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Januar 8, 2023

Krieg in der Ukraine – aktuelle alternative Sichtweisen

Der Krieg in der Ukraine dauert an. Nach offizieller westlicher Sicht, gewinnt die Ukraine. Welche alternativen Sichtweisen gibt es dazu?

Krieg in der Ukraine wird aktuell weiter vom Westen unterstützt

"Die US-Regierung stellt der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffskriegs weitere milliardenschwere Militärhilfen zur Verfügung. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, sagte am Freitag in Washington, das neue Paket für Kiew habe einen Umfang von etwa drei Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) und sei das bislang größte Einzelpaket dieser Art." (berliner-zeitung.de, 06.01.2023)
Wie die USA unterstützen auch deren "Bündnispartner" weiterhin die Ukraine mit dem Ziel, Russland zumindest zu schwächen.
"Die Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP), machen sich laut einem Vorabbericht der Funke Mediengruppe nach der deutschen Zusage der Ukraine Marder-Schützenpanzer zu liefern, auch für die Lieferung deutscher Kampfpanzer vom Typ Leopard stark. 'Wir sollten alles tun und liefern, was möglich ist. Dazu gehören auch Leopard-Panzer', so Göring-Eckart in dem Vorabbericht." (zdf.de, 08.01.2023)
Nach Angaben der Bundesregierung beträgt der Gesamtwert der Lieferungen von Rüstungsgütern aus Deutschland in die Ukraine über zwei Milliarden Euro:
"Der Gesamtwert der im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis zum 2. Januar 2023 von der Bundesregierung erteilten Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern beträgt 2.245.303.401 Euro Euro.
Kann damit der Krieg beendet werden, zumindest früher beendet werden? Anlässlich des Jahreswechsels gab es auch mehrere Positionen von westlichen Militärexperten dazu, die nicht mit der offiziellen Sicht übereinstimmen. Darüber berichten aber westlichen Leitmedien nicht. Hier eine kleine Auswahl:

Scott Ritter über die "Zeitenwende 2022"

Scott Ritter gilt als einer der bekanntesten Kritiker der US-Außenpolitik gegenüber Russland. Als ehemaliger Nachrichtenoffizier des US Marine Corps kennt Scott Ritter die Kriege seiner Regierung wie kein Zweiter, und als Waffeninspekteur der Vereinten Nationen für die UNSCOM-Mission im Irak kennt er auch auch die Lügen, die Washington im Vorfeld der Irak-Invasion 2003 verbreitet hat. Mehrfach hat er auch die deutschen Bürger vor den politischen, wirtschaftichen und militärischen Risiken gewarnt, die aus der der Bundesregierung Unterstützung der Ukraine folgen. Hier seine Sicht auf die aktuelle Situation im Krieg in der Ukraine und seine Sicht für 2023:

Jacques Baud: Suche nach Frieden in der Ukraine?

Auch über Analysen des Ukraine-Krieges vom ehemaligen Schweizer Geheimdienst-Offizier Jacques Baud wurde schon mehrfach auf diesem Blog berichtet. Die Schweizer Zeitung "Zeitgeschehen im Fokus" veröffentlichte amm 02.12.2022 einen Beitrag von Jacques Baud unter dem Titel "Suche nach Frieden in der Ukraine?"". Darin kritisiert er anfangs besonders die Scheinheiligkeit zur Entstehung des Krieges.
"Wenn es unseren Diplomaten und Medien wirklich darum gegangen wäre, einen Krieg in der Ukraine zu verhindern, hätten sie die Missachtung des Status der Krim im Jahr 1995 durch die Ukraine angeprangert; sie hätten den Staatsstreich von 2014 verurteilt; sie hätten die Diskriminierung der russisch-, ungarisch- und rumänischsprachigen Minderheiten durch die nicht gewählten ukrainischen Behörden im Jahr 2014 verurteilt; sie hätten seit 2014 die Ukraine dazu gedrängt, ihren Verpflichtungen aus den Minsker Vereinbarungen nachzukommen; sie hätten ein wenig Mitgefühl für die russischsprachigen ukrainischen Zivilisten im Donbas gezeigt, die seit 2014 von ihrer eigenen Regierung bekämpft wurden; sie hätten die internationale Öffentlichkeit vor den Übergriffen der Neonazi-Milizen auf Zivilisten im Donbas gewarnt; sie hätten im Februar3 und dann im August 2021 die Schliessung der ukrainischen Oppositionsmedien verurteilt, die sich anschickten, die internationale Gemeinschaft auf die im März beschlossene Vorbereitung einer Offensive in der Südukraine aufmerksam zu machen; sie hätten den ukrainischen Artilleriebeschuss der Zivilbevölkerung im Donbas Mitte Februar 2022 verurteilt; sie hätten das Verbot von Oppositionsparteien in der Ukraine im Jahr 2022 verurteilt."
Im Weiteren setzt er sich mit verschiedenen Narrativen zu diesem Krieg auseinander. Anhand des Beschusses des Donbass durch die Ukraine und der ukrainischen Cyberaktivitäten seit Februar 2022 belegt er, dass dieser Krieg systematisch vorbereitet wurde, wie auch Angela Merkel gegenüber dem SPIEGEL und der ZEIT eingestanden hat. Die Folgen dieser Politik reichten weit über die Ukraine und Russland hinaus.

