmäßig.
Die Einwände, die gegen ein stehendes Heer vorgebracht worden sind (2) — und es sind zahlreiche und gewichtige vorgebracht worden, die es verdienen sich durchzusetzen —, können schließlich auch gegen eine ständige Regierung vorgebracht werden. Das stehende Heer ist nur ein Arm der ständigen Regierung. Die Regierung selbst, die nur die Form ist, die das Volk zur Ausführung seines Willens gewählt hat, kann ebenso missbraucht und pervertiert werden, bevor das Volk durch sie handeln kann. Der derzeitige Krieg gegen Mexiko (3) zeigt: Er ist das Werk von vergleichsweise wenigen, die die ständige Regierung als ihr Werkzeug benutzen, denn das Volk hätte diesem von Anfang an nicht zugestimmt.

2 Diese amerikanische Regierung — was ist sie anderes als eine Tradition, wenn auch eine neue, die bestrebt ist, sich unversehrt der Nachwelt weiterzugeben, aber jeden Augenblick etwas von ihrer Rechtschaffenheit verliert? Sie hat nicht die Vitalität und Kraft eines einzigen lebendigen Mannes; denn ein einziger Mann kann sie nach seinem Willen beugen. Sie ist eine Art Holzgewehr für das Volk. Aber sie ist dennoch notwendig; denn das Volk braucht irgendeine komplizierte Maschinerie und muss ihr Getöse hören, um seine Vorstellung von Regierung zu befriedigen.

Regierungen zeigen uns, wie erfolgreich Menschen eingeschränkt werden können, ja sogar, sich selbst freiwillig Beschränkungen auferlegen, wenn es ihrem eigenen Vorteil dient.

Das funktioniert ausgezeichnet, das müssen wir alle zugestehen. Doch diese Regierung hat noch nie von sich aus irgendein Unternehmen auf eine andere Weise vorangebracht als durch den Eifer, ihm aus dem Weg zu gehen. Sie bewahrt nicht die Freiheit des Landes. Sie besiedelt nicht den Westen. Sie erzieht nicht. Alles, was erreicht worden ist, verdanken wir dem amerikanischen Volk innewohnenden Charakter; und er hätte noch mehr erreicht, wenn die Regierung ihm nicht manchmal in die Quere gekommen wäre. Denn Regierungen sind ein Mittel, durch das Menschen gerne erreichen möchten, einander in Ruhe zu lassen. Und sie ist, wie gesagt, umso nützlicher, je mehr die Regierten von ihr in Ruhe gelassen werden. Wären Handel und Gewerbe nicht gleichsam aus Gummi, könnten sie niemals die Hindernisse überspringen, welche ihnen die Gesetzgeber ständig in den Weg legen. Und wenn die Regierenden nur nach den Auswirkungen ihres Handelns und nicht auch nach ihren Absichten beurteilt würden, dann müssten sie zu jenem Gesindel gezählt und wie jenes bestraft werden, welches Hindernisse auf Eisenbahnschienen legt.

3 Um es sachlich und als guter Bürger zu sagen: Im Gegensatz zu denen, die sich grundlegend gegen jede Regierung erklären, fordere ich nicht, ab sofort keine Regierung mehr, sondern ab sofort eine bessere Regierung.

Lassen Sie jedermann kundtun, welche Art von Regierung seinen Respekt verdient — das wäre bereits ein Schritt dahin, diese zu erlangen.

Erst Mensch, dann Untertan

4 Der wahre Grund, warum eine Mehrheit regieren darf, und zwar für einen langen Zeitraum, wenn das Volk die Macht hat, ist schließlich nicht, dass sie am ehesten im Recht ist oder dies der Minderheit gegenüber am gerechtesten erscheint, sondern schlicht, weil sie physisch überlegen ist.

Aber eine Regierung, in der in jedem Fall die Mehrheit entscheidet, kann sich nicht auf Gerechtigkeit gründen, auch nicht, wenn die Menschen diese verstehen. Kann es nicht eine Regierung geben, in der nicht die Mehrheit über Recht und Unrecht entscheidet, sondern das Gewissen― in der die Mehrheit nur über solche Fragen entscheidet, für die das Gebot der Zweckdienlichkeit gilt? Sollte der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur für eine Winzigkeit sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat dann jeder Mensch ein Gewissen?

Ich denke, wir sollten zuerst Menschen sein und danach Untertanen.

Erstrebenswert ist nicht, den Respekt vor dem Gesetz so sehr zu kultivieren wie für die Gerechtigkeit. Die einzige Verpflichtung, die ich auf mich zu nehmen das Recht habe, ist die, jederzeit tun zu können, was ich für recht halte. Schon oft wurde gesagt, dass eine Gesellschaft kein Gewissen habe. Aber eine Gesellschaft von gewissenhaften Männern ist eine Gesellschaft mit einem Gewissen.

