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August 16, 2026

USA müssen Mittleren Osten verlassen – eine halbe Abrechnung

Die USA müssen ihre Stützpunkte im Mittleren Osten aufgeben – fordert Michael Fuchs, ein Vertreter des Establishments, in Foreign Affairs.

USA müssen den Mittleren Osten verlassen

„America Must Let Go of the Middle East“ – Eine halbe Abrechnung

Michael Fuchs ist Autor eines bemerkenswerten Artikels, der am 06. 08. 2026 auf Foreign Affairs erschien. Der Autor ist ehemaliger Special Assistant unter Biden und heutiger Direktor der Open Society Foundations des amerikanischen Milliardärs George Soros. In seinem Artikel ruft er zum vollständigen Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten auf. Vor wenigen Jahren wäre eine solche Forderung in den elitären Zirkeln der US-Außenpolitik noch als Verrat aufgenommen worden. Die Diagnose im Artikel erscheint schonungslos: Der Iran-Krieg sei eine "epische Katastrophe", die USA hätten "völkerrechtswidrig" (!) gehandelt, die Militärpräsenz habe "zu Instabilität und Zerstörung beigetragen". Fuchs zitiert UN-Ermittler, die israelische Handlungen in Gaza als "Völkermord" einstufen, und spricht von einer US-Politik, die autokratische Regime gestützt, den Krieg im Jemen ermöglicht und sich im Sudan "an Handlungen beteiligt hat, die Völkermord darstellen".

Fuchs nennt Fakten der US-Kriegspolitik, die im Westen offiziell kaum wahrgenommen werden

Die Stärken des Artikels liegen in der empirischen Fundierung. Fuchs präsentiert eine beeindruckende Bestandsaufnahme der imperialen Bilanz: 8 Billionen Dollar Kriegskosten, 940.000 Tote, 38 Millionen Vertriebene, ein Militärnetz von über 40.000 Soldaten auf sieben Stützpunkten. Er zeigt, wie die militärische Präsenz sich selbst perpetuiert – jede Bedrohung dient als Argument für eine Verstärkung von Krieg und Aggression. Und er benennt den krassen Widerspruch zwischen einer Kriegselite und einer Bevölkerung, die mit 62 Prozent Mehrheit Kriegen fernbleiben will. Diese Passagen sind ein notwendiges Gegengift zur sonst in Foreign Affairs vorherrschenden Realpolitik-Rhetorik. Die Schwächen sind jedoch nicht zu übersehen. Fuchs' Abzugs-Forderung resultieren jedoch nicht aus der grundsätzlichen Ablehnung der US-Außenpolitik. Vielmehr lautet seine Argumentation: Die USA sollen sich aus dem Nahen Osten zurückziehen, um sich besser auf den Wettbewerb mit China und Russland konzentrieren zu können. Die imperialistische Ausrichtung der Außenpolitik der USA steht nicht zur Diskussion – sie wird nur anders ausgerichtet. Die Rüstungsausgaben von einer Billion Dollar mit geplanter Erhöhung um 50 Prozent werden nicht grundsätzlich infrage gestellt – sie sollen nur anders verteilt werden. Strukturelle Ursachen der US-Kriege – die Profitinteressen der Rüstungskonzerne, die Abhängigkeit von Öl, die imperiale Konkurrenzlogik* – bleiben ausgeblendet. Auch die vorgeschlagenen Lösungen sind reformistisch naiv: Militärhilfe soll an "Menschenrechtsverbesserungen" geknüpft werden, Israel soll zum Frieden mit den Palästinensern "gezwungen" werden. Dass solche Bedingungen in der Vergangenheit niemals durchgesetzt wurden und dass die israelische Regierung längst jede US-Kritik als "antisemitisch" diskreditiert, wird nicht thematisiert. Fuchs setzt auf den guten Willen des Kongresses – eine Illusion, die angesichts der milliardenschweren Lobbyarbeit der Rüstungsindustrie geradezu zynisch wirkt.

Historische Amnesie der US-Außenpolitik

Am problematischsten ist jedoch die historische Amnesie. Fuchs beginnt seine Chronologie 1990 mit dem Zweiten Golfkrieg. Doch die Spur der US-Interventionen im Nahen Osten reicht viel weiter zurück. So wurde mit der Operation Ajax der von Schah Mohammed Reza Pahlavi verfassungsmäßig ernannte und vom Parlament bestätigte Premierminister Mohammad Mossadegh 1953 gestürzt. Diese geheime Operation der us-amerikanischen CIA und des britischen MI6 ermöglichte die jahrzehntelange Ausbeutung der ölreichen Region. Die historische Verkürzung ist kein Zufall: Sie erlaubt es Fuchs, die US-Politik als eine Reihe von Fehlentscheidungen darzustellen, statt als systemische Notwendigkeit des US-Imperiums.

Fazit

Fuchs' Artikel ist ein bedeutendes Dokument – nicht weil er die Wahrheit sagt, sondern weil er einen innerimperialistischen Widerspruch offenlegt. Er zeigt, dass selbst Vertreter des Establishments die katastrophalen Folgen der US-Politik nicht mehr leugnen können. Doch seine Analyse bleibt eine halbherzige Kritik aufgrund seiner tiefen Verankerung im Umfeld des liberal-internationalistischen Flügels des US-Imperiums: Fuchs diagnostiziert die Krankheit, verschreibt aber nur ein anderes Symptommittel. Wer den Nahen Osten wirklich vom US-Imperialismus befreien will, muss nicht nur den Abzug der Truppen fordern, sondern das gesamte System der imperialistischen Ausbeutung und militärischen Dominanz überwinden. Fuchs' Artikel ist ein notwendiger, aber bei weitem nicht hinreichender Schritt auf diesem Weg. Bewertung: Inhaltlich wichtig und empirisch fundiert, aber strategisch und theoretisch unzureichend. Lesenswert für alle, die verstehen wollen, wie der US-Establishment-Liberalismus die imperiale Krise verarbeitet – weniger für jene, die nach einer wirklichen Alternative suchen und sich auch vor beruflichen Herausforderungen sehen. *Siehe dazu auch:  

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Thomas Schulze


Mit den Beiträgen will ich helfen, anhand ausgewählter Beiträge besser zu verstehen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"

Ihr Thomas Schulze