"Die Unfähigkeit der europäischen Diplomatie, sich anders als durch Waffenlieferungen und Sanktionen durchzusetzen, unsere unterschiedliche Behandlung dieses Konflikts im Vergleich zu früheren Konflikten und die herablassenden Botschaften gegenüber Afrika haben den alten Kontinent diskreditiert und Eurasien, dessen Hauptakteure China, Indien und Russland sind, neues Leben eingehaucht."

(Siehe auch: "Der Westen hat ein gewaltiges Interesse am Krieg")

Michael von der Schulenburg über Chancen für Frieden in der Ukraine

Michael von der Schulenburg ist ehemaliger stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, arbeitete über 34 Jahre für die UNO und die OSZE unter anderem in Haiti, Afghanistan, Pakistan, Iran, Iraq, Syrien, auf dem Balkan, in Somalia und Sierra Leone. Er halt als Diplomat über 30 Jahre Erfahrung in verschiedenen Kriesengebieten gesammelt. Auf dem Kassler Friedensratschlag am 11.12.2022 referierte er zur Frage: "Welche Chancen gibt es für einen Frieden in der Ukraine?" Seine Erkenntnis:
"Der Krieg in der Ukraine ist das Resultat eines Versuches der USA, nach dem Ende des Kalten Krieges in Europa eine Sicherheitsordnung über die von ihr dominierte Nato und unter Ausschluss Russlands aufzubauen. Dabei spielten für die USA Bedenken über die Sicherheit Europas kaum eine Rolle. Es ging und geht fast ausschließlich um das geostrategische Ziel der USA, ihre nach dem Ende des Kalten Krieges gewonnene Position der allein dominierenden globalen Großmacht zu erhalten."
Für von der Schulenburg ist der Krieg in der Ukraine "eine Schande für Europa und ganz besonders für die EU", denn die EU tat nichts, "um eine diplomatische Lösung zu finden und so den Krieg zu verhindern. Die EU degradierte sich zum willigen Mitläufer der USA und wurde dadurch zum Mitschuldigen an diesem Krieg." Im Gegensatz zu unseren Politikern, Medien und derzeit etwa der Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung sieht er in noch mehr Waffenlieferungen an die Ukraine keine Chance für einen baldigen Frieden.
"Es müsste doch einen anderen Weg zu einem Frieden geben können. Den kann es aber nur geben, wenn wir aufhören zu glauben, dass nur Waffen oder die Annexion fremder Landesteile einen Frieden bringen können, wenn wir akzeptieren, dass die Welt nicht nur dem Westen gehört, es keine alleinige Weltmacht USA geben wird und die Ausweitung der Nato nicht zur Stabilität in Europa beiträgt. Da Staaten hier versagen, kann nur eine erstarkende Friedensbewegung von Lissabon bis Wladiwostok etwas erreichen. Nur gibt es diese Friedensbewegung nicht – zumindest jetzt noch nicht."

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Ihr Thomas Schulze