Das Gesetz hat die Menschen nie gerechter gemacht; und durch ihren Respekt gegenüber dem Gesetz werden selbst die Wohlgesinnten täglich zu Handlangern des Unrechts.
Ein häufiges und natürliches Ergebnis dieses unangemessenen Respekts vor dem Gesetz ist, wenn Sie eine Einheit Soldaten sehen: Oberst, Hauptmann, Korporal, Gefreite, Pulveraffen (4) und viele andere, die in bewundernswerter Ordnung über Stock und Stein in den Krieg marschieren — gegen ihren Willen, ja gegen ihren gesunden Menschenverstand und ihr Gewissen, was das Ganze in der Tat zu einem sehr steilen Parcours macht und Herzrasen erzeugt. Sie haben keinen Zweifel daran, an einem verdammenswerten Unternehmen beteiligt zu sein, denn sie sind eigentliche alle friedlich gesinnt. Nun: Was sind sie? Sind sie überhaupt Menschen? Oder kleine bewegliche Festungen und Waffenlager im Dienste irgendeines skrupellosen Mannes, der gerade die Macht hat?

Gehen Sie zum Navy Yard (5), und sehen Sie sich einen Soldaten an, einen Mann, zu dem ihn die amerikanische Regierung machen kann, wie sie ihn quasi mit schwarzen Künsten zustande bringt — ein bloßer Schatten, eine Erinnerung an Menschlichkeit, ein Mann, lebendig aufgebahrt und noch stehend, der bereits, wie man sagen kann, mit militärischen Ehren begraben ist ― obschon selbst das anders sein kann:

„Kein Trauerchoral, keine Trommel erklang,
Als zum Wall wir den Leichnam erhuben;
Keine Salve rollte zum Abschied bang
Über‘s Grab, das dem Helden wir gruben“
(6).

5 Die Mehrzahl der Menschen dient dem Staat in erster Linie nicht als Menschen, sondern mit ihren Körpern als Maschinen. Sie sind das stehende Heer und die Miliz, die Kerkermeister, die Polizisten, die Ordnungshüter und so weiter.

In den meisten Fällen bleibt kein Raum für freies Vorgehen, weder bei der Urteilsbildung noch im Moralempfinden; sie stellen sich auf eine Stufe mit Holz und Erde und Stein; und vielleicht lassen sich hölzerne Menschen herstellen, die den Zweck ebenso gut erfüllten. Solche verdienen nicht mehr Respekt als ein Mann aus Stroh oder ein Klumpen Dreck. Ihr Wert gleicht nur dem eines Pferdes und Hundes. Und doch werden solche wie diese gemeinhin als gute Bürger angesehen. Andere — etwa die meisten Gesetzgeber, Politiker, Anwälte, Minister und Beamte — dienen dem Staat hauptsächlich mit ihrem Kopf; und da sie kaum moralische Unterscheidungen treffen, dienen sie― ohne es zu wollen ― dem Teufel genauso wie Gott. Einige wenige — wie Helden, Patrioten, Märtyrer, Reformer im wahren Sinne — dienen dem Staat auch mit ihrem Gewissen und widerstehen ihm daher zumeist zwangsläufig; und sie werden von ihm gewöhnlich als Feinde behandelt.

Ein Weiser wird immer nur als Mensch von Nutzen sein wollen und sich nie zu „Lehm” erniedrigen, der ein Loch stopft „wohl vor dem rauen Norden”. Diese Aufgabe wird er seinem Staub überlassen (7):

„Ich bin zu hochgeboren, um mit mir,
Zu lassen schalten, mich zu untergeben

Als ein bequemer Dienstmann, als ein Werkzeug,
An irgendeine Herrschaft in der Welt“ (8).

6 Der, der sich ganz seinen Mitmenschen hingibt, erscheint ihnen nutzlos und selbstsüchtig. Der aber, der sich ihnen nur teilweise hingibt, wird als Wohltäter und Philanthrop bezeichnet.

7 Wie also soll sich ein Mann heute gegenüber der amerikanischen Regierung verhalten? Ich antworte, dass er nicht ohne Schande mit ihr verbunden sein kann. Ich kann nicht einen Augenblick lang diese politische Organisation als meine Regierung anerkennen, die zugleich die Regierung des Sklaven ist.

Das Recht auf Revolution

8 Alle Menschen erkennen das Recht der Revolution an; das heißt, das Recht, der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern und ihr Widerstand zu leisten, wenn ihre Unterdrückung oder Unfähigkeit groß und unerträglich werden. Aber fast alle sagen, dass dies jetzt nicht der Fall ist. Dagegen war es der Fall, denken sie, in der Revolution von 1775 (9). Wenn mir dies jemand damit begründen würde, dass die damalige Regierung schlecht war, weil sie bestimmte ausländische Waren besteuerte, die in ihren Häfen ankamen, würde ich mich nicht darüber aufregen, denn ich kann auf sie verzichten (10).

In allen Maschinen gibt es Reibung, und möglicherweise bewirkt diese genug Gutes, um das Übel auszugleichen. Jedenfalls ist es unsinnig, sich darüber aufzuregen. Aber wenn die Reibung in einer Maschine überwiegt, wenn Unterdrückung und Raub überhandnehmen, dann sage ich: Weg mit der Maschine!

Anders gesagt: Wenn ein Sechstel der Bevölkerung einer Nation, die sich verpflichtet hat, ein Hort der Freiheit zu sein, Sklaven sind, und wenn eine fremde Armee widerrechtlich ein ganzes Land überrennt, erobert und dem Militärrecht unterwirft, dann ist es meines Erachtens für ehrliche Menschen höchste Zeit, zu rebellieren und zu revolutionieren. Was diese Pflicht umso dringender macht, ist die Tatsache, dass das Land, das so überrannt wird, nicht unser eigenes ist, sondern die eindringende Armee die unsere.

Paleys Prinzip der Moral

9 William Paley (11), eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet der politischen Ethik, begründet in seinem Kapitel über die „Pflicht zur Unterwerfung gegenüber der Staatsgewalt” alle Bürgerpflicht mit ihrer Zweckdienlichkeit und fährt dann fort:

„Solange das Interesse der ganzen Gesellschaft es erfordert, das heißt, solange man sich der bestehenden Regierung nicht widersetzen und sie nicht ohne Unbequemlichkeit verändern kann, ist es der Wille Gottes …, dass man der bestehenden Regierung gehorcht — aber auch nicht länger. Da dieses Prinzip akzeptiert wird, reduziert sich die Gerechtigkeit jedes einzelnen Falles von Widerstand auf ein Abwägen des Ausmaßes der Gefahr und der Missstände auf der einen und den Erfolgschancen, diese zu beheben, auf der anderen Seite.“

Diese Abwägung, schreibt er, solle jeder für sich selbst vornehmen. Aber offenbar hat Paley nie über jene Fälle nachgedacht, auf die die Regel der Zweckdienlichkeit nicht zutrifft, in denen ein Volk ebenso wie jeder Einzelne Gerechtigkeit üben muss, koste es, was es wolle. Habe ich einem Ertrinkenden zu Unrecht eine Planke abgerungen, dann muss ich sie ihm wiedergeben, auch wenn ich dabei selbst ertrinke. Dies wäre, Paley zufolge, eine „Unbequemlichkeit“. Wer aber in solcher Lage sein Leben rettet, der wird es verlieren (12).

Dieses Volk muss aufhören, Sklaven zu halten und Krieg gegen Mexiko zu führen, selbst wenn es seine Existenz als Volk kostet.

10 In der Praxis stimmen die Nationen mit Paley überein; aber glaubt irgendjemand, dass Massachusetts in der gegenwärtigen Krise genau das Richtige tut?

„Ein tristes Land, eine Hure im silbernen Kleid,
Lässt sich die Schleppe tragen,
während die Seele im Schmutze schleift“
(13).

Die Lethargie der Gerechten

11 Die eigentlichen Gegner einer Reform in Massachusetts nicht hunderttausend Politiker im Süden (14), sondern hunderttausend Krämer und Farmer hier, die sich mehr für Handel und Landwirtschaft interessieren als für Menschlichkeit, und die keinerlei Bereitschaft zeigen, den Sklaven und Mexiko Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, koste es, was es wolle.

Ich streite mich nicht mit fernen Gegnern, sondern mit jenen, die nahe der Heimat sind und die mit denen in der Ferne zusammenarbeiten und auf deren Geheiß hin handeln; gäbe es Erstere nicht, wären Letztere harmlos. Wir sagen oft, die Masse der Menschen sei ahnungslos; aber die Verbesserung geht nur deshalb langsam voran, weil die wenigen nicht wesentlich klüger oder besser sind als die vielen. Nicht so wichtig ist, dass viele ebenso gut sind wie Sie, sondern dass es überhaupt irgendwo das vollkommen Gute gibt; denn das wird in der Masse gären (15).

Es gibt Tausende, die im Prinzip gegen die Sklaverei und gegen den Krieg sind, die aber effektiv nichts tun, um beidem ein Ende zu bereiten; die sich als Kinder Washingtons und Franklins betrachten, sich aber mit den Händen in den Taschen hinsetzen und sagen, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen ― und sie tun nichts.

Sie lassen sogar die Sache der Freiheit hinter die Frage des Freihandels zurücktreten und lesen nach dem Abendessen in aller Ruhe erst die Tageskurse, dann die neuesten Meldungen aus Mexiko ― und schlafen vielleicht über beidem ein.

Wie hoch steht heute wohl der Tageskurs für einen Ehrenmann und Patrioten? Sie zögern, sie bedauern und manchmal unterschreiben sie Petitionen; aber sie tun nichts Ernsthaftes, was eine Wirkung hätte.

Sie, die Wohlwollenden, warten darauf, dass andere das Übel abwenden, damit sie es nicht länger bedauern müssen.

Meist opfern sie nur ihre billige Wählerstimme, und wünschen mit einer gelangweilten Miene der Gerechtigkeit viel Glück, während sie an ihnen vorbeigeht. Es kommen neunhundertneunundneunzig Tugendwächter auf einen tugendhaften Mann. Aber es ist einfacher, mit dem wahren Besitzer einer Sache umzugehen als mit dem zeitweiligen Verwalter der Sache.

Die Unmoral der Wahlen

12 Alle Wahlen sind eine Art Spiel, wie Dame oder Backgammon, mit einem leichten Hauch von Moral, ein Spiel um Richtig und Falsch; und Wetten gehören natürlich dazu. Nur die Persönlichkeit des Wählers bleibt außen vor.

Ich gebe meine Stimme möglicherweise so ab, wie ich es für richtig halte; aber es ist mir nicht wichtig, ob sich das Richtige durchsetzt. Dies überlasse ich gern der Mehrheit. Deren Verpflichtung geht daher nie über die der Zweckdienlichkeit hinaus. Selbst für das Rechte zu stimmen, bedeutet nicht, etwas dafür zu tun. Anderen gegenüber zeigt es nur den schwachen Wunsch, dass es geschehen möge.

Ein weiser Mann wird Gerechtigkeit weder der Gnade des Zufalls überlassen noch wird er wünschen, dass sie durch die Macht der Mehrheit durchgesetzt wird. Nur wenig Tugend liegt in den Handlungen von Menschenmassen.

Würde die Mehrheit endlich für die Abschaffung der Sklaverei stimmen, dann deshalb, weil ihr die Sklaverei gleichgültig ist oder weil es kaum noch Sklaverei gibt, die durch ihre Stimme abgeschafft werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt werden sie dann die einzigen Sklaven sein. Nur die Stimme dessen kann die Abschaffung der Sklaverei beschleunigen, der sie als Stimme für seine eigene Freiheit versteht.

13 Ich höre von einem Konvent, der in Baltimore (16) oder anderswo zur Wahl eines Präsidentschaftskandidaten abgehalten werden soll, an dem hauptsächlich einflussreiche Männer und Berufspolitiker teilnehmen. Dabei denke ich mir: Was bedeutet einem unabhängigen, intelligenten und achtbaren Mann die Entscheidung, die sie treffen werden? Sollten wir nicht auch von seiner Weisheit und Ehrlichkeit profitieren? Können wir uns nicht auf unabhängige Stimmen verlassen? Gibt es denn nicht viele Menschen in diesem Land, die nicht an einem Konvent teilnehmen?

Aber nein: Ich stelle fest, dass der erwähnte ehrbare Mann sofort seine bisherige Haltung ändert und an seinem Land verzweifelt, wo doch sein Land mehr Gründe hat, an ihm zu verzweifeln. Er akzeptiert sofort den einen ausgewählten Kandidaten als den einzig verfügbaren und beweist damit, dass er selbst verfügbar für jeden Zweck der Demagogen verfügbar. Seine Stimme ist nicht mehr wert als die eines prinzipienlosen Fremdlings oder eines gekauften Einheimischen. Ja, ein Mann, der wirklich ein Mann ist, hat ein einem Rückgrat, durch das du — wie mein Nachbar es sagt — deine Hand nicht durchschieben kannst!

Mit unserer Statistik stimmt etwas nicht: Die Bevölkerungszahl ist zu hoch angegeben. Wie viele Männer gibt es in diesem Land auf 1.000 Quadratmeilen? Kaum einen.
Bietet Amerika keinen Anreiz für Männer, sich hier anzusiedeln?

Der Amerikaner ist zu einem Odd Fellow (17) verkommen, der für seinen Sinn für Geselligkeit bekannt ist, dem es aber an Intellekt und fröhlichem Selbstvertrauen mangelt. Seine erste und einzige Sorge beim Eintritt in der Welt ist, dass die Armenhäuser in einem guten Zustand sind. Noch bevor er rechtmäßig Männerkleidung angelegt hat, sammelt er für zukünftige Witwen und Waisen. Kurz: Er wagt es, nur mithilfe der Versicherungsgesellschaft zu leben, die versprochen hat, ihn anständig zu beerdigen.

Die Frage von Moral und Gewissen

14 Es ist selbstverständlich nicht die Pflicht eines Menschen, sich der Ausrottung eines Übel zu widmen, sei es noch so eklatant. Möglicherweise hat er noch andere Anliegen, die ihn zu Recht beschäftigen. Aber es ist seine Pflicht, seine Hände vom Übel reinzuwaschen. Auch wenn er keinen Gedanken mehr daran verschwenden möchte, sollte er es wenigstens nicht aktiv unterstützen.

Widme ich mich anderen Bestrebungen und Betrachtungen, muss ich zumindest dafür sorgen, dass ich diese nicht auf dem Rücken anderer austrage. Ich muss anderen ihre Freiheit geben, damit auch sie ihren eigenen Betrachtungen nachgehen können. Aber sehen Sie, welche grobe Inkonsequenz hingenommen wird. Da hörte ich einige meiner Mitbürger sagen:

„Sollen sie nur kommen und mir befehlen, einen Aufstand der Sklaven niederzuschlagen oder gegen Mexiko zu marschieren! Dann werdet ihr sehen, dass ich mich weigere.“

Und doch haben genau diese Männer ― direkt durch ihre Loyalität und indirekt zumindest durch ihr Geld ― einen Ersatz geschaffen.

Dem Soldaten, der sich weigert, in einem ungerechten Krieg zu ziehen, applaudieren diejenigen, die sich nicht weigern, die ungerechte Regierung zu unterstützten, welche den Krieg führt. Ihm applaudieren jene, deren eigene Handlung und Autorität er missachtet und in den Wind schlägt. Als wäre der Staat reumütig genug, dass er jemanden anheuert, um ihn zu geißeln, während er sündigt, aber nicht in dem Maße, dass er für einen Moment aufhört zu sündigen.

So werden wir alle, im Namen von Recht und Ordnung dazu gebracht, unserer eigenen Niedertracht zu huldigen und zu fördern. Nach dem ersten Erröten über die Sünde kommt die Gleichgültigkeit. Die Unmoral wird sozusagen zur Amoral, und das ist nicht ganz unnütz bei dem Leben, das wir uns eingerichtet haben.

15 Der weitreichendste und am weitesten verbreitete Irrtum erfordert die selbstloseste Tugend, um ihn aufrechtzuerhalten. Der leichten Täuschung, der die Tugend des Patriotismus gemeinhin ausgesetzt ist, verfallen gerade die Edlen außerordentlich leicht. Jene, die zwar die Form und die Maßnahmen einer Regierung missbilligen, ihr aber aus Loyalität Rückhalt geben, sind zweifellos ihre gewissenhaftesten Unterstützer ― und eben deshalb die gravierendsten Hindernisse für jede Art von Reform.

Einige fordern in Petitionen vom Staat, er möge die Union auflösen (18) und sich über die Forderungen des Präsidenten hinwegsetzen. Warum lösen sie sie nicht selbst auf — die Union zwischen sich und dem Staat — etwa indem sie sich weigern, ihre Steuern an die Staatskasse zu zahlen? Stehen sie nicht im gleichen Verhältnis zum Staat, in dem der Staat zur Union steht? Und haben nicht die gleichen Gründe den Staat daran gehindert, sich der Union zu widersetzen, die sie selbst daran gehindert haben, sich dem Staat zu widersetzen?

Vom Wesen des Revolutionären

16 Wie kann ein Mensch damit zufrieden sein, eine Meinung lediglich zu haben, und das genießen? Ist es Genuss für ihn, wenn er der Meinung ist, schwer geschädigt worden zu sein? Wenn Ihr Nachbar Sie auch nur um einen einzigen Dollar betrogen hat, geben Sie sich nicht mit dem Wissen zufrieden, dass Sie betrogen worden sind, oder damit zu sagen, dass Sie betrogen wurden, oder damit, ihn gar zu bitten, Ihnen Ihr Geld wiederzugeben. Stattdessen unternehmen Sie sofort wirksame Schritte, um den vollen Betrag zurückzukommen, und sorgen dafür, dass Sie nie wieder betrogen werden.

Wer nach Grundsätzen handelt, diese als Recht wahrnimmt und sie in Taten umsetzt, verändert die Dinge und die Verhältnisse; dies ist das Wesen des Revolutionären, es gibt sich mit den vergangenen Zuständen zufrieden. Es trennt nicht nur Staaten und Kirchen, es spaltet Familien; ja, es spaltet das Individuum, indem es das Diabolische in ihm vom Göttlichen scheidet.

17 Ungerechte Gesetze existieren. Sollen wir uns damit begnügen, sie zu befolgen. Oder sollen wir danach streben, sie zu ändern und ihnen zu gehorchen, bis wir Erfolg haben? Oder sollen wir sie sofort übertreten? Im Allgemeinen denken die Menschen unter einer solchen Regierung wie dieser, dass sie warten sollten, bis sie die Mehrheit davon überzeugt haben, sie zu ändern. Sie sind der Meinung, dass, wenn sie sich widersetzen würden, die Vergeltung schlimmer wäre als das Übel.

Aber es ist die Schuld der Regierung, dass die Vergeltung schlimmer ist als das Übel. Sie macht sie schlimmer. Warum ist sie nicht in der Lage, Reformen vorherzusehen und einzuleiten? Warum schätzt sie ihre weise Minderheit nicht? Warum schreit sie und leistet Widerstand, bevor es wehtut? Warum ermutigt sie ihre Bürger nicht, ihre Fehler auszuräumen und es besser zu machen, als sie es getan hätte? Warum kreuzigt sie Christus erneut, warum exkommuniziert aufs neue Kopernikus und Luther, warum erklärt sie noch immer George Washington und Benjamin Franklin zu Rebellen?

Als Sand im Getriebe

18 Man sollte meinen, dass eine bewusste und praktische Ablehnung ihrer Autorität das einzige Delikt ist, das von der Regierung nie in Betracht gezogen wurde, Warum sonst hat sie dafür nicht eine eindeutige, passende und verhältnismäßige Strafe vorgesehen? Weigert sich ein Mann ohne Vermögen nur einmal, neun Schillinge für den Staat zu verdienen, wird er nach jedem Gesetz, das ich kenne, für eine unbestimmte Zeit ins Gefängnis gesteckt ― und zwar nur nach dem Ermessen derer, die ihn dorthin gebracht haben. Sollte er aber neunzig mal neun Schillinge vom Staat stehlen, darf er bald wieder auf freiem Fuß sein.

19 Wenn die Ungerechtigkeit eine unvermeidliche Folge der notwendigen Reibung der Regierungsmaschine ist, lassen Sie sie gut sein: Vielleicht wird sie sich glatt abnutzen — mit Sicherheit wird sich die Maschine verschleißen.

Hat die Ungerechtigkeit eine Quelle, etwa eine Rolle oder ein Seil oder eine Kurbel, dann müssen Sie sich überlegen, ob Abhilfe nicht schlimmer ist als das Übel selbst.

Aber wenn ungerechtes Gesetz derart ist, dass es von Ihnen verlangt, zum Werkzeug des Unrechts gegenüber einem anderen zu werden, dann, sage ich: Brechen Sie das Gesetz!

Gestalten Sie Ihr Leben als Gegenreibung, um die Maschine aufzuhalten. Was ich auf jeden Fall tun muss, ist darauf zu achten, dass ich mich nicht dem Unrecht hingebe, das ich verurteile.

20 Was die Wege angeht, die der Staat zur Behebung des Übels anbietet, so weiß ich nichts von solchen Auswegen. Sie benötigen viel Zeit und das Leben eines Menschen ist kurz. Ich muss mich um andere Angelegenheiten kümmern. Nicht deswegen bin ich in diese Welt gekommen, um sie zu einem lebenswerten Ort zu machen, sondern um in ihr zu leben, sei sie gut oder schlecht.

Ein Mensch kann nicht alles tun, sondern nur weniges; und weil er nicht alles tun kann, ist es nicht notwendig, dass er etwas Falsches tut. Meine Aufgabe ist es nicht, dem Gouverneur oder der Legislative Petitionen zu schreiben, ebenso wenig wie es ihre Aufgabe ist, mir welche zu schreiben; und wenn sie meine Bitte nicht hören wollten, was sollte ich dann tun?

Für diesen Fall hat der Staat keinen Ausweg vorgesehen: Seine Verfassung beinhaltet selbst das Übel. Das mag hart und störrisch und unversöhnlich klingen; aber es bedeutet, den Geist, der es würdigen kann und es verdient, mit äußerster Freundlichkeit und Überlegung zu behandeln. Alle Veränderungen zum Besseren erschüttern den Körper, ebenso wie Geburt und Tod.

Ein Mann, eine Mehrheit

21 Ich zögere nicht, zu sagen, dass diejenigen, die sich selbst Abolitionisten (19) nennen, der Regierung von Massachusetts sofort ihre Unterstützung, sowohl persönlich als auch materiell, wirksam entziehen und nicht warten sollten, bis sie die Mehrheit von einer Stimme besitzen, um das Recht zu haben, ihre Ziele durchzusetzen. Ich denke, es reicht, wenn sie Gott auf ihrer Seite haben, auf die anderen müssen sie nicht warten. Obendrein stellt jeder Mensch, der sich stärker als seine Nachbarn für das Richtige einsetzt, bereits eine Mehrheit von einer Stimme dar.

22 Ich begegne dieser amerikanischen Regierung oder ihres Repräsentanten, der Regierung des Bundesstaates, unmittelbar und von Angesicht zu Angesicht einmal im Jahr — und nicht öfter — in der Person ihres Steuereintreibers. Das ist die einzige Art und Weise, auf die ein Mann ihr notwendigerweise begegnet; und sogleich sagt sie dann unmissverständlich: Erkenne mich an!

Die einfachste, wirksamste und bei der gegenwärtigen Lage der Dinge die notwendigste Art mit ihr umzugehen, die fehlende Zufriedenheit mit und die Liebe zu ihr auszudrücken, ist, sie dann zu leugnen.

Mein bürgerlicher Nachbar, der Steuereintreiber, ist genau der Mann, mit dem ich es zu tun habe — schließlich streite ich mit Menschen und nicht mit Pergament — und er hat sich freiwillig entschieden, ein Vertreter der Regierung zu sein.

Wie soll er je wirklich wissen, was er ist und was er als Regierungsbeamter oder als ein Mann tut, bis er gezwungen wird abzuwägen, ob er mich, seinen Nachbarn, den er respektiert, als Nachbarn und wohl gesonnenen Mann oder als Verrückten und Störer der öffentlichen Ordnung behandeln soll, und selbst sieht, ob er diese Störung der guten Nachbarschaft ohne einen unhöflicheren und unüberlegten Gedanken oder eine seiner Handlung entsprechenden Rede überwinden kann.

Ich bin mir sicher, dass, wenn tausend, wenn hundert, wenn zehn Männer, die ich nennen könnte — wenn nur zehn rechtschaffene Männer —, ja, selbst wenn nur ein einziger rechtschaffener Mann in diesem Bundesstaat Massachusetts aufhört, Sklaven zu halten, sich tatsächlich aus dieser Teilhaberschaft zurückziehen und sich dafür ins Bezirksgefängnis einsperren ließe, es die Abschaffung der Sklaverei in Amerika bedeuten würde. Denn es spielt keine Rolle, wie klein der Anfang zu sein scheint: Was einmal gutgetan wurde, ist für die Ewigkeit getan. Aber wir reden lieber darüber; das sagen wir, sei unsere Mission. Die Reform hält viele Dutzende von Zeitungen zu ihren Diensten, aber nicht einen einzigen Mann.

Wenn mein geschätzter Nachbar, der Botschafter des Staates (20), der seine Tage einer Einigung in der Frage der Menschenrechte in der Ratskammer widmet, nicht mit den Gefängnissen von Carolina bedroht wäre, sondern in Massachusetts einsitzen müsste, jenem Staat, der so bestrebt ist, die Sünde der Sklaverei seinem Schwesterstaat anzuhängen — obwohl er derzeit nur einen Akt der Ungastlichkeit als Grund für einen Streit mit ihm vorzubringen hat —, würde die Legislative dieses Thema im folgenden Winter nicht ganz ausklammern.

Die Definition einer friedlichen Revolution

23 Unter einer Regierung, die irgend jemanden zu Unrecht einsperrt, ist das Gefängnis der angemessene Ort für einen gerechten Menschen.

Der richtige Ort heute, der einzige Ort, den Massachusetts für seine freieren und unverzagteren Geister vorgesehen hat, ist in seinen Gefängnissen, ausgesperrt von Staats wegen, wie sie sich bereits durch ihre eigenen Prinzipien schon selbst ausgeschlossen haben.

Dort sollte der geflohene Sklaven, der mexikanische Gefangenen auf Bewährung und der Indianer, der das seinem Volk angetane Unrecht anklagt, zu finden sein; auf diesem abgesonderten, aber freieren und ehrbareren Boden, wo der Staat diejenigen unterbringt, die nicht für ihn, sondern gegen ihn sind — dem einzigen Haus in einem Sklavenstaat, in dem ein freier Mann mit Ehre verweilen kann.

Wer meint, dass der Einfluss der Männer dort verloren ginge und ihre Stimme nicht mehr das Ohr des Staates plagen könnte, dass sie innerhalb dieser Mauern nicht länger seine Feinde wären, der weiß nicht, um wie viel stärker die Wahrheit ist als das Unrecht und wie viel wortgewandter und wirksamer der gegen die Ungerechtigkeit vorgehen kann, die er ein wenig an sich selbst erfahren hat.

Geben Sie Ihrer Stimme ihr ganzes Gewicht, nicht nur auf einem Streifen Papier, sondern mit Ihrem ganzen Einfluss!

Die Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie sich mit ihrem ganzen Gewicht einbringt.

Wird der Staat vor die Wahl gestellt, entweder alle gerechten Menschen ins Gefängnis zu stecken oder Krieg und Sklaverei aufzugeben, wird er nicht zögern, sich zu entscheiden. Würden tausend Menschen in diesem Jahr ihre Steuern nicht bezahlen, so wäre das kein gewalttätige und blutiger Akt wie das Zahlen der Steuern, die den Staat in die Lage versetzt, Gewalt zu begehen und unschuldiges Blut zu vergießen. Dies ist in der Tat die Definition einer friedfertigen Revolution, wenn eine solche überhaupt möglich ist.

Fragt mich — wie es vorkam — der Steuereinnehmer oder ein anderer Beamter: „Aber was soll ich jetzt tun?“, dann ist meine Antwort: „Wenn Sie wirklich etwas tun wollen, legen Sie Ihr Amt nieder!“

Wenn der Untertan die Treue verweigert und der Beamte sein Amt niedergelegt hat, dann ist die Revolution vollendet.

Aber selbst wenn Blut fließen sollte. Ist es nicht auch eine Art von Blutvergießen, wenn das Gewissen verwundet ist? Durch diese Wunde fließt die wahre Menschlichkeit und Unsterblichkeit eines Menschen, und er verblutet bis zu einem immerwährenden Tod. Ich sehe dieses Blut jetzt fließen.

Reichtum macht unmoralisch

24 Ich habe eher über die Inhaftierung des Täters als über die Beschlagnahme seiner Güter nachgedacht — obwohl beides dem gleichen Zweck dient — weil diejenigen, die das Recht am unverfälschlichsten behaupten und folglich dem verdorbenen Staat besonders gefährlich sind, im Allgemeinen nicht viel Zeit mit der Anhäufung von Eigentum verbracht haben. Solchen leistet der Staat vergleichsweise wenig Dienste und schon eine kleine Steuer erscheint übergroß, besonders wenn sie durch zusätzliche Arbeit mit den eigenen Händen aufgebracht werden muss. Gäbe es einen, der gänzlich ohne den Einsatz von Geld lebte, würde wohl selbst der Staat zögern, es von ihm zu verlangen.

Aber der Reiche — ohne persönlicher Vergleiche anstellen zu wollen — wird immer an denjenigen verkaufen, der ihn reich macht. Generell gesprochen: Je mehr Geld, desto weniger Tugend, denn das Geld tritt zwischen den Mann und seine Ziele und erwirbt sie für ihn, und es war sicherlich keine große Tugend, es zu erhalten. Geld beschwichtigt viele Fragen, die andernfalls Antworten verlangen; während die einzige neue Frage, die es aufwirft, die so schwere wie überflüssige ist, wie es ausgegeben werden soll. So wird dem Reichen der moralische Boden unter den Füßen weggezogen.

Die Möglichkeiten der Art zu leben werden in dem Maße geringer, wie die sogenannten Mittel erhöht werden. Das Beste, was ein Mensch für seine Lebensart tun kann, wenn er reich ist, ist danach zu streben, die Vorstellungen zu verwirklichen, die er hegte, als er arm war.

Christus gab den Häschern Herodes die entsprechende Antwort (21): „Zeigt mir das Steuergeld“, sagte er — und einer nahm einen Penny aus seiner Tasche — „Wenn ihr Geld nutzt, das das Bildnis des Kaisers trägt und welchem er Gültigkeit und Wert verleiht, also, wenn ihr Männer des Staates seid und gerne die Vorteile der kaiserlichen Regierung genießt, dann zahlt ihm etwas von dem Seinen zurück, wenn er es verlangt. Gebt also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

Damit ließ er sie nicht klüger zurück, als sie vorher waren, denn sie wollten ihn nicht verstehen.

 

Dieses Werk ist auf Rubikon am 13.02.2021 unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Dort sind auch weitere Informationen und die Quellenangaben nachlesbar. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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